Forschung aktuell

Veranstaltungsbericht zum Crisis Talk "Des Volkes Stimme? Der Aufstieg des Populismus als Krise Europas"

Von Thorsten Thiel

Der Aufschwung populistischer Parteien in Europa ist eine der am stärksten beachteten politischen Entwicklungen der letzten Jahre. Trotz einiger Dämpfer bei den jüngsten Wahlen 2017 haben insbesondere rechtspopulistische Bewegungen es verstanden, in zahlreichen Demokratien Europas Fuß zu fassen; populistische Rhetorik findet gar weit über die Grenzen dieser Akteure hinaus Verbreitung. Vor diesem Hintergrund fand der fünfte Crisis Talk des Leibniz-Forschungsverbundes Krisen einer globalisierten Welt und seiner Partner – der Vertretung des Landes Hessens bei der EU, dem Europa-Büro der Leibniz-Gemeinschaft und dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ erneut großes Interesse. Unter dem Titel „Des Volkes Stimme? Der Aufstieg des Populismus als Krise Europas“ diskutierten am 7. Juni 2017 Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Sprecherin des Forschungsverbundes und geschäftsführende Direktorin der HSFK und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Prof. Dr. Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems, und Thomas Mann, Mitglied des europäischen Parlaments (EVP-Fraktion).

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„Die Basics erklären“ – Deutsche Außenpolitik nach vier Monaten Trump

Von Jerzy Sobotta

Der diplomatische Kontakt zwischen Deutschland und den USA überschlägt sich. Was heute noch als fest und verbindlich gilt, kann morgen bereits überholt sein. Die Bundesrepublik ist in ihren Beziehungen zur neuen US-Administration vor große Herausforderungen gestellt. Oliver Owcza, Leiter des Referats Nordamerika im Auswärtigen Amt, zog eine Zwischenbilanz über vier Monate Trump. Der Vortrag fand am 1. Juni 2017 in der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen der zwölfteiligen Ringvorlesung „Angriff auf die liberale Weltordnung – U.S. Außen- und Sicherheitspolitik unter Trump“ statt. Diese wird aus aktuellem Anlass vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ ausgerichtet und von Prof. Christopher Daase und Dr. Stephan Kroll organisiert.

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„Die Dialektik der Nummer“. Ein Gespräch zwischen Bernd Stiegler und Christoph Menke über die Fotografie von Claudia Andujar

Von Steffen Andrae

Das Schwarzweißfoto, das die Veranstaltung ankündigte, zeigt eine junge indigene Frau, die ein Kind auf ihrem Schoß fest umschlungen hält. Ihr Oberkörper wird nur durch ein Armband aus Naturmaterialien geziert und auch das Kind ist nackt. Ihr Blick ist durchdringend und skeptisch, könnte aber auch Gleichgültigkeit signalisieren, der des Kindes spricht von Unlust. Ein Element des Fotos ist irritierend: um den Hals des Kindes hängt eine Nummernplakette mit der Zahl 66. Auch die Erwachsene scheint „markiert“ zu sein. Das lässt sich zwar nicht definitiv bestimmen, anhand der Halskette aber erahnen. Die Nummerierung der Fotografierten ruft ein reflexhaftes Unbehagen hervor. Es entsteht aus der intuitiv zugrunde gelegten Opposition von Nummerierung und Individualität. Doch deren Verhältnis ist nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint.
Unter dem Titel „Markiert sein oder markiert werden“ diskutierten der Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler und der Philosoph Christoph Menke am 16. Mai 2017 im Museum für Moderne Kunst. Stiegler ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Konstanz, Menke Professor für Praktische Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Der Abend wurde moderiert von der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, Dr. Mirjam Wenzel. Im Zentrum des Gesprächs stand die Fotoserie „Marcados“ (dt. „Die Markierten“) der schweizerisch-brasilianischen Fotografin Claudia Andujar. Ihr entstammt das eingangs beschriebene Bild. Die Serie entstand im Rahmen der Vorbereitungen zu einer Schutzimpfung der Yanomami durch die brasilianische Regierung. Die Yanomami sind das größte relativ isoliert lebende indigene Volk Südamerikas.

