Krise und normative Ordnung – Variationen des ‚Neoliberalismus‘ und ihre Transformation

Die Nachwuchsgruppe interessiert sich für unterschiedliche Formen des Neoliberalismus, wobei vor allem der deutsch-amerikanischen Vergleichsperspektive besondere Bedeutung zugemessen wird. Die unterschiedlichen Neoliberalismen sollen auf Subjektivierungsformen, Techniken des Regierens, diskursive Durchsetzungsstrategien und normative Leitvorstellungen hin kritisch analysiert werden. Im einzelnen handelt es sich um folgende Projekte:

Dr. Thomas Biebrichers Projekt unternimmt zunächst einen Vergleich zwischen den Vordenkern des amerikanischen Neoliberalismus (Friedman, Becker, Buchanan) sowie des deutschen Ordo-Liberalismus (Eucken, Röpke Rüstow), insbesondere um die normative Dimension der jeweiligen Theorien herauszuarbeiten.

In einem zweiten Schritt werden diesen theoretischen Programmen die tatsächlichen Neoliberalisierungsprozesse  in den USA und Deutschland gegenübergestellt, um zu klären, inwiefern sich gemäß der Vorstellungen der diskutierten Theoretiker die jeweiligen Gesellschaften als neoliberal bezeichnen ließen. Abschließend wird der Frage nachgegangen, ob sich tatsächlich im Gefolge der Wirtschafts- und Finanzkrise ein ‚Ende des Neoliberalismus‘ (Habermas) abzeichnet, bzw. woraus neoliberales Denken weiterhin seine normative Anziehungskraft zu beziehen vermag.

Greta Wagner, Soziologin M.A., untersucht in ihrer Dissertation die Deutungsmuster von KonsumtenInnen sogenanter Cognitive Enhancing Drugs. Die geplante Dissertation untersucht in einer qualitativ angelegten Studie die Bedeutungszuschreibungen derer, die ihre Konzentrationsfähigkeit und Leistungsdauer pharmakologisch zu verbessern versuchen, um in Bildungseinrichtungen und Loharbeitsverhältnissen erfolgreich zu sein. Hierbei steht die theoretische Perspektive im Zentrum, inwieweit Theorien zu neoliberalen Subjektivierungsformen eine verstehende Perspektive auf das empirische Phänomen eröffnen. Interviews werden in Deutschland und den USA geführt.

Frieder Vogelmann hat Philosophie, Mathematik und Kognitionswissenschaft studiert und 2007 in Freiburg abgeschlossen. Seine Doktorarbeit ist der Kritik von Verantwortung als einem zentralen Begriff des heutigen historischen a prioris der Politik gewidmet, die anhand einer methodologisch an Foucault orientierten Analyse von Wissens-, Macht- und Selbstregimes erarbeitet werden soll. Weitere Interessen sind die französische Philosophie des 20. Jahrhunderts, Wissenschaftstheorie und -geschichte sowie Kritische Theorie und Sozialphilosophie.

Michael Walter, Soziologe M.A., beschäftigt sich in seinem soziologischen Dissertationsprojekt mit dem (Arbeits-)Titel  „Die 'aktivierenden Bürger': Wirtschaftsethische  Normkonstruktionen marktliberaler Denkfabriken“ mit der Diskurspolitik marktliberaler 'Denkfabriken' im Kontext des gesellschafts-und wirtschaftspolitischen Deutungswandels in der Bundesrepublik Deutschland. Eine der zentralen Strategien der entsprechenden Kampagnen besteht in der Verknüpfung der von den marktliberalen Denkfabriken vertretenen wirtschaftspolitischen Positionen mit bürgerlichen Vorstellungs- und Lebenswelten, d. h. mit zivilgesellschaftlichen Werten wie Bürgerengagement, Eigenverantwortung, Kreativität etc. Durch diese Verschränkung ökonomischer und kulturell-lebensweltlicher Kategorien entstehen spezifische normative Ordnungsmodelle, die als Legitimationsstrategien und Rechtfertigungsnarrative für die angestrebten marktliberalen Wirtschaftsreformen fungieren. Diese normativen Ordnungsmodelle stehen im Fokus des Dissertationsvorhabens. Diese normativen Ordnungsmodelle stehen im Fokus des Dissertationsvorhabens, das sich in seinem theoretischen Rahmen vor allem auf Überlegungen Gramscis und Bourdieus bezieht.

Weiterlesen

Publikationen in diesem Projekt:

  • Biebricher, Thomas (2010): 'Mit Gott kann ich alles erreichen': Religion als Technik der Leistungssteigerung, in: POLAR 8, Frühjahr 2010, S. 145-150.
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  • Vogelmann, Frieder (2012): »Der Traum der Transparenz. Neue alte Betriebssysteme«, in: Christoph Bieber und Claus Leggewie (Hrsg.): Unter Piraten. Erkundungen in einer neuen politischen Arena. Bielefeld: Transcript, 101-111.
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  • Vogelmann, Frieder (2011): »Die Falle der Transparenz. Zur Problematik einer fraglosen Norm« in Leon Hempel, Susanne Krasmann und Ulrich Bröckling (Hrsg.), Sichtbarkeitsregime. Überwachung, Sicherheit und Privatheit im 21. Jahrhundert. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 71-84.
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  • Vogelmann, Frieder (2010): "Rezension von M. Foucault: Die Regierung des Selbst und der anderen", in: Zeitschrift für philosophische Forschung 64(2), S. 267-271.
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  • Wagner, Greta (forthcoming): „Ja, was könnte ich noch ändern?“ Subjektivierung weiblicher Adoleszenter. Annäherungen zwischen Psychoanalyse und Poststrukturalismus, in Markus Brunner, Jan Lohl, Rolf Pohl, Marc Schwietring und Sebastian Winter (Hg.): „Politische Psychologie heute? Perspektiven – Themen – Theorien“, Psychosozial-Verlag, Gießen 2011.
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  • Wagner, Greta (2010): Leistung aus Leidenschaft. Zum sozialen Umgang mit Cognitive Enhancement, in polar. Politik – Theorie – Alltag, Nr. 8, Campus Frankfurt.
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  • Wagner, Greta (2010): Neuro-Enhancement. Queere Intervention?, in Prager Frühling. Magazin für Freiheit und Sozialismus, Nr. 8, Oktober 2010.
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Personen in diesem Projekt:

  • Projektleitung / Ansprechpartner
    • Biebricher, Thomas, Dr. phil. | Profil
  • Projektmitarbeiter

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