Prozesse der Normdiffusion - Verbindung der internationalen und der lokalen Ebene

(Linda Wallbott/Lisbeth Zimmermann)

Eine rasante Entwicklung von Regulierungsmechanismen auf internationaler Ebene ist zu beobachten, die die Veränderung lokaler Regierungsprozesse zum Ziel haben. Damit üben internationale Akteure direkten Einfluss auf lokale normativen Ordnungen und Normsets aus. Jedoch sind die Unterscheidung einer internationalen und einer lokalen Ebene sowie die Richtung von Normdiffusionen nicht eindeutig: Zum Beispiel beziehen sich lokale Akteursgruppen oft auf verschiedene „genuine“ Normsets; indigene Praktiken werden lokal mit einem Bezug auf internationale Menschenrechtsnormen gerechtfertigt.

Das Panel soll Spannungen zwischen der Normformulierung, -verbreitung und -rezeption zwischen unterschiedlichen Ebenen des Regierens behandeln. Verbunden werden sollen dabei die Perspektiven auf Normdiffusion aus den Disziplinen der Politikwissenschaft bzw. der Internationale Beziehungen und der Ethnologie/Anthropologie. Während erstere vorrangig an kollektiv bindenden Normverbreitungsaktivitäten interessiert ist, blickt letztere auf Mikroprozesse der Produktion, Rezeption, Übernahme von oder dem Widerstand gegen Normen.

Der Fokus des Panel liegt auf Normdiffusion zwischen der internationalen Ebene und Ländern außerhalb der OECD-Welt: Wie können Prozesse der Normdiffusion konzeptionell gefasst werden? Wie reagieren lokale Akteure auf die Normsets, mit denen sie von internationalen Akteuren konfrontiert werden und unter welchen Umständen werden sie lokal internalisiert oder abgelehnt? In diesem Zusammenhang sind die Rolle von Sanktionen vs. Überredung und Rechtfertigung von besonderem Interesse. Existieren außerdem Bespiele von Bottom-up-Diffusion, bei der die Rollen von Normgebern und Normnehmern vertauscht sind?

Samstag, 24.10.
IG Farben-Gebäude 254


9.00-9.20 Uhr   
Katharina Glaab (Münster)/Stephan Engelkamp (Münster): „Reisrituale“ und „GM-Food“. Normdiffusion in Indien und Südostasien zwischen Mythen und diskursiven Praktiken

9.20-9.40 Uhr   
Malte Gephart (Hamburg): Herausforderungen für die Anti-Korruptionskampagne im Spannungsverhältnis zwischen internationaler und lokaler Ebene

9.40-10.00 Uhr   
Sarah Fichtner (Mainz): Education for All and All for Education – Processes of Norm Diffusion in Benin’s Primary Education Sector

10.00-10.30 Uhr   
Diskussion

10.30-10.45 Uhr   
Kaffeepause

10.45-11.05 Uhr   
Claudia Hofmann (Berlin): NGOs als Normenhändler: Die Sozialisierung nichtstaatlicher Gewaltakteure in der Konfliktbearbeitung

11.05-11.25 Uhr   
Katja Mielke (Bonn): Aufeinanderprall und Diffusion von Normen in der Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Nordostafghanistans

11.25-12.15 Uhr   
Diskussion

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