Empirische Arbeiten befassen sich mit:
1. Familiengeschichte translokal und transgenerational (Stefanie Michels)
In diesem Projekt untersucht Stefanie Michels ausgehend von dem noch näher zu spezifizierenden Konzept "Familie" transatlantische Netzwerke und Mobilitäten vom 18. bis ins 21. Jahrhundert. In europäischen Erzählungen wurde deren Geschichte bisher entlang etablierter Metanarrative (Sklaverei, Kolonialismus, Dokolonisierung, Migration) strukturiert. Die kontinuierliche intergenerationelle Geschichte kosmopolitischer Mobilität wurde bisher nicht ins Zentrum gesetzt, die weitreichenden Netzwerke – in die Karibik, nach England, Deutschland und Frankreich, nicht verbunden. Die Geschichte der Duala (Kamerun) – und besonders der führenden "Familien" (bzw. Häuser) der Bell und Akwa, soll daher in atlantische und globalgeschichtliche Perspektive gesetzt werden und durch die Einbeziehung neuer Perspektiven (Autobiografien, Lokal- und Familienhistoriografien, mündliche Geschichte) und heterogener Medien (Fotografie, Film, Lied, Theaterstück, Gemälde) postkolonial und gendersensitiv betrachtet werden.
2. einer soziologischen Studie zu Reproduktionsprozessen der Vodún-Praktiken bei transnationalen genealogischen Gemeinschaften (Benin, Haiti, Deutschland) (Senami Parfaît Bokohonsi)
3. Decolonize Germany. Die Konjunkturen des Rassismus in ihrem kolonialen Kontext verstehen (Ulrike Hamann)
Das Dissertationsprojekt von Ulrike Hamann beschäftigt sich mit den Artikulationen von Rassismus im deutschen Kolonialismus. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die jeweiligen Ausformungen (Konjunkturen) des Rassismus in ihrem spezifischen historischen Kontext aus der Perspektive der Kämpfe dagegen zu erfassen. Das Projekt folgt der Fragestellung: Welche Strategien wurden analog zu welchen Ausformungen des Rassismus im deutschen kolonialen Kontext entwickelt? Das Erkenntnisinteresse liegt dabei in einem Perspektivwechsel, der die verschiedenen Ausformungen des Rassismus aus den Kämpfen dagegen mit einer postkolonialen Perspektive zu beschreiben sucht. Dafür werden als Material und Quellen kolonialhistorische Texte, sowie Dokumente des kolonialen Regimes untersucht, sowie Zeugnisse von Organisationen und Einzelpersonen der kolonialen Migration. Diese Materialien werden sowohl diskursanalytisch bearbeitet, als auch mit Methoden der (Gegen-) Historiografie eine alternative Erzählung unternommen, die bestimmte Machtverschiebungen innerhalb des kolonialen Regimes in den Fokus nimmt.
4. Debatten um ein geraubtes Kulturgut (Ikone des Pan-Afrikanismus im britischen Museum) (Ronja Metzger)
Ausgangspunkt des Forschungsprojekts von Ronja Metzger bilden die seit Jahrzehnten fortdauernden Debatten um ein geraubtes Kulturgut, das an der Schnittstelle zum Teil konkurrierender politischer wie auch kommerzieller Interessen steht. Eine Elfenbein-Maske aus dem Königreich Benin (Nigeria), die sich seit rund 100 Jahren im British Museum befindet, wurde 1977 in absentia als Logo des größten pan-afrikanischen Kulturfestivals verwendet, infolge dessen sich verschiedene Akteure die Maske als Symbol für unterschiedliche Zwecke bis heute aneignen.
Das Forschungsprojekt untersucht die zeitliche und räumliche Verwobenheit der mit dem Objekt verknüpften Rechtfertigungsnarrative (die zum Teil als Produkt (post-)kolonialer Aushandlungsprozesse verstanden werden können) sowie deren praktische Auswirkungen und legt dabei einen Fokus auf mediale Träger und Akteure (Produzenten sowie Rezipienten).
Im Rahmen der Forschung werden Erkenntnisse aus ethnologischen Feldforschungen, die dem Objekt und den Debatten darum räumlich folgen, ergänzt durch Archivrecherchen und Medienanalysen.












