Neuerscheinung

01. Oktober 2008

Gunther Teubner (Hrsg.): „Nach Jacques Derrida und Niklas Luhmann: Zur (Un-)Möglichkeit einer Gesellschaftstheorie der Gerechtigkeit“

Lucius & Lucius, Stuttgart 2008

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Die Gerechtigkeitsbegriffe von Derrida und Luhmann beanspruchen besondere Aufmerksamkeit in den aktuellen Forschungen des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, in dessen Anfangsstadium die in den Beiträgen des Buches diskutierte Fragestellung der (Un-)Möglichkeit einer Sozialtheorie der Gerechtigkeit entwickelt wurde. Offensichtlich bieten weder Derrida noch Luhmann (!) nur externe funktionalistische Erklärungsversuche. Sie gehen auch und gerade der internen Perspektive einer Gerechtigkeitssuche nach, besonders wenn sie sich auf die kritische Bruchstelle zwischen Begründung und Entscheidung konzentrieren. Die „dialektische“ Spannung innerhalb des Frankfurter Verbundprogramms baut sich an ganz anderer Stelle auf. Sowohl in systemtheoretischer als auch in dekonstruktiver Sicht kann die Frage der Gerechtigkeit gerade nicht in einem „Rechtfertigungsnarrativ“ beantwortet werden, sondern sie setzt erst dann ein, wenn die Grenzen rationaler Rechtfertigung erreicht sind. Gerechtigkeit wirkt also in dieser Sicht als ein die Begründungsrationalität transzendierendes Moment normativer Praxis. Mit Dezisionismus hat dies freilich nichts zu tun. In dekonstruktiven und systemtheoretischen Analysen erscheint Gerechtigkeit als eine konkrete Praxis der Selbstbeschreibungen des Rechts, welche die bloße Konsistenz des Rechts übersteigt und sich den Anforderungen der Rechtstranszendenz aussetzt. Damit wird gegenüber der Dualität von prozeduralen Rechtfertigungsbegriffen und substanziellen Vorstellungen vom Guten eine dritte Position der Gerechtigkeit markiert.

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