Was heißt Toleranz?
18. Mai 2010
Feridun Zaimoglu und Rainer Forst diskutieren im zweiten Frankfurter Stadtgespräch über den Umgang mit kultureller und religiöser Differenz
Zu den Hauptkennzeichen moderner Gesellschaften gehört die wachsende Vielfalt kultureller und religiöser Standpunkte. Doch mitunter sieht man sich zurückversetzt in trübe Zeiten religiöser Konfrontationen – sei es bei Diskussionen über Pläne zum Bau von Moscheen, die Regensburger Rede des Papstes, Karikaturen in dänischen Zeitungen oder Kopftücher von Lehrerinnen. Und so scheint es ganz folgerichtig, dass der ehrwürdige Begriff der Toleranz immer wieder bemüht wird, um konfliktentschärfend zu wirken.
Dabei fällt allerdings auf, dass er häufig von jeder der streitenden Parteien für sich selbst reklamiert wird. Spätestens an dieser Stelle kommt man wohl nicht mehr um die Frage herum, was genau wir unter Toleranz verstehen: Anerkennung? Duldung? Oder doch am Ende nur Anpassung?
Was heißt Toleranz? Um diese Frage geht es beim nächsten „Frankfurter Stadtgespräch“, zu dem der Exzellenzcluster in Kooperation mit dem Frankfurter Kunstverein am 27. Mai einlädt. Teilnehmer sind der türkisch-deutsche Schriftsteller Feridun Zaimoglu und Prof. Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Die Moderation hat Peter Siller, Scientific Manager des Clusters.
Feridun Zaimoglu hat sich in vielen seiner Texte mit kulturellen und religiösen Identitäten befasst. Er wurde in der Türkei geboren, ist in Deutschland aufgewachsen und erhielt erst jüngst den Jakob-Wassermann-Literaturpreis für seine Rolle als Mittler im deutsch-türkischen Dialog. Schlagartig berühmt wurde er 1995 mit dem Buch „Kanak Sprak“. Seinem rund zehn Jahre später erschienen türkisch-deutschen Familienepos „Leyla“ bescheinigte die Kritik hohen Informationsgehalt bei gleichzeitigem literarischen Anspruch. Zaimoglu, auch Träger des Jury-Preises des Bachmann-Wettbewerbs und ausgezeichnet mit dem Carl-Amery-Preis, wird mittlerweile zu den besten deutschen Schriftstellern gezählt.
Rainer Forst, wie Feridun Zaimoglu Jahrgang 1964, promovierte bei Jürgen Habermas mit einer Arbeit zu Theorien politischer und sozialer Gerechtigkeit. In seiner Habilitationsschrift widmete er sich dem Thema „Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs“. Darin verfolgt er verschiedenste Toleranz-Begründungen durch die Jahrhunderte, klopft sie auf ihre aktuelle Relevanz ab, entwickelt eine eigene Konzeption und stellt unter anderem dar, dass die Entwicklung des Toleranz-Gedankens auch eine facettenreiche Geschichte unserer selbst ist. In der politischen Philosophie gilt Forst, der auch einer der Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ ist, als einer der einflussreichsten Denker der jüngeren Generation.
Das zweite Frankfurter Stadtgespräch findet am 27. Mai 2010 im Café des Frankurter Kunstvereins, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44 statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen zum Stadtgespräch: hier












