Forschungsprojekte 2019

Datenschutzstrafrecht und Informationsgesellschaft

Publikation

Projektleiterin: Prof. Dr. Beatrice Brunhöber | Profil

Projektbeschreibung

Die zunehmende Technisierung und Digitalisierung unserer Lebenswelt führt dazu, dass ei-nerseits immer mehr personenbezogene Daten anfallen. Ubiquitäres Computing bringt es mit sich, dass alle technischen Hilfsmittel vom Smartphone bis zum Auto, die wir verwenden, auch Informationen über uns aufzeichnen und verarbeiten. Andererseits wird es immer leichter, Informationen zu sammeln, zu archivieren und auszuwerten. Hier seien nur Big Data und Künstliche Intelligenz als Stichworte genannt. Dies weckt nicht selten Begehrlichkeiten nach der Auswertung über das Autorisierte hinaus und birgt das Risiko des Missbrauchs sensibler Daten.

Bereits seit den 1980er Jahren ist daher der Datenschutz ein Thema, das nicht nur öffentliche Debatten, sondern auch die Rechtswissenschaft beschäftigt. In Deutschland begann die Debatte mit den Protesten gegen eine geplante Volkszählung, deren gesetzliche Grundlage das Bundesverfassungsgericht 1983 teilweise für verfassungswidrig erklärte. Im Volkszählungs-Urteil entwickelte das Gericht die deutsche Variante eines Datenschutzgrundrechts: das informationelle Selbstbestimmungsrecht. Heute werden die Debatten nicht nur von der Kritik an staatlichen Eingriffen etwa durch die Vorratsdatenspeicherung beherrscht. Immer mehr in den Vordergrund rückt auch die Frage, wie mit dem Datenhunger privater Unternehmen umgegangen werden soll. In der Rechtswissenschaft werden beide Problemkreise bisher vor allem im Öffentlichen Recht und im Privatrecht diskutiert. Daher spielen Fragen danach, ob und wieweit der „Datenbetroffene“ strafrechtlich zu schützen ist, bislang fast keine Rolle. Diese Lücke wird das Forschungsprojekt schließen.

Die Besonderheit dieses Themenbereichs besteht darin, dass die normativen Vorgaben für den Datenschutz durch Strafrecht anders als im überwiegenden Teil des Strafrechts nicht mit tradierten Wertvorstellungen übereinstimmen (können) – wie dies etwa bei Tötungs- und Körperverletzungsdelikten der Fall ist. Denn es handelt sich um ein relativ neues Phänomen, das moralischen oder ethischen Wertungen schwer zugänglich ist und das angesichts seiner internationalen Dimension ohnehin unterschiedlichsten „Datenkulturen“ ausgesetzt ist. Es ist also ein Bereich, in dem sich normative Ordnungen gerade erst entwickeln. Deren Herausbildung wird in dem Forschungsprojekt interdisziplinär untersucht, sodass konkrete technische Entwicklungen, philosophische Erkenntnisse ebenso wie soziologische und historische Ansätze einbezogen werden können. So kann unter Heranziehung sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Analysen der Informationsgesellschaft herausgearbeitet werden, worum es aus rechtlicher Sicht geht, insbesondere welche Konflikte und welche Ansprüche miteinander in Ausgleich zu bringen sind.

Es zeichnet sich ab, dass es beim Datenschutz durch Strafrecht nicht um den Schutz sämtli-cher Daten vor Missbrauch oder Zerstörung geht, wie man auf den ersten Blick meinen könnte (z.B. Schutz vor Hacking von Betriebsdaten). Ordnet man die Thematik in das Informationsrecht ein und rekonstruiert die Genese des Datenschutzes kritisch, dürfte deutlich werden, dass es vielmehr um den Schutz des Einzelnen vor Persönlichkeitsbeeinträchtigungen geht, wenn Dritte mit persönlichkeitsrelevanten Informationen umgehen.

Auf diesen Analysen aufbauend können die Strafvorschriften identifiziert werden, die dem Datenschutzrecht zuzuordnen sind. Es handelt sich um Strafvorschriften, die im Kern das informationelle Selbstbestimmungsrecht schützen. Zu berücksichtigen werden vor allem Vor-schriften sein, die heimliche Wort- und Bildaufnahmen oder die Weitergabe von persönlichkeitsrelevanten Informationen verbieten. Dies reicht vom Schutz der Verletzung des Patientengeheimnisses bis hin zum Verbot des „Cybermobbing“.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Analyse solcher „datenschützender“ Strafvorschriften. Unter Rückgriff auf die genannten sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Analysen gilt es dabei auch zu untersuchen, ob es in Bereichen des Datenschutzes zu einer Überkriminalisie-rung gekommen ist oder ob der strafrechtliche Schutz zu kurz greift. Dafür wird ein eigenständiger, genuin verfassungsrechtlicher Bewertungsmaßstab entwickelt, der sich von dem herkömmlichen strafrechtswissenschaftlichen Ansatz abhebt. Auf diese Weise kann der Normzweck der „datenschützenden“ Strafvorschriften deutlicher herausgearbeitet werden und die Grundlage für eine verfassungsorientierte Auslegung der Strafvorschriften gelegt werden: Es geht um den Schutz des Anspruchs auf einen selbstbestimmten Umgang mit persönlichkeitsrelevanten Informationen.

Das Projekt wurde bereits an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der dort eingereichten Habilitationsschrift begonnen und in das Exzellenzcluster eingebracht. Die Buchveröffentlichung der Schrift erfordert umfangreiche Aktualisierungen und Ergänzungen weil sich die Entwicklungen sowohl in technischer als auch in rechtlicher Hinsicht überstürzen, wie beispielsweise das zwischenzeitliche Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung zeigt. Die Buchveröffentlichung wird durch eine Veranstaltungsreihe an der Goethe-Universität zu „Digitalisierung und Recht“ begleitet und ergänzt.

Veröffentlichung:
Beatrice Brunhöber, Der strafrechtliche Schutz der informationellen Selbstbestimmung, Mohr Siebeck Verlag, Reihe „Jus Poenale“, Tübingen voraussichtlich 2020 (im Erscheinen).

Veranstaltung:
Veranstaltungsreihe gemeinsam mit Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann an der Goethe-Universität Frankfurt: „Digitalisierung und Recht“ voraussichtlich im Sommersemester 2020.

Die normative Ordnung Künstlicher Intelligenz | NO:KI

Forschungsnetzwerk

Projektleiter: Prof. Dr. Christoph Burchard | Profil

Projektbeschreibung

„Künstliche Intelligenz“ (KI) ist heute in aller Munde. Und das aus gutem Grunde: KI ist der Motor der immer schneller voranschreitenden Digitalen Revolution, die alle Lebensbereiche durchwirkt. Das Forschungsprojekt „Die normative Ordnung Künstlicher Intelligenz“ baut ein Forschungsnetzwerk auf, das drei Fragenkomplexe aufarbeitet:

1. „Normative Ordnungen in KI?
Was sind die immanenten normativen Ordnungen von KI-Applikationen? Bzw. was sollten sie sein?

2. Normative Umordnungen durch KI?
Wie transformiert KI (bzw. deren immanente normativen Ordnungen) unsere bestehenden normativen Ordnungen? Bzw. wie sollte letztere durch erstere transformiert werden?

3. Normative Umordnungen von KI?
Kann KI durch externe normative Ordnungspostulate – insbesondere durch das Recht – regulierbar werden? Bzw. wie sollte sie reguliert und dadurch umgeordnet werden?


Diese Fragenkomplexe greifen ineinander. So kann kritisch beobachtet werden, dass KI – entsprechenden Verklärungen oder Vereinfachungen zuwider – weder eine selbständige Wesenheit noch an sich rational oder objektiv ist. Vielmehr kann sie ein veritables (politisches, wirtschaftliches, kulturelles etc.) Machtinstrument mit immanenten biases darstellen (Fragenkomplex „Normative Ordnungen in KI?“). Diese biases können bestehende (z.B. politische, wirtschaftliche oder soziale) Asymmetrien perpetuieren, existierende Diskriminierungen fortschreiben und die Quantifizierung des Sozialen alternativlos erscheinen lassen. Beispielhaft sieht etwa Soshana Zuboff mit all dem das Zeitalter des Überwachungskapitalismus eingeläutet (Fragenkomplex „Normative Umordnungen durch KI?“). Um dem entgegenzusteuern, müsste die normative Grundkonfiguration der entsprechenden KI-Applikationen geändert werden (Fragenkomplex „Normative Umordnungen von KI?“).

Veranstaltungen:

Programm im Wintersemester 2019/20

Vortragsreihe "Haftungsrecht und Künstliche Intelligenz"

 

 

 

 

 

 

 

 

 


21. Oktober 2019, 18 Uhr c.t., HZ 11

Digitale Rechtssubjekte? Zum privatrechtlichen Status autonomer Softwareagenten
Prof. em. Dr. Gunther Teubner (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
 
12. November 2019, 18 Uhr c.t., HZ 11
Digitale Rechtspersönlichkeit? Zur Diskussion um die zivilrechtliche Rechtsfähigkeit autonomer Systeme
Prof. Dr. Thomas Riehm (Universität Passau)
 
9. Dezember 2019, 18 Uhr c.t., HZ 11
Haftungsregime für autonome Systeme
Prof. Dr. Gerhard Wagner, LL.M. University of Chicago (Humboldt-Universität zu Berlin)
 
16. Dezember 2019, 18 Uhr c.t., HZ 6
Spezifische KI-Risiken als Anknüpfungspunkt für Haftungsregelungen
Prof. Dr. Herbert Zech (Humboldt-Universität zu Berlin)

 Weitere Informationen: Hier...

 

Programm im Sommersemester 2019*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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16. April 2019, 16.15 Uhr, 4.101 RuW, Uni Campus Westend

KI als Ende des Strafrechts?
Prof. Dr. Christoph Burchard (GU Frankfurt / Normative Orders)

30. April 2019, 16.15. Uhr, 4.101 RuW, Uni Campus Westend
Algorithmic Sentencing
Prof. Vincent Chiao, Ph.D. (University of Toronto)

21. Mai 2019, 16.15 Uhr, 4.101 RuW, Uni Campus Westend
Digitalisierung und Strafrecht – neue Perspektiven
Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Universität Würzburg)

10. Juli 2019, 20.00 Uhr, 5.01 EXNO, Uni Campus Westend
Autonome technische Systeme – neue Zurechnungssubjekte für das Strafrecht?
PD Dr. Boris Burghardt (HU Berlin / Fritz Bauer Institut)
Weitere Informationen: Hier...

*In Kooperation mit dem Dienstagsseminar des Instituts für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie

Weitere Veranstaltungen und Kooperationen

6. Juni, 20.00 Uhr, FKH Bad Homburg
Öffentlicher Vortrag am Forschungskolleg Humanwissenschaften (FKH):
Strafrechtsprechung durch Algorithmen?
Prof. Dr. Christoph Burchard (GU Frankfurt, Normative Orders)
Weitere Informationen: Hier...

12. Juli 2019, 18.00 Uhr, Kino des DFF, Frankfurt
In der Reihe Talking About a Revolution:
Können Roboter Autoren sein? Ein Gespräch über Copyright und künstliche Intelligenz rund um die Filme von Jan Bot
Prof. Dr. Vinzenz Hediger / Prof. Dr. Alexander Peukert (beide GU Frankfurt / Normative Orders)
Weitere Informationen: Hier...

16. Juli 2019, 20.15 Uhr, Kino des DFF, Frankfurt
In der Reihe Talking About a Revolution:
Verzerrt das Kino die KI? Ein Gespräch über Privatheit, IT-Vertrauen und Repräsentation anhand von The Circle
Prof. Dr. Vinzenz Hediger / Prof. Dr. Christoph Burchard (beide GU Frankfurt / Normative Orders)
Weitere Informationen: Hier...

19. bis 21. September 2019, FKH Bad Homburg
Bad Homburg Conference 2019
Künstliche Intelligenz - Wie können wir Algorithmen vertrauen?
Weitere Informationen: Hier...

