Mitarbeiterprofil

Deitelhoff, Nicole, Prof. Dr.


nicole [Punkt] deitelhoff (at) normativeorders [Punkt] net

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  • Goethe-Universität Frankfurt
    Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen
    Juridicum, 4. OG, Raum 402a
    Senckenberganlage 31
    60325 Frankfurt

    Sekretariat:
    Beate Stein
    stein@normativeorders.net
    Tel: 069/798-22772 u. -25385
    Fax: 069/798-22770 u. -25300
    Juridicum 512

Tel. 069/798-25384

Fax 069/798-25300

Projekte und Positionen im Cluster

Forschungsthema

Widerspruch und Opposition im globalen Regieren

Kurzbeschreibung Forschungsthema

Opposition und normative Ordnung
Leitung: Prof. Dr. Nicole Deitelhoff
zusammen mit Thorsten Thiel, Theresa Reinold, Mariana Pereira, Linda Wallbott, Schwerpunkt-Projekt im Exzellenzcluster

Weitere Informationen zu Forschungsprojekten von Mitgliedern der Professur auf den Seiten der Teammitglieder.

Widerspruch und Opposition im globalen Regieren

Historisch betrachtet ist ein Großteil jener Normen und Institutionen, die wir auf der globalen Ebene zur Kenntnis nehmen, das Ergebnis einer gerichteten Globalisierung westlich-liberaler Ordnungsmodelle. Diese Normen und Institutionen waren aber überwiegend auf die Abgrenzung von Herrschaftsverbänden und deren friedliche Koexistenz angelegt. Es ging primär um die Bearbeitung von Schnittstellenproblemen zwischen Staaten, aber nicht um Probleme innerhalb von Staaten oder transnationale Problemlagen. Mit der Transnationalisierung von Problemlagen und deren politischen Lösungsversuchen, wie sie charakteristisch für das Regieren in der postnationalen Konstellation geworden ist, greifen internationale Normen und Institutionen zunehmend tiefer in die nach wie vor national verfassten Gesellschaften ein. Sie fordern deren normative Ordnungen heraus, ohne dass zugleich – und hier sitzt die politische Sprengkraft – mit diesen substanziellen Verregelungs- und Verrechtlichungsschüben die Prozeduren einer legitimen Meinungs- und Willensbildung würden Schritt halten können.

Ob die Proteste von Globalisierungsgegnern bei Weltwirtschaftsgipfeln, die Kontroversen innerhalb der Welthandelsorganisation zwischen Industrie- und Entwicklungsstaaten, die Wiederbelebung regionaler Blöcke in Verhandlungen, Auseinandersetzungen innerhalb der Vereinten Nationen über die Zulässigkeit militärischer Interventionen oder jüngst die Frage der Anklageerhebung des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den Präsidenten des Sudan – sie alle zeugen davon, dass die normativen Grundlagen der globalen Ordnung alles andere als gesichert sind. Auch die ausufernden Proteste um die Mohammed-Karikaturen oder die Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt deuten an, dass das globale Regieren vor neuen Herausforderungen steht – Herausforderungen von einer anderen Art als zwischenstaatliche Konflikte.

Zugleich beschleunigt sich durch die Perforierung nationalstaatlicher Grenzen auch die Herausbildung transnationaler Interessengruppen und –bewegungen. Diese formulieren neben und jenseits staatlicher Akteure Politikvorschläge und fordern Teilhabe ein. Sie tragen so zu einer immer stärkeren Politisierung internationaler Institutionen bei. Hierzu trägt auch bei, dass ein Großteil der Ordnungsbildung der internationalen Ebene, der lange unter dem Eindruck einer bipolaren, in den neunziger Jahren tendenziell unipolaren Machtverteilung stand, nunmehr sich deutlich pluralisiert. Dies hat die Emergenz neuer Ordnungsvorstellungen und Machtkonflikte darum zur Folge und bedeutet eine Abkehr von der westlichen Dominanz, die gleichwohl eingeschrieben bleibt in den Normen internationaler Institutionen wie deren internen Strukturen.

In vielen der oben angesprochenen Konflikte geht es daher nicht um essentiell kulturelle Fragen, wie häufig unterstellt wird. Häufig wird Kultur eher zur Chiffre eines verbreiteten Gefühls von politischer Marginalisierung und Ohnmacht im globalen Regieren, von Modernisierungsverlierern. Gegenüber anonym auftretenden Triebkräften der Globalisierung wird nach überschaubaren Identifikationsmustern gesucht; Kultur häufig auch politisch instrumentalisiert. Es ist dieser doppelte Hintergrund bestehender kulturell-normativer Pluralität und der sich damit überlappenden Wahrnehmung politischer Marginalisierung bzw. mangelnder Anerkennung, der sich als kulturell-politische Fragmentierung beschreiben lässt.

