Jahreskonferenzen

Panel III – Gewalt, Kultur und Politik in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche

Internationale Jahreskonferenz “Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen"

Freitag, 23. November 2018, 13:00 Uhr – 15:00 Uhr

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Revolutionen zielen gleichermaßen auf die Umwälzung politischer als auch sozialer und häufig sogar kultureller Ordnungen. Die beteiligten Akteure geben stets an, für eine gerechtere Welt einzutreten. Was darunter verstanden wird, unterscheidet sich in den historisch dokumentierten Fällen fundamental. Während es in der französischen Revolution um eine weltliche Idee von Brüderlichkeit ging, die auf den Prinzipien der politischen Gleichheit aller Bürger basierte, stand bei islamistischen Modellen die Gerechtigkeit einer gottgewollten Ordnung im Zentrum, die durchaus fundamentale Ungleichheiten innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen einschloss. Ein Problem gesellschaftlicher Veränderungen ist die Rechtfertigung von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, die besonders bei revolutionären politischen Umwälzungen als unvermeidliche Effekte auftreten. Nach Phasen der Restauration stellt die Traumatisierung vonTätern und Opfern eine Herausforderung dar,  die durch spezifische Erinnerungspolitiken bearbeitet werden. Gewalt ist aber auch ein Aspekt reaktiver Dynamiken, in denen gerade gegenwärtig fremdenfeindliche und rassistische Muster zum Tragen kommen. In allen Fällen, die in dem Panel behandelt werden, werden kulturelle und politische Hegemonien  herausgefordert und mit alternativen Konzepten normativer Ordnungen konfrontiert.

 

Moderation: Hakim Khatib

CV
Hakim Khatib ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Seine aktuelle Forschung konzentriert sich auf vom Islam inspirierte politische Ideologien wie islamistischen Extremismus und Salafismus, Radikalisierungs- und Deradikalisierungsprozesse in Deutschland sowie Frieden und Konflikt im Nahen Osten. Khatib studierte Politikwissenschaften des Nahen und Mittleren Osten, Sozial- und Kulturwissenschaften und Sprachwissenschaften sowie Journalismus in Syrien, Großbritannien und Deutschland. Seit 2011 lehrt er an unterschiedlichen hessischen Universitäten Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ideologie und Macht in der sozio-politischen Landschaft, Religion und ihre Beziehung zur zeitgenössischen Politik in Westasien und Nordafrika. Seit 2014 ist er Chefredakteur des Online-Journals Mashreq Politics & Culture Journal und hat zahlreiche Artikel in verschiedenen Sprachen in einem breit gefächerten Spektrum von Online- und Printmedien sowie Think Tanks veröffentlicht.

 

Vortrag 1
Prof. Dr. Gudrun Gersmann

Terror, Tod, Trauer, Trauma: Die Auseinandersetzung um die Französische Revolution in der Restauration

Abstract
In einem Interview aus dem Jahre 2015 hat Emmanuel Macron, heute französischer Staatspräsident, damals noch Wirtschaftsminister, ein in seinem Land seit der Hinrichtung Königs Ludwig XVI. im Januar 1793 existierendes Defizit konstatiert. Die revolutionäre Terreur habe, so Macron, eine „emotionale“ und „imaginäre“ Leere verursacht, von der sich Frankreich seither nie wirklich erholt habe. Die durch diese pointierte Aussage ausgelöste Mediendiskussion zeigt, dass der „Königsmord“ des Jahres 1793 bis heute unverändert ein aktuelles Thema der französischen Politik darstellt. Dies galt erst recht für die frühe Phase der Restauration, als sich nach der Rückkehr der Bourbonen in den Jahren ab 1814 bzw. 1815 „Täter“ und „Opfer“ direkt einander gegenüberstanden und offiziell über die Frage nach der kollektiven Schuld der Franzosen am Tod des Königs und der „Entgleisung“ der Revolution debattiert wurde. Der Vortrag rekonstruiert am Beispiel der ambivalenten „Erinnerungspolitik“ der Restauration, wie die französische Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts die Erfahrungen der Französischen Revolution zu verarbeiten versuchte.

CV
Gudrun Gersmann studierte Geschichte, Romanistik und Germanistik in Bochum, Genf und Paris. Promotion 1991 mit einer Studie über Zensur- und Untergrundbuchhandel im Paris des späten 18. Jahrhunderts an der Ruhr-Universität Bochum (Literaturpreis des Gleimhauses in Halberstadt 1997), Habilitation an der LMU München im Jahre 2000 mit einer Studie zu „Wasserproben und Hexenprozesse im frühneuzeitlichen Fürstbistum Münster“. Anfang 2002 Berufung auf die mit der Leitung des Hochschularchivs verbundene Professur für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der RWTH Aachen, 2004 Ruf auf den Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität zu Köln, 2007 Ruf auf die Stelle der Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Paris. Nach fünfjähriger Beurlaubung in Köln für die Pariser Tätigkeit Rückkehr im Oktober 2012 auf den Kölner Lehrstuhl. Von Oktober 2013 bis März 2015 war Gudrun Gersmann Prodekanin der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln für Planung und akademische Karriere, von April 2015 bis April 2017 Prorektorin für Internationales. 2017 wurde sie von Staatspräsident Francois  Hollande in die französische Ehrenlegion aufgenommen.

 

Vortrag 2
Prof. Dr. Susanne Schröter

Islamische Revolutionen – Die Beispiele Syrien und Irak 2014 und Iran 1979

Abstract
Am 29. Juni 2014 wurde in Teilen Syriens und des Iraks ein „Islamischer Staat“ ausgerufen und der Milizenführer Abu Bakr al-Bagdhadi ernannte sich selbst zum Kalifen. Kurz zuvor hatte sein Verband die Millionenstadt Mossul erobert. Die große Unterstützung innerhalb der sunnitischen Bevölkerung machte es möglich, dass der dschihadstischen Gruppe, deren Vorläufer lediglich als Akteure eines Gewaltmarktes bekannt waren, eine vollständige Umwälzung der Gesellschaft gelang. Die islamische Revolution des IS beinhaltete nach der  Konstituierung des Islamischen protostaatlicher Strukturen und die territoriale Ausdehnung mit militärischen Mitteln. Ziel war die Mobilisierung von Muslimen angrenzender Regionen für das eigene Projekt und die Ausbreitung der Revolution. Die Idee einer gern als  „islamisches Erwachen“ bezeichneten Erhebung von Muslimen gehört nicht nur zur politischen Agenda sunnitischer Revolutionäre, sondern auch zur Staatsdoktrin der islamischen Republik Iran. Diese basierte historisch auf einer anderen Form von Revolution, nämlich auf einer breiten sozialen Bewegung, die keineswegs mehrheitlich die Etablierung einer islamischen normativen Ordnung zum Ziel hatte. Wie im Irak waren ein charismatischer religiöser Führer – in diesem Fall der aus dem Pariser Exil zurückgekehrte Ayatollah Khomeini – und soziale Besonderheiten ausschlaggebend für den Erfolg der Etablierung eines islamischen Staates. Das Moment der fortlaufenden Revolution oder auch eines Revolutionsexportes ist für den Iran ebenfalls konstitutiv. Der Vortrag vergleicht die Verläufe und die kulturellen, politischen und religiösen Konzepte, die bei den beiden Revolutionen zum Tragen kamen.