Forschungsprojekte 2019

Projekte im Forschungsschwerpunkt 1: Umstrittene Ordnungen: Die Zukunft der Demokratie

1. No Alternative? Challenges to Democracy Today (Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Ayelet Shachar)

2. Der Staat als Streitschlichter – Von den Grundrechten als Abwehrrechte zu einer Stärkung der objektiven Dimension der Grundrechte (Prof. Dr. Klaus Günther und Prof. Dr. Stefan Kadelbach)

3. Configuring the demos: Cinema, the Global Digital Economy, and the Crisis of Democracy (Prof. Dr. Vinzenz Hediger)

4. Nach dem Eurozentrismus. Das Neudenken Europas hat erst begonnen (Prof. Dr. Bernhard Jussen)

5. Staat|Gesellschaft. Neue Perspektiven auf ein krisenhaftes Verhältnis (Prof. Dr. Christoph Menke)

6Geschichte und Kritik: systematische und methodische Ressourcen“ (Prof. Dr. Martin Saar)

7. „Materiale Gleichheit“ (Prof. Dr. Ute Sacksofsky in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Anna Katharina Mangold)

 

Projekte im Forschungsschwerpunkt 2: Verflüssigte Ordnungen: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

1. Die normative Ordnung Künstlicher Intelligenz | NO:KI (Prof. Dr. Christoph Burchard)

2. Datenschutzstrafrecht und Informationsgesellschaft (Prof. Dr. Beatrice Brunhöber)

3. Commercial Normativity in Cyberspace? (Prof. Dr. Nicole Deitelhoff)

4. Die Medialität normativer Ordnungen: Wie AfrikanerInnen aus der Nacht den Tag machen (Prof. Dr. Mamadou Diawara)

5. Configuring the demos: Cinema, the Global Digital Economy, and the Crisis of Democracy (Prof. Dr. Vinzenz Hediger)

6. Normative Wirtschaftspolitik – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Prof. Dr. Rainer Klump und Prof. Dr. Darrel Moellendorf)

7. Das Recht der globalen Digitalität – The Law of Global Digitality (Prof. Dr. Alexander Peukert)

 

Projekte im Forschungsschwerpunkt 3: Zerfaserte Ordnungen: Gesellschaftlicher Zusammenhalt unter Bedingungen radikaler Pluralität

1. Fragile Kooperationen: Produktionskrisen des Kinos (Prof. Dr. Angela Keppler, Prof. Dr. Christoph Menke und Prof. Dr. Martin Seel)

2. “Religious Violence” in Historical Perspective (Prof. Dr. Boris Barth, Prof. Dr. Hartmut Leppin und Prof. Dr. Dorothea Weltecke)

3. Sprache und Praxis von Religion. Zur normativen Bedeutung religiöser Symbole und Rituale (Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Dr. Thomas Schmidt)

4. Die normativen Strukturen der ägyptischen und mesopotamischen Wissenschaften:Eine grundlegende Neubetrachtung (Prof. Dr. Annette Warner (Imhausen))

5. Der globale Islam zwischen islamistischer Revitalisierung und progressivem Aufbruch (Prof. Dr. Susanne Schröter)

 

Projekte im Forschungsschwerpunkt 4: Überdehnte Ordnungen: Global Governance zwischen De- und Renationalisierung

1. Der Staat als Streitschlichter – Von den Grundrechten als Abwehrrechte zu einer Stärkung der objektiven Dimension der Grundrechte (Prof. Dr. Klaus Günther und Prof. Dr. Stefan Kadelbach)

2. Knowing the Rules and Acting Politically. Friedrich Kratochwil and his Critics (Prof. Dr. Gunther Hellmann und Prof. Dr. Jens Steffek)

3. Nach dem Eurozentrismus. Das Neudenken Europas hat erst begonnen (Prof. Dr. Bernhard Jussen)

4. Staat|Gesellschaft. Neue Perspektiven auf ein krisenhaftes Verhältnis (Prof. Dr. Christoph Menke)

5. Normative Wirtschaftspolitik – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Prof. Dr. Rainer Klump und Prof. Dr. Darrel Moellendorf)

6. Interpreting the Anthropocene: Hope and Anxiety at the End of Nature (Prof. Dr. Darrel Moellendorf)

7. Der globale Islam zwischen islamistischer Revitalisierung und progressivem Aufbruch (Prof. Dr. Susanne Schröter)

8. Zur Kontestation, Krise und Resilienz internationaler Institutionen (Prof. Dr. Armin von Bogdandy)

 

Forschungsschwerpunktübergreifende Projekte:

1Normative Ordnungen. Junge Perspektiven (Dr. Matthias C. Kettemann LL.M (Harvard))

2. Eine Theorie normativer Ordnungen (Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther)

 

„Materiale Gleichheit“

Interdisziplinäre und internationale Tagung

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Ute Sacksofsky | Profil in Kooperation mit Prof. Dr. Anna Katharina Mangold

Projektbeschreibung

In unterschiedlichen Verständnissen von Gleichheit kulminieren derzeit Konflikte darum, was in einer Demokratie notwendige Bedingungen gedeihlichen Zusammenlebens sind. Während populistische Bewegungen substanzhaft-homogenen Gleichheitsvorstellungen anhängen, pochen historisch exkludierte Personengruppen auf ihre Gleichberechtigung und fordern gleiche Rechte ein, und zwar nicht nur formal, sondern auch tatsächlich.

Rechtshistorische Studien zeichnen nach, wie anfänglich formale Gleichheitsvorstellungen allmählich um materiale Gleichheitsverständnisse ergänzt werden. In philosophischer Perspektive bedeuten solche materialen Gleichheitskonzepte eine deutliche Komplexitätssteigerung, nicht zuletzt, weil sie die Gerechtigkeitsfrage wesentlich differenzierter aufwerfen. Zudem sind materiale Gleichheitsbegriffe von vornherein „intersektional“ zu denken, wie die Geschlechterstudien herausgearbeitet haben, und rücken damit interne Hierarchisierungen innerhalb kategorial bestimmter Personengruppen in den Blick.

Materiale Gleichheitskonzepte stellen rechtswissenschaftliche Konzepte von Gleichheit vor große methodische Herausforderungen, weil der Blick auf die relevanten Normen ergänzt werden muss um den Blick auf die Auswirkungen dieser Normen in der Lebenswirklichkeit der betroffenen Personen und Personengruppen. Eine rein rechtsinterne, normzentrierte Betrachtung wird mit sozialwissenschaftlichen Wissensbeständen konfrontiert und muss um diese ergänzt werden, um unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Personengruppen sichtbar zu machen. Die Rechtspraxis wiederum reagiert mit der Entwicklung neuer dogmatischer Figuren, die eine Abbildung der komplexeren Gleichheitsverständnisse in rechtlichen Verfahren erlauben. Zu nennen sind insbesondere die mittelbare Diskriminierung, der Anspruch auf angemessene Vorkehrungen und Gleichstellungsmaßnahmen.

Die Tagung bringt deutschsprachige Expert*innen zusammen, um in systematischer Weise über diese Entwicklungen und verschiedene disziplinäre Perspektiven auf materiale Gleichheitsverständnisse zu sprechen.

Internationale Tagung
Materiale Gleichheit
14. und 15. November 2019, Frankfurt am Main
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„Geschichte und Kritik: systematische und methodische Ressourcen“

Tagung, Workshop, Publikationen

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Martin Saar | Profil

Projektbeschreibung

Die Forschungsperspektive mit dem Titelbegriff „Normative Ordnungen“ richtet sich auf soziale und politische Ordnungsgefüge, um deren Macht- und Herrschaftsfunktion einerseits, ihre Geltungs- und Legitimationsweise andererseits zu analysieren und zu erläutern. In diesem Forschungszusammenhang werden bestimmte Ordnungen daraufhin untersucht, wie sie faktisch oder effektiv Ordnung herstellen und wie sie zugleich Legitimität beanspruchen oder Rechtfertigungsgründe bereitstellen. Das methodische Verbinden der beiden Perspektiven („von außen“ auf Ordnungsbildung und „von innen“ auf Geltung oder Sinn) kann dabei auch die besondere Seinsweise des Sozialen und Politischen aufschließen: Es ist nie einfach nur da, sondern immer auch schon in bestimmten Narrativen, Bilder, Diskursen erzählt, gedeutet und mit Wert versehen. Jede materiale, spezifische Analyse und auch jede Zurückweisung einer bestimmten Ordnungsform werden also auf beiden Ebenen operieren müssen, auf der Ebene der Beschreibung faktischer Ordnungs- und Herrschaftseffekte und auf der Ebene der Explikation sinn- und werthafter Begründungseffekte. Und sie werden versuchen, den internen Zusammenhang der beiden Ebenen zu beschreiben.
Was diese Ausgangsentscheidung methodologisch oder grundbegrifflich heißt, wird seit längerem im Rahmen einer Theorie der normativen Ordnungen und ihrer Rechtfertigungsdiskurse und –narrative erforscht, wobei unterschiedliche theoretische Ressourcen, oft disziplinenabhängig, genutzt worden sind. In diesem Teilprojekt „Geschichte und Kritik“ soll ein Beitrag zu diesen Grundlagenfragen erarbeitet werden, der sich aus dem Durchgang durch zwei Theorietraditionen ergibt, die, wenn man sie auf die Perspektive „Normative Ordnungen“ zuspitzt, enorm hilfreich sein können. Beide spielten in den vergangenen Jahren eine Rolle, waren aber nicht immer direkt Gegenstand einer isolierten methodologischen Betrachtung. Erstens sollen – im Anschluss an etliche Veranstaltungen der vergangenen Jahre – neuere Beiträge aus der Kritischen Theorie jüngerer Prägung in ihrem politisch-theoretischen Teil, nämlich als Analyse und Kritik heutiger, demokratischer Herrschaftsformen, auf ihre Verfahren und begrifflichen Mittel befragt werden. Zweitens soll die hiervon doch recht divergierende Perspektive einer historischen Macht-, Wissens- und Selbstgeschichte, wie sie Michel Foucault verfolgt hat, auf ihre methodische Aktualität und Leistungsfähigkeit gefragt werden. In beiden Hinsichten verfolgt das Projekt „Geschichte und Kritik“ die Leitfrage, mit welchen theoretischen und begrifflichen Mitteln eine Analyse und Problematisierung heutiger und zukünftiger normativer Ordnungen ausgestattet sein kann und sollte.

Öffentlicher Workshop: Philosophie, Kritik, Geschichte: Foucaults historisch-philosophische Praxis (organisiert gemeinsam mit Dr. Frieder Vogelmann)
30. und 31. Juli 2019
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Tagung „Kritische Theorie der Politik“
1. November 2019
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“Religious Violence” in Historical Perspective

Round Table Colloquium at Goethe University Frankfurt

Project leaders: Prof. Dr. Boris Barth, Prof. Dr. Hartmut Leppin | Profile and Prof. Dr. Dorothea Weltecke | Profile

Projectdescription

“Religious violence” in public and academic discourse is often understood as violence that is motivated by religion. Notably, the so-called monotheistic religions are held responsible for the emergence of religious intolerance and religious violence because of their exclusive social and dogmatic claims. However, research has shown that any religious belief system is capable of framing and legitimising violence.
After all, “religions” as such do not commit acts of violence; human beings do. Consequently, historical research will ask for social, political, economic, or cultural constellations, which may have contributed to the production of militant theologies and acts of violence, and, in turn, intends to explain why and how violent events are framed and legitimised by religious claims.
Violence research has shown that “violent interaction uses the suffering body to stage a positional asymmetry”. The same may also be said about religious violence. Religious violence may also, for example, aim at the production of deterrence, economic gain, political power and social or sexual hierarchy. Religious violence can be directed against people or objects and places. The motives are only by definition related to truth claims. In addition, while one agent may consider an act of violence religious, this may not necessarily be the case for all parties involved. There is, for example, no doubt that Jews regarded the destruction of the Temple of Jerusalem in 70 AD as an act of religious violence, while the Romans were probably motivated by military considerations. One may even argue that religious differences and religious propositions are neither a necessary nor a sufficient condition for the emergence of violence, even if they are its result.
At a closer look, then, “religious violence” is a rather vague concept. The causal relation is controversial, and both the concepts “religion” and “violence” are highly contested. What is more, their use might lead to anachronisms, for example for what Jews and Christians call pagan beliefs. The distinction between religious violence, hate crimes and violence with ideological framing is difficult to draw. Yet, the concept may be useful after all, because of its openness, and because religious framing and the legitimation of violence are undoubtedly aspects of a historical and a present reality.
The participants of this workshop are invited to comment on the evocative concept of “religious violence” and to discuss events from their fields of expertise. Together, and in light of different theoretical perspectives, we aim to answer the question regarding whether, and if so where, the concept of “religious violence” may be useful in historical research. How and in which way does “religious violence” have a history? There are clearly conjunctions and waves of religious violence, but does its history have patterns, periods or even a development?

Round Table Colloquium at Goethe University Frankfurt
July 5th 2019, Frankfurt am Main, Campus Westend
SH 3.105
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Zur Kontestation, Krise und Resilienz internationaler Institutionen

Workshop und Panel

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Armin von Bogdandy | Profil

Projektbeschreibung

Das Projekt untersucht die Frage, welche Auswirkungen die aktuelle Krise universalistischer Normensysteme auf die Autorität und Legitimität internationaler Institutionen hat.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs erreichte die Zahl internationaler Institutionen, einschließlich internationaler Gerichte, sowie deren Aktivitäten ein bislang ungeahntes Ausmaß. Diese Entwicklungen warfen die Frage auf, welche Autorität internationale Institutionen ausüben bzw. ausüben dürfen. Darauf reagierte die Forschung mit Entwürfen für ein globales Verfassungs- oder Verwaltungsrecht sowie mit einer öffentlich-rechtlichen Konzeptualisierung des Völkerrechts, der sogenannten internationalen öffentlichen Gewalt („International Public Authority“ – das Vorläuferprojekt im Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“).

