Biblische Rechtfertigungsnarrative in spätantiker Umwelt – die Rolle der kaiserlichen Frauen
Zu den erstaunlichsten Phänomenen der spätantiken Geschichte gehört, wie rasch ein christliches Rechtfertigungsnarrativ dazu beitrug, die schon Jahrhunderte andauernde Herrschaft römischer Kaiser neu zu legitimieren. In dieser Initiative soll untersucht werden, wie das an der Peripherie des Römischen Reiches entstandene, dann weiterentwickelte christliche Rechtfertigungsnarrativ von Herrschaft mit seinen universalen Ansprüchen auf die römische Herrschaftsordnung traf und sich erstaunlich schnell mit ihr verband, so dass in der politischen Sprache die Unterschiede dem Schein nach verschwanden.
Im Zentrum sollen dabei jene Ansprüche stehen, die an den Kaiser gestellt wurden, der in der spätantiken Gesellschaft sowohl an dem Rechtfertigungsnarrativ des paganen Kaisertums als auch an jenen des Alten Testaments als auch an dem Konzept des Heiligen Mannes gemessen werden konnte (Dvornik, Brown). Dies führte zu einer Änderung des kaiserlichen Verhaltens, aber auch des Machtgefüges, da nunmehr Vertreter des Christentums wie Mönche oder Bischöfe aufgrund ihrer spirituellen Autorität als kompetent galten (Rapp), das kaiserliche Verhalten zu beurteilen. Nicht hinreichend berücksichtig ist bisher das Verhältnis dieser personal gebundenen Autoritäten zur Autorität von Texten, in denen Normen überliefert waren; so wurden in der Spätantike, z.B. bei Ambrosius und Johannes Chrysostomos, Normen oft aus dem Alten Testament gewonnen und zum Teil unmittelbar auf die eigene Zeit übertragen. Da die Entwicklungen im Osten und im Westen des Römischen Reiches unterschiedlich verliefen, ließe sich vergleichend die Entwicklung des christlichen Rechtfertigungsnarrativs unter verschiedenen sozialen Verhältnissen beobachten. Dabei wird insbesondere die Rolle der kaiserlichen Frauen gewürdigt werden, in einem engen Austausch mit einem parallelen Projekt im Internationalen Graduiertenkolleg "Politische Kommunikation von der Antike bis zur Gegenwart".
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Personen in diesem Projekt:
- Projektleitung / Ansprechpartner
- Leppin, Hartmut, Prof. Dr. | Profil
- Projektmitarbeiter
Publikationen in diesem Projekt:
- Leppin, Hartmut (2010): Das Bild der Kaiser bei Liberatus, ZAC 14 (2010), 149-165.
Details | Link zum Volltext | DOI: 10.1515/ZAC.2010.08 - Leppin, Hartmut (2010): Das Erbe der Antike, München: C.H. Beck 2010.
Details - Leppin, Hartmut (2010): Die Stadt Gottes in der Krise. Überlegungen zur zeitgenössischen Wahrnehmung Antiochener Krisen im 6. Jh., in: D. Kreikenbom u.a. (Hg.), Krise und Kult, Berlin: De Gruyter.
Details - Leppin, Hartmut (2010): Il vescovo come storico, in: G. Zecchini u.a. (Hg.), Lo storico antico. Mestieri e figure sociali, Bari 2010, 251-262.
Details - Leppin, Hartmut (2010): Truppenergänzungen in einer außergewöhnlichen Situation: Theodosius der Große und die Rekrutierungen nach Adrianopel, in: A. Eich (Hg.), Die römische kaiserzeitliche Armee und ihre Verwaltung, Stuttgart
Details - Leppin, Hartmut (2010): Xenophons Hieron – Überlegungen zur Geschichte des monarchischen Denkens im klassischen Athen, Bernhard Linke / Mischa Meier / Meret Strothmann (Hg.), Zwischen Monarchie und Republik. Gesellschaftliche Stabilisierungsleistungen und politische Transformationspotentiale in den antiken Stadtstaaten, Stuttgart (Steiner) 2010 (Historia Einzelschriften 217), 77-90.
Details - Leppin, Hartmut (2009): Christianisierung, Neutralisierung und Integration. Überlegungen zur religionsgeschichtlichen Entwicklung in Konstantinopel während des vierten Jahrhunderts, in: J. Van Oort / O. Hesse (Hg.), Christentum un Politik in der Alten Kirche, Löwen / Walpole, 1-24.
Details - Leppin, Hartmut (2009): Die Alte Geschichte und die Anfänge der Historischen Zeitschrift, HZ 289 (2009), 25-47.
Details - Leppin, Hartmut (2009): Pastoral und Politik. Politische Ordnungsvorstellungen im frühen Christentum, in: F. W. Graf / K. Wiegandt (Hg.), Die ersten Jahrhunderte des Christentums, Frankfurt / Main 2009, 308-338.
Details - Leppin, Hartmut (2009): Power from Humility: Justinian and the Religious Authority of Monks, in: A. Cain / N. Lenski (Hg.), The Power of Religion in Late Antiquity, Farnham, 155-164
Details - Leppin, Hartmut (2009): Theodoret und Evagrius Scholasticus: Kirchenhistoriker aus Syrien zwischen regionaler und imperialer Tradition, in: A. Goltz / H. Leppin / H. Schlange-Schöningen (Hg.), Jenseits der Grenzen Beiträge zur spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichtsschreibung (Millennium-Stuiden 25), Berlin 153-168.
Details - Leppin, Hartmut (2008): Zum politischen Denken des Ambrosius – Das Kaisertum als pastorales Problem, in: Therese Fuhrer (Hg.), Die christlich-philosophischen Diskurse der Spätantike. Texte, Personen, Institutionen, Stuttgart 2008, 33-49.
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