Forschung aktuell

Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk “Rechtsstaatlichkeit in der EU – Ein Grundwert in der Krise?“

Von Dr. Stefan Kroll

Die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit ist eine dauerhafte Aufgabe demokratischer Gemeinschaften. Die von der Europäischen Kommission im Jahre 2019 geforderte „Kultur der Rechtsstaatlichkeit“ ist daher noch kein Ausweis einer Krise dieses EU-Grundwerts. Es handelt sich bei dieser Forderung eher um eine Reaktion auf neue Herausforderungen, wie Nicole Deitelhoff (Sprecherin des Leibniz-Forschungsverbunds „Krisen einer globalisierten Welt“) in ihrer Begrüßung zu diesem 14. Crisis Talk am Beispiel des Kampfes gegen den politischen Extremismus oder des Schutzes von Grundrechten im Internet eindrücklich beschrieb.

Diese Herausforderungen stellen aber noch keine Krise dar. Krisenartig für die Rechtsstaatlichkeit, so Deitelhoff, seien gegenwärtig vor allem Entwicklungen in einzelnen Mitgliedsstaaten. Mark Weinmeister (Hessischer Europastaatssekretär) setzte in seiner Begrüßung einen ähnlichen Akzent, in dem er einerseits den grundsätzlichen und unstreitigen Charakter der Rechtsstaatlichkeit in der EU hervorhob. Aber eben auch die Irritation darüber, dass dieser Grundkonsens aktuell von einzelnen in Frage gestellt sei und darauf eingegangen werden müsse.

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Wie Streit die Demokratie stärken kann: Nicole Deitelhoff über Potenziale und Grenzen der demokratischen Streitkultur

Von Tanja Strukelj

Rechtsruck, Polarisierung, sprachliche Verrohung und Gewalt: Gegenwärtig sieht sich unsere Gesellschaft mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Wie steht es um die Zukunft von Demokratie und Liberalität? Wie können wir unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken? Wie werden wir unser Zusammenleben zukünftig gestalten können? Gleich zu Beginn ihres Vortrags „Konflikte_Wie werden wir unser Zusammenleben gestalten?“, der im Rahmen der Denkraum-Reihe „Zukunft_Aber wie?“ in Kooperation des Schauspiel Frankfurt mit dem Forschungsverbund „Normative Orders“ am 24. September 2019 im Chagallsaal stattfand, stellte Nicole Deitelhoff diese Fragen in den Raum. Ihre Antwort: Es brauche mehr Streit! Nicole Deitelhoff ist Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik an der Goethe-Universität Frankfurt sowie geschäftsführendes Vorstandsmitglied an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Seit 2007 ist Deitelhoff Mitglied des Direktoriums und Principal Investigator des Forschungsverbunds „Normative Orders“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Außergewöhnlich sind Konflikte nicht – im Gegenteil: Sowohl im Kreis der Familie und Freunde als auch zwischen Staaten ist der Streit ein Bestandteil des Zusammenlebens. Für das Zusammenleben sei es allerdings wichtig, dass der Streit produktiv ausgetragen wird und nicht in Gewalt umschlägt. Daran orientiert sich die Staatstheorie, die es als Anspruch von Staaten formuliert, ein solch gewaltsames Austragen von Konflikten zu unterbinden. Sinnhaft hierfür wurde das vom britischen Philosophen Thomas Hobbes entworfene Bild des Leviathan, der als exekutive Gewalt seinen Bürgerinnen und Bürgern Frieden, Sicherheit und Wohlstand garantiere, sofern sich diese ihm unterwerfen und entwaffnen lassen. Auch wenn Verstaatlichung nicht das Ende aller Gewalt mit sich gebracht habe, könne das produktive und gewaltfreie Austragen von Konflikten dennoch als Ziel demokratischer Staatsformen formuliert werden, so Deitelhoff.

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Das islamische Kopftuch zwischen Glaubensfreiheit, staatlicher Neutralität und Gleichberechtigung