Inzwischen hat sich die internationale Ordnung jedoch dramatisch verändert. Die Kündigung internationaler Vereinbarungen durch die Trump-Administration, der erstarkende nationalistische Populismus und der Brexit verkörpern nur einige Beispiele eines regressiven Trends. Was früher selbstverständlich erschien – die Verbreitung institutioneller Institutionen und die Universalität von Demokratie und Menschenrechten – wird jetzt an mehreren Fronten in Frage gestellt. Es ist daher nicht überraschend, dass die systematischsten und schwersten nationalstaatlichen Attacken auf Institutionen, Abkommen und Gerichte im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts, des Menschenrechtsschutzes, der internationalen Klimapolitik und des Völkerstrafrechts abzielen.

Dieser Trend bedeutet jedoch nicht das Ende multilateraler Ordnungspolitik. Die meisten internationalen Institutionen und Gerichte erfüllen weiterhin ihr Mandat, selbst unter zunehmenden finanziellen und politischen Zwängen. In bestimmten, mitunter stark umstrittenen Gebieten des internationalen Rechts wie dem internationalen Steuer- und Migrationsrecht können sogar neue Formen der Autoritätsausübung beobachtet werden.

Das Projekt zielt darauf ab diese Beobachtungen theoretisch zu reflektieren und vergleichend empirisch aufzubereiten. Wissenschaftler*innen aus den Bereichen des Völkerrechts, der internationalen Beziehungen, der politischen Philosophie und Soziologie analysieren hierbei gemeinsam diese Phänomene unter drei Schwerpunktthemen:

•    Kontestation: Inwieweit wird internationale öffentlicher Gewalt aktuell in Frage gestellt? Welche rechtlichen und politischen Attacken können beobachtet werden? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten können in den verschiedenen Rechtsregimen beobachtet werden? Unterscheidet sich die Kontestation multilateraler Institutionen von demokratischen und autokratischen Staaten?

•    Krise: Unter welchen Bedingungen führt die Infragestellung des Multilateralismus zum Auseinanderbrechen internationaler Zusammenschlüsse? Welche rechtlichen Erscheinungsformen nimmt diese Krise an? Welche neuen Formen der Integration (Gegentrends) können beobachtet werden, bspw. Süd-Süd Kooperationen oder in Asien?

•    Resilienz: Wie widerstandsfähig sind internationale Institutionen angesichts mitgliedsstaatlicher Attacken? Ändert sich die Ausübung öffentlicher Gewalt? Welches sind die rechtlichen Voraussetzungen und Grenzen unterschiedlicher Anpassungsreaktionen?

Im Laufe des Jahres 2019 werden zwei Veranstaltungen durchgeführt:

28.-29. November 2019
Workshop 
„The End of International Public Authority? Contestation, Crisis, and Resilience of International Institutions”
Weitere Informationen: Hier...

2. Juli 2019
Panel
„What doesn’t kill it makes it stronger? The resilience of the Inter-American human rights system in an age of backlash“
im Rahmen der Jahreskonferenz der International Society of Public Law (ICON-S)
Weitere Informationen: Hier...

Staat|Gesellschaft. Neue Perspektiven auf ein krisenhaftes Verhältnis

Veranstaltungsreihe

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Christoph Menke | Profil

Projektbeschreibung

Dass das Verhältnis von Staat und Gesellschaft in der Krise ist, scheint als ausgemacht zu gelten. Die überkommene Gestalt politischer Institutionen, insbesondere der Nationalstaat, hat in den westlichen Gesellschaften weitgehend an Funktionsfähigkeit eingebüßt. Das betrifft nicht nur die politische Regulierungsfähigkeit gegenüber einer global integrierenden Wirtschaft, sondern zeigt sich auch darin, dass aktuelle politische Herausforderungen – wie etwa die sogenannte „Flüchtlingskrise“ und der Klimawandel – den nationalstaatlichen Rahmen sprengen. Diese Krise der Staatlichkeit äußert sich auch als Erosion der Demokratie, da demokratische Selbstbestimmung und Repräsentation bisher vornehmlich in nationalstaatlichen Institutionen organisiert sind. So werden etwa das Auseinanderfallen der Volksparteien, ein erstarkender, besonders rechtsnationaler und fremdenfeindlicher Populismus, die Auflösung der Zivilgesellschaft sowie der Vertrauensverlust gegenüber demokratischen Institutionen diagnostiziert.
An diese Krisendiagnosen möchte das Projekt anknüpfen. Die Ausgangsthese lautet dabei, dass die genannten Krisenphänomene auf ein grundlegendes Problem hinweisen, das den modernen Begriff des Staates selbst betrifft. Dabei handelt es sich um das Verhältnis von Staat und Gesellschaft, in dem der Staatsbegriff erst seine Bestimmung erfährt. Dieses Verhältnis konstituiert seine Relata – außerhalb desselben gibt es weder Staat noch Gesellschaft – und darin ist es zugleich wesentlich instabil und krisenhaft: Es bringt seine beiden Seiten als zwei Entitäten hervor, die sich gegeneinander verselbstständigen und daher jeweils mit der anderen (und dadurch mit dem Verhältnis, das sie konstituiert) im Konflikt stehen.
Eine Reaktion auf diese Krise besteht darin, die Staat-Gesellschaft-Differenz selbst zurückzuweisen. Das geschieht etwa in Entwürfen zu einer Verfassung nach dem Staat: als „dynamisches Verfassungsverständnis“ (Habermas), „horizontale Konstitutionalisierung“ (Joerges) oder als „Globalverfassung“ (Fischer-Lescano). Ihnen ist gemeinsam, dass sie an die Stelle der Organisation des Sozialen durch den Staat Modelle der Selbstorganisation des Sozialen stellen. Das Projekt soll erörtern, welche Konsequenzen die Aufgabe der Staat-Gesellschaft-Differenz und damit die Zurücknahme des Staates in die Gesellschaft für die Idee politischer Freiheit haben. Die Hypothese lautet dabei, dass durch die Vereinseitigung des Politischen auf die selbstorganisierenden und -regulierenden Kräfte des Sozialen nicht mehr beantwortet werden kann, wie politische Freiheit in ihrer spezifischen Normativität – den Ideen der Allgemeinheit, Gleichheit und Solidarität – im Sozialen Wirksamkeit erlangen kann. Gerade um die Normativität des Politischen im Sozialen geltend machen zu können, bedarf es eines Denkens der Differenz des Politischen gegenüber dem Sozialen. Um diese These zu begründen, wird sich das Projekt insbesondere die Frage nach der spezifischen Existenz- und Operationsweise der Gesellschaft stellen, die ebenso in den eingangs genannten Krisendiagnosen wie in den soeben genannten Relativierungen der Staat-Gesellschaft-Differenz eigentümlich unanalysiert bleibt. Mit der – in der Hypothese formulierten – Differenz des Politischen gegenüber dem Sozialen geht daher zugleich und umgekehrt die Differenz des Sozialen gegenüber dem Politischen einher. Beide Differenzen müssen in ihrer Spannung zusammengedacht werden; sie bilden die Gelingensbedingung politischer Freiheit.

Veranstaltungen

Workshop
6. Juni 2019, 15 Uhr

"Politik in der Zeit der Legitimitätskrise: warum Carl Schmitt heute lesen, und wie?"
Mit Jean-François Kervégan (Université Paris, Panthéon-Sorbonne)
Weitere Informationen: Hier...

Workshop
11. Juli 2019, 16 Uhr

Der privatrechtliche Diskurs der Moderne revisited
Mit Marietta Auer (Gießen)
Weitere Informationen: Hier...

Workshop
28. November 2019, 15 Uhr
„Das Finanzregime“
Mit Joseph Vogl (HU Berlin)
Weitere Informationen: Hier...

Normative Wirtschaftspolitik – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Internationaler Workshop

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Rainer Klump | Profil und Prof. Dr. Darrel Moellendorf | Profil

Projektbeschreibung

Im Mainstream der modernen wirtschaftswissenschaftlichen Forschung spielen die normativen Grundlagen der Wirtschaftspolitik keine bedeutende Rolle (mehr). Weder gibt es dazu herausragende Publikationen und Debatten noch gibt es nachhaltige Tendenzen, in das Curriculum der wirtschaftswissenschaftlichen Grundausbildung ein Pflichtfach „Wirtschaftspolitik“ (wieder) aufzunehmen, das im Zuge der Bologna-Reformen aus dem Pflichtkanon als überflüssig entfernt wurde. Man kann diese Entwicklung bedauern, weil damit viele Brücken aus den Wirtschafts- in die Gesellschafts- und Geisteswissenschaften abgebrochen bleiben oder auch weil sich außerhalb der Wirtschaftswissenschaften das Gefühl der unzureichenden fachinternen Auseinandersetzung mit den Ursachen der Finanzkrise von 2008 breit macht. Man kann aber auch die wissenschaftsimmanenten Entwicklungen nachzeichnen und kritisch erörtern, die das Verschwinden einer eigenständigen Lehre von der (normativen) Wirtschaftspolitik in den Wirtschaftswissenschaften verursacht oder begünstigt haben.
Letzteres soll in dem Projekt im Zentrum stehen. Es untersucht, wie und warum innerhalb der letzten 50 Jahre alle traditionellen Begründungen für aktives wirtschaftspolitisches Eingreifen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften infrage gestellt wurden. Es belegt, wie diese Entwicklung mit Prozessen der Globalisierung, Privatisierung und Deregulierung einherging, die letztlich auch eine zentrale Ursache der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 bildeten. Schließlich entwickelt es Anhaltspunkte, wie eine neue Theorie der (normativen) Wirtschaftspolitik aussehen kann, die Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhundert wie Digitalisierung oder Klimawandel gibt.
Das Projekt schließt an die Überlegungen zum Widerstreit zwischen Eigennutz- und Gemeinwohlorientierung der Wirtschaftswissenschaften an, die seit der frühen Neuzeit ein Kennzeichen marktwirtschaftlich-kapitalistischer Wirtschaftsordnungen sind. Während in Klump / Pilz (2018) das Aufkommen der Eigennutzorientierung im 16. Jahrhundert analysiert und in ihren ideengeschichtlichen Rahmen eingeordnet wurde, untersuchten Klump / Wörsdorfer (2011) die normativen Grundlagen des Ordoliberalismus in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wörsdörfer (2014) hat sich auch bereits mit der Entwicklung des modernen wirtschaftswissenschaftlichen Curriculums auseinandergesetzt, allerdings dabei nicht die normativen Grundlagen der Wirtschaftspolitik thematisiert.

Motivation
In der traditionellen Theorie der Wirtschaftspolitik, wie sie bis etwa Anfang der 1970er Jahre dargestellt und gelehrt wurde, gab es drei große Bereiche bzw. Ziele, aus denen heraus wirtschaftspolitische Eingriffe motiviert und legitimiert wurden. Sie setzten an der Entstehungs-, der Verwendungs- und der Verteilungsseite des gesamtwirtschaftlichen Wohlstands, gemessen durch das Bruttoinlandsprodukt, an. Das Verteilungsziel strebte die Herstellung einer als gerecht empfundenen Verteilung der Einkommen und Vermögen an. Aus dem Bereich der Einkommensverwendung ließ sich das Ziel der konjunkturellen Stabilisierung herleiten, welches wiederum in die Unterziele eines stetigen Wirtschaftswachstums, der Vollbeschäftigung, der Preisniveaustabilität und des Zahlungsbilanzausgleichs aufgegliedert wurde. Auf der Entstehungsseite war schließlich das Ziel zur Herstellung allokativer Effizienz angesiedelt, das die bestmögliche Verwendung der knappen Ressourcen sicherstellen sollte und damit implizit auch eine Rechtfertigung für den Schutz der natürlichen Umwelt enthielt. Als zentrale wirtschaftspolitische Aufgabe wurde in diesem Segment die Korrektur sogenannter Marktfehler angesehen, wozu die Verhinderung monopolistischer Marktstrukturen einerseits und andererseits eine Regulierung von Märkten mit Externalitäten, asymmetrischen Informationen, zunehmenden Skalenerträgen oder sonstigen Abweichungen vom Idealbild des vollkommenen Marktes gezählt wurden.
Es soll in dem Projekt nun nachvollzogen werden, wie spätestens seit den 1970er Jahren ein Prozess einsetzte, der bis zum Beginn der 2000er Jahre dazu führte, dass fast alle der oben genannten Gründe für wirtschaftspolitische Eingriffe an Bedeutung verloren. Am Schluss blieb lediglich das Ziel des Wirtschaftswachstums übrig, das vor allem als Ausdruck allokativer Effizienz interpretiert wurde. Diese Entwicklung vollzog sich sukzessive und in mehreren Etappen – ausgehend von der Forschung über die Lehre bis hin zur politischen Praxis. Zunächst fanden in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zunehmende Arbeiten Verbreitung, die eine Unterordnung der übrigen Ziele unter das Ziel des Wirtschaftswachstums begünstigten und die Effizienz des (unregulierten) Marktes in den Vordergrund stellten. Über Veränderungen der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbücher und des wirtschaftswissenschaftlichen Curriculums wurde das neue Paradigma, welches die normativen Grundlagen der Wirtschaftspolitik immer weiter verengte, über Jahrzehnte für Generationen von Studierenden prägend. Schließlich diffundierte es auch in die politische Praxis und begünstigte dort die Politik einer allgemeinen Marktliberalisierung, die sowohl die Globalisierung der Güter- und Kapitalmärkte wie auch die Privatisierung und Deregulierung einzelner Wirtschaftssektoren motivierte.

