Zum Verständnis der ersten Tugend sozialer Institutionen

29. November 2010, 19.30 Uhr

Frankfurter Rundschau / Depot Sachsenhausen / Karl-Gerold-Platz 1 / Frankfurt am Main

Rainer Forst entwickelt seine Sicht auf die Gerechtigkeit in Abgrenzung zum verbreiteten Grundsatz „Jedem das Seine“. Dabei hebt er vier Aspekte besonders hervor. Erstens die Frage der Produktion: Welche Güter sollen produziert werden, und wie soll die Produktion organisiert sein? Zweitens die politische Dimension der Gerechtigkeit: Wer bestimmt über die Strukturen der Produktion und der Verteilung? Drittens die dafür notwendige Beteiligung: Ansprüche auf Güter bzw. soziale Positionen müssen diskursiv in Rechtfertigungsverfahren ermittelt werden. Viertens wird oft nicht hinreichend unterschieden, ob Gütermängel aus Mechanismen der Ungerechtigkeit resultieren oder etwa durch Naturkatastrophen hervorgerufen werden. So können Akte moralischer Solidarität und Akte der Gerechtigkeit verwechselt werden. Die Gerechtigkeit muss also, so ist zu folgern, auf intersubjektive Verhältnisse und Strukturen zielen und nicht primär auf die Güterversorgung. Nur durch die Berücksichtigung der ersten Frage der Gerechtigkeit – der Rechtfertigbarkeit sozialer Verhältnisse und der Verteilung von „Rechtfertigungsmacht“ im politischen Zusammenhang –, ist eine kritische Vorstellung der Gerechtigkeit möglich.

Der Referent
Rainer Forst ist Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität und Professor für Politische Theorie und Philosophie.

Moderation: Dr. Christian Schlüter (FR)

Vortrag: hier (pdf)


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Moderation: Regina Schidel (Forschungsverbund "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität)
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