Von Katharina Limberger

Ist das islamische Kopftuch individueller Ausdruck der grundrechtlichen Glaubensfreiheit oder politisches Symbol eines paternalistischen, emanzipationsfeindlichen Islam? Und in welchem (verfassungs-)rechtlichen Rahmen bewegt sich die Diskussion um das Kopftuch und die immer wieder geforderten Kopftuchverbote? Verletzen die Forderungen nach Verboten die grundrechtlich geschützte Glaubensfreiheit von Kopftuch tragenden Frauen? Oder verlangt im Gegenteil die staatliche Neutralität, dass Lehrerinnen und Richterinnen sich im Dienst unverhüllt zeigen? Wie ist das Kopftuch aus feministischer Sicht zu bewerten? Als Rückschritt im Kampf um die Emanzipation von paternalistischer Bevormundung oder widersprechen gerade die Verbote dem Kernanliegen der Frauenbewegung um ein selbstbestimmtes Leben?
Darüber diskutierten am 1. November 2019 im Historischen Museum der Stadt Frankfurt Prof. Dr. Ute Sacksofsky, Vizepräsidentin des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen, Professorin für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung und Mitglied des Forschungsverbundes „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt und Seyran Ateş, Rechtsanwältin – u.a. der Berliner Bildungsverwaltung in verschiedenen Verfahren um Kopftuchverbote –, Frauenrechtlerin, Imamin und Mitbegründerin der ersten geschlechterübergreifenden Ibn-Rushd-Goethe-Moschee (Berlin). Die beiden Juristinnen und Verfechterinnen von Frauenrechten nahmen dabei gänzlich verschiedene Standpunkte ein und gingen dem Thema in einer engagierten Diskussion auf den Grund.

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„Wie frei sind wir im digitalen Echoraum?“ – Klaus Günther über die Realität des digitalen Spiegelkabinetts unserer Überzeugungen, Ab-sichten, Wünsche und Sehnsüchte

Vortrag von Klaus Günther innerhalb der Goethe Lectures des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Von Kristina Balaneskovic

Sobald wir uns im Internet bewegen, das Smartphone oder andere intelligente Geräte nutzen oder in sozialen Netzwerken mit anderen Menschen kommunizieren, produzieren wir mit unserem Verhalten sogenannte „digital footprints“. Das heißt, dass jede unserer Bewegungen, jeder „Klick“, jedes „Like“ protokolliert werden und Informationen über unser Denken und Tun, unsere Bedürfnisse, gesammelt werden. Durch die Analyse unserer „digital footprints“ ist es Unternehmen und staatlichen Institutionen möglich, durch diese Daten Profile anzulegen und jegliche unserer Bewegungen in digitalen Netzwerken zu „tracken“. Wie weit geht dieses „Tracking“ unserer Daten und sind diese überhaupt von irgendeinem Wert? Ist das nun unsere Realität oder kann man die institutionelle und wirtschaftliche Handhabung unserer „digital footprints“ als Science-Fiction bewerten? Diesen Fragen ging Prof. Dr. Klaus Günther in seinem Vortrag innerhalb der Goethe Lectures im Klingspor Museum in Offenbach nach. Klaus Günther ist Professor Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht und zudem Dekan am Fachbereich Rechtswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seit 2007 ist Klaus Günther zudem Co-Sprecher des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“, welcher ebenso an der Goethe-Universität ansässig ist.

Das Internet gehört mittlerweile zu einem fast unerlässlichen Gut unserer heutigen Gesellschaft. Das World Wide Web steht uns jederzeit zur Verfügung und wir können uns in diesem frei bewegen. Diese Freiheit hat laut Klaus Günther allerdings ihren Preis. Denn jede unserer Bewegungen kann im Internet von wirtschaftlichen Unternehmen und staatlichen Institutionen verfolgt werden. Diese Informationen lassen sich dann in Daten über unser künftiges Verhalten transformieren. Durch „predictive behavioral data“ können dann beispielsweise Persönlichkeitsprofile des Kaufverhaltens von Internetnutzern erstellt werden. Laut Günther sind diese Vorhersagedaten ein begehrtes Gut, mit ihnen lasse sich nicht nur das Verhalten von Menschen überwachen, sondern damit könne auch Handel getrieben werden. Durch gezielte Analyse der individuellen Verhaltensmuster („microtargeting“) lasse sich beispielsweise das Konsumverhalten durch Produktwerbung oder auch das politische Wahlverhalten (zuletzt: Cambridge Analytica) der Internetnutzer beeinflussen. Vor allem private Unternehmen nutzen diese Daten für eine Optimierung ihrer Verkaufsstrategien für Waren und Dienstleistungen. Aber auch für Staaten sind diese Daten von hohem Wert. Diese können Personeninformationen im Sinne von Überwachungen, Kontrolle oder auch Steuerung des Verhaltens der Bürger nutzen. Das Ziel hierbei ist eine Minimierung des normabwei-chenden Verhaltens. Auch die medizinische Forschung hoffe laut dem Vortragenden durch die massenhafte Analyse von Verhaltensdaten frühzeitig bestimmte Krankheitsbilder entdecken zu können, bevor eine Krankheit ausbricht, um so rechtzeitig eingreifen zu können.