CV
Susanne Schröter ist Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt, Principal Investigator im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Vorstandsmitglied des „Deutschen Orient-Instituts“, Mitglied der „Hessischen Integrationskonferenz“ und des „Hessischen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus“. Sie ist im wissenschaftlichen Beirat des „Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft“ (IDZ), Mitglied der „Polytechnischen Gesellschaft“ und Senatsmitglied der „Deutschen Nationalstiftung“. Im November 2014 gründete sie das „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ (FFGI), das sie seitdem leitet. Ihre  Forschungsschwerpunkte sind: Islamismus und Dschihadismus; progressiver und liberaler Islam; Frauenbewegungen in der islamischen Welt. Kürzlich erschienene Publikationen: „Religiöse Rechtfertigungen des Dschihadismus“, in: Schellhöh, Jennifer u.a., Hg.: Großerzählungen des Extremen. Neue Rechte, Populismus, Islamismus, War on Terror (Bielefeld: Transcript 2018); „Islamischer Fundamentalismus“, in: Zentralrat der Juden in Deutschland, Hg.: Jüdische Bildungslandschaften (Berlin: Hentrich & Hentrich 2018); „Gender Clash in der Einwanderungsgesellschaft? Debatten um Rassismus, Sexismus und Kultur nach den Ereignissen der Silvesternacht 2015 / 16“, in: Schröter, Susanne, Hg.: Normenkonflikte in pluralistischen Gesellschaften (Frankfurt: Campus 2017); „Islamic feminism. National and transnational dimensions”, in: Cesari, Jocelyne, Hg.: Islam, gender and democracy (Oxford: Oxford University
Press 2017).

 

Vortrag 3
Dr. Jason Mast

Cultural Codes in Brexit and the 2016 US Presidential Election

Abstract
In 2016, Americans elected a candidate who advocated withdrawing from international agreements, building legal and physical barriers to immigration, and removing foreign nationals from American soil. In his campaign, candidate Trump destabilized culture structures that had served as the boundaries of legitimate political and civil discourse in the US. Also in 2016, citizens of the UK voted to withdrawal from the EU. A prominent feature of the Leave campaign was its racial and xenophobic discourse and imagery. Its most ardent supporters were those with the greatest social and geographical distance from immigrant communities. These events (and recent others) evidenced swells of populism, ethnonationalism, and isolationism, and unsettled the multicultural, globalist, and neoliberal trajectories that many had assumed were durable and determined. Two pressing concerns of political analysts are identifying “culture structures” that control, anchor, and organize other elements in civil discourse, and determining the degree to which these structures are shifting and fragmenting. Having examined the foundational cultural codes and justification narratives in these events, I discuss what my findings portend for contemporary democratic normative orders.

CV
Jason Mast is a postdoctoral research fellow at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders,” Goethe University Frankfurt. Mast earned his PhD in sociology from the University of California, Los Angeles. He accepted a dissertation writing fellowship from Yale University. An early formulation of his PhD thesis was awarded the Best Graduate Student Paper prize by the Sociology of Culture section of the American Sociological Association. His dissertation, The Performative Presidency: Crisis and Resurrection During the Clinton Years (Cambridge University Press), was named a Choice Awards Outstanding Academic Title of 2013. Currently, Mast has an article forthcoming in the American Journal of Cultural Sociology in which he critiques cognitive neuroscientific interventions in the social sciences. He has a co-edited volume, Politics of Meaning / Meaning of Politics: Cultural Sociology of the 2016 US Presidential Election (Palgrave Macmillan), coming out in autumn 2018. And he is writing a monograph on the US 2016 election, tentatively titled, The Making of the Trump Presidency: Truthful Hyperbole and Troubled Legitimacies
(University of Chicago Press).

 

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel II – Die Revolution und das Volk

Internationale Jahreskonferenz “Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen"

Freitag, 23. November 2018, 10:00 Uhr – 12:00 Uhr

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Die Demokratie als System beruht auf einer grundlegenden Paradoxie: Das Volk existiert in ihr nur als verfasstes Subjekt. Doch die Möglichkeit der Verfassung selbst basiert auf der Existenz des Volkes. Das demokratische Volk ist der Verfassung vorgängig, obwohl die Verfassung das Volk der Demokratie überhaupt erst hervorbringt. Das Volk existiert also nicht ohne Verfassung. Doch es kann nicht in seiner verfassten Form aufgehen. Seine politische Existenz als demokratisches Subjekt verweist auf seine Existenz innerhalb wie außerhalb der politisch verfassten Formen.
Seit den demokratischen Revolutionen der Moderne kann die Einheit von Souverän, Staat und Volk nicht mehr durch den Körper des Monarchen hergestellt werden. Die Frage, wer das Volk ist und wer es repräsentiert, bleibt in Demokratien grundlegend unterbestimmt und  umstritten. Und die radikale und potentiell gewalttätige Transformation ihrer jeweiligen Form bleibt eine stets drohende Möglichkeit. Die Demokratie wird somit von ihrem Anderen und Außen heimgesucht und bedroht: dem Vordemokratischen und dem Antidemokratischen.
Das Panel analysiert diese Heimsuchungen der Demokratie entlang der Fragen nach den Möglichkeiten und der normativen Zulässigkeit der Revolution und nach den Formen und Ursachen des gegenwärtig erstarkenden Populismus.

 

Moderation: Prof. Dr. Martin Saar

CV
Martin Saar ist seit 1.10.2017 Professor für Sozialphilosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er ist Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung. Von 2014 bis 2017 war er Professor für politische Theorie an der Universität Leipzig. Studium der Philosophie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre an der FU Berlin und New School for Social Research. Von 2000 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie, von 2004 bis 2011 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaft in Frankfurt. Vertretungsprofessuren in Berlin, Bremen, Frankfurt und Hamburg. Gast- und Forschungsaufenthalte an der New School for Social Research. Wichtigste Publikationen: Genealogie als Kritik. Geschichte und Theorie des Subjekts nach Nietzsche und Foucault, Frankfurt / M. / New York 2007: Campus (Reihe Theorie und Gesellschaft, Band 59); Die Immanenz der Macht. Politische Theorie nach Spinoza, Berlin 2013: Suhrkamp.