In diesem Schwerpunkt-Projekt wollen wir dem Phänomen von Opposition und globaler normativer Ordnung empirisch und normativ nachspüren. Empirisch fällt darunter die Kartierung von Opposition im globalen Regieren. Für eine Ordnungsebene, für die gemeinhin galt, dass in ihr Regieren ohne Opposition stattfindet, ist es notwendig, sich zunächst einen Überblick über die Formen und politischen Funktionen von Opposition zu verschaffen. Dazu werden sowohl vertikale Oppositionstypen (beispielsweise lokale/regionale versus globale Ordnungsmodelle und Akteure) als auch horizontale Oppositionstypen (transnationale Allianzen, Verhandlungsblöcke, Protestbewegungen) untersucht. Aus normativer Perspektive fragt das Projekt dann nach den ordnungspolitischen Konsequenzen von Opposition. Bezüglich dieses Aspektes bietet sich eine Erweiterung des theoretischen Instrumentariums der Internationalen Beziehungen an, so sollen diesbezüglich beispielsweise agonale und kontestative Politikmodelle auf ihr heuristisches Potenzial untersucht werden.
Die deutsche Boschaft in Oslo stellt auf ihrer Webseite das RECON-Projekt in norwegischer und deutscher Sprache vor.

Forschungsschwerpunkte

Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen; Privatisierung von Sicherheit, Internationale Normen, Humanitäres Völkerrecht, Internationale Strafgerichtsbarkeit

Biografische Angaben

1974 geboren
Studium der Politikwissenschaft, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt 1997 - 1998
Masterstudiengang Political Science an der State University of New York at Buffalo, 1998 Master of Art
1998 - 2001 Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten; zuständig für die Bereiche Bildung und Forschung sowie Außenpolitik
2000 - 2001 Stipendiatin der Hessischen Landesgraduiertenförderung
Februar 2001 - Januar 2005 Stipendiatin der HSFK
2002 - 2004 Redakteurin der Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB)
Dezember 2004 Promotion zur Dr. phil. an der TU Darmstadt
Februar 2005 - April 2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HSFK
April 2005 - April 2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Technikforschung (ZIT) an der TU Darmstadt
März - August 2008 Vertretungsprofessur am Institut für Interkulturelle und Internationale Beziehungen (InIIS) der Universität Bremen
September 2008 - Februar 2009 Forschungsprofessur am Sonderforschungsbereich 597 "Staatlichkeit im Wandel" der Universität Bremen
seit Mai 2009 Professorin für "Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik“ an der Goethe-Universität Frankfurt und Leiterin einer Forschergruppe an der HSFK

Websites

http://www.hsfk.de/index.php?id=10&no_cache=1&detail=136&no_cache=0&cHash=84b87b417a
http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/ndeitelhoff

