Weder konkrete Fragen nach der Legitimität und Legalität bestimmter Waffengattungen oder nach der Erfüllung und Auslegung eingegangener Verpflichtungen noch allgemeinere Fragen nach der Machtverteilung im internationalen System oder der Nord-Süd-Kooperation und Entwicklung lassen sich allein mit neo-realistischen, institutionalistischen oder liberalen Denkschemata vollständig oder auch nur hinreichend erfassen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass in allen vier Bereichen Vorstellungen über Angemessenheit, Richtigkeit und Gerechtigkeit eine Rolle spielen, die in Theorie und Praxis der Rüstungskontrolle bisher unterbelichtet bleibt. Der Erforschung ihrer Bedeutung für eine funktionierende normative Ordnung zur Kontrolle nuklearer, biologischer und chemischer Waffen widmet sich dieses Projekt.
In zwei Teilprojekten wird untersucht,
A) wo die normativen Positionen von ausgewählten Akteuren innerhalb der drei genannten Regime divergieren oder konvergieren und wie exogene Ereignisse auf die Politik dieser Akteure einwirken; welche Gerechtigkeitsdiskurse und Normenkollisionen es innerhalb der Regime gibt und inwieweit ethische Belange in die Regime selbst eingelassen sind;
B) wie sich die normativen Gefüge internationaler Rüstungskontrollregime durch die Aktivitäten von „Normunternehmern“, durch Normkonflikte, durch die Interaktion von Normen und technologischem Wandel und durch den Einfluss äußerer Ereignisse positiv oder negativ weiterentwickeln.
Die Ergebnisse dieser Teilprojekte sollen Aufschluss darüber geben, welche Rolle Gerechtigkeitsvorstellungen für die Ausgestaltung von multilateralen Sicherheitsinstitutionen spielen und welche Faktoren normativen Wandel beeinflussen. Auf ihrer Grundlage sollen außerdem praxeologische Konzepte dafür entwickelt werden, wie die Regime erhalten und nachhaltig gestärkt werden können. Schließlich sollen die Ergebnisse der Teilprojekte zusammengeführt werden und die übergeordnete Forschungsfrage beantworten, wie und unter welchen Bedingungen eine normative Ordnung zur Kontrolle von nuklearen, biologischen und chemischen Waffen im 21. Jahrhundert möglich ist.
Das Forschungsprojekt ist sowohl im Exzellenzcluster der Universität Frankfurt „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ als auch im zukünftigen Forschungsprogramm der HSFK „Just Peace Governance“ verortet.












