„Justice and/or Peace?“

16. November 2010

Die dritte internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters beschäftigt sich vom 18. bis zum 20. November mit der Frage, wie Frieden und Gerechtigkeit zusammenpassen

Plakat Jahreskonferenz 2010Im Alltagsverständnis steht Frieden meist für die Abwesenheit von Unruhen oder Krieg. Gerechtigkeit wird mit Fairness und Vernunft assoziiert. Ethische und moralische Diskurse verwenden die beiden Begriffe oft in einem Atemzug, so als ob es einen inneren Zusammenhang gebe oder zumindest geben müsse. Doch ist das wirklich so? Um das Verhältnis von Frieden und Gerechtigkeit geht es bei der dritten internationalen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität.

Die Federführung der aktuellen Jahrestagung, deren Konferenzsprache Englisch ist, hat das Cluster-Forschungsfeld 3 „Transnationale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden“. Im Zentrum der insgesamt fünf aufeinander folgenden Panels unterschiedlicher Disziplinen - von der Philosophie über die Politik-, Rechts- und Geschichtswissenschaften bis zur Ethnologie - steht die Frage, wie normative Ordnungen mit dem Spannungsfeld zwischen Frieden und Gerechtigkeit umgehen. Das Spektrum der Themen reicht dabei von Untersuchungen zu Kant über Gewaltdebatten im Mittelalter und der Gegenwart bis zu konkurrierenden Vorstellungen internationaler Ordnung im Völkerrecht.

Beginnen wird die Konferenz am Donnerstag, dem 18. November, um 18.00 Uhr im Hörsaalgebäude (HZ3) auf dem Campus Westend. Den Eröffnungsvortrag hält Prof. Michael Doyle von der Columbia University zum Thema „Ethics, Law, and the Responsibility to Protect“. Mit dem Konzept Responsibility to Protect – auf Deutsch auch „Schutzverantwortung“ – wird ein neuer Ansatz in der internationalen Politik und im Völkerrecht bezeichnet, um Menschenrechtsverletzungen vorzubeugen oder ihnen entgegenzuwirken. Michael Doyle ist Harold Brown Professor of International Affairs, Law and Political Science. Er war Berater des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan. Unter dessen Nachfolger Ban Ki-moon leitet er den UN Democracy Fund, ein Programm zur weltweiten Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Die weiteren Vorträge und Diskussionen der Cluster-Jahrestagung finden am Freitag, 19. November, und am Samstag, 20. November, jeweils ab 10.00 Uhr im Festsaal des Casinogebäudes (Cas 823) auf dem Campus Westend statt.

Gleich zu Beginn der Freitags-Panels steht ein Beitrag auf dem Programm, der das Verhältnis von Frieden und Gerechtigkeit besonders gut zu illustrieren scheint. Prof. Harald Müller, Direktor der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) und Angehöriger des Clusters, spricht über „Justice and Peace: Good Things Do not Always go Together“. In der Tat können beim Streben nach Frieden wesentliche Gebote der Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben, während die Forderung nach Gerechtigkeit nicht selten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führt. Diesem Paradox geht beispielsweise auch Prof. Rainer Forst, Co-Sprecher des Clusters, nach, wenn er konstatiert, dass Frieden und Gerechtigkeit unterschiedliche normative Grundlagen haben und in seinem Vortrag „The Normative Order(s) of Justice and Peace“ nach einem verbindenden Konzept fragt.

Die Tagung umfasst insgesamt rund 20 Vorträge von Angehörigen des Clusters und internationalen Gästen. Zu den Referenten gehört auch Prof. Andreas Paulus. Der Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, insbesondere Völkerrecht an der Universität Göttingen wurde im März 2010 als Richter an das Bundesverfassungsgericht berufen. Organisiert wird die Konferenz von einem Team um Prof. Gunther Hellmann und Prof. Rainer Forst, Koordinatoren des Cluster-Forschungsfeldes „Transnationale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden“.

Weitere Informationen: hier

zurück zum Seitenanfang Drucken


Latest News

  • Normative Orders im Filmporträt

  • Aktuelles

  • Normativität und Geschichtlichkeit: Frankfurter Perspektiven II

     

     

     

     

     










    Mit zwölf Vorträgen setzt die Ringvorlesung die Veranstaltungsreihe zu Frankfurter Perspektiven auf Normativität fort. Thematisch reichen die Frankfurter historischen und ethnologischen Perspektiven vom alten Ägypten bis zur Gegenwart; geographisch umfassen sie den Blick auf Europa ebenso wie den auf Beziehungen zwischen Europa und einer als ‚außereuropäisch’ gedachten Welt oder auf postkoloniale Konstellationen. Mehr...

  • Nächste Termine

  • 16. Mai 2012, 16 Uhr c.t

    Ringvorlesung des Exzellenzclusters: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Dr. Verena Steller, Wirtschaftstheorie, Normsetzung und Herrschaft: Freihandel, „Rule of Law“ und das Recht des Kanonenboots. Mehr...

  • 23. Mai 2012, 16 Uhr c.t.

    Ringvorlesung: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Plädoyer für eine Ikonologie der Geschichtswissenschaft - Beobachtungen zur bildlichen Formierung historischen Denkens. Mehr...

  • Neueste Medien

  • Klaus Günther

    Die Normativität des Rechts
    alt

  • Philip Pettit

    Prioritizing Justice and Democracy
    alt

  • Neueste Volltexte

  • Comtesse, Dagmar (2012):

    Wissensordnung als Kritik. Die Ordnung der menschlichen Kenntnisse nach Jean d'Alembert, Normative Orders Working Paper 01/2012. Mehr...

  • Rodemeier, Susanne (2011):

    "Tradition and Monotheism in Eastern Indonesia", in: Susanne Schröter (Ed.) Christianity in Indonesia. Perspectives of Power (Reihe: Southeast Asian Modernities, Bd. 12): pp. 177-201. Berlin: Lit-Verlag. Mehr...