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Keine Angst vor dem Volk

Bericht zu John P. McCormicks Vortrag „Rethinkig Democratic Athens and Republican Rome in an Age of Plutocracy and Populism“

Von Marian Nestroy

Überall wird über die Krise der Demokratie diskutiert. Während die einen Demagogen als das Problem ausmachen, sieht John P. McCormick das Problem im Anschwellen des Machtvolumens von ökonomischen und politischen Eliten. In seinem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Demokratie in der Krise? Bruch, Regression und Resilienz“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ macht er im Anschluss an antike demokratische Praktiken einen institutionstheoretischen Vorschlag dieses Defizit auszugleichen.
Wohl kaum ein Begriff der Gegenwart ist so heiß umstritten, wie der der Demokratie. Dabei gebrauchen wir alle ihn permanent und meinen dabei immer etwas Gutes: Wenn beispielsweise eine politische Lösung für ein Problem gefunden werden soll, erscheint eine „demokratische“ Lösung als die Beste. Was damit gemeint ist, ist wohl so etwas wie eine Entscheidung, die alle Betroffenen fair berücksichtigt. Wenn jedoch die Demokratie nicht als Lösung präsentiert werden kann, sondern selber problematisch erscheint, dann zeigt sich etwas anderes: nämlich, welche Vorstellungen von Demokratie wirklich im Raum stehen. Diese Diskussion wird sowohl national als auch international mittlerweile seit mehreren Jahren geführt. Auch der Forschungsverbund Normative Ordnungen hat sich in einigen seiner öffentlichen Formate hiermit beschäftigt.

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Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk “Gipfelnächte in Europa: Die Krise als Entscheidungsmodus“

Von Dr. Stefan Kroll

Europäische Politik präsentiert sich den Bürgerinnen und Bürgern nicht selten als Krisenpolitik. Am Ende langer Sitzungsnächte, in denen über Entscheidungen gerungen wurde, treten die Verantwortlichen vor die Presse und verkünden eine lang erwartete Einigung. Mark Weinmeister (Hessischer Europastaatssekretär), der die Gäste dieses 13. Crisis Talks in der Vertretung des Landes Hessen in Brüssel begrüßte, bezog sich auf diese wiederkehrende Choreographie und stellte die Frage in den Raum, ob dieses nächtliche Ringen ein nicht nur engagierter, sondern eben auch nachhaltiger Politikmodus sei. Der Moderator Ralph Sina (WDR/NDR) knüpfte hieran an, als er einräumte, dass es sich dabei nicht nur, aber eben auch um ein Medienphänomen handele. Ein Problem solcher Krisengipfel sei eben auch, dass diese die Kräfte der Presse so binden würden, dass über die Berichte der Gipfel die Darstellung der normalen politischen Prozesse in Brüssel häufig zu kurz kämen.

Dies war der Rahmen, in dem in der Folge die Experten Prof. Dr. Oliver Ibert (Direktor des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung), Prof. Dr. Mark Rhinard (Stockholm University) und Dr. Carsten Pillath (Generaldirektor, Rat der Europäischen Union) über die Gipfelnächte in Europa diskutierten. Carsten Pillath stellt dabei zunächst fest, dass die Gipfelnächte von den Beteiligten selbst meist nicht als eine Entscheidungsfindung im Krisenmodus empfunden würden. In Europa komme eben jede Regierung zu Wort, das koste Zeit und so werde es manchmal auch später in der Nacht, bis eine Übereinkunft gefunden werde. Dies sei jedem der Beteiligten klar und bedeute nicht zugleich, dass eine Einigung grundsätzlich in Gefahr sei. Pillaths weitere Ausführungen zu seinen persönlichen Erfahrungen aus solchen Entscheidungssituationen – etwa im Kontext der griechischen Finanzkrise –  legten jedoch nahe, dass ganz so viel Understatement nicht immer vorzufinden ist und es eben doch Momente sein können, die die Forschung als krisenartig beschreibt.

