Forschung aktuell

Zeit-Raum Film. Lisa Gotto über die fragile Zeitlichkeit des Filmdramas „Und dann der Regen“

Von Steffen Andrae

Eine alte Auffassung der Kunst besagt, dass ihre Werke entweder im Raum oder in der Zeit stattfinden. Ein Gemälde etwa erstrecke sich im Raum oder schaffe Raum, während ein Musikstück in der Zeit stattfinde und sich dem Ohr des Hörers erst vollständig erschließe, nachdem es seine Zeit durchlaufen hat. So jedenfalls dachte Lessing, als das Medium Film noch gar nicht entwickelt war. Bis zu dessen ersten Gehversuchen waren es Mitte des 18. Jahrhunderts noch über hundert Jahre. Es ist eine Eigenart dieser späten Kunstform, zwischen Zeit und Raum zu stehen und zu entstehen. Dies gilt bereits auf mechanischer Ebene: Der Film entwickelt sich als Film überhaupt erst durch die Aufeinanderfolge einzelner fixierter Bilder; erst dadurch also, dass Bewegungsloses in Bewegung gesetzt wird, wird der Film zum Bewegtbild.
Dieses und andere Zeit-Raum-Phänomene des Films besprach die Film- und Medienwissenschaftlerin Lisa Gotto in ihrem Vortrag „Fragile Zeitlichkeiten“ am 30. April 2019 im Museum für Moderne Kunst. Ihre Vorlesung ist Teil der aktuellen Reihe „Fragile Kooperationen: Produktionskrisen des Kinos“, die von den Prinicpal Investigators des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ Angela Keppler, Christoph Menke und Martin Seel organisiert wird. Die Filmreihe nimmt die Diagnose einer „Fragilität normativer Ordnungen“ zum Anlass, die Krisenhaftigkeit solcher Ordnung an dem Mikrokosmos der an der Produktion von Filmen beteiligten Akteure zu untersuchen. Dies geschieht am Beispiel von Kinofilmen, die das Scheitern oder Misslingen solcher Produktionen in fiktionalen und dokumentarischen Formen zum Thema haben. Die Präsentation jedes Films wird durch einen Vortrag eingeleitet, anschließend gibt es Gelegenheit zur Diskussion.

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Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk „Die Krise der Nichtverbreitung - Zur Erneuerung der nuklearen Ordnung“

Von Dr. Stefan Kroll

Im Rahmen des 11. Crisis Talks ging es um eine Krise, die für lange Zeit aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden war. Die Bedrohung durch Nuklearwaffen schien sich nach dem Ende des Kalten Krieges zu erübrigen. Das Netz aus bi- und multilateralen Verträgen und Institutionen, welches die Verbreitung eindämmen und der Einsatz von Nuklearwaffen verhindern soll, galt lange als stabil. Doch die Stabilität dieser nuklearen Ordnung ist alles andere als garantiert. Es mehren sich die Anzeichen, von einer Krise dieser Ordnung auszugehen. Alexander Lorz, der Kultusminister des Landes Hessen, wies in seiner Begrüßung auf die „brennende Aktualität“ dieses Themas hin, die in der Öffentlichkeit so aber oft nicht wahrgenommen werde.
Christopher Daase (Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) gab der Krise in seinem Impulsreferat feinere Konturen: „Die zur Zeit des Kalten Krieges und kurz danach geschlossenen bilateralen Rüstungskontrollverträge werden gekündigt oder laufen ohne Aussicht auf Verlängerung aus. Die multilateralen Verträge zur nuklearen Nichtverbreitung oder Beendigung nuklearer Testexplosionen sind in der Krise oder werden nicht ratifiziert. Damit drohen Beschränkungen nuklearer Rüstung, Transparenz- und Verifikationsvereinbarungen hinfällig zu werden und einer neuen Rüstungsdynamik Platz zu machen.“  Im Anschluss an das Referat, welches Brisanz des Themas verdeutlichte, zugleich aber auch Handlungsoptionen aufzeigte, folgte wie immer eine moderierte Diskussion. Mit Titty Erästö (Stockholm International Peace Research Institute) und Elizabeth Konstantinova (Europäischer Auswärtiger Dienst) konnten Vertreterinnen aus Wissenschaft und Praxis für die Teilnahme an dem Panel gewonnen werden.

