Diesem Ansatz liegt die in der neueren Religionssoziologie sich durchsetzende Einsicht zugrunde, dass die starken Varianten der Säkularisierungsthese, die besagten, die Religion werde im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung verschwinden, sich nicht bewahrheitet haben. Die Religion ist heute zwar zu einer Teilsphäre unter anderen geworden und muss sich weitgehend auf ihre eigene Domäne beschränken, ohne die Gesellschaft noch als ganze prägen zu können.
Gleichwohl sind mit den kognitiven Wirklichkeitsdeutungen von Religionsgemeinschaften häufig normative Ansprüche verbunden, die über die rein religiöse Handlungssphäre hinausgehen und darauf abzielen, die ganze Lebensführung der Gläubigen zu formen. Dabei stellt sich die von Jürgen Habermas aufgeworfene Frage, ob und wie eine »Übersetzung« religiöser Rechtfertigungsnarrative in säkulare Handlungs- und Legitimationskontexte hinein vonstatten geht.
Die Studie geht den skizzierten Fragen anhand kontrastiver Fallstudien nach, die in je drei evangelischen und katholischen Gemeinschaften durchgeführt werden. Die ausgewählten Gemeinschaften, die von der Laienvereinigung bis hin zum Konvent reichen, unterscheiden sich sowohl in der Ausrichtung der jeweiligen Glaubensvorstellungen als auch in der sozialen Verbindlichkeit der Zugehörigkeit, so dass sich für die Auswertung der Daten vielfältige Vergleichsebenen ergeben.












