Die Interdependenz von Wissensordnungen und normativen Ordnungen zeigt sich exemplarisch im Umfeld der von Diderot und d’Alembert herausgegebenen Encyclopédie. Die „enzyklopädische Ordnung“ erscheint angesichts einer von Klerus und autoritärer Regierung geprägten öffentlichen Wissenskultur als revolutionärer Entwurf eines Wissenssystems, das sowohl implizit durch seine kognitive und mediale Struktur wie explizit durch seinen Inhalt eine neue normative Ordnung der Gesellschaft zu befördern sucht. Gleichzeitig stützt sich das Projekt auf den wachsenden und zunehmend kulturelle Macht gewinnenden Bestand an wissenschaftlichem Wissen der Zeit.
Das Forschungsprojekt konzentriert sich zunächst auf die Werke Jean le Rond d'Alemberts (1717-1783) und hier insbesondere auf die im Discours Préliminaire de l’Encyclopédie (1751) angelegte und in dem Essai sur les Eléments de Philosophie (1759) entworfene Wissensordnung und ihre sozio-politischen Implikationen. Die Schriften d’Alemberts sind im deutschsprachigen Raum bislang nur vereinzelt rezipiert worden. Daher stellt die Übersetzung und kommentierte deutsche Erstausgabe des Essai sur les Eléments de Philosophie und anderer Schlüsseltexte des Untersuchungsfeldes einen weiteren Schwerpunkt der Projektarbeit dar.
Über die Epoche der Aufklärung hinaus ergibt sich die systematische Frage, welche Rolle neues Wissen in der Delegitimierung tradierter Rechtfertigungsnarrative normativer Ordnungen spielt, und wie umgekehrt Narrative der Rechtfertigung sich auf Wissen bzw. Wissensansprüche stützen können. Die Relevanz dieser Frage zeigt sich in den aktuellen normativen Konflikten überall dort, wo wissensgestützte Rechtfertigungsnarrative auf andere Narrative treffen, in welchen die betreffenden Wissensansprüche zurückgewiesen oder zumindest in ihrer Bedeutung relativiert werden. In diesem Zusammenhang wird zusammen mit Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl eine Erweiterung des Projektes insbesondere auf Forschungsreisen im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert vorbereitet, in welchen eben diese Situation eintrat.
Das Projekt kooperiert mit dem französischen Forschungsnetzwerk zur Neuedition der Œuvres complètes von Jean d’Alembert (Paris/Lyon)