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Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk „30 Jahre Mauerfall: Die Bedeutung des Mauerfalls für die Entwicklung europäischer Gesellschaften“

Von Dr. Stefan Kroll

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls ist nicht nur eine Gelegenheit zum Gedenken an die friedliche Revolution von 1989, sondern bietet auch einen Anlass, den langfristigen Prozess der Wiedervereinigung in den Blick zu nehmen. Die Bedeutung des Mauerfalls für den Frieden und die demokratische Freiheit in Europa ist nicht zu unterschätzen, wie Mark Weinmeister (Hessischer Staatssekretär für Europaangelegenheiten) in seiner Begrüßung in der Hessischen Landesvertretung festhielt. Zugleich bedeutet die Wiedervereinigung eine Herausforderung – politisch, ökonomisch und gesellschaftlich – deren Dimension erst rückblickend wirklich ermessen wird und die bis in die Gegenwart hinein immer wieder auch krisenhafte Züge trägt. Den einleitenden Worten von Staatssekretär Weinmeister schlossen sich Grußworte von Prof. Dr. Frank Bösch (Zentrum Zeithistorische Forschung, Potsdam) und Rebecca Caroline Schmidt, der Geschäftsführerin des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an.
Der 12. Crisis Talk widmete sich den langfristigen Herausforderungen der Wende und diskutierte diese vor einem europäischen Horizont. Prof. Dr. Frank Bösch leistete in seinem Impulsreferat eine zeithistorische Einordnung, die die Vielschichtigkeit der Wiedervereinigung offenlegte und vor allem eine fehlende Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Lebensleistungen der Ostdeutschen als Problem erkannte. Prof. Dr. Ruth Leiserowitz (Humboldt-Universität und Deutsches Historisches Institut Warschau) ergänzte dies in der Diskussion nicht nur um eine Perspektive auf die Entwicklungen in Osteuropa und insbesondere in Polen. Darüber hinaus gewährte sie einen beeindruckenden Einblick auch in ihre eigene berufliche Biografie, die untrennbar mit der Geschichte der DDR und dem Mauerfall verknüpft ist. Der Crisis Talk, der gemeinsam durch die Vertretung des Landes Hessen bei der EU, dem Leibniz Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt, dem Europabüro der Leibniz Gemeinschaft und dem Exzellenzcluster „Normative Ordnung“ an der Goethe Universität veranstaltet wird, würdigte den historischen Erfolg des Mauerfalls und regte zugleich ein Nachdenken auch über den andauernden Prozess der Vereinigung an.

Weitere Informationen zum Crisis Talk: Hier...

Im Krebsgang durch die Vorlesungen am Collège de France

Von Johann Szews

Bericht zur Tagung "Philosophie, Kritik, Geschichte: Foucaults historisch-kritische Praxis in seinen Vorlesungen" am 30. und 31. Juli 2019 an der Johann-Goethe-Universität Frankfurt am Main

[1] Zwischen 1970 und 1984 hielt Michel Foucault 13 Vorlesungen am Collège de France, lediglich 1977 setzte er wegen eines Sabbatjahres aus. Diese Vorlesungen waren öffentlich zugänglich und mit bis zu 500 Zuhörer*innen überaus gut besucht. Foucault steckte intensive Arbeit in die Vorbereitung, etwa 6000 Druckseiten umfassen seine Manuskripte und Notizen aus diesen Jahren. Einer über die Zuhörerschaft hinausgehenden Öffentlichkeit wurden die Vorlesungen allerdings erst wesentlich später durch die Publikation von Manuskripten und Audioaufzeichnungen zugänglich. Sorgfältig editiert erschienen sie ab den späten 1990er-Jahren auf Französisch, jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge: Als erstes wurde 1996 "Il faut défendre la société" (1975/76) veröffentlicht, die deutsche Übersetzung "In Verteidigung der Gesellschaft" folgte 2001. Die deutschsprachige Edition bei Suhrkamp schloss 2016 mit den Vorlesungen "Theorien und Institutionen der Strafe" (1971/72).

Der Frage, welche Bedeutung diesen Vorlesungen aus heutiger Sicht zukommt, widmete sich vom 30. bis 31. Juli 2019 die von MARTIN SAAR (Frankfurt am Main) und FRIEDER VOGELMANN (Frankfurt am Main) veranstaltete Tagung "Philosophie, Kritik, Geschichte: Foucaults historisch-kritische Praxis in seinen Vorlesungen" am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Inwiefern unterscheiden sich die Vorlesungen vom publizierten Werk und wie ist die Darstellungsform von Foucaults Vorträgen zu verstehen, dessen Lehrstuhl den eigensinnigen Titel "Geschichte der Denksysteme" trug? Insgesamt stand die Tagung, in deren Verlauf sieben Vorlesungen diskutiert wurden, im Zeichen einer gesellschaftskritischen Foucault-Lektüre: Referent*innen und Publikum fragten immer wieder nach Möglichkeiten der Aktualisierung von Foucaults kritischer Perspektive.

