Die Beschäftigung mit Normen für den internationalen Raum fußt dabei auf verschiedenen Bausteinen: erstens auf einer Doktrin der Menschenrechte, verstanden als Minimalbedingungen für die Legitimität sozialer Organisationen; zweitens auf einer Konzeption transnationaler politischer Ordnung, die beispielsweise die Frage nach der Legitimität und Autorität internationaler (Völker-)Rechtsordnungen klärt sowie Bedingungen der fairen Partizipation am transnationalen Regieren hinterfragt; drittens auf einer Konzeption transnationaler distributiver Gerechtigkeit, die unsere Verpflichtungen hinsichtlich der globalen (Um-)Verteilung von Chancen und Gütern formuliert. Diese Bausteine versucht unser Forschungsprojekt in einer substantiellen Theorie globaler Gerechtigkeit zusammenzufassen. Hierbei soll auch ein besonderes Augenmerk auf der Analyse globaler Relationen der Verantwortung liegen, so etwa auf der Frage, wie Gerechtigkeitsgründe von anderen moralischen Gründen bei der Bestimmung von Verantwortungsbeziehungen zwischen Individuen und Gruppen unterschieden werden können.
Einen zweiten Schwerpunkt bilden grundlegende methodologische Fragen zum Verhältnis von Moral und Politik, genauer zur Anwendung normativer Theorien auf nicht-ideale Umstände. Das Spannungsverhältnis zwischen Realismus und Utopismus – dem die normative politische Theorie immer ausgesetzt ist – wird im Bereich der Internationalen Politischen Theorie besonders deutlich. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage mit besonderer Dringlichkeit, ob die primäre Rolle von Theorien der Gerechtigkeit in der Formulierung von Prinzipien besteht, deren Umsetzung vollkommen gerechte Verhältnisse hervorbringen würden, oder wir uns vordringlich um die Ausarbeitung realistischerer Gerechtigkeitstheorien bemühen sollten, die in der Lage wären, politische Akteure zu orientieren, da sie nicht nur die für uns tatsächlich erreichbaren Zustände (in Zusammenarbeit mit den Sozialwissenschaften) identifizieren, sondern auch deren relative Gerechtigkeit beurteilen. Ferner muss geklärt werden, in welchem Verhältnis diese zwei Weisen normativen politischen Philosophierens zueinander stehen. Diese methodologischen Fragen nach dem Praxisbezug und der Anwendbarkeit von Gerechtigkeitstheorien werden wir in enger Zusammenarbeit mit der Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata“ zu klären versuchen.
Ein dritter Schwerpunkt liegt in der Analyse von Normativität überhaupt, insbesondere der Normativität im moralischen und politischen Bereich. Worin besteht und worauf basiert der eigentümliche Verpflichtungscharakter von moralischen und politischen Normen? Gefragt wird hier nach dem Zusammenhang von Genesis und Geltung, wie er unter anderem im Ideal der demokratischen Selbstbestimmung behauptet wird.












