Vor allem die Wissenschaft des öffentlichen Rechts hat dieses Phänomen staatlich-privater Koordination in jüngerer Zeit aufmerksam registriert und die damit verbundenen rechtlichen Probleme in Überlegungen zur Fortentwicklung der Rechtsdogmatik integriert. Jedoch ist regulierte Selbstregulierung nicht lediglich eine Gegenwartserscheinung. Mannigfaltige Formen der Verflechtung staatlicher Zwecksetzungen mit organisierten gesellschaftlichen Interessen lassen sich – auch in ihren rechtlichen Konturierungen – historisch beobachten. Hier setzt das Erkenntnisinteresse der Rechtsgeschichte an, die allerdings gerade auf diesem Themenfeld auf den Dialog mit anderen geschichtswissenschaftlichen Disziplinen, vor allem mit der Verwaltungsgeschichte, der Wirtschaftsgeschichte und der Geschichte der Sozialpolitik, angewiesen ist.
Das Projekt „Regulierte Selbstregulierung in rechtshistorischer Perspektive“ soll diese Problematik für das 19. und das frühe 20. Jahrhundert aufarbeiten. Im Mittelpunkt steht die Analyse der Herausbildung rechtlicher Arrangements und der diesen Prozess der Entstehung neuer bzw. der Modifikation bestehender normativer Strukturen begleitende Diskurs in Wissenschaft und Politik. Das Interesse richtet sich sowohl auf einzelne Referenzsektoren der Wirtschafts-, Sozial- und Kultuspolitik als auch auf Querschnittsfelder rechtlicher Innovationsprozesse, z.B. das Gesellschaftsrecht, das Recht kommunaler und funktioneller Selbstverwaltung und das Technikrecht.
Die hiermit verbunden Fragen werden auf zwei Tagungen erörtert, die Ergebnisse werden in Tagungsbänden dokumentiert; hinzu kommt die Erstellung einer kommentierten Quellenedition. Die Tagungen werden sich dem Thema in einem historischen Zweischritt annähern: Die erste Tagung, die vom 9. bis zum 11. Juli 2009 stattfindet, befasst sich mit der Herausbildung von Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation in Absage an Steuerungsambitionen des alten Obrigkeitsstaates, wobei sich die Aufmerksamkeit auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts konzentrieren wird. Die zweite Tagung (2010) wird sich mit dem Gestaltwandel von Selbstregulierungsformen in der Zeit des Interventionsstaates beschäftigen.
Weitere Informationen: www.mpier.uni-frankfurt.de



Clémentine Deliss und Juliane Rebentisch diskutieren im dritten Frankfurter Stadtgespräch im Frankfurter Kunstverein über die Rolle der Kunst in Politik und Gesellschaft. 






