Mathematik und die Etablierung normativer Ordnungen in antiken Kulturen: Ägypten und Mesopotamien im Vergleich

In der Etablierung der normativen Ordnungen von Herrschaftssystemen in Ägypten und Mesopotamien spielte die Mathematik eine entscheidende Rolle. Zur Kontrolle der vorhandenen Ressourcen (Material und Personen) wurden mathematische Größen definiert, welche die Grundlagen der Administration in beiden Staaten schufen. Zur Verwaltung der Arbeitsleistungen von Personen wurde z.B. eine Menge des jeweiligen Arbeitsproduktes festgesetzt, die in einem bestimmten Zeitrahmen (täglich oder wöchentlich) zu erbringen war. Mathematische Aufgabentexte aus Ägypten und aus Mesopotamien, sowie Koeffizientenlisten aus Mesopotamien beschreiben die mathematischen Techniken mit denen herrschaftlich vorgegebene Arbeitsnormen mathematisch kontrollierbar gemacht wurden. Diese mathematische Kontrolle der vorgegebenen Normen ist auch aus entsprechenden administrativen Quellen zu belegen. Anhand der Untersuchung des Bezugs zwischen der Theorie (i.e. den aus den Schultexten vermittelten Prozeduren) und der Praxis dieser Umsetzung von Arbeitsnormen soll ein Einblick in die Wechselwirkungen mathematischer Ordnungen und herrschaftlicher normativer Ordnungen gewonnen werden.

Ein weiterer Aspekt dieses Projektes ist der interkulturelle Vergleich zwischen Ägypten und Mesopotamien. Die Mathematik spielte außerdem eine entscheidende Rolle in der Rechtfertigung herrschaftlicher Vorgaben, indem sie ihre „Rechtmäßigkeit“ und/oder „Gerechtigkeit“ sicherstellte. Dabei ist zwischen den beiden Kulturen, die im Zentrum dieses Projektes stehen eine grundlegend unterschiedliche Einstellung zu beobachten. Während der mesopotamische Herrscher explizit die Gerechtigkeit seiner Herrschaft durch mathematische Symbole nach außen repräsentiert, dient die Mathematik in Ägypten in erster Linie der Machtausübung durch Kontrolle.

Das Forschungsprojekt ist ein Teilprojekt des Exzellenzclusters 243 "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Forschungsfeld 2: Die Geschichtlichkeit normativer Ordnungen. Es analysiert und vergleicht die in der Etablierung von den in den normativen Vorgaben verwendeten Mathematiken und untersucht ihre jeweilige Rechtfertigung.

 

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Personen in diesem Projekt:

  • Projektleitung / Ansprechpartner
    • Warner (Imhausen), Annette, Prof. Dr. | Profil

Publikationen in diesem Projekt:

  • Warner (Imhausen), Annette; Pommerening, Tanja (2010): "From the cave into reality: Mathematics and cultures", in: Annette Imhausen, Tanja Pommerening (Hgg.): Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome and Greece. Translating Ancient Scientific Texts (Beiträge zur Altertumskunde; 286). Berlin / New York: De Gruyter 2010, S. 333-347.
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  • Warner (Imhausen), Annette; Pommerening, Tanja (2010): "Introduction: Translating ancient scientific texts." In: Annette Imhausen, Tanja Pommerening (Hg.): Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome and Greece. Translating Ancient Scientific Texts (Beiträge zur Altertumskunde; 286). Berlin / New York: De Gruyter 2010, S. 1-10.
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  • Warner (Imhausen), Annette; Pommerening, Tanja (2010): Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome, and Greece, Berlin: de Gruyter.
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  • Warner (Imhausen), Annette (2009): “Traditions and myths in the historiography of Egyptian mathematics”, in: Eleanor Robson und Jacqueline Stedall, The Oxford Handbook of the History of Mathematics, Oxford: Oxford University Press 2009
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