Literatur
Klump, R. / Pilz, L. (2018), “Durch Eigennnutz zum Gemeinwohl: Individualisierung, Reformation und der „Geist des Kapitalismus“, Working Paper 01/2018, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Frankfurt am Main.
Wörsdorfer , M. (2011), ”On the Affiliation of Phenomenology and Ordoliberalism: Links between Edmund Husserl, Rudolf Eucken and Walter Eucken”, European Journal of the History of Economic Thought, 18, 5521-578.
Wörsdörfer , M. (2014), ”Inside the ‘Homo Oeconomicus Brain’: Towards a Reform of the Economics Curriculum?”, Journal of Business Ethics Education, 11, 1-36.

Internationaler Workshop
3. Juli 2019
Normative Economic Policy: Past Experience and Future Challenges
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Normative Ordnungen. Junge Perspektiven / Normative Orders. Young Perspectives

Autorenworkshop und Buchprojekt

Projektverantwortlicher: Dr. Matthias C. Kettemann LL.M. (Harvard) | Profil

Zum Ende der ersten beiden Förderungsperioden des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und mit Blick auf die Zukunft der Heimstätte kritischer Normenforschung gibt der geplante Band einen Überblick über zentrale Erkenntnisse und Positionen der jüngeren Wissenschaftler¬innen und Wissenschaftler der Postdoc-Jahrgänge 2012-2017 und 2017-2018.
Der Band reflektiert den Schwerpunkt des Exzellenzclusters auf Nachwuchsförderung und dient als wirkmächtiger Leistungsausweis der Vielfalt, Interdisziplinarität und des Outputs der Postdocs. Er pointiert Forschungspositionen und öffnet Zukunftspositionen. Er ist zugleich eine Ergänzung des geplanten Sammelbands zu einer Theorie normativer Ordnungen der Prinicipal Investigators des Forschungsverbundes und erweitert diesen um junge Perspektiven. Die (bis zu) 30 Beiträge arbeiten jeweils auf wenigen Druckseiten (ca. 5-7) zentrale Gehalte der Forschungsansätze und -ergebnisse der Postdocs heraus, präsentieren tragfähige Thesen und setzen ihre Erkenntnisse in Konversation miteinander und mit dem Konzept „normativer Ordnungen“, das sie dergestalt, disziplinär verankert doch interdisziplinär wirksam, mit Leben erfüllen.

In einer Gesamtschau stellt der Band einen wichtigen Beitrag  zur Visibilisierung der Forschungserträge und -erfolge des Postdoc-Programms im Exzellenzcluster dar und kann als Ergänzung des Sammelbandes der PIs als Beitrag zur Zukunft des Forschungsverbundes leisten.

No Alternative? Challenges to Democracy Today

Goethe-Göttingen Workshop

Project leaders: Prof. Rainer Forst | Profile and Prof. Ayelet Shachar | Profile

Project description

Especially after the historic social changes in 1989, democracy was considered to be the one and only legitimate political order, though debates about its form continued. Today, the situation is different, for various reasons. One is that in various parts of the world, alternative forms of organizing a political order, based on one ruling party, for example, have proven to be both resilient and socially productive, if one thinks of China. Another is that even within Western societies, parties that advocate a populist, illiberal order present themselves as both representing the “true” people and realizing true democracy, in the process seeking to unsettle certain aspects of it once seen as essential. Finally, in a globalized world, many see democracies, at least in their nation-state based form, as not sufficiently autonomous and powerful enough to generate effective responses to the great challenges that lie ahead, such as ecological changes that know no borders and unfettered globalized economic forces.

These are the questions we plan to take up in this conference planned for December 2019. We will bring together global experts on these themes and aim to shed light on core aspects of the future of democracy.
The conference continues a tradition of exchanges between Normative Orders and the Max-Planck-Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity in Göttingen directed by Prof. Ayelet Shachar. It has brought important topics and excellent speakers to both places, such as Wendy Brown, Melissa Williams, Wolfgang Streeck and David Miller.

Earlier this year, the Third GG Exchange took place on March 15, 2019, at Normative Orders and discussed „The Contours of Citizenship.” See the program: here…

Goethe-Göttingen Workshop
September 26, 2019
Inclusive Parliaments - Representation, Mobility, Disability
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Nach dem Eurozentrismus. Das Neudenken Europas hat erst begonnen

Internationale Autorenworkshops

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Bernhard Jussen | Profil

Projektbeschreibung

Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Diskussion – im Prinzip – allgegenwärtig: Lateineuropa oder „der Westen“ können nicht länger globale Deutungshoheit beanspruchen, Provincializing Europe ist – wiederum: im Prinzip – die intellektuelle wie politische Herausforderung. „Die Moderne“ gilt nur mehr als eine unter multiple modernities im Rahmen einer Welt-Neuordnung, für die sich nach dem Ende des Kalten Krieges in rasantem Tempo das Programmwort post colonial durchgesetzt hat. Auch das zutiefst in der sogenannten „Aufklärung“ verwurzelte Säkularisierungsparadigma, also die zur Selbstverständlichkeit gewordene Hypothese der immer weiter fortschreitenden Säkularisierung, gilt längst als – selbst für den „Westen“ – nicht mehr brauchbare Prognose. Kurz, der Denkrahmen, der fast alle historischen und kulturellen – damit auch politischen und ökonomischen – Deutungen gesteuert hat, ist dysfunktional geworden. Weder Wissenschaft noch Politik bezweifeln, dass wir die fundamentale Neuorganisation jener Welt erleben, die seit dem Beginn der europäischen Expansion im 16. Jahrhundert global durchgesetzt worden ist. Ihre aktuelle Transformation in eine post-eurozentrische (oder postwestliche) Ordnung ist der klassische Fall eines Paradigmenwechsels.
Soweit der Konsens. Aber was bedeutet diese prinzipiell breit geteilte Einsicht im Einzelnen? Wie steht es um die Arbeit an den praktischen und – für die Wissenschaft vornehmlich – konzeptuellen Konsequenzen? Welche Wissensareale sind betroffen, wie werden sie reorganisiert?
In einigen Feldern ist die Neukonzeption inzwischen ein breites öffentliches Thema – so in der Diskussion um Restitution von Kulturgütern aus ehemaligen Kolonien, um die Revision des westlichen Kunstbegriffs, um die zum globalen Prinzip gemachten westlichen Formate des Politischen. In vielen anderen Feldern sind Neukonzeptionen aber noch Randerscheinungen, so etwa bei der Deutung der Geschichte des lateinischen Europa, mithin auch bei der universitären Organisation von Forschung und Studium in den Geisteswissenschaften. Wenn man Geschichte, Germanistik oder Kunstgeschichte studiert, zum Beispiel des „Mittelalters“, muss dann tatsächlich die Geschichte des „Europa als Weltprovinz“ anders aussehen als jene Geschichte Europas, die noch unserer Lehrer für selbstverständlich hielten? Natürlich muss sie anders aussehen. Aber bislang kommen Studierende problemlos durch, ohne mit den fundamentalen Erkenntnisproblemen post-eurozentrischer Humanities in Berührung zu kommen. Wie kann das sein – eine ganze Generation nach dem Ende des Kalten Krieges?
Ziel des Projektes „Nach dem Eurozentrismus“ ist – zunächst mit Blick auf den Gegenstand „Europa“ – eine systematische Zusammenschau der in den Geistes- und Sozialwissenschaften betroffenen Wissensfelder und Deutungskategorien, des jeweiligen Diskussionsstandes und des Standes der institutionellen Reorganisation (Denominationen, Curricula, Umgang mit Museumssammlungen usw.). Es geht dabei um die Argumentationsgrundlage für wissenschafts-, erziehungs-, kulturpolitische Interventionen.

Autorenworkshops

Workshop
"Posteurozentrismus"
8. November 2019, Frankfurt am Main
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Knowing the Rules and Acting Politically. Friedrich Kratochwil and his Critics

Konferenz

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Gunther Hellmann | Profil und Prof. Dr. Jens Steffek | Profil

Projektbeschreibung

Der „practice turn“ hat im vergangenen Jahrzehnt in zahlreichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen seine Spuren hinterlassen. Das gilt auch für die „Internationalen Beziehungen“. Friedrich Kratochwil, der sich aufgrund seines breiten wissenschaftlichen Œuvres keineswegs auf die Internationalen Beziehungen reduzieren lässt, hier aber seine primäre disziplinäre Heimat sah, hat seit den 1980er Jahren zu dieser (zunächst unter dem Etikett „Konstruktivismus“ verhandelten) sozialtheoretischen Perspektive, einflussreiche Beiträge geliefert. Sein neuestes Buch, das gleichsam als große Synthese seines Lebenswerks zu verstehen ist, ist vor wenigen Wochen bei Cambridge University Press erschienen („Praxis. On Acting an Knowing“) und u.a. auch das Ergebnis seines Forschungsaufenthaltes am Cluster „Normative Orders“. Weil dieses grundlegende Werk nicht nur ein willkommener Anlass zur breiteren Würdigung des Lebenswerks von Fritz Kratochwil ist, sondern auch in unterschiedlicher Form Anknüpfungspunkte zum neuen Forschungsprogramm des Clusters liefert, wird eine „book making“-Konferenz veranstaltet, die seinen Praxisbegriff zum einen im Hinblick auf bestimmte grundlegende Wissenspraktiken (vgl. „Praxis“, Kap. 8-10) hin diskutiert und zum anderen das Potenzial eines prozessual verstandenen, sich in konkreter, d.h. situativer Praxis manifestierenden – und eben gerade nicht auf quasi-habituelle Praktiken reduzierbaren – Handlungsbegriffes für die Herausbildung von Normen wie auch die Artikulation von (internationaler) Politik in unterschiedlichen Formen (etwa Gewalt) auslotet.
Die Zusammenhänge mit dem Forschungsprogramm sehen wir dabei im Einzelnen wie folgt: Themenbereich 4 des neuen Konzeptpapiers befasst sich mit dem „Ende universalistischer Normensysteme“ und unterstellt bereits hypothesenartig, dass wir diesen Niedergang aktuell beobachten können. Die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Praxis im Rahmen unserer geplanten Tagung ist in diesem Kontext zu sehen, denn sie ermöglicht einen alternativen Zugang zum Studium universalistischer Normensysteme und ihres (möglichen) Niedergangs. Dieser Zugang unterscheidet sich fundamental von traditionellen Ansätzen im Bereich der IB und des Völkerrechts, die die soziale Geltung eines internationalen Normensystems am Grad der "compliance" bzw. "non-compliance" abzulesen versuchen. In dieser Perspektive wäre das Ende universalistischer Normensysteme durch non-compliance gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu fokussiert eine praxisorientierte Perspektive auf die alltäglichen sozialen Handlungen, die von Normen angeleitet, informiert oder gerahmt sind. Dies eröffnet nicht zuletzt eine kritische Perspektive, in der wir nicht Normen und Prinzipien als gegeben annehmen (und dann eventuell noch beobachtetes Verhalten damit abgleichen), sondern ihre Wirkung erst in alltäglichen Handlungszusammenhängen untersuchen, in denen diese Normen gewissermaßen „gelebt“ und operationalisiert werden. Ein Niedergang universalistischer Normensysteme würde sich folglich nicht darin zeigen, dass diese Normen rhetorisch herausgefordert oder in markanten Einzelfällen missachtet werden. Es wäre vielmehr nachzuweisen, dass diese Normen in den konkreten und alltäglichen Praktiken der internationalen Beziehungen keine Rolle mehr spielen. Friedrich Kratochwil ist unser Referenzautor, weil er eine elaborierte Theorieperspektive anbietet, an der man sich abarbeiten kann. Nicht zuletzt muss man die Frage stellen, wie man Kratochwils "meditations" praktisch nutzen kann, d.h. wie sie Forschungen zu konkreten Gegenständen anleiten können.
Kratochwils jüngstes Buch eignet sich zudem für einen neuen Blick auf den Umgang mit Gewalt. Die im Forschungsprogramm zurecht hervorgehobenen neuen Formen der Gewalt (und ihrer Rechtfertigung; vgl. #5a) stellen notwendigerweise neue Herausforderungen an die Formulierung angemessener politischer Antworten vor dem Hintergrund bestehender bzw. fortzuschreibender normativer Ordnungen. Gerade hinsichtlich der von Kratochwil (auch grundlegend theoretisch erarbeiteten) hervorgehobenen genuinen Historizität des Handelns stellen sich neue Anforderungen an die Untersuchung (Theoretisierung) des Wechselspiels zwischen Gewalt und ihrer politischen bzw. rechtlichen Einhegung. Hierbei ist eine systematische Rekonstruktion grundlegender Praktiken im Feld der Eindämmung von Gewalt (vgl. die Kap. zu den Praktiken der „Sanktionierung“ und der „Bestrafung“ wie auch des „Urteilens“ und des „Kommunizierens“ in seinem neuen Buch) besonders hilfreich, weil ein im einschlägigen Gebrauch gründendes, aber auch systematisch in praktisch-theoretische Kontexte rückgebundenes begriffliches Instrumentarium verfügbar wird, das im Blick auf kontingente Handlungskontexte bei der Erarbeitung (bzw. Theoretisierung) sachangemessener und rechtfertigbarer politischer Antworten (etwa) auf neue Formen der Gewalt besonders hilfreich ist -- gerade weil es um seine kontingente Situierung weiß ("knowlegde (...) is acquired through participation in (...) am existing historical society", S.11).