Publikationen

  • Artikel
    • 2010
      • Deitelhoff, Nicole (2010): Gerechtigkeit und Frieden durch den Internationalen Strafgerichtshof, in: Einsatz für den Frieden. Die Stabilisierung prekärer Staaten. DGAP-Jahrbuch Internationale Politik, hrsg. von Braml, Josef et al., München: Oldenbourg.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole (2010): Parallele Universen oder Verschmelzung der Horizonte?, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 2/2010, 279-292.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Geis, Anna (2010): Entkernt sich der Leviathan? Die organisatorische und funktionelle Umrüstung der Militär- und Verteidigungspolitik westlicher Demokratien, in: Leviathan 38: 3, 389-410.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Wagner, Wolfgang; Peters, Dirk (2010): Parliaments and European security policy. Mapping the parliamentary field, in: European Integration Online Papers (EIOP) 14: 1.
        Details | Link zum Volltext | DOI: 10.1695/2010012
    • 2009
      • Wolf, Klaus Dieter; Deitelhoff, Nicole (2009): Der Widerspenstigen Selbst-Zähmung? Zur Professionalisierung der Internationalen Beziehungen in Deutschland, in: Politische Vierteljahresschrift 50: 3, 451-475.
        Details | Link zum Volltext | DOI: 10.1007/s11615-009-0144-3
      • Deitelhoff, Nicole (2009): The Discursive Process of Legalization. Charting Islands of Persuasion in the ICC case, in: Inter-national Organization 63: 1, 33-66.
        Details
  • Buchkapitel
    • (noch nicht erschienen)
      • Wolf, Klaus Dieter; Deitelhoff, Nicole (i.E.): Gesellschaftliche Politisierung privater Sicherheitsleistungen: Wirtschaftsunternehmen in Konflikten, in: Michael Zürn/Matthias Ecker-Ehrhardt (Hrsg.): Gesellschaftliche Politisierung und internationale Institutionen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Fischer-Lescano, Andreas (forthcoming): Politik und Recht der privatisierten Sicherheit, in: Privatisierung und Internationalisierung von Recht und Sicherheit, hrsg. von Peter Mayer, Andreas Fischer-Lescano, Campus.
        Details
    • 2011
      • Deitelhoff, Nicole; Wisotzki, Simone; Wolff, Jonas (2011): Frieden first: Das Werk von Harald Müller auf dem Weg zu „Just Peace Governance“, in: Just Peace Governance, hrsg. von Claudia Baumgart, Una Becker, Niklas Schörnig, Simone Wisotzki, Jonas Wolff, Nomos.
        Details
    • 2010
      • Wolf, Klaus Dieter; Deitelhoff, Nicole (2010): Business in Zones of Conflict and Global Security Governance: What has been Learnt and Where to from Here?, in: Deitelhoff, Nicole/Wolf, Klaus Dieter (Hrsg.): Corporate Security Responsibility? Private Governance Contributions to Peace and Security in Zones of Conflict, Houndmills, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2010, 202-226.
        Details
      • Wolf, Klaus Dieter; Deitelhoff, Nicole (2010): Corporate Security Responsibility. Corporate Governance Contributions to Peace and Security in Zones of Conflict, in: Deitelhoff, Nicole/Wolf, Klaus Dieter (Hrsg.): Corporate Security Responsibility? Private Governance Contributions to Peace and Security in Zones of Conflict, Houndmills, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2010, 1-25.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole (2010): Private Security and Military Companies: The other Side of Business and Conflict, in: Corporate Security Responsibility, hrsg. von Nicole Deitelhoff und Klaus Dieter Wolf, Palgrave, 177-201.
        Details
    • 2009
      • Deitelhoff, Nicole (2009): Deliberation, in: Habermas-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, hrsg. von Hauke Brunkhorst, Regina Kreide und Christina Lafont, Stuttgart: Verlag J. B. Metzler, 301-303.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole (2009): Isolated Hegemon: The Creation of the International Criminal Court, ICC, in: Stiles, Kendall / Brem, Stefan (Hrsg.): Cooperating without America. Theories and Case Studies of Non-Hegemonic Re-gimes, Routledge, 147-172.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole (2009): Demokratische Legitimitätschancen transnationaler Verhandlungssysteme, in: Demokratie in der Weltgesellschaft, hrsg. von Hauke Brunkhorst (Sonderheft Soziale Welt 18).
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Steffek, Jens (2009): Grenzen der Verständigung. Zu den Voraussetzungen der Einhegung kultureller Fragmentierung im internationalen Regieren, in: N. Deitelhoff, J. Steffek (Hrsg.), Was bleibt vom Staat? Demokratie, Recht und Verfassung im globalen Zeitalter, Frankfurt: Campus, 187-220
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Steffek, Jens (2009): Einleitung: Staatlichkeit ohne Staat. Chancen und Aporien von Recht, Verfassung und Demokratie jenseits des Nationalstaats, in: N. Deitelhoff, J. Steffek (Hrsg.), Was bleibt vom Staat? Demokratie, Recht und Verfas-sung im globalen Zeitalter, Frankfurt: Campus, 7-34.
        Details
    • 2008
      • Deitelhoff, Nicole (2008): Parliaments and European security policy: mapping the parliamentary field, in: Parliamentary Control of European Security Policy, hrsg. von Nicole Deitelhoff, Dirk Peters und Wolfgang Wagner, RECON-Report No 6, Oslo, 3-28.
        Details | Link zum Volltext
  • Monographie
  • Sammelband (Hrsg.)
    • 2010
      • Wolf, Klaus Dieter; Deitelhoff, Nicole (Hrsg.) (2010): Corporate Security Responsibility? Corporate Governance Contributions to Peace and Security in Zones of Conflict, Houndmills, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2010.
        Details
  • Sonstige
  • Working Paper
    • 2009
      • Deitelhoff, Nicole (2009): The Business of Security and the Transformation of the State, Bremen: Sonderforschungsbereich “Staatlichkeit im Wandel” TranState Working Paper No. 87.
        Details
      • Deitelhoff, Nicole; Geis, Anna (2009): Securing the State, Undermining Democracy: Internationalization and Privatization of Western Militaries, Bremen: Sonderforschungsbereich “Staatlichkeit im Wandel” TranState Working Paper No. 92; 30 Seiten.
        Details
    • 2008

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