Quellen moralischer Normativität

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Innerhalb der Moraltheorie besteht eine Kontroverse darüber, ob der Orientierung am moralisch Richtigen oder Gerechten ein Primat gegenüber der Orientierung am ethisch Guten zukommt. Die Kontroverse über die Frage, welche Beziehung zwischen Moral und Ethik im Sinne der Theorie des guten Lebens existiert, geht auf die Gegenüberstellung eudaimonistischer und deontologischer Ethiktypen und konträre Formen der Moralbegründung in der aristotelischen und kantischen Tradition zurück. Während einige Autoren die Auffassung vertreten, dass die Moral von der Ethik im Sinne der Theorie des guten Lebens unabhängig ist, argumentieren andere Autoren für eine Kontinuität von Ethik und Moral. Auf der einen Seite verweisen Theorien über den Vorrang des moralisch Richtigen darauf, dass ethische und moralische Forderungen in ihrer Sollgeltung differieren; auf der anderen Seite behaupten Theoretiker des ethisch Guten, dass ohne den Einbezug ethischer Überzeugungen der Inhalt der Moral und die Quelle moralischer Motivation rätselhaft sind.

Gemäß einer Theorie des Guten bilden die für das menschliche Wohlergehen unerlässlichen Güter den Inhalt moralischer Bewertungen; die moralische Unparteilichkeit lässt sich dann als Unparteilichkeit in Bezug auf den Zugang zum guten Leben verstehen. Außerdem hört die moralische Motivation auf, rätselhaft zu sein, wenn sich der Moral eine positive Funktion für das auf das Glück oder Wohlergehen gerichtete Wollen zusprechen lässt. Insofern die Moral eine notwendige Voraussetzung für das Glück darstellt, lässt sich auch eine Antwort auf die Frage geben, warum es vernünftig ist, moralisch zu sein. Allerdings müssen Theorien des Guten nachweisen, dass das Wohl anderer einen Bestandteil der Glückskonzeption bildet. Zusätzlich wird gegen Theorien des Guten der Einwand vorgebracht, dass eine Grundlegung der Moraltheorie in einer Theorie des guten Lebens moralische Normen auf Werte zurückzuführen droht, die in konkreten Gemeinschaften Anerkennung genießen. Theoretiker des Guten können sich jedoch auf minimale Annahmen beschränken und diejenigen universalen Güter auszeichnen, die zum Erwerb der Fähigkeit, ein gutes Leben zu verfolgen, ohne Auszeichnung bestimmter Ziele notwendig sind.

Das Projekt diskutiert die Vorzüge und Defizite von Theorien, die entweder von einer Kontinuität von Ethik und Moral oder von einer Autonomie der Moral gegenüber der Ethik ausgehen. Darüber hinaus werden Optionen erörtert, teleologische Ansätze, für die der Begriff des Guten zentral ist, mit deontologischen Ansätzen systematisch zusammenzuführen, für die ein Primat des moralisch Richtigen besteht.

 

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Publikationen in diesem Projekt:

  • Vesper, Achim; Buddeberg, Eva (i.E.): Moral und Sanktion, Frankfurt/New York: Campus 2011
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  • Gosepath, Stefan (2009): Zum Ursprung der Normativität, in: Rainer Forst, Martin Hartmann, Rahel Jaeggi und Martin Saar (Hg.), Sozialphilosophie und Kritik. Axel Honneth zum 60. Geburtstag, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 2009.
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  • Maurer, Andrea (2011): Prekäre Verhältnisse? Wirtschaftssoziologie und Sozialökonomie auf der Suche nach der verlorenen Einheit, in: Volker Caspari/ Betram Schefold (Hg.): Wohin steuert die ökonomische Wissenschaft? Ein Methoden­streit in der Volkswirtschaftslehre, Normative Orders Bd. 3, Frankfurt am Main: Campus 2011, S. 59-85.
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  • Vesper, Achim; Pabst, Stephan (2009): Kunst und Wissen. Beziehungen zwischen Ästhetik und Erkenntnistheorie im 18. und 19. Jahrhundert, Würzburg.
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  • Seel, Martin (2010): "Von Tugenden und Lastern", in: Th. Hoffmann / M. Reuter (Hg.), Natürlich gut. Aufsätze zur Philosophie von Philippa Foot, Heusenstamm, 239-252.
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  • Seel, Martin (2009): Anerkennung und Aufmerksamkeit. Über drei Quellen der Kritik, in: R. Forst, M. Hartmann, R. Jaeggi, M. Saar (Hg.), Sozialphilosophie und Kritik, Frankfurt/M. 157-178.
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  • Seel, Martin (2009): Ein Skeptiker voller Vertrauen. Zu: Odo Marquard, "Skepsis in der Moderne", in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie Jg. 57, Heft 3, 481-489.
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  • Seel, Martin (2009): Jürgen Habermas – ein Werk auf schwankendem Grund, gesendet im Nachtstudio des BR 2, 18.6.
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  • Seel, Martin (2009): Träume eines Geistersehers. Eine Antwort auf Karl Heinz Bohrer, in: Die Zeit Nr. 45, 45.
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  • Vesper, Achim (i.E.): "Sulzer über die schönen Künste und das Gute", in: Frank Grunert/Gideon Stiening (Hg.), Johann Georg Sulzer (1720–1779). Facetten der Aufklärung zwischen Christian Wolff und David Hume, Tübingen: Niemeyer.
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  • Vesper, Achim (i.E.): Artikelgruppe "Lust und Unlust", erscheint in: Kant-Lexikon, hg. v. G. Mohr/J. Stolzenberg/M. Willaschek, Berlin/New York: de Gruyter.
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  • Vesper, Achim (2009): Betrachten und Unterscheiden. Bolzano über die Begrifflichkeit der ästhetischen Wahrnehmung, in: A. Bauereisen, S. Pabst, A. Vesper (Hg.), Kunst und Wissen. Beziehungen zwischen Ästhetik und Erkennt-nistheorie im 18. und 19. Jahrhundert, Würzburg, 103-118.
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  • Vesper, Achim (2009): Kunst und Wissen in der philosophischen Ästhetik, in: A. Bauereisen, S. Pabst, A. Vesper (Hg.), Kunst und Wissen. Beziehungen zwischen Ästhetik und Erkenntnistheorie im 18. und 19. Jahrhundert, Würzburg, 19-25.
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