Entstehung und Veränderung konstitutioneller Ordnungen im Vergleich

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie konstitutionelle Ordnungen durch Prozesse des Transfers entstehen. Dazu soll eine vergleichende Analyse solcher constitutional transfers durchgeführt werden, die sich auf bestimmte (Problem-)Situationen (etwa Besatzung oder postkoloniale Neugründung) und historische, kulturelle, politisch-soziale Kontexte konzentriert und, ausgehend von einem „set of initial circumstances", die Schritte der De-Kontextualisierung dort und Re-Kontextualisierung verfassungsrechtlicher Normen und Argumente (Doktrinen), Ideen und Institutionen sowie struktureller Designs in einer host situation untersucht. Im Anschluss an die Watson/Legrand-Kontroverse soll eine zwischen der These von der Möglichkeit von transplants und deren Unmöglichkeit liegende Transfer-Theorie entwickelt und durch empirische Studien valutiert, modifiziert oder falsifiziert werden.

Die Untersuchungen lassen sich von folgenden Annahmen leiten: 1. Nationale und supranationale Verfassungen sind im Geertz'schen Sinne Texte zur Erschließung der Realität und einem je spezifischen management of controversy geschuldet. 2. Constitutional transfers gehen von einer nur analytisch bestimmbaren Ausgangsituation aus, beginnen mit einem komplexen Prozess der Dekontextualisierung und enden mit einem nicht minder komplexen und riskanten Prozess der Rekontextualisierung („bricolage") in einer host-Situation. 3. Durch Transferprozesse entsteht eine global constitution als Durchgangsstation, d.h. ein Reservoir/Repertoire weltweit verfügbarer Elemente für die Konstruktion von Verfassungen, auf die die Konstrukteure von Verfassungen nach Bedarf zurückgreifen (können). 4. An Transferprozessen nicht teil haben kontextgebundene Verfassungselemente („odd details"), deren Identifizierung und Interpretation zwar schwierige Probleme aufwerfen, die aber besonders bedeutsam sind, weil sie Aufschluss geben können über historische Erfahrungen, politische Visionen und Befürchtungen, die den jeweiligen Verfassungskontext prägen.

Weiterlesen

Personen in diesem Projekt:

  • Projektleitung / Ansprechpartner
    • Frankenberg, Günter, Prof. Dr. Dr. | Profil
  • Projektmitarbeiter

 

zurück zum Seitenanfang Drucken


Latest News

  • Normative Orders im Filmporträt

  • Aktuelles

  • Normativität und Geschichtlichkeit: Frankfurter Perspektiven II

     

     

     

     

     










    Mit zwölf Vorträgen setzt die Ringvorlesung die Veranstaltungsreihe zu Frankfurter Perspektiven auf Normativität fort. Thematisch reichen die Frankfurter historischen und ethnologischen Perspektiven vom alten Ägypten bis zur Gegenwart; geographisch umfassen sie den Blick auf Europa ebenso wie den auf Beziehungen zwischen Europa und einer als ‚außereuropäisch’ gedachten Welt oder auf postkoloniale Konstellationen. Mehr...

  • Nächste Termine

  • 16. Mai 2012, 16 Uhr c.t

    Ringvorlesung des Exzellenzclusters: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Dr. Verena Steller, Wirtschaftstheorie, Normsetzung und Herrschaft: Freihandel, „Rule of Law“ und das Recht des Kanonenboots. Mehr...

  • 23. Mai 2012, 16 Uhr c.t.

    Ringvorlesung: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Plädoyer für eine Ikonologie der Geschichtswissenschaft - Beobachtungen zur bildlichen Formierung historischen Denkens. Mehr...

  • Neueste Medien

  • Klaus Günther

    Die Normativität des Rechts
    alt

  • Philip Pettit

    Prioritizing Justice and Democracy
    alt

  • Neueste Volltexte

  • Comtesse, Dagmar (2012):

    Wissensordnung als Kritik. Die Ordnung der menschlichen Kenntnisse nach Jean d'Alembert, Normative Orders Working Paper 01/2012. Mehr...

  • Rodemeier, Susanne (2011):

    "Tradition and Monotheism in Eastern Indonesia", in: Susanne Schröter (Ed.) Christianity in Indonesia. Perspectives of Power (Reihe: Southeast Asian Modernities, Bd. 12): pp. 177-201. Berlin: Lit-Verlag. Mehr...