 

Vortrag 1
Prof. Dr. Dirk Jörke

Populismus – oder das Ende des liberalen Zeitalters

Abstract
Der Aufstieg vor allem rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen in den westlichen Demokratien hat nicht nur zu einer wachsenden Instabilität dieser Systeme, sondern auch zu einer intensiven Debatte in den Sozialwissenschaften geführt. Gestritten wird vornehmlich über das Verhältnis von Populismus und Demokratie und die Ursachen der gegenwärtigen populistischen Revolte. Die Debatte wurde und wird vornehmlich mit dem begrifflich-normativen Arsenal des politischen Liberalismus geführt, wie in einem ersten Schritt gezeigt werden soll. Diese Herangehensweise besitzt jedoch spezifische blinde Flecken, zu ihnen zählen insbesondere eine stark individualistische Freiheitskonzeption und eine Vernachlässigung sozio-ökonomischer Spaltungslinien. Diese blinden Flecken verhindern nicht nur ein angemessenes Verständnis der populistischen Revolte, sie führen auch zu einer Verschärfung der existierenden gesellschaftlichen Spaltungen, worauf in einem zweiten Schritt einzugehen ist. Abschließend soll eine nichtliberalistische Deutung des Populismus skizziert werden, die sich auf marxistische Denkmotive stützt. Dazu gehört auch die Einsicht, dass wir gerade einen Epochenumbruch erleben.

CV
Dirk Jörke studierte Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie und Geschichte in Kiel und Hamburg. 2003 wurde er an der Universität Greifswald mit einer Arbeit über Demokratie als Erfahrung. John Dewey und die politische Philosophie der Gegenwart promoviert, 2009 erfolgte dort die Habilitation (Kritik demokratischer Praxis. Eine ideengeschichtliche Studie). Von 2009 bis 2014 war er Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit April 2014 ist er Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Technischen Universität Darmstadt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Demokratietheorie, USamerikanischer Pragmatismus und politisches Denken des 18. Jahrhunderts. Jüngste Buchveröffentlichung, zusammen mit Veith Selk: Theorie des Populismus. Zur Einführung (Junius 2017). Aktuell arbeitet er an einem Buchmanuskript mit dem Titel Die Größe der Demokratie.

 

Vortrag 2
Prof. Dr. Christoph Menke

Die Möglichkeit der Revolution

Abstract
Was macht eine Revolution möglich? Der Vortrag versteht diese Frage als die Frage nach dem Subjekt, das fähig ist, eine Revolution zu machen. Jeder Versuch, diese Frage zu beantworten, ist mit einer Aporie konfrontiert: Das Subjekt der Revolution kann weder mit seiner geschichtlich hervorgebrachten sozialen Form identifiziert werden, noch kann es ein Subjekt „als solches“ sein, als eine Macht der Negativität vorgängig zu Geschichte und Gesellschaft. Der Vortrag schlägt vor, einen Ausweg aus dieser Aporie in der Idee einer transzendentalen Wendung der Subjektivität zu finden: Die Revolution ist der transzendentale Gebrauch der historisch angeeigneten und gesellschaftlich geformten Möglichkeiten des Subjekts. Die Möglichkeit der Revolution besteht in der Revolutionierung der Möglichkeiten (als Fähigkeiten).

CV
Christoph Menke ist Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität und Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Studium der Philosophie und Germanistik in Heidelberg und Konstanz; Promotion 1987 Konstanz; Habilitation 1995 Berlin; von 1997-99 Associate Professor an der New School for Social Research, New York; von 1999-2008 Professor für Philosophie, Schwerpunkt Ethik und Ästhetik an der Universität Potsdam. Seit 2009 Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt. Zu den wichtigsten Publikationen zählen: Die Souveränität der Kunst (1988); Tragödie im Sittlichen (1996); Spiegelungen der Gleichheit (2000, 2004); Die Gegenwart der Tragödie. Versuch über Urteil und Spiel (2005); Kraft. Ein Grundbegriff ästhetischer Anthropologie (2008); Recht und Gewalt (2011); Die Kraft der Kunst (2013); Kritik der Rechte (2015); Law and Violence. Christoph Menke in Dialogue (2018); Am Tag der Krise (2018); Autonomie und Befreiung (i.E.).

 

Vortrag 3
Dr. Sofie Møller

Hindsight and Foresight in Kant’s Opposition to Revolution

Abstract
Who can tell whether a civil war will result in a successful revolution, a restoration of an oppressive regime or in a continued stateless condition? In hindsight, we might see that a revolution has promoted political progress and social change but we cannot make this judgment before the events have unfolded. By distinguishing hindsight from foresight, Kant invites us to separate the judgment on what was achieved through a revolution from its legality and its moral permissibility. These considerations intertwine political and legal theory with a philosophy of history. Since the only legal form of coercion is performed by a people which is legally constituted, there can be no extralegal right to use coercion. Revolutions can still be effective in promoting political progress but do so by unleashing violence and lawlessness. Kant’s skepticism toward revolutions invites us to consider alternative methods of promoting political change. I argue that Kant’s forward-looking skepticism about revolutions encourages legal reform as an instrument of political change.

CV
Sofie Møller is a postdoctoral researcher at the Goethe University Frankfurt and the Cluster of Excellence ‘The Formation of Normative Orders’, where she works on legal and political philosophy in a Kantian framework. She studied philosophy and semiotics in Copenhagen, Berlin and Bologna and received her doctorate from the European University Institute in 2017. She was a visiting research scholar at Brown University and a fellow of the Danish Academy in Rome. At the Cluster of Excellence, she is researching the conception of social progress in a Kantian framework and she has published with the European Journal of Political Theory and Kant Studien. She is author of the book Kant’s Tribunal of Reason. Legal structures of the Critique of Pure Reason, which is forthcoming with Cambridge University Press.

 

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Keynote: Democracy and Disrespect

Internationale Jahreskonferenz “Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen"

Donnerstag, 22. November 2018, 17 Uhr

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

There are many diagnoses of a crisis of democracy today. The talk will critically examine some of them, and then focus on one in particular: the notion that a ‘populist wave’ — that is said to be deeply damaging for democracy — is caused in part by an increasing number of citizens feeling ‘disrespected.’ The talk will ask whether that claim is empirically correct; it will also ask what role, normatively, respect should play in a democracy, and whether there might be a legitimate place for disrespect in political conflict.