Konferenz
Praxis as a Perspective on International Relations and Law. Friedrich Kratochwil and his Critics
12. und 13. Juli 2019
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Interpreting the Anthropocene: Hope and Anxiety at the End of Nature

International Workshop

Project leader: Prof. Dr. Darrel Moellendorf | Profile

Project description

The Anthropocene is the era of pervasive human impact on the planet. Atmospheric carbon dioxide and methane concentrations that exceed Holocene peak levels, techno-fossils frozen in Greenland ice sheets, and massive species extinction are all indications of planetary boundaries that have come under stress due to human industrial, commercial, and agricultural activity. Humanity’s relationship to its environment is changing. Lagging behind that change is serious reflection on how best to understand and direct it.

•    Is the Anthropocene best understood as the age of pervasive alienation from an environment made by, but not controlled by, humanity?
•    Does the Anthropocene mark the era of in which the Promethean aim of human emancipation through unbridled productive capacity can be realized?
•    Is the Anthropocene the age of massive and regrettable destruction of natural value, bad both because of the loss of intrinsic value but also because it threatens the foundations of human civilization?
•    Does the Anthropocene present the opportunity for humanity to come into full possession of its rational and reasonable powers by cooperatively managing planetary systems in a manner that is both fair and sustainable?
•    Is the Anthropocene the era in which existing social and global inequalities are magnified due to differential vulnerabilities to the consequences of the alterations in planetary systems?
As we reflect on the Anthropocene and the prospects for humanity and the environment that it poses, the role of human prospection itself can be reflexively thermalizedthematized.
•    What is the importance of hopeful or anxious prospection regarding the Anthropocene?
•    How does prospection itself shape the Anthropocene?
•    Is hope required or at least permitted? And does it matter?

Workshop
27-28 June 2019
Interpreting the Anthropocene: Hope and Anxiety at the End of Nature

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Fragile Kooperationen: Produktionskrisen des Kinos

Vorlesungsreihe und Publikation

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Angela Keppler | Profil, Prof. Dr. Christoph Menke | Profil und Prof. Dr. Martin Seel | Profil

Projektbeschreibung

Das Projekt nimmt die den Forschungsverbund Normative Ordnung leitende Diagnose einer „Fragilität normativer Ordnungen“ zum Anlass, die Krisenhaftigkeit solcher Ordnung an dem Mikrokosmos der an der Produktion von Filmen beteiligten Akteure zu untersuchen. Dies soll am Beispiel von Kinofilmen geschehen, die das Scheitern und/oder Gelingen solcher Produktionen in fiktionalen oder auch dokumentarischen Formen zum Thema haben. Im Hintergrund steht dabei der Topos eines „Theatrum Mundi“, der in der Literatur (z.B Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre), im Drama (z.B. Pirandello, Sechs Personen suchen einen Autor) und auch im Kino (z.B. Marx Brothers in der Oper oder Lubitsch, Sein oder Nichtsein) am Beispiel einer Theatertruppe zum Modell einer Welt im Kleinen erhoben wird, in der sich die konfligierenden Kräfte der großen Welt außerhalb der künstlerischen Bühnen spiegeln. Das Herstellen einer Schauspielproduktion wird dabei als ein kooperatives Projekt vergegenwärtigt, in dem eine gegebene normative Ordnung mit ungewissem Ausgang transformiert werden muss, um aktualisiert oder überwunden werden zu können. Der Leitgedanke des Projekts ist es, diesen Topos am Paradigma von Filmen zu untersuchen, die die kooperative Herstellung von Filmen – nicht selten am Fall ihres Scheiterns – zu ihrem Gegenstand haben. Was sich hierbei über die konstitutive Krisenhaftigkeit normativer Ordnungen in der Polarität von Integration und Desintegration zeigt, soll im Rahmen einer Vorlesungsreihe im Museum MMK für Moderne Kunst in Frankfurt/M. geschehen und während des Sommersemesters 2019 erforscht werden.
Die Vorlesungsreihe wird verbunden sein mit einem von Christoph Menke und Martin Seel gemeinsam am Philosophischen Institut der Goethe-Universität im Sommersemester 2019 veranstalteten Seminar zum Thema „Ästhetik des Kinofilms“. Die Reihe wird auswärtigen Gästen die Gelegenheit geben, jeweils am Beispiel eines dem Publikum vorgeführten Films der aus philosophischer, ästhetischer und soziologischer Perspektive über die Brüchigkeit normativer Ordnungen zu reflektieren. Es handelt sich hierbei um ein in den vergangenen Jahren ebenso bewährtes wie erfolgreiches Format, das es erlaubt, im öffentlichen Rahmen an künstlerischen Beispiel über aktuelle gesellschaftliche Tendenzen zu diskutieren (Gesetz und Gewalt im Kino, 2014; Verbrechen und Strafe im Kino 2015; Verkehrte Welten. Unordnungen des Films, 2016).

Geplant ist eine Publikation der Vorträge mit einer Einleitung der VeranstalterInnen.

Weitere Informationen zur Vorlesungsreihe „Fragile Kooperationen: Produktionskrisen des Kinos“: Hier...

Eine Theorie normativer Ordnungen

Workshop und Buchprojekt

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Rainer Forst | Profil und Prof. Dr. Klaus Günther | Profil

Projektbeschreibung

Die interdisziplinären Forschungen des Verbundes „Normative Ordnungen“ verstehen sich als Bausteine zu einer kontinuierlich sich zusammenfügenden Theorie normativer Ordnungen. Dabei sind in der bisherigen Zusammenarbeit wichtige Fundamente gelegt und Eckpfeiler errichtet worden, die das besondere „Frankfurter“ Gepräge des Forschungszusammenhanges kennzeichnen.
Geplant ist nun, in einem gemeinsamen Workshop der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – eingeladen werden sollen auch bereits ausgeschiedene ForscherInnen – zum einen eine Zusammenschau des in den zurückliegenden Jahren Geleisteten zu wagen und die genannten Bausteine zusammen zu tragen. Zum anderen soll ein Ausblick auf offene Fragen und Perspektiven vorgenommen werden.
Basierend auf der Annahme, dass sich normative Ordnungen nur stabilisieren können, wenn sie auch gerechtfertigt werden können, wenn ihre Rechtfertigungen bei denjenigen, von denen Normbefolgung erwartet wird, tragen, werden normative Ordnungen als Rechtfertigungsordnungen verstanden. Auch wenn damit eine Priorisierung theoretischer Fragestellungen nahegelegt zu sein scheint, versteht doch der Verbund das Verhältnis von empirischer Forschung und allgemeiner Theorie als ein reziprokes: Theoretische Fragen leiten empirische Forschung an, und empirische Forschung führt zur Neubestimmung theoretischer Annahmen. Ein Ziel des geplanten Workshops ist es, sich über die Möglichkeit und Notwendigkeit derartiger Neubestimmungen auseinanderzusetzen. Die jeweiligen Forschungen dienen dazu, die erarbeiteten Erkenntnisse über eine Theorie normativer Ordnungen auf den Prüfstand zu stellen und im Hinblick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen neu zu interpretieren. Lässt sich auch eine diagnostizierte Fragilität normativer Ordnungen, die das neue Forschungsprogramm in den Blick nimmt, mit den zur Verfügung stehenden Methoden und Theoremen angemessen erklären und verstehen? Welche theoretischen Innovationen erfordert diese Thematik?
Über die Frage nach den eine normative Ordnung tragenden Rechtfertigungsnarrativen gelingt es dem Verbund im Unterschied zu anderen Projekten, rekonstruktiv die subjektive Teilnehmerperspektive derer zu erschließen, die sich wertend zu ihrer normativen Ordnung verhalten. Gleichzeitig wird jedoch auch die objektiv-beschreibende Perspektive einer interdisziplinären Untersuchung des Wandels normativer Ordnungen nicht vernachlässigt. Rechtfertigungsordnungen sind in ihrer jeweiligen Wirklichkeit und in ihren Möglichkeiten immer mitbestimmt von historischen Entwicklungen, sozialen, politischen, ökonomischen, religiösen und kulturellen Kontexten, die in hohem Maße variieren und sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ändern. Die Bestimmung des Verhältnisses von subjektiver Teilnehmer- und objektiver Beobachterperspektive, z.B. entlang der Frage nach der Sedimentierung von Rechtfertigungen normativer Ordnungen und der Ausbildung von Institutionen der Kritik und Erneuerung, wird auch Gegenstand des Workshops sein.
In diesem Sinne sind die Wissenschaftler*innen des Forschungsverbundes dazu eingeladen, Überlegungen zu einer mit interdisziplinär angelegter empirischer Forschung fundierten Theorie normativer Ordnungen beizusteuern.
Im Anschluss an die Diskussion im Workshop soll ein deutsch/englischer Sammelband entstehen.

Die normativen Strukturen der ägyptischen und mesopotamischen Wissenschaften: Eine grundlegende Neubetrachtung

(vorläufiger Arbeitstitel)

Internationale Tagungen und Poststdoktorale Projekte

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Annette Imhausen | Profil und Prof. Dr. Tanja Pommerening