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„Demokratie und Nichtachtung“: Ein Problem des Populismus oder Scheitern der liberalen Demokratie? Bericht über den Vortrag von Jan-Werner Müller

Von Juana de O. Lorena

Am Abend des 22. November 2018 wurde ein aktuell in Politik und Gesellschaft zunehmend in den Blick geratenes Thema zum Kern der Keynote auf der Jahreskonferenz „Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ – der Populismus.
Häufig diskutiert sowohl in den Medien und Alltagsdebatten, als auch in der Wissenschaft, findet der Terminus „Populismus“ trotzdem keine feste Definition. Sollte der Populismus und der populistische Politikstil eher als Bedrohung für die (liberale) Demokratie wahrgenommen werden? Oder sollten wir ihn lieber als nützliches Korrektiv für die nicht verwirklichten Verheißungen der liberalen Demokratie begrüßen? Mit anderen Worten, wie könnten und wie wollen wir, Bürger_Innen von etablierten liberalen Demokratien, diesem Phänomen begegnen? Der Versuch, klare Definitionen über diesen Begriff zu schaffen, bleibt noch offen. Als Folge daraus, bleibt ebenfalls die Frage nach einem angemessenen Umgang mit diesem Phänomen sehr kontrovers.
Doch, trotz Uneinigkeiten, gibt es zahlreiches Bemühen darum, eine Definition zu schaffen – und damit einhergehend Vorschläge zu machen, wie man mit dem Populismus umgehen könnte. Um diese zwei Punkte zu adressieren war Jan-Werner Müller zu Gast als Keynotespeaker der 11. Jahreskonferenz des Exzellenzclusters Normative Ordnungen. Professor Müller lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Princeton und ist einer der wichtigsten Experten zum Thema Populismus der Gegenwart. Zu seinen wichtigsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen zählen „Contesting Democracy: Political Ideas in Twentieth-Century Europe“ (2013) und der einflussreiche Essay „What is Populism?“ (2016).
Vor dem Hintergrund dieser Expertise thematisierte Müller die Frage der Spaltung in der Gesellschaft in Bezug auf die Entwicklung des Populismus weltweit. „Auf welcher Basis werden politische Differenzen diskutiert?“ fragt sich Müller in seinem Vortrag mit dem Titel „Democracy and Disrespect“.

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Die Geschichte von ‘68 gegen den Strich gelesen. Martin Jay spricht über das Verhältnis der Frankfurter Schule zur Neuen Linken

Von Steffen Andrae

Dezember 1971. Die politischen und gesellschaftlichen Nachwehen des Sechstagekriegs zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien sind noch zu spüren, als Herbert Marcuse den vielfach ausgezeichneten israelischen General und Verteidigungsminister Mosche Dajan in Jerusalem trifft. Die beiden haben reichlich Gesprächsstoff. Sie unterhalten sich über mögliche Verhandlungen zwischen Israel und Ägypten, über die Frage der Zweistaatenlösung und über die drohende Gefahr eines neuen gewaltsamen Konflikts. Marcuse ringt Dajan das Bekenntnis ab, dass der israelische Staat auf Basis der Aneignung ursprünglich palästinensischen Lands errichtet wurde, erklärt jedoch im Gegenzug, dass die Verteidigung der Existenz Israels im Krieg von 1967 richtig und notwendig gewesen sei. „Israel did nothing wrong in defending its existence.“
Den symbolischen Gehalt dieser unüblichen Begegnung zwischen der vermutlich einflussreichsten Ikone der 68er-Bewegung und dem militärischen Helden des Sechstagekriegs, der just ein Jahr vor dem Höhepunkt der Erhebungen und Proteste der Neuen Linken stattfand, nahm der renommierte Historiker Martin Jay zum Ausgang, erneut – und anders – über das magische Jahr 1968 nachzudenken. Martin Jay ist Sidney Hellman Ehrman Professor für Geschichte an der University of California, Berkeley, und arbeitet vor allem zur intellektuellen und Geistesgeschichte. In Deutschland ist er durch seine Historiographie der Frankfurter Schule bekannt, die unter dem Titel Dialektische Phantasie 1976 veröffentlicht wurde. Die Forschungen für sein Buch führten ihn bereits 1968 nach Frankfurt, um einige Protagonisten der Kritischen Theorie wie Max Horkheimer und Leo Löwenthal zu treffen und zu befragen. Sein Vortrag „1968 in an Expanded Field. The Frankfurt School and the Uneven Course of History“ fand am 17. Januar 2019 in den Räumlichkeiten des Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität statt.