Prof. Dr. Jan-Werner Müller (Princeton University)

CV
Jan-Werner Müller is a professor of politics at Princeton University, where he also founded the Project in the History of Political Thought. His publications include What is Populism? (Penguin), which has been translated into 25  languages, Contesting Democracy: Political Ideas in Twentieth-Century Europe (Yale UP), and Constitutional Patriotism (Princeton UP). He is currently at work on a book about architecture and democracy.

 

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel I – Umbrüche internationaler Ordnungen

Internationale Jahreskonferenz “Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen"

Donnerstag, 22. November 2018, 14:15 Uhr – 16:15 Uhr

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Internationale Ordnungen als Gefüge gewachsener Institutionen und Praktiken bilden sich über längere Zeit heraus. Ihre Unterminierung vollzieht sich hingegen deutlich schneller und unübersichtlicher, fast immer jedoch in einer Kombination transnationaler und zwischenstaatlicher Dynamiken. In diesem Panel stehen revolutionäre, reaktionäre und restaurative Herausforderungen internationaler Ordnungen im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart im Zentrum der Diskussion. Dabei geht es zum einen um die Verschränkung geopolitischer strategischer Interessen zum Zwecke des Ausbaus hegemonialglobaler wie auch der Absicherung restaurativinnerstaatlicher Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts durch die ,Pax Britannica‘. Aus einem völkerrechtlichen Blickwinkel werden zudem reaktionäre Angriffe auf internationale Institutionen im Lichte einer Auseinandersetzung mit Carl Schmitt ,Begriff des Politischen‘ sowie Angriffe auf die Autorität internationaler Gerichte am Beispiel des europäischen sowie interamerikanischen Menschrechtssystems untersucht.

Moderation: Prof. Dr. Gunther Hellmann

CV
Gunther Hellman ist Professor für Politikwissenschaft am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Principal Investigator am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Seine Forschungsinteressen liegen auf den Gebieten der Theorie der internationalen Beziehungen, der Außenpolitikanalyse, insbesondere der deutschen und europäischen Außenpolitik, und der  internationalen Sicherheit, insbesondere der transatlantischen und europäischen Sicherheit. Derzeit ist er Präsident des World International Studies Committee (WISC). Er ist einer der Herausgeber der Zeitschrift für Internationale Beziehungen ( ZIB ) und Mitglied des Vorstands des Aspen Institute Berlin. Er war Steven Muller Chair for German Studies am SAIS Bologna Center der Johns Hopkins University und Harris Distinguished Visiting Professor am Dartmouth College, Hannover, NH.

 

Vortrag 1
Prof. Dr. Benno Teschke

Revolution, Restoration & 19th Century International Ordering: Challenges for IR Theory

Abstract
The notion of revolution — ‘bourgeois revolution’ — is conventionally conceptualised within the methodological frameworks of either singlecountry studies or comparative history — only recently modified within the various sub-types of global history. This paper re-examines the nexus between revolution and restoration within the first half of the 19th Century by re-situating both phenomena within Europe’s geopolitics. The argument is that the post-Vienna Settlement ‘Concert System’ presents a specific adaptation of Britain’s dual ‘blue water’ grand strategy that was first developed after its 1688 ‘Glorious Revolution’ and successfully imposed on continental Europe in the uniquely pro-British Diktat of the Peace of Utrecht (1713). Rather than revolutionising ‘Europe’ in hegemonic fashion towards the  institutionalisation of liberal constitutions and capitalist social relations in the 18th and 19th Centuries, the blue water strategy orchestrated Europe around British national security interests through power-balancing and the restoration of Old Regimes, while re-shaping its  overseas commercial interests on the basis of mercantilist navalism and colonialism – ‘splendid isolation’ plus ‘ruling the waves’. The British Vienna Peace Plan, enjoined through coercive and skillful diplomacy, fortified British primacy throughout the 19th Century, leading to peculiar country-specific combinations of revolutions from below and above against repressive British geopolitical interests — ‘Pax Britannica’.

CV
Benno Teschke is a Professor in the Department of International Relations at the University of Sussex and Director of the Center of Advanced International Theory (CAIT). His research interests comprise critical IR Theory and the Historical Sociology of International Politics. He received his PhD from the IR Department at the London School of Economics and Political Science and was subsequently a post-doctoral fellow at the Center for Social Theory and Comparative History at the University of California, Los Angeles, and a Visiting Professor in 2013 / 14 in the Politics Department at Copenhagen University. Teschke is the author of The Myth of 1648: Class, Geopolitics and the Making of Modern International Relations (London / New York: Verso), which was awarded the Isaac Deutscher Memorial Prize in 2004. He published amongst others in IO, EJIR, International Theory, Millennium, International Affairs, Globalizations, and International Politics. More recently he wrote a series of critical interventions on Carl Schmitt in the New Left Review, International Theory and the Oxford Handbook of Carl Schmitt.

 

Vortrag 2
Prof. Dr. Armin von Bogdandy

Die partikularistische Reaktion gegen multilaterale Institutionen

Abstract
Der Vortrag erörtert die derzeitige nationalistische Reaktion gegen internationale Institutionen mittels einer Auseinandersetzung mit Carl Schmitts „Begriff des Politischen“. Vor der Kontrastfolie eines liberaldemokratischen Ansatzes legt er konzeptionelle Schwächen dieser Reaktion dar und skizziert mit dem analytischen Begriff der internationalen öffentlichen Gewalt sowie den normativen Begriffen der inklusiven Öffentlichkeit und des transnationalen Gemeinwohls eine Alternative. Zudem diskutiert er anhand der Kritik von Schmitts Text Kriterien öffentlichrechtlicher Theoriebildung, reflektiert also das Tagungsthema wissenschaftstheoretisch.

CV
Armin von Bogdandy ist Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht und Professor für öffentliches Recht an der Universität Frankfurt am Main sowie Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Nach einem Jura- und Philosophiestudium wurde er 1988 in Freiburg promoviert und 1996 an der FU Berlin habilitiert. Er war Präsident des OECD-Kernenergiegerichts, Mitglied des Wissenschaftsrats sowie des wissenschaftlichen Komitees der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte. Er nahm Gastprofessuren unter anderem an der New York University School of Law, dem europäischen Hochschulinstitut, der Xiamen Academy of International Law und der Universidad Nacional Autónoma de México wahr. Ihm wurde der Leibniz-Preis, der Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für herausragende wissenschaftliche Leistungen, der Premio Internacional „Hector Fix Zamudio“ und der Gerichtshammer des interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte verliehen. Seine Forschungstätigkeit dreht sich um den Strukturwandel des öffentlichen Rechts: theoretisch, dogmatisch, praktisch. Zu den wichtigsten Publikationen jüngeren Datums zählen: In wessen Namen? Internationale Gerichte in Zeiten globalen Regierens. Suhrkamp, 2014 (mit Ingo Venzke); „Das Öffentliche im Völkerrecht im Lichte von Schmitts „Begriff des Politischen“. Zugleich ein Beitrag zur Theoriebildung im Öffentlichen Recht.“ In: ZaöRV 77 / 4, 877-906 (2017); From Public International to International Public Law: „Translating World Public Opinion into International Public Authority.“ In: European Journal of International Law, Issue Vol. 28 (2017) No. 1, 115-145 (gemeinsam mit Matthias Goldmann und Ingo Venzke).

