Normativität: Frankfurter Perspektiven

19. Oktober 2011

Die fünfte Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ findet im Wintersemester 2011/2012 statt. Im Mittelpunkt der Ringvorlesung  an der Goethe-Universität stehen die Frankfurter Perspektiven auf Normativität. Angehörige des Forschungsverbundes geben fokussierte Einblicke in ihre wissenschaftliche Arbeit. Zu den insgesamt zwölf Vorträgen der Reihe lädt der Cluster Wissenschaftler, Studierende, aber auch die interessierte Öffentlichkeit ein. Diese Reihe setzt die vielbeachtete Ringvorlesung des vergangenen Wintersemesters fort. Vor einem Jahr hatte der Cluster Philosophen aus aller Welt zum Thema „The Nature of Normativity“ eingeladen.

Das inhaltliche Spektrum der Reihe reicht von der Inszenierung eines fiktiven Gedankenaustausches zwischen Aristoteles und Kant über die Grundlagen der Moral, bei dem die Auffassungen der Philosophen kompatibler erscheinen als gemeinhin angenommen, bis zu dem Streit über den Kosmopolitismus in der politischen Philosophie der Gegenwart: Auf der einen Seite steht dabei die Idee einheitlicher globaler Institutionen mit der Vorstellung von Weltbürgertum in einem (zu schaffenden) globalen Gemeinwesen. In einer konkurrierenden Vorstellung, die ebenfalls auf institutionelle Reform zielt, werden Weltbürger als Angehörige weiterhin bestehender Einzelstaaten verstanden, und kosmopolitische Staaten sind solche, die sich für universelle Partizipation öffnen. Auch hier übrigens spielt Kant eine Rolle – als ein Vordenker des Kosmopolitismus.

In der politischen Ordnung jenseits des Nationalstaats ist die Frage von Normativität von besonderer Bedeutung, denn in einer Ordnung, die nahezu ohne externe Sanktionsmöglichkeiten oder substanzielle gemeinsame Wertvorstellungen auskommen muss, scheint die Grundlage von Normativität immer prekär. Dieses Spannungsfeld thematisiert die Ringvorlesung ebenso wie die Beobachtung, dass eine Norm durchaus „soziale Geltung“ haben kann, wenn sie in einer Gemeinschaft weitestgehend befolgt und faktisch anerkannt wird. Das heißt aber noch nicht, dass diese Norm gerecht ist oder moralische Geltung beanspruchen darf.

Die Fragen, wie man die Maßstäbe für „normativ gültige“ Normen definiert und was es mit der „rechtfertigenden Vernunft“ auf sich hat, stehen schließlich ebenfalls im Zentrum dieser Ringvorlesung, die sich dem Phänomen der Normativität aus dem Blickwinkel verschiedener, im Cluster kooperierender Disziplinen nähert – von der Philosophie über die Rechts- bis zur Politikwissenschaft. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.

Alle Vorträge finden um 18 Uhr auf dem Campus Westend statt, im Hörsaal HZ3 des Hörsaalzentrums.

Weitere Informationen: Hier...

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