Rechtfertigungsnarrative: Das Beispiel des gegenwärtigen Kinos

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Zu den Grundannahmen des Exzellenzclusters gehört, dass ethisch und politisch wirksame Rechtfertigungsmuster immer bereits in historische und ästhetische Narrationen eingebettet sind und dass rechtfertigenden Gründen, die nicht in narrativer Form dargeboten werden, oft nur in dieser Umgebung ein starkes moralisches oder politisches Gewicht zukommen kann. Diese Verhältnisse sollen innerhalb des Projekts aus einem Blickwinkel untersucht werden, der den historischen, politologischen und philosophischen Forschungen des Clusters zusätzlich einen starken kulturwissenschaftlichen Akzent verleiht. Im Interesse der Klärung eines allgemeinen Begriffs der sei es stabilisierenden, sei es transformatorischen Kraft narrativer Rechtfertigungen soll untersucht werden, welcher ästhetischen Strategien sich heute eine narrative Vergegenwärtigung und Transformation normativer Standards bedient - und welche besondere normative Qualität diesen Strategien zukommt.

Dies soll am Beispiel des gegenwärtigen Kinos geschehen. Es soll untersucht werden, wie in fiktionalen und dokumentarischen Filmen Vorstellungen von Recht und Unrecht tradiert, etabliert und erschüttert werden, und dies gerade aus Anlässen und an Schauplätzen, die zu Wahrzeichen des Prozesses der ökonomischen und politischen Globalisierung geworden sind. Das Projekt wird daher die theoretischen Frage nach der legitimatorischen und/oder delegitimatorischen Kraft von Rechtfertigungserzählungen eng mit exemplarischen Analysen von Filmen verbinden, die in ihrer audiovisuellen Gestaltung auf unterschiedliche Weise eine normative Haltung zu zentralen politischen Konflikten der Gegenwart formulieren.

Das Projekt wird sich auf zwei (miteinander thematisch eng verbundene) Gruppen von Filmen konzentrieren, in denen auf unterschiedliche Weise die Erschütterung der politischen Weltordnung in Folge der Anschläge am 11.9.2001 thematisch wird. Die erste Gruppe bilden - formal und ideologisch heterogene - Filme, die in mehr oder weniger direkter Reaktion auf die Anschläge und die Kontroversen um ihre Deutung entstanden sind. Die zweite Gruppe bilden - wiederum: formal und ideologisch heterogene - Filme, die seit 2003 die Folgen der alliierten Invasion in den Irak behandeln.


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Personen in diesem Projekt:

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Publikationen in diesem Projekt:

  • Schuff, Jochen (2010): "Wittgenstein verabscheut 'Wittgenstein' und schaut sich 'Annie Get Your Gun' an", in: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft 55 (1), 91-107.
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  • Seel, Martin (2009): The Appearance of Spaces in Film, in: M. A. Andersen, H. Oxvig (Hg.), Paradoxes of Appearing, Baden, 109-127.
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  • Seel, Martin (2008): Bewegtsein und Bewegung. Elemente einer Anthropologie des Films, in: Neue Rundschau, Jg. 119, H. 4, 129-145.
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  • Seel, Martin (2008): Realism and Anti-Realism in Film Theory, in: Critical Horizons, Jg. 9.2, 157-175.
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