Erinnern, Bekennen, Schuld, Aufarbeitung: 1968 und der Holocaust

Podiumsdiskussion im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität "50 Jahre in Bewegung – 1968 und die Folgen"

22. November 2018, 19.30 Uhr

Stadtbücherei Frankfurt am Main
Zentralbibliothek
Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main

Schon deutlich vor der eigentlichen 68-Zeit hatte in der deutschen Gesellschaft ein neues Bewusstsein im Hinblick auf dem Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus eingesetzt und der Rolle der so genannten „Tätergeneration“, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Teilen des gesellschaftlichen Lebens wieder in wichtige Funktionen eingetreten waren. Es war insbesondere der Hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. 1959 erreichte Bauer, dass der Bundesgerichtshof die „Untersuchung und Entscheidung“ in der Strafsache gegen Auschwitz-Täter dem Landgericht Frankfurt am Main übertrug. Auf Weisung Bauers leitete die dortige Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen vormalige Angehörige und Führer der SS-Wachmannschaft des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz ein. Der erste Auschwitzprozess in Westdeutschland, die „Strafsache gegen Mulka u. a.“, wurde schließlich im Dezember 1963 gegen 22 Angeklagte vor dem Landgericht Frankfurt eröffnet. Der Frankfurter Prozess kann als Initialzündung bezeichnet werden für ein verändertes Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit gegenüber den Verbrechen der Tätergeneration. An diese Aufarbeitung knüpfte die 68er-Bewegung an. Diese kann insofern auch als eine Art Abrechnung gesehen werden mit autoritären Väterfiguren verbunden mit dem Wunsch, das dahinterliegende, totalitäre Denken ein für alle Mal zu überwinden. Gleichzeitig wird die Schuldfrage an den Verbrechen der Nazis klar zur Sprache gebracht und im öffentlichen Bewusstsein als eine kollektive Form der Erinnerungskultur verankert.

Podiumsgäste:
Dr. Götz Aly (Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist)
Dr. Tobias Freimüller (Historiker, Stellv. Direktor des Fritz Bauer Instituts),
Prof. em. Michael Stolleis (Rechtshistoriker, Goethe-Universität),
Moderation: Sandra Kegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Weitere Informationen zur Reihe "50 Jahre in Bewegung – 1968 und die Folgen": Hier...

Bildergalerie:

  • Birgit Lotz, Leiterin Zentralbibliothek Frankfurt am Main
  • Birgit Lotz, Leiterin Zentralbibliothek Frankfurt am Main
  • Birgit Lotz, Leiterin Zentralbibliothek Frankfurt am Main
  • Dr. Dirk Frank, Pressereferent an der Goethe-Universität Frankfurt
  • Dr. Dirk Frank, Pressereferent an der Goethe-Universität Frankfurt
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts; Sandra Kegel, Literaturkritikerin und Journalistin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Prof. em. Michael Stolleis, Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“; Dr. Götz Aly, Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts; Sandra Kegel, Literaturkritikerin und Journalistin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Prof. em. Michael Stolleis, Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“; Dr. Götz Aly, Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts; Sandra Kegel, Literaturkritikerin und Journalistin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Prof. em. Michael Stolleis, Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Prof. em. Michael Stolleis, Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“; Dr. Götz Aly, Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts,
  • Dr. Götz Aly, Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts; Sandra Kegel, Literaturkritikerin und Journalistin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Dr. Götz Aly, Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Prof. em. Michael Stolleis, Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“; Dr. Götz Aly, Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist
  • Prof. em. Michael Stolleis, Rechtshistoriker an der Goethe-Universität und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Dr. Tobias Freimüller, Historiker und Direktor des Fritz Bauer Instituts
  • Sandra Kegel, Literaturkritikerin und Journalistin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Veranstalter:
Eine Kooperation der Goethe-Universität mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung


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