Neuer europäischer Forschungsverbund untersucht ab 2020 Wahlen in Zeiten der Krise demokratischer Ordnungen

Im Rahmen des neuen, von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsverbunds „Reconstructing Democracy in Times of Crisis“ analysiert Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, zukünftig die Legitimität von und die Legitimation durch Wahlen in Zeiten der Krise der Demokratie.

Wahlen sollen Regierungen legitimieren. Allerdings sind es die Wahlen selbst, deren Legitimität derzeitig in Frage zu stehen scheint. In vielen europäischen Ländern sind die WählerInnen zunehmend unwillig zu wählen; und wenn sie es tun, dann werden sie oft von Parteien angezogen, deren Ziele und Vorstellungen in einem mehr und weniger großen Widerspruch zu den demokratischen Grundnormen von Freiheit und Gleichheit zu stehen scheinen. Diese Entwicklungen werfen die fundamentale Frage nach der langfristigen Fähigkeit von Wahlen zur Legitimierung von Institutionen und Regierungen in Europa auf. Es ist ebendiese Frage, deren Untersuchung im Zentrum des neuen EU-Forschungsprojekts „Reconstructing Democracy in Times of Crisis: A Voter-Centred Perspective“ (REDEM) steht.

Die an REDEM beteiligten ForscherInnen, darunter politische TheoretikerInnen wie Rainer Forst sowie empirische PolitikwissenschaftlerInnen, forschen an verschiedenen Standorten in neun europäischen Ländern: Von Dänemark, Deutschland und Frankreich über Großbritannien, Italien und Holland bis hin zu Rumänien, Schweden, der Schweiz und Spanien. In enger Kooperation untersuchen sie in Zukunft die Legitimität von und die Legitimation durch Wahlen im europäischen Kontext, indem sie sich sowohl theoretisch mit der relevanten sozialwissenschaftlichen und historischen Literatur als auch empirisch mit bisher unveröffentlichten Daten und Forschungsarbeiten aus europäischen Projekten befassen. Der offizielle Startschuss für die Arbeit von REDEM ist für den Zeitraum von Ende Januar bis Anfang Februar 2020 angesetzt.

Zentral koordiniert wird der Forschungsverbund von Annabelle Lever von der SciencesPo Paris. Neben Annabelle Lever und Rainer Forst setzt sich REDEM zusammen aus Martial Foucault von der SciencesPo in Paris, Kasper Lippert-Rasmussen und Andreas Albertsen von der Universität Aarhus, Valeria Ottonelli, Federico Zuolo und Mara Morini von der Universität Genua, Ludvig Beckman und Eva Erman von der Universität Stockholm, Alexandru Volacu von der Universität Bukarest, Andrei Poama von der Universität Leiden, Nenad Stojanovic, Emanuela Ceva, Sandra Lavanex und Jonas Pontusson von der Universität Genf, José Luis Martí von der Pompeu Fabra Barcelona sowie Tom Kibasi, Sarah Longlands und Carys Roberts vom Institute for Public Policy Research London.

 


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Die Gegenwart der Religion und die Zukunft der Philosophie. Internationale Tagung über und mit Jürgen Habermas

Am 20. und 21. November 2020 fand die Tagung „Gegenwart der Religion - Zukunft der Philosophie. Überlegungen im Anschluss an das jüngste Werk von Jürgen Habermas“ statt. In acht Vorträgen international renommierter Wissenschaftler*innen aus der Philosophie und Theologie wurde an zwei Tagen das 2019 erschienene Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie" mit dem Autor Jürgen Habermas diskutiert. Mehr...

DenkArt "Solidarität_Aber wie?"


Ab dem 9. März 2021 befasst sich die partizipative Vortragsreihe DenkArt "Solidarität_Aber wie?" mit der Frage, wie Solidarität heute überhaupt noch möglich ist. An insgesamt drei Terminen soll diskutiert werden, was die Gesellschaft gegenwärtig verbindet, wenn Werte strittig werden und soziale Unterschiede sie immer mehr spalten. Mehr...

Nächste Termine

4. März 2021, 16 Uhr

XX. Walter Hallstein-Kolloquium: Kooperativer Grundrechtsschutz in der Europäischen Union. Aktuelle Entwicklungen im Lichte der neuen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des EuGH. Mehr...

9. März 2021, 19.30 Uhr

DenkArt "Solidarität_Aber wie?": Kübra Gümüşay (Autorin und Bloggerin): Solidarität_Wie ist Teilhabe für alle möglich? Mehr...

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