Staatsbürgersentimentalismus, American Style

Kantorowicz Lecture in Political Language

Mittwoch, 31. Oktober 2018, 18.00 Uhr

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
IG Farben Gebäude, Raum 411

Heike Paul ist Professorin für Anglistik und Amerikanistik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Die DFG zeichnete sie aus mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2018.

Seit geraumer Zeit lässt sich ein Comeback des Sentimentalen in der amerikanischen politischen Kultur beobachten. In der US-amerikanischen Geschichte ist das massierte Auftreten des Sentimentalen zur Erzeugung von öffentlichem Gefühl in verschiedenen gesellschaftlichen Funktionsbereichen stets ein Symptom für politische Krisen und korrelierende Krisen der politischen Kommunikation angesichts nationaler Zerreißproben gewesen. Der Vortrag gibt zunächst einen kurzen Rückblick auf die Geschichte solcher Krisen im 19. und 20. Jahrhundert, in denen das Sentimentale als Bewältigungsstrategie im Politischen eingesetzt wurde. Es geht hierbei insbesondere um die affektive Dimension zivilreligiöser, mythengesättigter Komplexe sowohl auf der nationalen als auch auf der subnationalen Ebene von Gemeinschaftsbildung. Im Anschluss wird die aktuelle Situation anhand folgender Leitfragen analysiert: Wie lässt sich die gegenwärtige politische Gemengelage mit Blick auf die Präsenz und Instrumentalisierung des Sentimentalen analysieren? Welche Funktion haben sentimentale Muster bei der Produktion von Narrativen der Viktimisierung und der Ermächtigung im Kampf um gesellschaftliche Teilhabe und Transformation? Anhand von einzelnen Fallbeispielen (Selbst- und Fremdrepräsentationen der Präsidentschaft Donald Trumps und seines „politischen Körpers“ sowie zivilgesellschaftlicher Rituale und Protestaktionen gegen die aktuelle Politik) zeigt der Vortrag die Ambiguität der kulturellen Arbeit des Sentimentalen. Dabei wird auch zu diskutieren sein inwiefern der Staatsbürger/die Staatsbürgerin und auch der Staatskörper bzw. der „Volkskörper“ (im Sinne von „We, the People“) gleichzeitig Subjekt und Objekt sentimentaler Konstruktionen und affektiver Aufladung sein können.

Bildergalerie:

  • Dr. Steffen Bruendel (Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und Prinicipal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen")
  • Prof. Dr. Heike Paul (Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)
  • Prof. Dr. Heike Paul (Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)
  • Prof. Dr. Heike Paul (Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und Prinicipal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen")
  • Prof. Dr. Heike Paul (Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)
  • Prof. Dr. Heike Paul (Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität und Prinicipal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen")

 Video:

 

Veranstalter:
Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"


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