Moralische Normen und Sanktionen
(Eva Buddeberg/Achim Vesper)
Die moralphilosophische Literatur spricht moralischen Normen allgemein einen Vorrang gegenüber Normen anderer Art zu. Dieser Vorrang manifestiert sich darin, dass sie andere Normen wie rechtliche, kulturelle oder ästhetische Normen im Konfliktfall überstimmen. Es existieren jedoch unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Frage, worauf die Autorität moralischer Normen und ihre Priorität im Vergleich zu Normen anderen Typs basieren. Generell vertreten einige Autoren die Auffassung, dass die Quelle für das moralische Sollen in einer vernünftigen Rechtfertigung besteht, während andere Autoren davon ausgehen, dass spezifische Sanktionsformen für das moralische Sollen verantwortlich sind. In der Folge ist zwischen den Autoren strittig, ob der Vorrang moralischer Normen auf einer vernunftbasierten Rechtfertigung unabhängig von Sanktionen oder einer stärkeren Sanktionierung gegenüber anderen Normen beruht.
Für Positionen, die das moralische Sollen auf Sanktionen zurückführen, ist die Unterscheidung innerer und äußerer Sanktionen zentral. Während äußere Sanktionen in Bestrafung und Belohnung durch andere bestehen, stellen Schuldgefühl oder Verlust an Selbstachtung innere Sanktionen bei Verstößen gegen moralische Normen dar. Dabei erklärt das Auftreten innerer Sanktionen das Befolgen moralischer Normen auch dann, wenn ein Verstoß nicht von anderen wahrgenommen und sanktioniert werden kann. Gegen das sanktionstheoretische Verständnis von Moral werden jedoch grundsätzliche Einwände vorgebracht. Alternativ wird die moralische Verpflichtung in einen Zusammenhang mit Eigenschaften vernünftiger Gründe gebracht. Für diese Position spricht die Beobachtung, dass moralische Forderungen nicht nur an das Gewissen, sondern auch an die Vernunft adressiert werden.
Samstag, 24.10.
IG Farben-Gebäude 254
14.00-14.45 Uhr
Julia Hermann (Florenz): Die Praxis als Quelle des moralischen Sollens
14.45-15.30 Uhr
Michael Kühler (Konstanz): „Might makes right“. Zur unzureichenden Möglichkeit, in einer Theorie sanktionskonstituierter moralischer Normativität zwischen legitimer und illegitimer Sanktionierung unterscheiden zu können
15.30-15.45 Uhr
Kaffeepause
15.45-16.30 Uhr
Norbert Anwander (Berlin): The Duality of Moral Norms. Reasons for Actions and Reasons for Sanctions
16.30-17.15 Uhr
Michael von Grundherr (München): Notwendigkeit und Nötigung: Zum Zusammenspiel von Rechtfertigung und Sanktionen
Sonntag, 25.10.
IG Farben-Gebäude 254
9.00-9.45 Uhr
Karl Christoph Reinmuth (Greifswald): Zum begrifflichen und argumentativen Zusammenhang zwischen Regeln und Sanktionen
9.45-10.30 Uhr
Frank Brosow (Mainz): Wie sanktioniert man Selbstmordattentäter?
10.30-10.45 Uhr
Kaffeepause
10.45-11.30 Uhr
Florian Zimmermann (Konstanz): Normexistenz und Normdurchsetzung
11.30-12.15 Uhr
Mario Brandhorst (Göttingen): Morality, Obligation and Reasons for Action
12.15-13.00 Uhr
Mittagspause
13.00-13.45 Uhr
Lisa Herzog (Oxford): Die Entstehung moralischer Normen in Smiths Theorie des unparteiischen Beobachters
13.45-14.30 Uhr
Otmar Kastner (Wien): Moralische Normen und ihre Rechtfertigung
14.30-14.45 Uhr
Kaffeepause
14.45-15.30 Uhr
Jan Renker (Freiburg): Normen, normative Ordnungen und ihre Geltungsgründe im lebensweltlichen Vollzug sowie in philosophischer Reflexion
15.30-16.15 Uhr
Andras Szigeti (Budapest): The Value of Responsibility