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„Meinungsfreiheit - Wie verändert sich das Kommunikationsklima?“

Vortrag von Prof. Bernhard Pörksen im Rahmen der Denkraum-Reihe

Von Johanna Schafgans

Für eine demokratische Staatsordnung ist die Freiheit der Meinungsäußerung zentrale Voraussetzung, denn sie erst ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung, auch zwischen BürgerInnen und Staat. Im Streit der Meinungen vollzieht sich jedoch aktuell eine tiefgreifende Veränderung des Kommunikationsklimas, nicht zuletzt durch die digitalen Medien. Am 29. Januar war ein großes Publikum im Schauspielhaus eingetroffen, um mit Prof. Bernhard Pörksen über „Meinungsfreiheit - Wie verändert sich das Kommunikationsklima?“ zu diskutieren. Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er analysiert in seinen Forschungsarbeiten die Inszenierungsstile in Politik und Medien und kommentiert in Zeitungskolumnen, in Radio- und Fernsehbeiträgen aktuelle Debatten. Prof. Pörksen hat zahlreiche Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, überdies populärwissenschaftliche Bücher, die amüsant und scharfzüngig die gegenwärtige Medienlandschaft beschreiben.
In der Denkraum-Reihe des Schauspiel Frankfurts, in diesem Jahr unter Beteiligung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“, geht es - anlässlich seines 70-jährigen Bestehens - um das Grundgesetz. Im dritten Denkraum wurde das Thema der Meinungsfreiheit behandelt. Diese sei ein zentraler Gedanke des Grundgesetzes, so Marion Tiedtke, Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin des Schauspiels Frankfurt, die die Veranstaltung eröffnete. Meinungsfreiheit sei eine Stütze jedes demokratischen Staates und müsse als ein Pfeiler unserer bürgerlichen Freiheit garantiert werden. Aber im Moment sei es um die Meinungsfreiheit nicht sehr gut bestellt. Das zeige zumindest das Kommunikationsklima in Deutschland, das sich vor allem auch durch die digitalen Medien verändert habe. „In einer Zeit in der die Autorität des klassischen Journalismus schwindet und die Lügenpresseschreie zunehmen, kann jeder zum Sender werden“, so hat es Bernhard Pörksen formuliert. In seinem heutigen Vortrag analysiert er, wie Kommentare in sozialen Medien, Klickzahlen, Likes und Links zunehmend darüber entscheiden, was als relevant und wahr gelte und wie sich dieser Medienwandel zunehmend auf demokratische Systeme auswirke.

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Kinderrechtsprogramme in Sansibar: Dr. Franziska Fay über dekoloniale Perspektiven auf ein Feld der Entwicklungszusammenarbeit

Von Tanja Strukelj

Die UN-Kinderrechtskonvention ist ein zentraler Bestandteil der Menschenrechte. Zu den Prinzipien der Konvention zählt unter anderem das Recht von Kindern auf Schutz vor allen Formen von Gewalt. Tansania – und somit auch dessen halbautonomer Teilstaat Sansibar – hat die UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1991 ratifiziert und verpflichtet sich somit, die Ziele der Konvention umzusetzen. Dennoch ist die Körperstrafe in Sansibar legal und auch soziokulturell weitestgehend akzeptiert. Kinderschutzprogramme, welche die Ziele der UN-Kinderrechtskonventionen umsetzen wollen, arbeiten gemeinsam mit der sansibarischen Regierung daran, Körperstrafen an Schulen abzuschaffen. Allerdings gibt es sowohl unter Schüler*innen als auch unter Lehrer*innen, Eltern und institutionellen Vertreter*innen Vorbehalte gegenüber diesen Programmen. Doch aus welchen Gründen stoßen Kinderschutzprogramme in Sansibar auf eine solch breite Ablehnung? Und wie könnte ein erfolgreiches Kinderschutzprogramm aussehen?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Ethnologin Dr. Franziska Fay in ihrem Vortrag „Kinderrechte und Kritik: Dekoloniale Perspektiven auf ein Feld der Entwicklungszusammenarbeit“ am 23. Oktober 2018 im Klingspor-Museum in Offenbach im Rahmen der Goethe Lectures. Sie möchte eine konstruktive Kritik an international initiierten Kinderschutzprogrammen üben und dekoloniale Perspektiven in diesem Feld der Entwicklungszusammenarbeit aufzeigen. Franziska Fay ist seit November 2017 Postdoktorandin am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. In ihrer Promotion an der School of African Studies (SOAS) in London beschäftigte sie sich mit Interventionen zum Kinderschutz in Grund- und Koranschulen im ländlichen Sansibar. Zuvor studierte sie Erziehungswissenschaften, Afrikanisch Sprachwissenschaften (Swahili) und Kulturanthropologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Ethnographische Forschungsmethoden an der SOAS London.