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„Welche normativen Orientierungen braucht Europa?“ EU-Kommissar Günther Oettinger diskutierte mit dem Philosophen Rainer Forst

Von Bernd Frye

„The time is out of joint”, zitierte Rainer Forst Shakespeares „Hamlet”. Auch heute könne man den Eindruck gewinnen, die Zeit gerate „aus den Fugen“. Doch während Hamlet noch damit gehadert hatte, dass ausgerechnet er zur Welt gekommen sei, um diese „einzurichten“, war sich der politische Philosoph mit seinem prominenten Dialogpartner einig: Man muss die Herausforderungen jetzt in Angriff nehmen, damit sich für ein innovatives Projekt nicht schon bald die Schicksalsfrage stellt. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, diskutierte an der Gothe-Universität mit Günther Oettinger, Haushaltskommissar der Europäischen Union. Das Arbeitsgespräch trug den programmatischen Titel: „Europäische Werte in der Krise – Welche normativen Orientierungen braucht Europa?“

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Kein Ende in Sicht? Jens Steffek über die Globalisierung und ihre Kritiker

Von Jerzy Sobotta

Aus dem Fenster des Klingspor-Museums in der Offenbacher Herrnstraße fällt der Blick auf eine alte, rote Backsteinfassade. Das Gemäuer der ehemaligen Schnupftabakfabrik zeugt von einer anderen Zeit. Das Ende der großen Industrie hat die Stadt nie ganz verkraftet. Bis heute sind die Folgen der schnellen Deindustrialisierung spürbar. Sie setzte ein, als in den späten 1960er Jahren die Produktion ins Ausland abwanderte und die Fabriken starben. Die Bewohner haben vor ihrer eigenen Haustüre erlebt, dass mit der Globalisierung eine neue Epoche angebrochen ist. Und es hat lange gedauert, bis Offenbach sich in der neuen Zeit zurechtgefunden hat. Doch nun soll auch die Globalisierung zu Ende gehen? Diese Frage warf der Politikwissenschaftler Jens Steffek auf, dessen Vortrag vom 27. April 2017 den gegenwärtigen Zustand der Globalisierung und ihre Kritiker in den Blick nahm. Er ist Professor für Politikwissenschaft an der TU-Darmstadt und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, das die Vortragsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ gemeinsam mit dem Klingspor-Museum und der Stadt Offenbach seit zwei Jahren veranstaltet.

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XXI. Frankfurter Stadtgespräch „Im Namen Gottes? Monotheismus und Gewalt“

Von Johanna Schafgans

Das XXI. Frankfurter Stadtgespräch des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ fand am 19. April 2017 unter dem Titel „Im Namen Gottes? Monotheismus und Gewalt“ im Historischen Museum statt. Prof. Dr. Hartmut Leppin, Professor für Alte Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters unterhielt sich mit Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für Religiöse Studien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Principal Investigator des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“. Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters, moderierte die Veranstaltung.
Die Podiumsteilnehmer befassten sich mit der Frage, ob es eine Verbindung zwischen monotheistischen Religionen und Gewalt gibt. Dabei wurde der Fokus vor allem auf den Islam und das Christentum gelegt. Explizit sollten jedoch nicht nur die neuesten Entwicklungen und Ereignisse in Hinblick auf den Islam diskutiert, sondern die größeren Linien des Themas aus unterschiedlichen Blickwinkel betrachtet werden: Mouhanad Khorchide aus theologischer Sicht und Hartmut Leppin aus (alt)historischer.

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XVI. Walter Hallstein-Kolloquium des Wilhelm Merton-Zentrums für Europäische Integration und Internationale Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“

Von Christoph Hettinger

Das Walter Hallstein-Kolloquium ist eine jährlich stattfindende europawissenschaftliche Fachtagung des Wilhelm Merton-Zentrums, das von seinen Direktoren Rainer Hofmann und Stefan Kadelbach geleitet wird. Es wird jeweils ein Tagungsband mit den Beiträgen der Referenten in der Schriftenreihe des Merton-Zentrums im Nomos-Verlag veröffentlicht. Unter dem diesjährigen Thema „Verfassungskrisen in der Europäischen Union“ ging man der Frage nach dem verfassungsrechtlichen Grundkonsens in Europa aus zwei Perspektiven nach – der europarechtlichen aus Sicht von EU und Europarat sowie der mitgliedstaatlichen anhand einiger Staaten, in denen die europäischen Verfassungswerte in letzter Zeit in besonderer Weise herausgefordert werden. Dieses Jahr fand es statt vom 23. bis 24 März 2017.

