Neuer Fellow in Bad Homburg: Michael A. Rosenthal

24 August 2009

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Professor Michael A. Rosenthal von der University of Washington in Seattle folgt einer Einladung des Exzellenzclusters und arbeitet für zwei Monate als Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

Der Philosoph arbeitet von Anfang August bis Ende September unter anderem in einem Projekt zu Fragen der jüdischen Identität und des Selbstverständnisses der Juden in Deutschland während des ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik. Zu diesem Themenkomplex wird Professor Rosenthal am 16. September um 18.00 Uhr auch einen öffentlichen Vortrag am Forschungskolleg halten (Programm).

Im Rahmen des Clusters kooperiert Rosenthal mit dem Principal Investigator des Clusters Professor Thomas M. Schmidt, Religionsphilosoph an der Goethe-Universität und ebenfalls Fellow am Forschungskolleg. Gemeinsam beschäftigen sie sich mit der Frage, wie philosophische Argumente für religiöse Toleranz für heutige Belange fruchtbar gemacht werden können, auf welche Weise Religion zur Ausbildung politischer Ansichten beiträgt und welchen Platz sie in einem liberalen Staat hat. Neben ihrer Tätigkeit in der Forschung leiten Rosenthal und Schmidt in den nächsten Wochen am Kolleg regelmäßige Kolloquien für Studierende und Promovenden der Universität. Dabei geht es um die Erörterung religiöser Begründungsansätze für politische und gesellschaftliche Normen.

Ein Arbeitsschwerpunkt Rosenthals liegt in der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Er gilt als einer der renommiertesten Experten für den  jüdisch-niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza, in dessen Werk das Verhältnis von Religion und Politik in einem pluralistischen Umfeld eine wichtige Rolle spielt. Michael Rosenthal: „Spinoza vertrat die Ansicht, dass der Staat die Religion zwar tolerieren, ihr anderseits aber auch Grenzen setzen sollte.“ Besonders in der Weimarer Republik gab es eine intensive Auseinandersetzung mit der politischen Philosophie Spinozas. Damals beschäftigten sich vor allem auch jüdische Intellektuelle, manche durchaus kritisch, mit dem Denken Spinozas. Bei Rosenthal erwuchs aus seinem Interesse für die Rezeption Spinozas und anderer Philosophen des 17. Jahrhundert die Idee zu einer umfangreichen Studie über jüdische politische Identität in Deutschland bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs. Der Titel des geplanten Buches: ‚Sovereigns and Subjects: Philosophy, Politics and Jewish Identity in Germany’.

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