Projektbeschreibung

Zu allen Zeiten gab es privilegierte Wissenskorpora, die normativen Charakter hatten. In der Moderne hat sich für eines dieser Wissenskorpora der Begriff „Wissenschaft“ herausgebildet. Die Zugehörigkeit einer Disziplin zum privilegierten Wissen, ebenso wie ihre formalen Merkmale und ihre normative Wirksamkeit sind - entgegen der naiven Vorstellung, die mit moderner Wissenschaft verbunden wird - nicht „natürlich“ vorhanden, sondern werden von jeder Kultur und Gesellschaft individuell bestimmt (grundlegend hierzu Chalmers 2013), wie bereits ein oberflächlicher Blick ihrer Bezeichnungen Wissenschaft - science - sciences in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) offenlegt. So umfasst „Wissenschaft“ sowohl Geistes- als auch Naturwissenschaften, während im Englischen grundlegend zwischen sciences (Naturwissenschaften) und humanities (Geisteswissenschaften) unterschieden wird. Die Frage des „Dazugehörens“ von Wissensbeständen zu diesem Korpus des privilegierten Wissens war zu allen Zeiten umstritten und ist es auch heute noch (Stichwort „Pseudowissenschaften“ und Demarkationsproblem; vgl. Laudan 1983, der die Problematik mit Belegen überzeugend darlegt, siehe als (späte) Reaktion z.B. die Sammlung von Aufsätzen in Pigliucci und Boudry 2013). Die inzwischen erkannte kultursoziologische Komponente der Bestimmung und Entwicklung des „privilegierten Wissens“ (sociology of scientific knowledge), insbesondere bei einer historischen Betrachtung, die auf die longue durée ausgerichtet ist, hat zur Konsequenz, dass eine Einbeziehung der emischen Perspektive der entsprechenden Kulturen zur Bestimmung dessen, was zum privilegierten Wissen gehört, unabdingbar ist.
Diese Forderung hat grundlegende Konsequenzen für die Wissenschaftsgeschichte. In ihrer Genese hat sich diese, ebenso wie auch die Geschichte der Medizin und die Geschichte der Mathematik, als Disziplinengeschichte der Naturwissenschaften verstanden. Dabei wurde, zumindest in ihrer Anfangszeit, rückblickend die Genese von Disziplinen vom modernen Standpunkt aus betrachtet und somit auch von einem (naiven) modernen (Natur)Wissenschaftsbegriff (science) ausgegangen. Durch diese Herangehensweise hat sich für die frühen Kulturen, insbesondere das alte Ägypten und Mesopotamien, ein Problem in der Einordnung der Inhalte gelehrter (wissenschaftlicher) Texte ergeben, denn sie wurden als frühe Vorläufer späterer Erkenntnisse verstanden, nie aber als eigenständige Wissenskomplexe mit eigenen Spezifika.
Die beschriebene Problematik findet ebenso ihren Niederschlag in der Literatur. Beispielsweise wurde der Grundriss der Medizin der alten Ägypter mit ausgewählten heilkundlichen Texten bespeist (Deines, Grapow, Westendorf 1958-1973). Magische Elemente, die in den Papyri auch vorkommen, wurden nicht berücksichtigt. Ausgangspunkt der Sammlung war das, was medizinische Wissenschaft heute ausmacht, zu der Magie nicht dazugehört. Aufgrund dieses Vorgehens wurde in der Geschichte der Medizin und der Ägyptologie für die ägyptische Medizin eine „Erfolgsgeschichte“ geschrieben (die ganz wesentlich auf die Interpretation des chirurgischen Papyrus Edwin Smith zurückzuführen ist), während an der mesopotamischen Medizin - aufgrund einer von Historikern empfundenen weitergehenden Vermischung von Magie und Medizin - zunächst kein medizinhistorisches Interesse bestand. Hier wurde lange noch der (irreführende) Befund von Herodot weitergetragen, die Babylonier hätten keine Ärzte gehabt (vgl. hierzu z.B. Maul 2001). Ein ähnlicher Befund, diesmal mit umgekehrten Erfolgsgeschichten, ist in der Geschichte der Astronomie festzustellen. Dort war Mesopotamien als Ort, wo gegen Ende des ersten Jahrtausends v. Chr. die mathematische Astronomie entwickelt wurde, der Gewinner des Vergleichs zwischen Ägypten und Mesopotamien. Ägypten, wie noch 2003 von Michael Hoskin konstatiert wurde, war durch eine primitive Mathematik nicht in der Lage gewesen, die komplexeren Bewegungen von Sternen und Planeten zu verstehen (Hoskin 2003: 8).
Die Arbeit, die innerhalb der frühen Wissenschaftsgeschichte (inklusive der Geschichte der Medizin und der Geschichte der Mathematik) geleistet wurde, hat inzwischen sehr deutlich ergeben, dass eine etische Perspektive nicht zielführend ist, wenn ein tiefergreifendes Verständnis der frühen Gelehrsamkeit erreicht werden soll. Entsprechende Literatur, die dies deutlich macht, liegt längst vor (siehe u.a. Cancik 2010). Außerdem gibt es Literatur, die sich bewusst mit den historiographischen Problemen der  modernen Konzepte im Hinblick auf die Alten Kulturen auseinandersetzt - ein Beispiel ist der von Karine Chemla herausgegebene Band „The History of Mathematical Proof in Ancient Traditions“, in dem die Art und Weise des Umgangs mit mathematischen vor-griechischen Quellen u.a. in die Orientalismus-Debatte eingeordnet und kritisch hinterfragt wird (Chemla 2012). Ein noch weitergehendes Beispiel ist das neue Buch von Francesca Rochberg „Before Nature“, welches auf der Grundlage des Befundes, dass es den in späterer Zeit verwendeten Begriff der „Natur“ - also des Forschungsobjektes der Naturwissenschaften - so in Mesopotamien nicht gab, eine Beschäftigung mit mesopotamischen Quellen verlangt, die dies berücksichtigt und gleichwohl einen Platz des mesopotamischen Wissens in der Wissenschaftsgeschichte einfordert (Rochberg 2016). Um denjenigen, die sich neu mit dem Thema von Wissenschaften in vormodernen Kulturen befassen möchten, oder aus einer Nachbardisziplin kommen, den Einstieg leichter zu machen, wurde 2016 der Band „Translating Writings of Early Scholars“ herausgegeben, bei dem ein Fokus genau auf der Problematik des Konfliktes zwischen modernen etischen und frühen emischen Konzepten und Begriffen lag und wie damit umzugehen ist (Imhausen und Pommerening 2016). Dieser Band bildet den Ausgangspunkt für das bereits begonnene, langfristig angelegte Projekt, im Rahmen dessen die Inhalte der frühen Wissenschaftsgeschichte grundsätzlich neu gefasst werden sollen. Die Notwendigkeit genau dieses Forschungsprojektes innerhalb der frühen Wissenschaftsgeschichte ergibt sich aus den Ergebnissen der Projekte zu den normativen Ordnungen früher wissenschaftlicher Texte einerseits und den zuletzt in namhaften Verlagen erschienenen großen Bänden zur frühen Wissenschaft (Cambridge History of Science , Vol. 1: Ancient Science (Taub und Jones 2018) und The Oxford Handbook of Science and Medicine
in the Classical World (Keyser und Scarborough 2018), in denen wiederum der Fokus für Ägypten und Mesopotamien auf den im 19. Jahrhundert postulierten drei alten Disziplinen (Mathematik, Astronomie und Medizin), liegt.  Eine solche Darstellung entspricht nicht mehr den heutigen Erkenntnissen des vorliegenden Quellenmaterials, schränkt unseren Zugang zu diesen frühesten gelehrten Texten ein und ergibt ein bestenfalls verzerrtes Bild früher Wissenschaften. Ziel des hier kurz skizzierten Projektes ist es, aus einer möglichst kulturimmanenten Perspektive festzustellen, welche Disziplinen vorliegen, wie sich diese Disziplinen personell und in philologischen Zeugnissen fassen lassen und welche normativen Ausprägungen sie hatten und ihrerseits bewirkten.
Ein Strang dieses Projektes wird durch eine Reihe von großen internationalen Tagungen gebildet, deren Beiträge in auf sie folgenden Workshops zu kohärenten Übersichten früher Wissenschaften weiterentwickelt werden sollen. Die erste dieser Tagungen, deren Fokus auf den Eigenbegrifflichkeiten und den dadurch geschaffenen normativen Ordnungen innerhalb der ägyptischen und mesopotamischen Gelehrsamkeit liegen wird, ist für Anfang 2020 geplant. Ein weiterer Strang besteht in postdoktoralen Projekten, die neu hinzukommende Gebiete der Gelehrsamkeit (wie zum Beispiel die Divination) untersuchen.
Im Gegensatz zur früheren Wissenschaftsgeschichte, die den Blick jeweils nur von einem modernen Standpunkt „nach hinten“ richtete, ist es das Ziel dieses Projektes, die Wissenschaftsgeschichte ausgehend von ihren Anfängen „nach vorne“ zu verfolgen, wie es für die Einordnung der mesopotamischen Astralwissenschaft von Francesca Rochberg vorgeschlagen wurde (Rochberg 2015). Hierzu können epochen- und kulturübergreifende Tagungen mit spezifischen Fragestellungen genutzt werden, die das traditionell orientalistische Abgrenzen Ägyptens und Mesopotamiens kritisch hinterfragen.

Zitierte Literatur
Cancik, Eva. 2010. „Gegenstand und Methode: Sprachliche Erkenntnistechniken in der keilschriftlichen Überlieferung Mesopotamiens“. In Annette Imhausen und Tanja Pommerening (Hrsg.): Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome, and Greece. Translating Ancient Scientific Texts (Beiträge zur Altertumskunde 286). Berlin und New York: de Gruyter: 13-45.
Chalmers, Alan. 2013. What is this thing called science. 4th edition. Maidenhead: Open University Press.
Chemla, Karine (Hrsg.). 2012. The History of Mathematical Proof in Ancient Traditions. Cambridge: Cambridge University Press.
Deines, Hildegard von, Hermann Grapow und Wolfhart Westendorf. 1958-1973. Grundriß der Medizin der Alten Ägypter. Band I-IX. Berlin: Akademie Verlag.
Hoskin, Michael. 2003. The History of Astronomy. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press.
Imhausen, Annette und Tanja Pommerening (Hrsg.). 2016. Translating Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Greece and Rome. Methodological Aspects with Examples (Beiträge zur Altertumskunde 344). Berlin und New York: de Gruyter
Keyser, Paul und John Scarborough. 2018. The Oxford Handbook of Science and Medicine in the Classical World. Oxford: Oxford University Press.
Laudan, Larry. 1983. „The Demise of the Demarcation Problem“. In: Robert S. Cohen und Larry Laudan (Hrsg.): Physics, Philosophy and Psychoanalysis. Essays in Honor of Adolf Grünbaum. Dordrecht, Boston, Lancaster: Reidel Publishing: 111-127.
Maul, Stefan M. 2001. „Die Heilkunst des Alten Orients“. Medizinhistorisches Journal 36: 3-22.
Pigliucci, Massimo und Maarten Boudry (Hrsg.). 2013. Philosophy of Pseudoscience. Reconsidering the Demarcation Problem. Chicago und London: Chicago University Press.
Rochberg, Francesca. 2015. „Conceiving the History of Science Forward“. In: Brooke Holmes und Klaus-Dietrich Fischer (Hrsg.): The Frontiers of Ancient Science: Essays in Honor of Heinrich von Staden (Beiträge zur Altertumskunde 338). Berlin und New York: de Gruyter: 515-532.
Rochberg, Francesca. 2016. Before Nature. Cuneiform Knowledge and the History of Science. Chicago und London: University of Chicago Press.
Taub, Liba und Alexander Jones. 2018. Cambridge History of Science, Vol. 1: Ancient Science. Cambridge: Cambridge University Press.

Internationale Tagungen
Weitere Informationen folgen

Die Medialität normativer Ordnungen: Wie AfrikanerInnen aus der Nacht den Tag machen

Feldforschung und Publikation

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Mamadou Diawara | Profil

Projektbeschreibung

Das folgende Vorhaben zielt auf die Schnittstelle von Migration und Medien. In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um normative Ordnungen in den westlichen Demokratien nimmt die Frage der Migration einen besonderen Stellenwert ein. Es ist jedoch festzustellen, dass Migration, unabhängig davon ob positiv oder negativ bewertet, als eindirektionaler Prozess verstanden wird. Der Migrant überwindet dabei natürliche Grenzen, wie zum Beispiel das Mittelmeer und/oder die Sahara, um sein endgültiges Ziel zu erreichen.
Für Menschen aus dem Sahel bedeuten diese Grenzen jedoch nichts Trennendes, sondern Verbindendes. Sahel bedeutet die „Ufer der Sahara“. Der Sahel verbindet die Menschen der Savanne mit denen in Nordafrika und darüber hinaus. Für die Menschen, die sich in dem Raum zwischen den Ufern bewegen, hat sich in der Soninkesprache das Wort teraano (diejenigen, die unterwegs sind) etabliert. Ursprünglich um die Reisenden zu beschreiben, die die Sahara durchquerten (Ibn Battuta [um 1355] 1982, Barth 1857-1859, Johannes Leo Africanus 1550, Farias 2003). Hierbei geht es nicht um Migration mit eindeutigem Ziel, sondern vielmehr um eine konstante Dynamik des Gehens und Rückkehrens. Diese Dynamik verbindet Mobilität und geographische Räume überbrückende Kommunikation, die John Urry (2007: 12) als „infrastructure of social life“ beschreibt. Eine Infrastruktur, die die Bewegung von Menschen, Ideen, Informationen von Ort zu Ort, von Person zu Person, von Ereignis zu Ereignis ermöglicht (ebd). Für Afrika sind eine Reihe von Studien erschienen, die Menschen unterwegs und die Bedeutung von Medien für die Verbreitung von Informationen beleuchten (de Bruijn, van Dijk (Hg.) 2012, Hahn 2012, Nyamnjoh 2014). Diese Studien sind ethnographisch zentriert. Vernachlässigt wird dabei jedoch die globale Dimension des Phänomens.
Ein Ansatz diese Lücke zu schließen, sind meine eigenen Vorarbeiten mit westafrikanischen Geschäftsleuten in Südostasien seit 2010. Diese teraano sind sowohl „mit Kamelen“ als auch mit Flugzeugen unterwegs. Sie sitzen in Büros und Wohnungen in Bangkok und Jakarta. Mit Hilfe ihrer Mobiltelefone machen sie die Nacht zum Tag, indem sie sich nicht dem Tagesrhythmus in Asien anpassen, sondern sich an Tag und Nacht in Afrika orientieren. Mit ihren Smartphones machen sie Geschäfte, verbreiten Neuigkeiten vom Dorf, halten Kontakt zu Familienangehörigen, Freunden und Bekannten und Geschäftspartnern, die sich im Sahel oder an (fast) jedem anderen Ort auf dem Globus befinden. Die Medien und digitalen Anwendungen die diese Akteure benutzen, entsprechen so einem fait social total (Maus 1923-1924), der nicht nur die technische Dimension ihrer Existenz bestimmt, sondern auch ihre soziale. Anhand ihres Beispiels lässt sich die Komplexität lokaler Medien und ihre profunde Transformation untersuchen. Die Untersuchung hat eine historische Dimension, indem sie den Wandel von direkter oraler Kommunikation, über professionelle Briefschreiber im Sahel, über Telegramm und Telefon zum Smartphone mit seinen Anwendungen thematisiert. Indem das Augenmerk auf das Handeln afrikanischer Geschäftsleute in Südostasien gelegt wird‚ ergeben sich Einblicke in die Schnittstelle von Medien und Migration, die dazu beitragen, die kommunikative Natur normativer Ordnungen zu beleuchten.

Referenzen:
Barth, Heinrich
1857–1858 Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika in den Jahren 1849 bis 1855. Tagebuch einer im Auftrag der Britischen Regierung unternommenen Reise. 5 Volumes. Gotha: Justus Perthes.
Battûta, Ibn
1982 Voyages III. Inde, Extrême-Orient, Espagne and Soudan. Paris.
Bruijn, Mirjam de; Dijk, Rijk van
2012 The social life of connectivity in Africa. New York: Palgrave Macmillan.
De Moraes Farias, Paulo Fernando
2003 Arabic Medieval Inscriptions from the Republic of Mali: Epigraphy, Chronicles, and Songhay-Tuareg History. Fontes Historiae Africanae, new series. Oxford: Oxford University Press for The British Academy.
Hahn, Hans Peter
2012 “Mobile Phones and the Transformation of Society: Talking about Criminality and the Ambivalent. Perception of new ICT in Burkina Faso.” In: African Identities, 46:1-12.
Johannes Leo Africanus
1550 La descrittione dell'Africa. In: Giovan Battista Ramusio (Hrsg.): Primo volume, et Seconda editione delle Navigationi et Viaggi.
Nyamnjoh, Henrietta Mambo
 2014 Bridging mobilities. Bamenda: Langaa & African Studies Centre.
Urry, John
2007 Mobilities. Cambridge: Polity Press.
De Moraes Farias, Paulo Fernando
2003 Arabic Medieval Inscriptions from the Republic of Mali: Epigraphy, Chronicles, and Songhay-Tuareg History. Fontes Historiae Africanae, new series. Oxford: Oxford University Press for The British Academy.
Hahn, Hans Peter
2012 “Mobile Phones and the Transformation of Society: Talking about Criminality and the Ambivalent. Perception of new ICT in Burkina Faso.” In: African Identities, 46:1-12.
Johannes Leo Africanus
1550 La descrittione dell'Africa. In: Giovan Battista Ramusio (Hrsg.): Primo volume, et Seconda editione delle Navigationi et Viaggi.
Nyamnjoh, Henrietta Mambo
2014 Bridging mobilities. Bamenda: Langaa & African Studies Centre.
Urry, John
2007 Mobilities. Cambridge: Polity Press.