 

Vortrag 3
Ximena Soley & Silvia Steininger

Human Rights Courts Under Pressure: Backlash and Resilience in the European and Inter-American Human Rights System

Abstract
The debate on backlash against international institutions, in particular international courts, is not short of empirical examples, creating the impression of a globe-spanning resistance against the norms, procedures, and institutions of global governance. While the last decades were characterized by an era of proliferation of international courts, the expansion of their functions, and their rising authority, today attacks against international courts occur with alarming frequency. International courts in the fields of human rights, international trade and investment, as well as criminal justice bear the brunt of those challenges. The exercise of authority by international courts is bound to trigger negative reactions from time to time. But how can we distinguish ordinary challenges from extraordinary ones? How should an international court react to democratic backsliding? What should it do about a threat of withdrawal? And, ultimately, how do human rights courts remain resilient in the face of these challenges? We shall map out those questions with respect to the European and inter-American human rights system.

CV Ximena Soley
Ximena Soley is a Research Fellow at the Max Planck Institute for Comparative Public Law and International Law, Heidelberg and a doctoral candidate at Goethe University, Frankfurt. She studied law at the University of Costa Rica and at the University of Geneva. Her research focuses on the inter-American system, particularly on socio-legal approaches to its human rights norms and institutions, as well as on transformative constitutionalism. She was also the managing editor of ‘Transformative Constitutionalism in Latin America’ published in 2017 by Oxford University Press.

CV Silvia Steininger
Silvia Steininger is a Research Fellow at the Max Planck Institute for Comparative Public Law and International Law. She holds graduate degrees in public international law from the University of Amsterdam (LL.M.) and in political science from the University of Heidelberg (M.A.). Her research interests lie in the interdisciplinary, theoretical and empirical analysis of the structures, institutions, and norms of international decisionmaking, in particular in the areas of human rights and international economic law. In her thesis, she analyzes challenges to the authority of international courts. At the MPIL, she is currently project manager of the International Public Authority project and convener of the discussion group on political and legal theory.

 

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Internationale Jahreskonferenz “Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen"

Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

22. und 23. November 2018

Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 + 02
Campus Westend
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Eine Anmeldung bis zum 13. November 2018 ist erforderlich, Anmeldeformular (pdf): Hier...

Programm (pdf): Hier...

Programm

Donnerstag, 22. November 2018

14:00 - 14:15 Uhr

Eröffnung der Jahreskonferenz

Prof. Dr. Klaus Günther (Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen”)


14:15 - 16:15 Uhr

Panel I – Umbrüche internationaler Ordnungen

Prof. Benno Teschke (University of Sussex):
Revolution, Restoration & 19th Century International Ordering: Challenges for IR Theory

Prof. Armin von Bogdandy (MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg; Exzellenzcluster, „Die Herausbildung normativer Ordnungen“):
Die partikulartistische Reaktion gegen multilaterale Institutionen

Ximena Soley und Silvia Steininger (MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg; Exzellenzcluster, „Die Herausbildung normativer Ordnungen“):
Human Rights Courts Under Pressure: Backlash and Resilience in the European and Inter-American Human Rights System

Chair: Prof. Gunther Hellmann (Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität)

Weitere Informationen: Hier...


16:15 - 17:00 Uhr

Kaffee und Kuchen


17:00 - 19:00 Uhr

Keynote: Democracy and Disrespect

Prof. Jan-Werner Müller (Princeton)

Einführung und Moderation: Prof. Dr. Rainer Forst (Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität)

Weitere Informationen: Hier...


Freitag, 23. November 2018

10:00 - 12:00 Uhr

Panel 2: Die Revolution und das Volk

Prof. Dirk Jörke (TU Darmstadt):
Populismus – oder das Ende des liberalen Zeitalters

Prof. Christoph Menke  (Exzellenzcluster, „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität):
Die Möglichkeit der Revolution

Dr. Sophie Møller (Exzellenzcluster, „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität):
Hindsight and foresight in Kant’s Opposition to Revolution

Chair: Prof. Martin Saar (Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität)

Weitere Informationen: Hier...


13:00 - 15:00 Uhr

Panel 3: Gewalt, Kultur und Politik in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche

Prof. Gudrun Gersmann (Universität zu Köln):
Terror, Tod, Trauer, Trauma: Die Auseinandersetzung um die Französische Revolution in der Restauration

Prof. Susanne Schröter (Exzellenzcluster, „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität):
Islamische Revolutionen – Die Beispiele Syrien und Irak 2014 und Iran 1979

Jason Mast, PhD (Exzellenzcluster, „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität):
Cultural Codes in Brexit and the 2016 US Presidential Election

Chair: Hakim Khatib (Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Goethe-Universität)

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Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Vorangegangene Jahreskonferenzen: Hier...

Internationale Jahreskonferenz - Crisis: Interdisciplinary Perspectives

Donnerstag, 23. November, 14:30 - 16:30 Uhr

Broschüre mit ausführlichem Programm, Abstracts, CVs (pdf): Hier...

Eine Anmeldung bis zum 8. November 2017 ist erforderlich, Anmeldeformular (pdf): Hier...

Panel 1

Conceptions of Crisis

Prof. Dr. Albena Azmanova (Brussels School of International Studies, Kent University):
Crisis of Crisis: On Normative and Institutional Stuckness

Prof. Dr. Rainer Forst and Prof. Dr. Klaus Günther (Directors of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University):
Normative Crisis: Conceptual and Diagnostic Remarks

Dr. Brian Milstein (Goethe University):
What Does a Legitimation Crisis Mean Today?

Chair: Rebecca Schmidt (Managing Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University)

Weitere Informationen: Hier...

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Keynote

Donnerstag, 23. November, 17 - 18:30 Uhr

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg):
Normative Orders in Crisis - Conditions of Democratic Solidarity within the Capitalist World System

Weitere Informationen: Hier...