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„Has War Declined Through Human History?“ - Erster Vortrag von Prof. Michael Mann im Rahmen der Ringvorlesung: „The End of Pacification? The Transformation of Political Violence in the 21st Century“

By Johanna Schafgans

For over 150 years liberal optimism has dominated theories of war. It has been repeatedly argued that war either is just declining or will shortly decline. There have been exceptions, especially in Germany and more generally in the first half of the twentieth century, but there has been a recent revival of such optimism, especially in the work of Azar Gat, John Mueller, Joshua Goldstein and Steven Pinker who all perceive a long-term decline in war and violence through history, speeding up in the post-1945-period.
But is it really like that? Has war declined through human history? Or has it just being transformed? These questions among others were discussed with Prof. Michael Mann in his lecture “Has War Declined Through Human History?“, as part of the lecture series of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, entitled: “The End of Pacification? The Transformation of Political Violence in the 21st Century”. Michael Mann is Distinguished Research Professor of Sociology, UCLA, and Honorary Professor, Cambridge University.

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Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk “Wahlen zum europäischen Parlament nach, während und vor der Krise“

Von Dr. Stefan Kroll

Es kommt selten vor, dass das Brüsseler Lunch-Talk-Format „Crisis Talks“ nicht pünktlich endet, und noch seltener, dass dann der Raum noch immer sehr gut gefüllt ist und die Zuhörerinnen und Zuhörer sich die Zeit für einen langen Applaus nehmen. Zu beobachten war dies dennoch beim jüngsten „Crisis Talk“, der sich mit der bevorstehenden Europawahl befasste. Professor Rainer Forst (Goethe Universität Frankfurt/Forschungsverbund „Normative Ordnungen“) und Professorin Ulrike Guérot (Donau-Universität Krems und European Democracy Lab) waren die Gäste auf dem Podium und boten dem Publikum eine inspirierte Debatte über die europäische Politik, die von Ralph Sina (WDR/NDR) ausgesprochen elegant und bestimmt moderiert wurde.
Dieser Talk zur Europawahl war bereits der 10. Crisis Talk, womit die Veranstalter – der Leibniz-Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“, die Vertretung des Landes Hessen bei der EU, der Frankfurter Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ und das Europa-Büro der Leibniz-Gemeinschaft – ein kleines Jubiläum begingen. Die Europawahl war hierfür als Thema besonders geeignet. Mark Weinmeister (Staatsekretär für Europaangelegenheiten), der die Gäste in den Räumen der Hessischen Landesvertretung begrüßte, stellte fest, dass das Interesse an der Europawahl größer sei als in früheren Jahren. Dies hänge auch damit zusammen, dass die europäische Politik verschiedene Krisen quasi im Dauermodus zu bewältigen habe. Stefan Kroll (Leibniz-Forschungsverbund und Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) knüpfte daran an und hob hervor, dass dieser Jubiläums-Talk viele Fragen vorhergehender Crisis Talks zusammenführe.