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Ein Plädoyer für die (Wieder)Eroberung der demokratischen Institutionen: Oliver Marchart über das institutionentheoretische Defizit radikaler Demokratietheorie

Von Juana de Oliveira Lorena

Am Abend des 24. April 2019 startete die Ringvorlesung „Demokratie in der Krise? Bruch, Regression und Resilienz“. Nach der Eröffnung durch Professorin Nicole Deitelhoff, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, führten die Koordinatoren  PD. Dr. Thomas Biebricher und Prof. Dr. Martin Saar thematisch in die Reihe ein und stellten den Referenten der Auftaktveranstaltung,  Prof. Oliver Marchart, vor.
Oliver Marchart ist Professor für Politische Theorie an der Universität Wien. Zu seinen aktuellen Buchpublikationen zählen: Thinking Antagonism. Political Ontology after Laclau (Edinburgh University Press 2018); Conflictual Aesthetics. Artistic Activism and the Public Sphere (Sternberg i.E.) und Der demokratische Horizont. Politik und Ethik radikaler Demokratie (Suhrkamp, i.E.). Marchart erweise sich als guter Auftaktredner, da er in seiner Forschungstätigkeit insbesondere der Erforschung alternativer Formen zur liberalen Demokratie widme, so Saar. Genauer gesagt, Marcharts Forschungsschwerpunkt liegt auf die Untersuchung der radikalen Demokratie, die auf der Hinterfragung von Schließungen und Letztbegründungen basiere, erläuterte der Frankfurter Professor. Das heißt, Demokratie sei als ein offenes Feld zu verstehen, dessen Grundlage sich nicht per se durch ihre (letztbegründete) Ontologie rechtfertigen lasse. Dieser komplexe philosophische Gedanke lasse sich nicht von den Überlegungen über seine Anwendbarkeit trennen. Deshalb, um die konkrete Fragen der institutionstheoretischen  Ausarbeitung zu adressieren, sprach Oliver Marchart darüber „[w]as ist radikal an radikaler Demokratie? Vorschläge zur Behebung des institutionentheoretischen Defizits radikaler Demokratietheorie“.

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Aktuelles

„Normative Ordnungen“, herausgegeben von Rainer Forst und Klaus Günther, erscheint am 17. April 2021 im Suhrkamp Verlag

Am 17. April 2021 erscheint der Sammelband „Normative Ordnungen“ im Suhrkamp Verlag. Herausgegeben von den Clustersprechern Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, bietet das Werk einen weit gefassten interdispziplinären Überblick über die Ergebnisse eines erfolgreichen wissenschaftlichen Projekts. Mehr...

Das Postdoc-Programm des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“: Nachwuchsförderung zwischen 2017 und 2020

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist seit je her ein integraler Bestandteil des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“. Das 2017 neu strukturierte, verbundseigene Postdoc-Programm bietet die besten Bedingungen zu forschen und hochqualifizierte junge Wissenschaftler*innen zu fördern. Zum Erfahrungsbericht: Hier...

„Symposium on Jürgen Habermas’ Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Rainer Forst erschienen

Als jüngste Ausgabe der Zeitschrift "Constellations: An International Journal of Critical and Democratic Theory" ist kürzlich das „Symposium on Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Prof. Rainer Forst erschienen. Mehr...

Nächste Termine

7. Juli 2021, 18 Uhr

Vortragsreihe "Politische Falschheiten: Diagnosen und Konzepte": Prof. Nicola Gess (Universität Basel): Halbwahrheiten. Zur Manipulation von Wirklichkeit. Mehr...

8. und 9. Juli 2021

Jahreskonferenz des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Zusammenhalt in der Krise. Mehr...

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Neueste Medien

Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?

Prof. Dr. Sighard Neckel (Universität Hamburg und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbundes "Normative Ordnungen")
DenkArt "Solidarität_Aber wie?"

Das vermessene Leben

Prof. Dr. Vera King (Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts Frankfurt, PI von ConTrust)
Ringvorlesung "Algorithms - Between Trust and Control"

Videoarchiv

Weitere Videoaufzeichnungen finden Sie hier...

Neueste Volltexte

Rainer Forst (2021):

Solidarity: concept, conceptions, and contexts. Normative Orders Working Paper 02/2021. Mehr...

Annette Imhausen (2021):

Sciences and normative orders: perspectives from the earliest sciences. Normative Orders Working Paper 01/2021. Mehr...