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Freitag, 24. November, 10:30 - 12:30 Uhr

Panel 2

Historical Interpretations in Crisis - The Search for Concepts beyond the Secularization Paradigm

Prof. Dr. Chris Hann (Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle/Saale):
A Concept of Eurasia

Prof. Dr. Bernhard Jussen (Goethe University):
Bildbasierte Versuchsanordnungen. Von der Krise des Säkularisierungsparadigmas zur Suche nach neuen Modellen historischer Argumentation

Judith Blume (Göttingen University):
Reprint, Revision, Renew. Der Umgang mit Krisen im Medium Sammelbildalbum

Chair: Prof. Dr. Annette Warner (Goethe University)

Weitere Informationen: Hier...

Freitag, 24. November, 13:30 - 15:30 Uhr

Panel 3

The Crisis of the 'Liberal World Order'

Prof. Dr. Vivienne Jabri (King's College London):
Crisis and World Order: A Postcolonial Political Ontology

Prof. Dr. Christopher Daase (Goethe University):
The Contradictions of the Liberal World

Dr. Stefan Kroll (Goethe University):
The Crisis of the Liberal World Order: And the Politics of its Defense

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Goethe University)

Weitere Informationen: Hier...

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01
Max-Horkheimer-Str. 2, 60323 Frankfurt am Main

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Zum Veranstaltungsbericht: Hier...

Vorangegangene Jahreskonferenzen: Hier...

International Annual Conference - Crisis: Interdisciplinary Perspectives

Thursday, 23 November 14:30 - 16:30

Brochure with detailed program, abstracts, cvs (pdf): click here...

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Panel 1

Conceptions of Crisis

Prof. Dr. Albena Azmanova (Brussels School of International Studies, Kent University):
Crisis of Crisis: on Normative and Institutional Stuckness

Prof. Dr. Rainer Forst and Prof. Dr. Klaus Günther (Directors of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University):
Normative Crisis: Conceptual and Diagnostic Remarks

Dr. Brian Milstein (Goethe University):
What Does a Legitimation Crisis Mean Today? Deliberative Democracy and the ‘Morbid Symptoms’ of Faltering Hegemony

Chair: Rebecca Schmidt (Managing Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University)

For further information: Click here...

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Keynote Address: Normative Orders in Crisis – Conditions of Democratic Solidarity within the Capitalist World System

Thursday, 17 - 18:30

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg):
Normative Orders in Crisis - Conditions of Democratic Solidarity within the Capitalist World System

For further information: Click here...

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Freitag, 24. November, 10:30 - 12:30 Uhr

Panel 2

Historical Interpretations in Crisis. In Search for Concepts beyond the Secularization Paradigm

Prof. Dr. Chris Hann (Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle/Saale):
A Concept of Eurasia

Prof. Dr. Bernhard Jussen (Goethe University):
Bildbasierte Versuchsanordnungen. Von der Krise des Säkularisierungsparadigmas zur Suche nach neuen Modellen historischer Argumentation

Judith Blume (Göttingen University):
Reprint, Revision, Renew. Der Umgang mit Krisen im Medium Sammelbildalbum

Chair: Prof. Dr. Annette Warner (Goethe University)

For further information: Click here...

Freitag, 24. November, 13:30 - 15:30 Uhr

Panel 3

The Crisis of the 'Liberal World Order'

Prof. Dr. Vivienne Jabri (King's College London):
Crisis and World Order: A Postcolonial Political Ontology

Prof. Dr. Christopher Daase (Goethe University):
The Contradictions of the Liberal World

Dr. Stefan Kroll (Goethe University):
The Crisis of the Liberal World Order: And the Politics of its Defense

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Goethe University)

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Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Previous annual conferences: click here...

Panel III – The Crisis of the ‘Liberal World Order‘

Crisis: Interdisciplinary Perspectives - 9th International Annual Conference

Friday, November 24th 2017, 1.30 pm - 3.30 pm

The panel deals with the question what the revival of the national and the reactionary mean for the concept of international order. Theories of not too distant a past described a “New World Order” as a system of closely co-operating, likeminded states acting in a globalised and cosmopolitan spirit. For such concepts, the outcome of some referenda and elections, a strengthened populist right in many states and enhanced national egotism in foreign relations during the past months have come as an existential threat to a peaceful order, even though antagonist descriptions and first indicators triggering dystopian visions date further back. The dominance of “the West” seems to be endangered and with it, it appears, the international rule of law. Contributions to this panel will address contradictions and self-deceptions in such a narrative, demonstrate that the “liberal world” has always been a fragile notion and that elements of the liberal construct of order have even been used to its disadvantage. The question will be what such analyses contribute to a better understanding of the present crisis and whether lessons can be learned.

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Goethe University)

CV
Born 1959; 1979-84 studies of literature and law at Tuebingen and Frankfurt; 1986 studies at Academy of Administration in Speyer and Hague Academy of International Law, 1987/88 at University of Virginia; 1984-87 preparatory civil service; 1991 dissertation (Dr. jur.) on peremptory norms of public international law; 1996 PhD (habilitation) on administrative law under the influence of EU law; 1997-2004 professor (tenure) at the University of Muenster (Westphalia). Guest professor and lecturer at the University of Virginia (1999), the European University Institute (2000), the Institute of State and Law of the Russian Academy of Sciences (2002/03) and at Chuo University Tokyo (2004). Since 2004 at Goethe University Frankfurt. Director of the Institute of Public Law, member of the Cluster of  Excellence “The Formation of Normative Orders”. Since 2014 Rapporteur of the International Law Association’s Human Rights Committee. Working Fields: Constitutional law, public international law and EU law, with an emphasis on foreign relations powers, federalism, multi-level governance, human rights and theory of international law.


Lecture 1
Prof. Dr. Vivienne Jabri
(King‘s College London)

Crisis and World Order: A Postcolonial Political Ontology

Abstract
Liberal understandings of the international order are largely framed in terms of a universalist ontology, one that has no limits beyond those attributed to the constraints of an anarchical structure that is nevertheless historically tamed by the rules and norms of affiliation. The so-called ‘crisis’ is attributed to the emergence of political forces in the West deemed to have rejected globalisation in favour of a ‘return’ to nationalist or protectionist politics. Irrespective of the questionable assumptions related to the genesis of this crisis, what is evident is that the West remains the assumed self-inscribed author of the international and its discursive and institutional trajectories as we move further into our late modernity. The aim of this paper is not only to provide a critique of such a perspective, but to ask, as I have done in my writings, what does the international look like when seen from the vantage point of the postcolonial international? When seen thus, the liberal international order is complicit in the enactment of twenty-first century modes of colonisation the enabling conditions for which emerge precisely from the historical normative structuring of the international in hierarchically ordained terms that render the postcolonial vulnerable and always precarious. At the same time, the postcolonial international can be seen as struggling to re-instantiate the limits of the international, the recent transgressions of which, through militarised interventionism, have indeed generated the crisis of the present.

