Die Untersuchungen zielen darauf, die Verzahnung der Debatten um politische Gruppenrechte mit denjenigen der zeitgenössischen Theoriedebatten um Individualrechte zu analysieren. Mit letzteren befassten sich sowohl spanisch-katholische Spätscholastiker (vor allem die Schule von Salamanca) als auch lutherische und reformierte juristisch-theologische Debatten. Es ist deshalb zu klären, ob es jenseits der sich im 16. Jahrhundert ausbildenden konfessionellen Gegensätze eine gemeinsame politische Sprache der Zeitgenossen gegeben hat. In der Untersuchung des Wandels des politischen Vokabulars kann der Wandel politischer Normen greifbar werden. Methodisch rückt die Analyse der Grammatik politischer/politisch-theologischer Sprachen in der Frühneuzeit in den Mittelpunkt; mit deren Hilfe kann sowohl die Pluralität normativer Ordnungen als auch deren Konvergenzen untersucht werden. Als Rechtfertigungsnarrative gelten Begründungsmuster, mit deren Hilfe politische Positionen oder die Gültigkeit von Wertmustern legitimiert werden sollen. Die Untersuchung von Debatten zur Legitimation politischer Herrschaft anhand von Regentenspiegeln und Landtagsprotokollen ist ein geeigneter Forschungszugang.
Der Gegensatz zwischen Partikularität und Universalität, der sich im Gegensatz zwischen universalem Herrschaftsanspruch der Monarchien und den regionalen ständischen Identitäten artikulierte, war Ausgangspunkt für die Formulierung veränderter Rechtfertigungsnarrative, die an traditionale Teilhaberechte anknüpften.
Im Forschungsprojekt werden die beiden Teilprojekte „Menschenrechte in der Frühen Neuzeit“ und „Ständisches Recht und universaler Herrschaftsanspruch in der Frühen Neuzeit“ inhaltlich zusammengeführt. Innerhalb der Clusterfelder wird eine enge Kooperation mit den Forschungen von Prof. Andreas Fahrmeir (Geschichte), Prof. Matthias Lutz-Bachmann (Philosophie) und Prof. Rainer Forst (Philosophie) praktiziert.
Im September 2009 wurden die ersten Ergebnisse in einem Arbeitsgespräch im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald (Tagungsprogramm: hier) zur Diskussion gestellt. Eine gemeinsame Publikation der Projektmitarbeiter und der Projektleiterin stellt einen ersten Abschluss des Forschungsprojektes dar.
Weitere Informationen unter www.geschichte.uni-frankfurt.de
Schriften der Projekleiterin und der Projektmitarbeiter:
Schorn-Schütte, Luise: Historische Politikforschung. Eine Einführung, München 2006.
Schorn-Schütte, Luise: Geschichte Europas in der Frühen Neuzeit. Studienhandbuch 1500-1789, Paderborn 2009.
Schorn-Schütte, Luise: Politische Kommunikation in der Frühen Neuzeit. Obrigkeitskritik im Alten Reich, Geschichte und Gesellschaft 32 (2006), Heft 3, S. 273-314.
Park, Chang Soo: Luther und die Franziskaner (=Studien zur Geschichtsforschung des Mittelalters; 7), Münster (Westfalen), Univ., Diss., 1996, Hamburg 1996.
Ptaszyński, Maciej: Duchowieństwo luterańskie w księstwach zachodnio pomorskich w latach 1560-1618. Profesjonalizacja stanu pastorskiego (Die evangelische Geistlichkeit im Herzogtum Pommern, 1560-1618. Zur Professionalisierung des Pfarrerstandes.), Dissertationsschrift, 2007.
Schwager, Therese: Die militärtheoretische Tradition im Späthumanismus. Kulturtransfer taktischer und strategischer Theorien in den Niederlanden und Frankreich (1590 bis 1660), Dissertationsschrift, 2008.