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Der Friedensprozess und das demokratische System in Kolumbien

Von Katharina Limberger

Mehr als 50 Jahre dauerte der Konflikt zwischen den Rebellen der FARC und der kolumbianischen Regierung an, der mehr als 8 Millionen Opfer forderte, an. Viele Kolumbianerinnen und Kolumbianer haben ihr gesamtes Leben unter dem Eindruck dieses Konfliktes gelebt. Im November 2016 jedoch unterzeichneten Vertreter der FARC-Rebellen und der kolumbianischen Regierung nach langwierigen Verhandlungen ein Friedensabkommen. Auf welchen Prinzipien gründet das Abkommen von Havanna? Welche Maßnahmen wurden vereinbart, um einen nachhaltigen und dauerhaften Frieden herzustellen und die ehemaligen FARC-Kämpfer in die Zivilgesellschaft zu integrieren? Welche Veränderungen bedeutet dies für das politische System? Und welche Rolle kommt dabei der Justiz und insbesondere der Wahlgerichtsbarkeit zu? Diesen Fragen widmete sich Magistrada / Bundesrichterin Lucy Jeannette Bermúdez Bermúdez (Consejo de Estado, Colombia) in ihrem Vortrag am 8. November 2018 im Haus des Exzellenzclusters Normative Ordnungen. Lucy Jeannette Bermúdez Bermúdez ist Magistrada / Bundesrichterin und Vorsitzende der für Wahlangelegenheiten zuständigen 5. Kammer des Consejo de Estado de Colombia, dem Staatsrat Kolumbiens,  und war im November 2018 als Fellow am Exzellenzcluster Normative Ordnungen.
Wichtigstes Prinzip des Friedensvertrags ist, wie Frau Bermúdez Bermúdez gleich zu Beginn ihres Vortrags betonte, die Demokratie als Organisationsform der Gesellschaft des Postkonfliktes zu etablieren und die zuvor gewaltsam ausgetragenen Konflikte in einen neuen institutionellen Organisationsrahmen zu überführen. Die Demokratie soll als Substitutionssphäre dienen, in der an die Stelle des Kampfes mit Waffen der Kampf mit Argumenten tritt. Dabei nehmen die Justiz im Allgemeinen und die Wahlgerichtsbarkeit im Besonderen die Funktion eines Garanten des Friedens und der Demokratie ein.

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Aktuelles

Ringvorlesung „Demokratie in der Krise? Bruch, Regression und Resilienz“

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Martin Saar und PD Dr. Thomas Biebricher findet vom 24. April bis 17. Juli 2019 die Ringvorlesung „Demokratie in der Krise? Bruch, Regression und Resilienz“ statt. Mehr...

Aus aktuellem Anlass:

Weitere Informationen zur Konferenz "Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?" unter Leitung von Prof. Dr. Susanne Schröter am 8. Mai 2019. Hier...

Nächste Termine

27. Mai 2019, 17.15 Uhr

Ringvorlesung "Contemporary Approaches to Feminist Philosophy": Helen Longino: „Doing Epistemology as a Feminist“. Mehr...

28. Mai 2019, 13 Uhr

Kamingespräch des Frauennetzwerks mit Prof. Helen Longino. Hier...

28. Mai 2019, 18.15 Uhr

Ringvorlesung "Demokratie in der Krise? Bruch, Regression und Resilienz": Prof. Michael Walzer: Immigration and Nationalism. Mehr...

29. Mai 2019, 12 Uhr

Book lɔ:ntʃ des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen": PD Dr. Thomas Biebricher: The Political Theory of Neoliberalism (Stanford University Press 2019). Mehr...

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Neueste Medien

"Souveränität Europas" oder zurück zum Nationalstaat? Mögliche Szenarien für die Zukunft der Europäischen Union

Prof. Dr. Stefan Kadelbach
Intervention der Römerberggespräche "Last Exit nach dem Brexit – Ist Europa noch zu retten?"

Von der ‚Geistig-Moralischen Wende‘ zur Erschöpfung des deutschen Konservatismus

Dr. Thomas Biebricher
Goethe Lectures Offenbach

Neueste Volltexte

Kettemann, Matthias; Kleinwächter, Wolfgang; Senges, Max (2018):

The Time is Right for Europe to Take the Lead in Global Internet Governance. Normative Orders Working Paper 02/2018. Mehr...

Kettemann, Matthias (2019):

Die normative Ordnung der Cyber-Sicherheit: zum Potenzial von Cyber-Sicherheitsnormen. Normative Orders Working Paper 01/2019. Mehr...