CV
Vivienne Jabri is Professor of International Politics in the Department of War Studies, King’s College London, Coordinator of the Research Centre for International Relations, and Director of the ESRC London Interdisciplinary Social Science Doctoral Training Partnership. Her research draws on and develops critical, poststructural, and postcolonial social and political theory, with particular reference to international theory. Her current research and writing focus on war/violence and conceptions of political community and the limits of the international. She serves on the Editorial Boards of the journals International Political Sociology, Security Dialogue, and the ISA’s Journal of Global Security Studies. Her books include Postcolonial Subject: Claiming Politics/Governing Others in Late Modernity (Routledge, 2012), War and the Transformation of Global Politics (Palgrave Macmillan 2007 and 2010), Discourses on Violence (Manchester University Press 1996), and Mediating Conflict (Manchester University Press 1990). She has also published in leading International Relations journals, including the European Journal of International Relations, the Review of International Studies, International Political Sociology, Millennium: Journal of International Studies, Security Dialogue, Peacebuilding, and International Theory.


Lecture 2
Prof. Dr. Christopher Daase (Goethe University)

The Contradictions of the Liberal World Order

Abstract
For years the liberal international order was seen challenged by emerging authoritarian powers like China, India and Russia. Now it turns out that world order is rather undermined from within, i.e. by states which once championed the ideas of international liberalism: international institutions, free trade, human rights and democracy. But it would be shortsighted to blame only Trump and the Brexiteers for these developments. Rather we have to investigate more closely the inherent contraditions of liberal internationalism, its promises and lies, its benefits and faults to understand it’s current crisis.

CV
Christopher Daase is Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF). Previously he held the Chair in International Relations at the University of Munich and was Senior Lecturer at the University of Kent at Canterbury as well as Director of the Programme on International Conflict Analysis at the Brussels School of International Studies. Educated at Universities in Hamburg, Freiburg and Berlin, he became SSRC-MacArthur Fellow in International Peace and Security and was Research Fellow at Harvard University and the RAND Corporation in Santa Monica, CA. His research centres on theories of international relations, security issues and international institutions. As member of theCluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” at the University of Frankfurt he currently works on changing patterns of legitimacy with regard to the use of force, rule and resistance in international politics, and the informalization of international relations.


Lecture 3
Dr. Stefan Kroll (Goethe University)

The Crisis of the Liberal World Order: And the Politics of its Defense

Abstract
The debate on the liberal world order, and its crisis, is plagued by two big puzzles. The first is the issue of what are the values and expectations that make the liberal order. The second concerns the actors that constitute the liberal world. While the presentation will address both facets of the debate, the facet of norms as well as the facet of community, the vantage point will be the question of inclusion and exclusion. The crisis of theliberal order to a  large degree is a crisis of the community of liberal states. While some important actors seem to distance themselves from this community, like the US under President Trump, other actors refer to elements of the liberal order from the outside, like for example China in the context of free trade. The aim of this presentation is to take a closer look at the defenses of elements of the liberal order. In many cases these defenses do not weaken the crisis but rather deepen the fragility of the liberal order as a formation of norms and  collective identity. The aim of this presentation is to point out the risks but also the potentials of this fragility for the emergence and application of international norms.

CV
Stefan Kroll is postdoctoral researcher at Goethe University Frankfurt and the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. Prior to this appointment, Kroll worked at the LOEWE Research Focus “Extra-Judicial and Judicial Conflict Resolution” (Frankfurt), the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity (Göttingen), the Munk School of Global Affairs (Toronto), and the Max Planck Institute for European Legal History (Frankfurt). Trained in social sciences, Kroll studies norms in international relations,  informality in law and international politics as well as the politics of international law. Stefan Kroll has published in edited volumes and international peer reviewed journals. He is co-editor of the special issue of the Politische Vierteljahresschrift 2017 entitled “Politik und Verantwortung”. Kroll received several grants and scholarships. In 2011, his work was awarded the Otto-Hahn-Medal of the Max Planck Society.

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

 

Video:

Audio:

 

Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Stefan Kadelbach, Professor für Öffentliches Recht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Dr. Stefan Kroll, Postdoktorand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnugnen"
  • Dr. Stefan Kroll, Postdoktorand am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnugnen"
  • Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, Universität Flensburg

 

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Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Panel II – Historical Interpretations in Crisis – The Search for Concepts beyond the Secularization Paradigm

Crisis: Interdisciplinary Perspectives - 9th International Annual Conference

Friday, November 24th 2017, 10.30 am - 12.30 pm

Every historical interpretation is dependent on the macro-historical frame in which it is situated. This frame predetermines the range of topics studied, how studies are intellectually assessed, and the distribution of scholarly attention. For the last 250 years, historical  scholarship has adhered to a silent agenda known as the “secularization paradigm,” which tailors historical material in accordance with a universalist macro-historical frame: “Antiquity – Middle Ages – Modernity.”
Today, scholars broadly agree that both the secularization paradigm and the frame to which it is tied are fatally flawed. They are now viewed as artifacts of a particular episode within the modern history of knowledge, which extended from the 18th century to the end of the Cold War.
At the same time, this broad consensus on the inadequacy and historicity of this paradigm and its macro frame has not led to a successful reconfiguration of historical concepts—despite the rise of discourses such as “postcolonialism,” “postsecularism,” and “provincializing Europe.” For an undertaking as fraught with political controversy as the interpretation of the past, this inertia of an obsolete conceptual framework represents a severe crisis of orientation. This panel approaches this present crisis of historical conceptions from several   angles: Hann offers a proposal for a broad conceptual redesign, while Blume will reflect on comparable crises a century earlier, and Jussen will explore standards for discovering alternative macro-historical structures.

Chair: Prof. Dr. Annette Warner (Goethe University)

CV
Annette Warner (last name in publications: Imhausen) studied mathematics and chemistry (Erstes Staatsexamen 1996) at Mainz University and Egyptology at Mainz University and the FU Berlin. She completed her doctoral  dissertation in the history of mathematics at Mainz University with David Rowe. Annette Warner was a post-doc at the Dibner-Institute for the History of Science and Technology in Cambridge, Mass., and a Junior Research Fellow at Trinity Hall (Cambridge, England). From 2006 until 2008 she was assistant professor (Juniorprofessorin) at Mainz University. Since 2009 she is professor for the history of early science at Frankfurt University and Principal Investigator in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. Her research focuses on ancient Egyptian mathematics and its cultural context. Her recent publications include Mathematics in Ancient Egypt: A Contextual History (Princeton University Press 2016) and (together with Tanja Pommerening) Translating Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Greece and Rome: Methodological Aspects with Examples (De Gruyter 2016).


