Vorlesungsreihe Lecture & Film

Mit Godard wird das Kino historisch, mit Chantal Akerman fängt es neu an: Das Werk der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman ist eine ausführliche und vielgestaltige Antwort auf die Frage, was im Kino jenseits der fast durchwegs männlichen Helden-Geschichte von Griffith bis Hitchcock noch möglich ist, als deren Erben die Nouvelle Vague sich verstand. Akermans Filme wie Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles, Je Tu Il Elle, D’est oder La captive sind im Kino ohne Vorbild und prägen mit ihren bahnbrechenden feministischen Sichtweisen seit ihrem Erscheinen die Ausdrucksmöglichkeiten des Films. Akermans Ästhetik der Alltagserfahrung, ihr Überschreiten der Genregrenzen zwischen Spielfilm, Dokumentarfilm und Experimentalfilm, ihr Sinn für Dauer und Zeiterfahrung jenseits der Stechuhr-Dramaturgie des herkömmlichen Spielfilms machen sie zu einer Neuerfinderin der Formen des Kinos. Zugleich ist Akerman eine Pionierin der filmischen Installation, die sie in ihren Grundzügen bereits in den 1970er Jahren durchdenkt, mehr als zwei Jahrzehnte, bevor diese Form im Kunstbetrieb dominant wird. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden ist Chantal Akerman zudem eine singuläre Zeitzeugin der historischen Brüche und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, und ihre Auseinandersetzung mit jüdischem Leben durchzieht ihre Filme auf vielfältige und subtil reflektierende Weise. Immer wieder umkreist Akermans Schaffen besonders die Beziehung zu ihrer Mutter und die Frage der Familienzugehörigkeit, und wie kaum einer Regisseurin vor ihr gelingt es ihr autobiographisches Material zum Stoff des Kinos zu machen.
Mit diesem bedeutenden Werk befassen sich im Rahmen der „Lecture & Film“-Reihe „Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman“ Weggefährt*innen von Akerman wie Babette Mangolte, Eric de Kuyper und Claire Atherton, Kuratoren wie Tim Griffin und Filmwissenschaftler*innen wie Ivone Margulies, Alisa Lebow, Patricia White und Laliv Melamed.

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
Schaumainkai 41, Frankfurt am Main

Eintritt 5 Euro. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter 069 961 220-220.

Programm (pdf): Hier...

Programm:

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 20.15 Uhr
Vinzenz Hediger (Frankfurt)
Das Melodrama des kolonialen Wahns: Akermans La Folie Almayer
Filmvorführung: Almayer’s Folly, F 2011, 127 min.
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Donnerstag, 1. November 2018, 20.15 Uhr
Eric de Kuyper (Brüssel)
Einen Roman umschreiben, einen Film schreiben: Zu Akermans Proust-Verfilmung La Captive
Filmvorführung: La Captive, F/B 2000, 118 min.
Vortrag in englischer Sprache
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Donnerstag, 15. November 2018, 20.15 Uhr
Verena Mund (Frankfurt)
Vor Geschäftsschluss: Chantal Akermans Working Girl-Film Golden Eighties
Filmvorführung: Golden Eighties, F/B/CH 1986, 96 min.
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Donnerstag, 29. November 2018, 20.15 Uhr
Ivone Margulies (New York)
Les Rendez-vous d’Anna: Serielles Sprechen und die Entzauberung der 1970er Jahre
Filmvorführung: Les Rendez-vous d’Anna, F/B/BRD 1978, 127 min.
Wetere Informationen: Hier...

Donnerstag, 13. Dezember 2018, 20.15 Uhr
Claire Atherton (Paris)
Filme schneiden mit Chantal Akerman: Ein Erfahrungsbericht am Beispiel von D’Est
Filmvorführung: D’Est, F/B 1993, 115 min.
Vortrag in englischer Sprache
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Donnerstag, 17. Januar 2019, 20.15 Uhr
Tim Griffin (New York)
Akermans Dispositionen
Filmvorführung: Sud, F/B 1999, 71 min.
Vortrag in englischer Sprache
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Donnerstag, 24. Januar 2019, 20.15 Uhr
Chen Sheinberg (Tel Aviv)
Körper in Bewegung im Raum: Toute une Nuit
Filmvorführung: Toute une Nuit, B/F 1982, 99 min.
Vortrag in englischer Sprache
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Donnerstag, 7. Februar 2019, 20.15 Uhr
Patricia White (Philadelphia)
„Ohne Vorstellung davon, wie stark das wirken würde“: Die Einzigartigkeit von Chantal Akermans Je, tu ,il, elle
Filmvorführung: Je, tu ,il, elle, B/F 1974, 86 min.
Vortrag in englischer Sprache
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Freitag, 26. April 2019, 18 Uhr / 20 Uhr
An Evening with Babette Mangolte (New York/San Diego)
Filmvorführungen: 18 Uhr - What Maisie Knew, USA 1975, 60 min., Steve Paxton at DIA, USA 2014, 8 min., Staging „Lateral Pass“, USA 2013, 31 min., R: Babette Mangolte
20 Uhr - Un jour Pina a demandé, B/F 1974, R: Chantal Akerman, 60 min.
Vortrag in englischer Sprache
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Donnerstag, 9. Mai 2019, 20.15 Uhr
Sonia Campanini (Frankfurt)
Follow me quietly. Akermans Poetik von Raum und Bewegung in Hotel Monterey und La Chambre
Filmvorführung: Hotel Monterey, B/USA 1973, 62 min.,
La Chambre, B/USA, 11 min.
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Donnerstag, 23. Mai 2019, 20.15 Uhr
Alisa Lebow (Sussex)
Distanz rahmen: News from Home
Filmvorführung: News from Home, F/B 1977, 88 min.
Vortrag in englischer Sprache
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 6. Juni 2019, 20.15 Uhr
Laliv Melamed (Frankfurt)
Hier/Da: Chantel Akermans Là-bas
Filmvorführung: Là-bas, B/F 2006, 78 min.
Vortrag in englischer Sprache
Weitere Informationen: Hier...

Donnerstag, 13. Juni 2019, 18 Uhr
Eva Kuhn (Lüneburg)
Vor und nach Jeanne Dielman
Filmvorführung: Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles, B/F 1975, 225 min.
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Donnerstag, 27. Juni 2019, 20.15 Uhr
Martin Seel (Frankfurt)
Die andere Seite des Kinos: Chantal Akermans De l‘autre côté
Filmvorführung: De l’autre côté, F/B 2002, 103 min.
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Donnerstag, 11. Juli 2019, 20.15 Uhr
Dieter Roelstraete (Chicago)
Die wandernde Jüdin: Chantal Akermans Heimatlosigkeit
Filmvorführung: No Home Movie, B/F 2015, 115 min.
Vortrag in englischer Sprache
Weitere Informationen: Hier...

 

Veranstalter:
Die Lecture & Film-Reihe „Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman“ wird veranstaltet vom Deutschen Filminstitut & Filmmuseum  und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ (www.konfigurationen-des-films.de) in Kooperation mit der hessischen Film- und Medienakademie


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Der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main trauert um Michael Stolleis, der nach kurzer, schwerer Krankheit am 18.03.2021 in Frankfurt verstorben ist. Er war seit 1975 Professor für Öffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte am Fachbereich Rechtswissenschaft, dem er auch nach seiner Berufung in das Amt des Direktors am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte im Jahre 1991 in Forschung und Lehre eng verbunden blieb. Mehr...

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