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Dschihadisten für Le Pen: Gilles Kepel über Frankreich, den Terror und seine Wahlstrategen

Von Jerzy Sobotta

Nichts wünschen sich die islamistischen Terroristen mehr, als einen Sieg Marine Le Pens bei den kommenden Wahlen in Frankreich. Wieso ihnen eine starke Rechte in die Hände spielt, erklärte der Arabist und Sozialwissenschaftler Gilles Kepel. Der Islamismusforscher lehrt am „Institut d’études politiques de Paris“ und beschäftigt sich in seiner Forschung seit mehr als dreißig Jahren mit radikalen muslimischen Bewegungen. Er hat zahlreiche Bücher zu dem Thema verfasst. Zwei Tage nach dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl erläuterte er das politische Kalkül der salafistischen Terrorstrategen. Sein Vortrag am 25. April in der Goethe-Universität Frankfurt wurde vom Exzellenzcluster „Die Herausbildungen normativer Ordnungen“ ausgerichtet.

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Die Bühne der Dissidenten. Zur aktuellen Filmreihe „Dissidents on Stage“

Von Steffen Andrae

Im Gegensatz zur Geisteswissenschaft stellt der Film seine Gegenstände nicht primär in schriftlicher Form, sondern im Medium des bewegten Bildes dar. Anschauung geht hier vor Begriff, sinnliche Wahrnehmung der Realität vor deren rein gedanklicher Gliederung. Obgleich auf unterschiedlichen Methoden beruhend, bestehen zwischen den Sujets wissenschaftlicher und filmischer Arbeiten vielfältige Überschneidungen. Dies ist besonders dort der Fall, wo Themen behandelt werden, die uns unmittelbar und konstitutiv „menschlich“ scheinen: psychologische, soziale, künstlerische oder politische. Die neue Veranstaltungsreihe Dissidents on Stage des Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ leuchtet diesen Bereich zwischen Wissenschaft und Film aus. Organisiert von der Forschungsgruppe „Internationale Dissidenz“ des Exzellenzcluster in Zusammenarbeit mit dem naxos.KINO, geht sie auf zweifache Spurensuche. Zum einen sollen Praktiken des Widerstands auf Grundlage aktueller Dokumentarfilme zu sozialen Konfliktfeldern diskutiert, zum anderen soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich eine wissenschaftliche und eine filmisch-dokumentarische Bearbeitung von Protest, Widerstand und Aufstand gleichen bzw. unterscheiden und zu welchen Erkenntnissen sie jeweils beitragen können.

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Aktuelles

„Normative Ordnungen“, herausgegeben von Rainer Forst und Klaus Günther, erscheint am 17. April 2021 im Suhrkamp Verlag

Am 17. April 2021 erscheint der Sammelband „Normative Ordnungen“ im Suhrkamp Verlag. Herausgegeben von den Clustersprechern Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, bietet das Werk einen weit gefassten interdispziplinären Überblick über die Ergebnisse eines erfolgreichen wissenschaftlichen Projekts. Mehr...

Das Postdoc-Programm des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“: Nachwuchsförderung zwischen 2017 und 2020

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist seit je her ein integraler Bestandteil des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“. Das 2017 neu strukturierte, verbundseigene Postdoc-Programm bietet die besten Bedingungen zu forschen und hochqualifizierte junge Wissenschaftler*innen zu fördern. Zum Erfahrungsbericht: Hier...

„Symposium on Jürgen Habermas’ Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Rainer Forst erschienen

Als jüngste Ausgabe der Zeitschrift "Constellations: An International Journal of Critical and Democratic Theory" ist kürzlich das „Symposium on Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Prof. Rainer Forst erschienen. Mehr...

Nächste Termine

7. Juli 2021, 18 Uhr

Vortragsreihe "Politische Falschheiten: Diagnosen und Konzepte": Prof. Nicola Gess (Universität Basel): Halbwahrheiten. Zur Manipulation von Wirklichkeit. Mehr...

8. und 9. Juli 2021

Jahreskonferenz des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Zusammenhalt in der Krise. Mehr...

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Neueste Medien

Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?

Prof. Dr. Sighard Neckel (Universität Hamburg und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbundes "Normative Ordnungen")
DenkArt "Solidarität_Aber wie?"

Das vermessene Leben

Prof. Dr. Vera King (Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts Frankfurt, PI von ConTrust)
Ringvorlesung "Algorithms - Between Trust and Control"

Videoarchiv

Weitere Videoaufzeichnungen finden Sie hier...

Neueste Volltexte

Rainer Forst (2021):

Solidarity: concept, conceptions, and contexts. Normative Orders Working Paper 02/2021. Mehr...

Annette Imhausen (2021):

Sciences and normative orders: perspectives from the earliest sciences. Normative Orders Working Paper 01/2021. Mehr...