Zur Funktion der Kanonisierung bei der Wissensüberlieferung in Mesopotamien
Mesopotamien gehört neben Ägypten zu den ältesten Schriftkulturen. Vom Ende des 4. Jt. v.Chr. bis ins 3. Jh. n.Chr. wurden die Texte in Keilschrift aufgezeichnet. Seit der Entzifferung der Keilschrift im ausgehenden 19. Jh. ist eine große Menge wissenschaftlicher Texte aus Mesopotamien auf uns gekommen.
Diese Texte, die in Bibliotheken bzw. Archiven gesammelt wurden und hauptsächlich den Disziplinen Mathematik, Astronomie, Astrologie, Medizin und Divination angehören, bilden die Grundlage des Projektes, das sich mit Normierung bei der Überlieferung von Wissen befasst. Es soll untersucht werden, wie die Wissensüberlieferung in Mesopotamien vor sich ging und welche Instrumentarien bei der Sammlung und Weitergabe von verschriftetem Wissen eine Rolle gespielt haben. Im Mittelpunkt steht die Kanonisierung von Texten, die in der neuassyrischen Zeit, bes. im 7. Jh. v.Chr., teils als gewaltige Kompendien – z.B. divinatorischen und medizinischen Inhalts – vorliegen und deren schriftliche Vorläufer bis in die altbabylonische Zeit (19.-16. Jh. v.Chr.) zurückreichen können.
Untersucht werden die Kriterien für die Kanonisierung altorientalischer Keilschrifttexte: Inwieweit gab es eine Standardisierung der Anzahl und Reihenfolge der Tafeln und ihres Inhalts? Trugen die kanonisierten Texte spezielle Bezeichnungen? Zeichneten sie sich durch besonderes Vokabular aus?
Desweiteren wird betrachtet, welche Texte kanonisiert wurden (und welche man nicht in dieser Art und Weise fortgeführt hat). In diesem Zusammenhang ist auch die Überlieferung sumerischer und akkadischer Literatur bedeutsam. Um Rückschlüsse auf das Machtgefüge zu treffen, ist zu ermitteln, im Namen welcher Herrscher solche Werke in Auftrag gegeben wurden, an welche Institutionen die Wissensvermittlung gebunden war und wie die Experten, die die eigentliche Wissensvermittlung übernahmen, mit diesen Institutionen und dem Herrscher verbunden waren.
Das Forschungsprojekt ist ein Teilprojekt des Exzellenzclusters 243 "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Forschungsfeld 2: Die Geschichtlichkeit normativer Ordnungen.
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Personen in diesem Projekt:
- Projektleitung / Ansprechpartner
- Warner (Imhausen), Annette, Prof. Dr. | Profil
- Projektmitarbeiter
- Bawanypeck, Daliah, Dr. | Profil
Publikationen in diesem Projekt:
- Kohl, Karl-Heinz (2008): „Ein Philosoph bei den Völkern. Was bleibt von Claude Lévi-Strauss?“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.11.2008, S. 39.
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