Religiöse Ideen und soziales Handeln: Christliche Rechtfertigungsnarrative zwischen Gesellschaftskritik und Legitimitätsglauben

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In dem empirisch angelegten Forschungsprojekt werden im Anschluss an die religionssoziologischen Studien Max Webers zunächst die religiösen Ideen rekonstruiert, die in ver­schiedenen Sozialgestalten des zeitgenössischen Christentums in Deutsch­land anzutreffen sind. Unter »religiösen Ideen« sind dabei jedoch nicht abstrakte theologische Denkgebäude zu verstehen, sondern vielmehr kogni­tive Gehalte der gelebten Alltagsreligiosität. In einem anschließenden Arbeitsschritt sollen dann die Auswirkungen dieser religiö­sen Ideen auf das soziale Handeln der untersuchten Glaubensgemeinschaften und die Lebensführung ihrer Mitglieder untersucht werden.

Die Herausbildung legitimierender oder gesellschaftskritischer Orientierungen und Handlungsformen aus den religiösen Ideen steht dabei im Zentrum der Analyse: Spezifisch religiöse Rechtfertigungsnarrative sollen in ihrem Spannungsverhältnis zur normativen Ordnung weitgehend säkularisierter gesellschaftlicher Sphären untersucht werden.

Diesem Ansatz liegt die in der neueren Religionssoziologie sich durchsetzende Einsicht zugrunde, dass die starken Varianten der Säkularisierungsthese, die besagten, die Religion werde im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung verschwinden, sich nicht bewahrheitet haben. Die Religion ist heute zwar zu einer Teilsphäre unter anderen geworden und muss sich weitgehend auf ihre eigene Domäne beschränken, ohne die Gesellschaft noch als ganze prägen zu können.

Gleichwohl sind mit den kognitiven Wirklichkeitsdeutungen von Religionsgemeinschaften häufig normative Ansprüche verbunden, die über die rein religiöse Handlungssphäre hinausgehen und darauf abzielen, die ganze Lebensführung der Gläubigen zu formen. Dabei stellt sich die von Jürgen Habermas aufgeworfene Frage, ob und wie eine »Übersetzung« religiöser Rechtfertigungsnarrative in säkulare Handlungs- und Legitimationskontexte hinein vonstatten geht.

Die Studie geht den skizzierten Fragen anhand kontrastiver Fallstudien nach, die in je drei evangelischen und katholischen Gemeinschaften durchgeführt werden. Die ausgewählten Gemeinschaften, die von der Laienvereinigung bis hin zum Konvent reichen, unterscheiden sich sowohl in der Ausrichtung der jeweiligen Glaubensvorstellungen als auch in der sozialen Verbindlichkeit der Zugehörigkeit, so dass sich für die Auswertung der Daten vielfältige Vergleichsebenen ergeben.

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Personen in diesem Projekt:

  • Project director / contact
    • Sutterluety, Ferdinand, Prof. Dr. | Profile
  • Project members

Publikationen in diesem Projekt:

  • Honneth, Axel (2010): Vorwort in: Ferdinand Sutterlüty, In Sippenhaft. Negative Klassifikationen in ethnischen Konflikten, Frankfurt/M.: Campus 2010, S. 9-15.
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  • Kuhn, Thomas (2010): Religion in der pluralistischen Gesellschaft. Der Glaube als totale Institution. Gießen: Magisterarbeit an der Justus-Liebig-Universität 2010.
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  • Sutterluety, Ferdinand (forthcoming): Kirchen zwischen Gesellschaftskritik und Legitimitätsglauben: Zur Rolle religiöser Ideen, in: Patrick Heiser, Christian Kurrat und Christian Ludwig (Hrsg.): Sozialformen der Religion im Wandel. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften (in Vorbereitung).
    Details
  • Sutterluety, Ferdinand (2012): Religion in sozialen Inklusions- und Exklusionsprozessen, in: Kurt Appel, Christian Danz, Richard Potz, Sieglinde Rosenberger und Angelika Walser (Hrsg.): Religion in Europa heute. Sozialwissenschaftliche, rechtswissenschaftliche und hermeneutisch-religionsphilosophische Perspektiven. Göttingen: Vienna University Press bei V&R unipress, S. 41-65.
    Details
  • Sutterluety, Ferdinand (2012): Zur gesellschaftlichen Lage von Religion und Kirche, in: Lebendiges Zeugnis, Jg. 67, H. 1, S. 13-22.
    Details
  • Sutterluety, Ferdinand (2010): In Sippenhaft. Negative Klassifikationen in ethnischen Konflikten. Frankfurt a. M. und New York: Campus.
    Details
  • Sutterluety, Ferdinand (2010): The Paradox of Ethnic Equality, in: Archives Européennes de Sociologie / European Journal of Sociology, Vol. 51, No. 1, S. 33–53.
    Details
  • Sutterluety, Ferdinand (2010): Understanding Youth Violence: Rationality and its Limits, in: Illinois Child Welfare, Vol. 5, No. 1, S. 47-64.
    Details | Link to full text
  • Sutterluety, Ferdinand (2008): Markt der Nächstenliebe, in: Ders. und Peter Imbusch (Hrsg.): Abenteuer Feldforschung. Soziologen erzählen. Frankfurt a. M. und New York: Campus, S. 79–96.
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