Woraus bestehen normative Ordnungen?
Mitarbeiter des Clusters luden zur Konferenz über Rechtfertigung und Sanktion, 23.-25. Oktober 2009
Eva Buddeberg, Achim Vesper, Lisbeth Zimmermann
Bereits auf der ersten Jahreskonferenz des Clusters entstand die Idee einer interdisziplinären Konferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Unter großer Beteiligung externer junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollte über die für jede Form normativer Ordnung zentralen Begriffe von Rechtfertigung und Sanktion nachgedacht werden. Auch wenn normativen Ordnungen die Funktion zugeschrieben werden kann, in Gesellschaften die Herrschaft sowie die Verteilung von Lebenschancen zu legitimieren, so bleibt dennoch erläuterungsbedürftig, worin normative Ordnungen bestehen.
Während einige der Ansicht sind, dass es normative Ordnungen nur verbunden mit Sanktionen geben kann, reichen nach der Meinung anderer Rechtfertigungen oder auch Rechtfertigungsnarrative für die Existenz normativer Ordnungen aus. Ziel der Nachwuchskonferenz war es, das für Herausbildung, Umsetzung und Erhaltung normativer Ordnungen zentrale Verhältnis der Begriffe von Rechtfertigung und Sanktion näher zu bestimmen. Dass dies schließlich, organisiert durch eine größere Gruppe von Cluster-Mitgliedern, in einem hochklassigen Programm mit annähernd 70 internationalen Vortragsgästen von über 30 Universitäten geschah, übertraf die Erwartungen bei weitem.
Die thematische und methodische Vielfalt des Clusters konnte man auch in den Diskussionen im Verlauf der Tagung wiederfinden. Angesichts unterschiedlicher Methoden und Perspektiven bedurfte es auch bei gemeinsamen Fragestellungen einer Annäherung zwischen den Disziplinen mit gelegentlich größerem Übersetzungsaufwand. Diesen Aufwand leisteten die Teilnehmenden jedoch sehr gerne. So ist es während der Tagung gelungen, den Cluster-internen Dialog der verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen auch in diesem Rahmen fortzusetzen. Forschungsergebnisse und Hypothesen wurden in aller Offenheit und zuweilen sehr lebhaft diskutiert. Entsprechend wurde die angenehme Stimmung der Veranstaltung von den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besonders gelobt.
In den elf thematisch verschiedenen Panels ging es zum Beispiel um die aktuell in der Philosophie vieldiskutierte Frage, ob moralische Normen unabhängig von Sanktionen existieren. Stärker politikwissenschaftlich geprägte Panels untersuchten etwa die Bedeutung politisch, rechtlich oder anderweitig institutionalisierter Beziehungen zwischen Personen für die Gerechtigkeitskonzeption oder den Einfluss von Zensur und Hegemonie als diskursiver Macht auf die Struktur normativer Rechtfertigung. Weitere Panels befassten sich mit den normativen Implikationen der aktuellen Finanzmarktkrise oder der Rolle von Sanktionsmechanismen und Rechtfertigungsprozessen bei der Konzeptionalisierung normativer Ordnungen jenseits des Nationalstaats. Darüber hinaus fanden außerhalb der Panels zwei Abendvorträge vor großem Publikum statt. Während Micha Brumlik die Gesetzeskritik des Apostel Paulus diskutierte, rekonstruierte Ursula Wolf den Sinn des moralischen Sollens auch mit Blick auf die Rolle altruistischer Interessen.
Der Besucherzuspruch und die vielen positiven Rückmeldungen haben dazu geführt, dass es auch 2010 eine Konferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs geben wird. Beschäftigen wird sie sich mit dem Thema „Normen im Konflikt“.












