„Sicherheit ist mehr als die Abwesenheit von Gewalt“
Ursula Stark Urrestarazu (GTZ)
Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beleuchten die Verbindungen zwischen „menschlicher Sicherheit“ und den Millennium-Entwicklungszielen der UNO.
Die potentiellen Verbindungslinien zwischen dem Konzept der „menschlichen Sicherheit“ und den von der UNO für 2015 anvisierten „Millennium Development Goals“ (MDGs) standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der GTZ und des Exzellenzclusters, die am 6. Juli 2009 unter dem Motto „Sicherheit ist mehr als die Abwesenheit von Gewalt“ in Frankfurt am Main stattfand.
„Menschliche Sicherheit“ berücksichtigt im Gegensatz zu traditionellen staatszentrierten und militärisch geprägten Sicherheitsverständnissen auch den Schutz vor lebensbedrohlicher Not („freedom from want“), womit die Schnittstellen zu international vereinbarten Entwicklungszielen wie den MDGs naheliegen. Diese Verbindungen kommen auch in der Praxis verschiedener Akteure der Internationalen Zusammenarbeit zum Tragen, die das Konzept der menschlichen Sicherheit mit den MDGs zu einem übergreifenden normativen Rahmen für ihre Aktivitäten und nicht zuletzt für die Zeit „beyond 2015“ verbunden haben.
Prof. Andrew Mack (Direktor Human Security Report Project, Simon Fraser University Vancouver) gab einen Überblick über die Ergebnisse des 2005 erstmals veröffentlichten Human Security Report und die Herausforderungen umfassender Entwicklungs- und Sicherheitsverständnisse. Auf dem Podium diskutierten neben Prof. Mack auch Wolfgang Schmitt (Geschäftsführer GTZ) und Dr. Jörn Grävingholt (Senior Researcher Deutsches Institut für Entwicklungspolitik) zu den praktischen Implikationen dieser Verbindung.
So seien „menschliche Sicherheit“ bzw. ähnliche „erweiterte“ Verständnisse von Sicherheit in der Praxis alles andere unproblematisch. Zum einen bestehe das Problem, dass unter analytischen Gesichtspunkten die Vermischung von entwicklungs- und sicherheitsbezogenen Kategorien die Aussagekraft solcher Konzepte in Mitleidenschaft ziehe - ganz abgesehen davon, dass es weder flächendeckende Statistiken noch eine allgemein akzeptierte Definition von „menschlicher Sicherheit“ gebe. Zum anderen werden laut Prof. Mack die Möglichkeiten des Konzeptes der menschlichen Sicherheit nach wie vor unzureichend ausgeschöpft. Die Ursachen dafür liegen einerseits in einer mangelhaften Kommunikation zwischen den verschiedenen Politik- und Forschungsfeldern, die sich in einer starren „Silomentalität“ der Verantwortlichen äußert. Andererseits sei die Bereitschaft von sicherheitspolitischen Handlungsträgern, sich mit entwicklungspolitischen Fragestellungen zu beschäftigen, äußerst gering. Dennoch – oder gerade deswegen - habe das Konzept der menschlichen Sicherheit erhebliches Potenzial, unterschiedliche Akteure und Politikfelder einander anzunähern und zu einem integrativerem Verständnis von Sicherheit und Entwicklung beizutragen.
Weitere Informationen:
» Folien zum Vortrag von Prof. Dr. Andrew Mack „The Changing Face of Global Security“: hier (PDF)
» Hintergrundpapier zur MDG-bezogenen Forschung: hier (PDF)
» Website der UN-Millenniumskampagne (extern): hier
» Website der GTZ (extern): hier
» Website des Human Security Report Project (extern): hier



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