Der globale Islam zwischen islamistischer Revitalisierung und progressivem Aufbruch

Vortragsreihe und Konferenzen

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Susanne Schröter | Profil

Projektbeschreibung

Das Projekt befasst sich einerseits mit einem gegenwärtig zu beobachtenden Trend in islamisch geprägten Gesellschaften, die herrschenden normativen Ordnungen anhand islamischer Normen umzugestalten und andererseits mit progressiven Gegenbewegungen.
Islamistische Revitalisierungsbewegungen sind in Zentral-, Süd- und Südostasien evident, islamistische und teilweise sogar dschihadistische Bewegungen lassen sich für die Bürgerkriegsregionen Zentralasiens, des Nahen Ostens, des Sahels sowie einiger west- und ostafrikanischer Staaten nachweisen. Auch in Europa, Australien und den USA lässt sich unter Jugendlichen sowohl eine neue Akzeptanz islamischer Normativität als auch religiös begründeter Gewalt erkennen. Sicherheitsorgane haben in Deutschland im Jahr 2018 einen bisherigen Höchststand so genannter Salafisten und Dschihadisten festgestellt. Das Projekt wird sich mit Hintergründen dieser ungebrochenen Tendenz befassen und dazu Expert/innen einladen. Neben Aspekten der Gewalt sollen insbesondere Normenkonflikte erforscht werden, die durch Vorstöße islamistischer Organisationen hervorgerufen werden, die islamisch begründeten Normen in öffentlichen Räumen Geltung zu verschaffen suchen.
Die wohl symbolträchtigste islamisch begründete Norm ist diejenige, die von Frauen besondere Formen der Bedeckung des Körpers und Kopfes fordert. Ein Beispiel für den wechselhaften Umgang mit solchen Normen lässt sich an der Geschichte des Iran ablesen. Reza Shah Pahlevi verbot 1936 den Schleier, den er für ein Symbol der Rückschrittlichkeit des Landes hielt, Ayatollah Khomenei verortete ihn dagegen im Jahr 1979, nach der Islamischen Revolution, zusammen mit einigen anderen Bekleidungsvorschriften gesetzlich. Heute demonstrieren junge Iranerinnen durch das öffentliche Entschleiern ihre Gegnerschaft zum Regime. In westlichen Ländern spaltet ein bereits mehr als 20 Jahre dauernder Kopftuchstreit die Gesellschaft und die feministische Bewegung.
Als Gegenbewegung gegen jede Art islamisch begründeter normativer Ordnung hat sich im 20. Jh. Ein liberaler Islam herausgebildet, der weitgehend auf hermeneutischen Verfahren der Auslegung islamischer Grundlagentexte basiert und sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der UN-Konvention zur Abschaffung aller Formen der Diskriminierung von Frauen (CEDAW) sowie dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung orientiert. Liberale Muslime fordern gleiche Rechte für nichtmuslimische oder nicht als muslimisch anerkannte Minderheiten, eine Abschaffung der Dualität zwischen Gläubigen und Ungläubigen und eine Abschaffung der nationalen Blasphemiegesetzgebungen.

Konferenz
8. Mai 2019
Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?
Weitere Informationen: Hier…

Konferenz
14. Juni 2019
Säkularer Islam und Islamismus-Kritik
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Vortragsreihe
Wintersemester 2019/2020
11. Vortragsreihe des Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

Internationale Konferenz
28. und 29. November 2019
Progressive Muslims and the Challenge of Islamism
Weitere Informationen: Hier...

Das Forschungsprojekt wird unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG, das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, das Loewe-Projekt "Religiöse Positionierungen", die Kassel-Stiftung und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Das Recht der globalen Digitalität – The Law of Global Digitality

Tagung

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Alexander Peukert | Profil 

Projektbeschreibung

Auf der Tagung soll die Frage erörtert werden, wie verschiedene Rechtsgebiete (insbes. privates Wirtschafts- und Medienrecht, Straf-, Datenschutz und Finanzmarktrecht) die Spannung zwischen globaler digitaler Kommunikation und lokalen Rechtsordnungen bewältigen und ob sich insoweit seit dem Jahrtausendwechsel generelle Trends feststellen lassen.
Dass zwischen der Medialität globaler Computernetzwerke und lokalem Recht eine tiefgreifende Spannung besteht, ist seit langem bekannt und häufig problematisiert worden. Kaum aber werden die Antworten unterschiedlicher Rechtsgebiete auf diese Herausforderung in der erforderlichen Detailgenauigkeit vergleichend analysiert. Dabei stellen sich in allen von der Digitalisierung betroffenen Rechtsgebieten dieselben Fragen: Welchen Geltungsanspruch erheben lokale Rechtsregime im Hinblick auf global-digitale Sachverhalte (Zuständigkeit der Gerichte/Behörden, anwendbares Recht, Anwendungsbereich des Sachstatuts)? Ist insoweit eine Tendenz zu erkennen, wonach lokale Gesetze leichter ausgelöst und umgekehrt mit extraterritorialem Anspruch (vgl. EU-Datenschutz) angewendet werden? Werden die rechtlichen Anforderungen an grenzüberschreitend-digitales Verhalten strenger (Haftungsniveaus, Regulierungsdichte)? Welche Relevanz kommt technischen Standards („Code is Law“) und hybriden privat-öffentlichen Governance-Strukturen (z.B. Memoranda of Understanding, Netzwerkdurchsetzungsgesetz) zu?
Indem diese Querschnittsfragen für sechs privatrechtliche, teils öffentlich-rechtliche Kartellrecht adressiert werden, lassen sich möglicherweise generelle Reaktionsmuster des Rechts auf die globale Digitalität erkennen. Zur Anreicherung des empirischen Materials soll jedes Rechtsgebiet aus der Sicht des deutschen/des EU-Rechts und eines Nicht-EU-Rechts erörtert werden. Zum Vergleich zwischen Rechtsgebieten soll also der klassische Rechtsvergleich treten, was bedingt, dass die Tagung in englischer Sprache stattfinden wird. Auf der Grundlage dieses reichhaltigen Materials kann ggf. eine Theorie des Rechts der globalen Digitalität entwickelt werden.

Internationale Tagung
The Law of Global Digitality
2. und 3. Dezember 2019, Frankfurt am Main
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Configuring the demos: Cinema, the Global Digital Economy, and the Crisis of Democracy

International Conference and Publication

Project leader: Prof. Vinzenz Hediger | Profile

Project description

Cinema has been discussed as the paradigmatic cultural space of modern (mass) democracy by thinkers as different and far apart as Siegfried Kracauer, who developed an alternative to the bourgeois fear of masses and mass art in his criticism from the 1920s and his film books, and Alain Badiou, who cast cinema as a “democratic emblem” in an essay published in 2005. But how do modernization and democracy relate to cinema in a moment of the supposed crisis of (modern liberal) democracy? With a focus on three case studies of new players in the global cultural economy, all of which combine the emergence of a popular cinema with the (relative) consolidation of liberal democracy – India, Nigeria and South Korea –, this project argues that cinema, and particularly popular cinema, configures the demos in modern democracies by articulating and dramatizing the conflicts and crises of democratic polities, while developing a significant appeal beyond the geographical and political boundaries of these polities.

Among the most remarkable developments of the last thirty years in world cinema has been the emergence a number of new global players, i.e. thriving and market driven rather than state sponsored cinema industries with an international reach, operating below and beyond the confines of the American film industry’s continuing dominance of global middle class film consumption. Enabled by new digital technologies of production and distribution, these new global players include most notably the various Indian film industries, including, but not limited to, Hindi or so-called “Bollywood” cinema; South Korea; and Nigeria. While the Indian cinema industry has dominated its home market since the introduction of sound in the early 1930s and has consistently found an audience in Non Resident Indian or NRI diaspora communities as well as in the Middle East since the 1950s, Indian cinema’s globalized presence coincides with c country’s market liberalization policies in the 1990s.  These, in turn, are part of the second wave of globalization after the end of the Cold Ward, which involves, most notably, the emergence of a new world trade system around the GATT treaties and the establishment of the WTO. South Korea’s film industry, which is now one of the dominant cultural industries in East Asia with a strong presence in global pop culture, began its rise in the 1990s and emerged from a policy of market liberalization, combined with tax incentives that induced the Chaebols, the large industrial conglomerates, to enter film production. The Nigerian video industry, which has an output of around 1000 feature films per year and has an audience across Africa and in African diasporas in the Americas, Europe and Asia, emerges out of a situation of economic crisis and in response to the complete collapse of state sponsored film production in the country in the 1980s.
Broadly speaking, to all three cases applies what film critic and scholar Meena Pillai argues in her work on Malayalam (Kerala) cinema:

"As earlier notions of kinship and identity based on clans, natal homes and blood relations disintegrated with the rise of industrialization, spread of Western education and more individualistic and capitalistic modes of production and consumption, there was a need for forms of art and thoughts that could bring together the newly liberated individuals and mobilize them into a new collective. Cinema was inextricably caught in this task of imagining a stable and viable national/subnational community." (Raghavendra  2017, 267)

What is more, the rise and global reach of a self-sustaining, market driven cinema industry coincides in all three cases with the emergence and consolidation of or the transition to liberal democracy. As historians Bipan Chandra, Mridula Mukherjee and Adiya Mukerjee argue, the mass movement of resistance against colonial rule in the 19th and 20th centuries in India was “influenced deeply by democratic thought and traditions of the Enlightenment” and “succeeded in making democracy and civil liberty basic elements of the Indian political ethos”, establishing India as the largest democracy in the world after its liberation from British rule in 1947. (Chandra, Mukherjee, Mukherjee 2008, 28) While governed by authoritarian rulers and military dictatorships until the 1980s and 1990s, both South Korea and Nigeria have since evolved into relatively stable liberal democracies, if by liberal democracy we understand a political system in which parties loose elections and accept the result, and in which no section or fraction of society dominates the political system permanently at the expense of other sections. (Lefort 1991)
These parallel histories are all the more remarkable as they unfold against the backdrop of a growing sense of crisis of Western liberal democracy. In the United States, for instance, still the dominant player in the global economy of cinema, this crisis plays out as a conflict between two competing visions of egalitarianism and two concomitant and mutually exclusive conceptions of democracy: an inclusive democracy based on the notion of the continuous expansion of equal civil rights, and an exclusive, ethnic or racial democracy in the tradition of John C. Calhoun and Andrew Jackson, in which equality is  the equality of “white” people, combined with the selective attribution and revocation of civil rights based on ethnicity. One can argue that this conflict, which has marked the history of American Democracy since the 1830 and through the Civil War, Reconstruction and the Civil Rights Movement of the 1960s, has now engulfed the American political system in its entirety, with Barack Obama, the first black president, being the emblematic figure of the first and Trump, who replaced the portrait of president Lincoln in the Oval Office with a portrait of Andrew Jackson, the epitome of the second type of mass democracy. One can further argue that since its inception, and particularly since the emergence of the feature film, cinema has been a privileged site for the articulation of this conflict. The first full-length feature film produced in American, D.W. Griffith’s “Birth of a Nation” from 1914, celebrates the creation of the Ku Klux Klan, while the representation, or rather – non-representation – of non-“white” people in American cinema has been a matter of contention and public debate throughout the 20th century.
Against the backdrop of the literature on questions of representation and the experience of mass democracy in American cinema, and drawing on more recent work on non-Western cinemas, this project looks at the three cases of India, South Korea and Nigeria in a comparative perspective and inquires into the relationship of cinema and democracy under the conditions of a globalized economy. The exploratory claim of the project is that, rather than contributing to a process of “undoing the demos”, cinema, through its broad appeal and wide reach, has a privileged role in configuring the demos in modern democracies, dramatizing the conflict and articulating the potentials, but also the pathologies of modern democratic polities.

References
Chandra, Bipan, Mridula Mukherjee, Aditya Mukherjee, India Since Independence. Revised and Updated edition, New Delhi: Penguin India 2008, 28.
Lefort, Claude, Democracy and Political Theory, Cambridge: Polity Press 1991.
Raghavendra, M.K.  (ed.), Beyond Bollywood. The Cinemas of South India, New Dehli: Harper Collins India 2017, 267.

Configuring the Demos: Cinema, the Global Digital Economy, and the Crisis of Democracy
International Conference
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Commercial Normativity in Cyberspace?

Workshop and Publication

Project leader: Prof. Nicole Deitelhoff | Profile

Project description

The state-led, UN-based process for finding norms for responsible behavior in cyberspace is currently deemed to have collapsed, following the failure of the UN’s Group of Governmental Experts (UN GGE) to produce an outcome document at their June 2017 meeting.
The primary bone of contention is whether International Law such as the right to self-defense (Art. 51 UNC) is applicable to cyberattacks. Another fundamental tension lies between the Chinese and Russian principle of “cyber sovereignty” – i.e. full state control over the Internet within state borders – and the US-led and Western approach of multistakeholder governance – meaning the current less centralized system of internet regulation through corporate interests, civil society, research institutes, and government institutions.
In the face of this impasse at the state level, IT firms have emerged as vocal and proactive norm entrepreneurs. Private actors have a claim – and perhaps even an obligation – to set cyber policy and norms due to (1) the ongoing unregulated nature of the internet and (2) their superior technical expertise. Remarkably, Microsoft has called for a “Digital Geneva Convention” to protect civilians from cyberattacks, united 70+ IT firms under the “Cybersecurity Tech Accord,” and has most recently partnered with France to launch the “Paris Call for Trust and Security in Cyberspace” for states, civil society, and firms. Siemens has started similar initiatives.
This research project aims to explore this move towards corporate norm entrepreneurship in cyberspace, and to broaden it as a nascent academic field. The International Relations (IR) literatures on (1) corporate norm entrepreneurship and (2) areas of limited statehood can inform this analysis and help systematize the field, as can scholarship from International (humanitarian) law and cyber studies. With this focus on cyberspace and the changing condition for the generation of normative orders, the envisaged project contributes directly to research field II on medial and digital transformations of normative orders and the cross-cutting theme on Law.
From the original “Digital Geneva Convention” proposal to its important role in crafting the “Paris Call” alongside France, Microsoft has not only pursued a seat at the table, but the seat at the head of the table. In this, the company certainly has been successful – Microsoft, Facebook and Google portray themselves on equal footing with states and international institutions. However, corporate press releases indicate that the provisions of Microsoft’s initiatives seem to be neither shared nor understood among their addressees – casting some initial doubt on the project’s prospects for success.

Workshop
Further information will follow

Sprache und Praxis von Religion. Zur normativen Bedeutung religiöser Symbole und Rituale

Symposium und Konferenz

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann | Profil und Prof. Dr. Thomas Schmidt | Profil

Projektbeschreibung

Die normative Struktur eines Gemeinwesens ist Ausdruck einer kollektiven symbolischen Praxis, umgekehrt findet die normative Struktur einer Gesellschaft ihren Geltungsgrund und die Grundlage ihrer Stabilität in der symbolischen Praxis. Eine Krise des Politischen ist zu verstehen als Resultat und Ausdruck einer Störung in diesem wechselseitigen Bedingungsverhältnis von normativer Struktur und symbolischer Praxis der politischen Gemeinschaft. Gerade eine Theorie des gesellschaftlichen Handelns, die sich am Vernunftideal moralischer Autonomie orientiert, muss zeigen können, dass Normen, die gesellschaftliches Handeln, also kollektive Aktionen und soziale Institutionen, generieren und koordinieren, eine solche moralische Autorität besitzen können. In seinen Forschungen bezieht sich beispielsweise Jürgen Habermas dezidiert auf Émile Durkheims Religionssoziologie, um zu erläutern, dass sozialer Konsens zunächst nicht durch die kognitive Einsicht in die Gültigkeit von Inhalten gestiftet wird, sondern durch eine kollektive Praxis, für die das religiöse Ritual paradigmatisch ist. An diese Forschungsertrage knüpfen wir in unseren Forschungsprojekt systematisch an. Im religiösen Ritual wird durch den gemeinsamen, sprachlich vermittelten Gebrauch von Symbolen eine kollektive Identität hergestellt und erneuert; diese Symbole besitzen aber eine strikt interne Bedeutung innerhalb einer selbstbezüglichen rituellen Praxis. Sie teilen nichts mit oder verweisen nicht auf eine Realität außerhalb des Rituals selbst. Die kollektive Identität, die das religiöse Ritual durch die Verwendung von Symbolen stiftet, unterscheidet sich sowohl von der äußeren Natur oder objektiven Welt als auch von der inneren Natur oder subjektiven Welt. Das religiöse Ritual konstituiert eine intersubjektive soziale Welt durch die Verwendung von Symbolen. Diese Symbole repräsentieren keine natürliche oder übernatürliche Welt jenseits des kollektiven Rituals, weder eine Welt von Gegenstanden, die wir wahrnehmen und manipulieren, noch eine innere Natur von Bedürfnissen, Sinnesreizungen, Erlebnissen, die wir darstellen. Die Symbole des Rituals verweisen auf nichts Anderes als auf die intersubjektive Ebene des kollektiven Handelns, des regelgeleiteten Handelns. Diese ursprüngliche Sozialität, nicht die äußere oder innere Natur des Menschen, ist die vorsprachliche Welt, auf die religiöse Symbole verweisen. Genau aus diesem Grund sind religiöse Symbole Prototypen von Normen, die nur in jener sozialen Welt gelten, die sie selbst hervorbringen und reproduzieren. Es ist ein zentrales Anliegen dieses Projekts, zu überprüfen, ob und auf welche Weise Religionen nicht nur in traditionalen, sondern gerade in pluralen Gesellschaften unter säkularen normativen Verhältnissen solche symbolischen Vermittlungsleistungen erbringen und auf diese Weise einen Beitrag zur Bewältigung gegenwärtiger Krisen sozialer und politischer Integration leisten kann.

Symposium
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Konferenz
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Der Staat als Streitschlichter – Von den Grundrechten als Abwehrrechte zu einer Stärkung der objektiven Dimension der Grundrechte

Workshop und Publikation

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Klaus Günther | Profil und Prof. Dr. Stefan Kadelbach | Profil

Projektbeschreibung

Während das Dogma, Grundrechte seien in erster Linie Abwehrrechte gegen den Staat, in der verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung und in der Literatur noch immer unangefochten schien, haben die Grundrechte eine Bedeutungsverschiebung erfahren. Schon länger stehen andere Dimensionen im Vordergrund, die sich aus einer geänderten Rolle der Grundrechte für die Gesellschaft ergeben. Wesentliche Gründe sind eine erhöhte Konfliktbereitschaft Privater untereinander, der Rückzug des Staates aus vielen seiner vormaligen Aufgaben und eine zunehmende Preisgabe öffentlicher Räume. Auch die Konstitutionalisierung des Privatrechts mag sich ausgewirkt haben. In der aktuellen Diskussion um eine Konstitutionalisierung des Strafrechts wird von staatlicher Schutzpflicht und einer Verantwortung des Staates für den Schutz der Grundrechte vor Verletzungen durch Dritte auch durch das Strafrecht gesprochen.
Am deutlichsten sichtbar geworden ist diese Transformation im Bereich des vormaligen Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses (Art. 10 GG). Früher vor allem gegen die Einsichtnahme in private Kommunikation gerichtet, deren Übermittlung und potenzielle Kontrolle geleichermaßen in Händen des Staates lagen, geht es dabei heute in erster Linie um die Verantwortung der Intermediäre (Telekommunikationsunternehmen) für den Schutz der Nutzer ihrer Dienste untereinander oder gegenüber privaten Dritten.
Diese Beobachtung lässt sich vom Bereich des Art. 10 GG, für den sie nicht neu ist, auf nahezu alle Grundrechte übertragen. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht bedarf des Schutzes nicht nur gegenüber staatlichem Zugriff, der – durchaus durch die Grundrechte induziert – dabei strengen gesetzlichen Voraussetzungen unterworfen worden ist, als vielmehr gegenüber Teilnehmern in den sog. sozialen Medien und anderen Akteuren der Big Data-Industrie. Bei den Grundrechten auf Meinungs- und Kunstfreiheit geht es schon lange nicht mehr um den Schutz vor staatlicher Zensur, sondern nur mehr um Abwägungen in Streitigkeiten zwischen Privatpersonen, in denen diese Rechte den Persönlichkeitsrechten gegenüberstehen und die Zivilgerichte schlichten müssen. In der Religionsfreiheit werden Streitigkeiten zwischen Angehörigen verschiedener Religionen und Weltanschauungen geführt, und die verfassungsgerichtliche Rechtsprechung setzt die Schulleitungen als Schlichtungsinstanzen ein. Selbst die Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG) ist heute weniger ein Recht, das gegen den Staat verteidigt werden muss, als der Schauplatz polizeilicher Schlichtungsstrategien im Hinblick auf Konflikte zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten oder zwischen Demonstranten und Unternehmen.
Auch wenn die Beobachtung, dass sich die Bedeutungen der einzelnen Schutzfunktionen der Grundrechte verschoben haben, nicht mehr ganz neu ist, so hat sie durch die oben beispielhaft beschriebenen Entwicklungen eine gesteigerte und in ihren staats- und verfassungsrechtlichen Folgen noch nicht absehbare Bedeutung erhalten.
Die zentrale Hypothese des Projekts lautet, dass es sich nicht mehr um eine punktuelle und bereichsspezifische, sondern eine flächendeckende Bedeutungsverschiebung handelt, und dass dem Staat dabei zunehmend eine neue Funktion als Schlichter und Mediator in Konflikten zwischen Grundrechtsträgern zukommt. Das Projekt wird in einem ersten Schritt untersuchen, ob diese Beobachtungen richtig und die behauptete Verallgemeinerungsfähigkeit zutreffend ist. Womöglich lassen sich die erwähnten Beispiele auch erweitern und in eine vergleichende oder internationale Perspektive (dann der Menschenrechte) stellen. Häufig wird es sich bei den privaten Akteuren, denen gegenüber die Grundrechte in Stellung zu bringen wären, um auswärtige oder multinationale Unternehmen handeln. Zu diesen Themen wären bereichsspezifische Einzelbeiträge von Interesse, die man auf einem gemeinsamen Workshop versammeln könnte. Dann würde man klarer sehen, ob das Projekt Zukunft hat.
Darüber hinaus wäre zu fragen, was aus den skizzierten Beobachtungen folgt. Denn während für Verletzungen des grundrechtlichen Achtungsanspruchs gegenüber dem Staat die Rechtsfolgen klar benennbar sind (ein nicht gerechtfertigter Hoheitsakt ist aufzuheben), sind die Handlungspflichten des Staates im Hinblick auf seine Schlichterrolle wenig kanonisiert, daher schwerer zu beschreiben und auch nicht im selben Maße justiziabel. Womöglich vollzieht sich aber auch gerade eine Verengung des Zusammenhangs zwischen staatlicher Schutzpflicht und gerichtlichem Kontrollmaßstab. In jedem Falle wäre die anspruchsvollste der sich stellenden Fragen, welche Auswirkungen all dies auf die Staats- und Verfassungstheorie hat.

Workshop
Weitere Informationen folgen


Aktuelles

"Making Crises Visible" - Ausstellung und Rahmenprogramm beginnen im Februar 2020

Der Forschungsverbund "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität beteiligt sich von Februar bis Juni 2020 am Rahmenprogramm zum wissenschaftlich-künstlerischen Projekt "Making Crises Visible". Mehr...

DFG fördert Kolleg-Forschungsgruppe „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“

Eine von der DFG geförderte Kolleg-Forschungsgruppe mit dem Titel  „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ richtet ab Oktober 2020 den Blick auf frühere Formen des Christentums. Sprecherinnen sind Prof. Dr. Birgit Emich und Prof. Dr. Dorothea Weltecke, Mitglied des Forschungsverbunds "Normative Ordnungen" der Goethe-Universität. Mehr...

Nächste Termine

31. Januar 2020, 9 Uhr

Workshop: Miteinander reden oder aneinander vorbei? Chancen und Herausforderungen aus der Praxis der Wissenschaftskommunikation. Mehr...

31. Januar 2020, 18 Uhr

Podiumsdiskussion: Kritik der Vernunft oder Vernunft der Kritik? Mehr...

3. Februar 2020, 18.15 Uhr

Interdisziplinäre Vortragsreihe "Evidenz in der Wissenschaft": Prof. Dr. Hartmut Leppin: Hat Jesus eigentlich gelebt? Zur Frage der historischen Evidenz. Mehr...

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Der Zorn der Moralisten und die Theorie des Ressentiments. Gegenwartsdiagnose mit/gegen Nietzsche

Prof. Dr. Albrecht Koschorke
Vortrag

Autorschaft und Hypermedialität in PLATFORM

Cecília Mello
Lecture & Film "Jia Zhangke: Kino der Transformation"

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Burchard, Christoph (2019):

Künstliche Intelligenz als Ende des Strafrechts? Zur algorithmischen Transformation der Gesellschaft. Normative Orders Working Paper 02/2019. Mehr...

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Die normative Ordnung der Cyber-Sicherheit: zum Potenzial von Cyber-Sicherheitsnormen. Normative Orders Working Paper 01/2019. Mehr...