Lecture 1

Prof. Dr. Chris Hann (Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle/Saale)

A Concept of Eurasia

Abstract
A concept of Eurasia has been vigorously promoted in recent decades in a series of historical works by anthropologist Jack Goody, who emphasizes the “merchant cultures” that emerged as the principal agent of connectivity across the landmass (and throughout the Indian Ocean World) from the Bronze Age onwards. This lecture will consider the extent to which Goody’s materialist emphasis on production, consumption and exchange, plus new technologies of communication (the invention of writing), can be fruitfully spliced with investigations of the political and religious dimensions that Goody himself tended to neglect (such as those addressed in “Axial Age” theories). It will be argued that the resulting Eurasiacentric synthesis is superior to the Eurocentrism which has dominated social theory since the contributions of Marx and Weber.

CV
Chris Hann was born in Cardiff in 1953. He studied Politics, Philosophy and Economics at Oxford and Social Anthropology at Cambridge. His first book was based on his PhD: Tázlár: a Village in Hungary, Cambridge UP 1980. Later he carried out fieldwork in Poland (A Village Without Solidarity: Polish peasants in years of crisis, Yale UP 1985) and in Turkey (Turkish Region. State, Market and Social Identities on the East Black Sea Coast, James Currey, 2000, with Ildikó Bellér-Hann). After holding teaching positions in the UK at the Universities of Cambridge and Kent (Canterbury), Chris Hann moved in 1999 to Halle an der Saale, as a Founding Director of the Max Planck Institute for Social Anthropology. He currently continues field research in rural Hungary, has another unfinished ethnographic project in Xinjiang, N-W China, and leads several research groups in economic anthropology. He is a Member of the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and in 2015 was awarded the Rivers Memorial Medal of the Royal Anthropological Institute (London).


Lecture 2
Dr. des. Judith Blume (Göttingen University)

Reprint, Revision, Renew. Der Umgang mit Krisen im Medium Sammelbildalbum

Abstract
Als Gratisbeigaben zu Markenprodukten, die seit den 1870er Jahren ausgegeben wurden, sind Sammelbilder und ihre Alben nicht nur ein zentraler Bestandteil der modernen Konsum und Markenkultur, sondern auch eine wichtige Quelle gesellschaftspolitischer Entwicklungen, der entsprechenden normativen Ordnung und ihrer jeweiligen populären Bebilderung. Fast zeitgleich mit dem deutschen Kaiserreich entstanden, begleiteten sie die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus sowie die neu gegründeten Staaten der DDR und BRD. Eignen sich Sammelbilder als populärkulturelles Medium generell dafür, Geschichte auch jenseits der altbekannten politischen Zäsuren zu schreiben, werde ich in diesem Vortrag mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein zentrales Datum der gesellschaftspolitischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ins Zentrum rücken. Wie schlägt sich die normative Krise des Endes des Nationalsozialismus in einem populärkulturellen Medium nieder, das als zentraler Bestandteil nationalsozialistischer Alltagskultur gelten kann? Wie gingen Firmen, aber auch Sammlerinnen und Sammler mit der in die Krise geratenen normativen Ordnung um? Wie  unterschieden und verbanden sich Wiederaufnahme, Veränderung und Neuanfang?

CV
Judith Blume studierte Geschichte, Germanistik und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen, Hamburg und Aix-en-Provence. 2017 wurde sie mit dem Thema „Wissen und Konsum. Eine Geschichte des Sammelbildalbums 1860–1952“ am Historischen Seminar der Goethe-Universität promoviert. Bis 2017 arbeitete sie im Teilprojekt „Ikonologie der Geschichtswissenschaft“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, erst als Stipendiatin und anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Von 2013 bis 2015 war sie Kuratorin der Jubiläumsausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“. Seit Februar 2017 ist sie Referentin für Ausstellen an der Zentralen Kustodie der Georg-August-Universität Göttingen. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Bild-, Wissens- und Konsumgeschichte, populäre Kultur, akademische Sammlungen und interdisziplinäre Lehrformate.


Lecture 3
Prof. Dr. Bernhard Jussen (Goethe University)

Bildbasierende Versuchsanordnungen. Von der Krise des Säkularisierungsparadigmas zur Suche nach neuen Modellen historischer Argumentation

Abstract
Die unbestrittene Krise des Säkularisierungsparadigmas und damit – unausweichlich – des dominierenden geschichtswissenschaftlichen Makromodells hat schon seit Jahrzehnten zur Diskussion um räumliche und zeitliche Alternativmodelle geführt, so für die europäische Geschichte „Alteuropa“ oder „Vormoderne“, „Euromediterraneum“ oder zunehmend „Eurasien“. Der Erfolg ist bislang gering. Zu fest sitzt das alte Paradigma, das die säkulare pluralistische Zivilgesellschaft als „Ende der Geschichte“ unterstellte und epochale  Pfadentscheidungen auf diesem Weg mit Stichworten wie „Renaissance“, „Reformation“, „Entdeckung des Individuums“, „Aufklärung“ markierte. Dieser Beitrag schlägt vor, die Suche nach neuen Modellen und alternativen Zäsuren durch eine für Historiker ungewohnte Materialentscheidung zu forcieren. Die Geschichtswissenschaft nutzt einen nur sehr kleinen Medienausschnitt für ihre Modellbildung – zumeist pragmatische Schriftlichkeit, Chroniken, Viten und einige Traktatsorten. Alles andere wird nur additiv verwendet, wenn nicht weggelassen. Der Beitrag skizziert, wie vertraute geschichtswissenschaftliche Großthemen sich verändern, wenn die politische oder religiöse Geschichte des lateinischen Europa ausschließlich mit Blick auf visuelle Medien beobachtet wird, wenn also jedes Thema nur mit Blick auf die ästhetischen Diskurse entwickelt werden kann.

CV
Bernhard Jussen studierte Geschichte, Philosophie und Katholische Theologie in München und Münster. Nach der Promotion („Künstliche Verwandtschaft als soziale Praxis“) arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen, wo er sich 1999 habilitierte („Zur Semantik der mittelalterlichen Bußkultur“). Seit 2001 war er zunächst Professor für Mittelalterliche Geschichte in Bielefeld, ehe er 2008 an die Goethe-Universität wechselte. Prof. Jussen war Research Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und am Dept. for Art History der Harvard University, ferner Gastprofessor in Ann Arbor, Michigan, und an der École Normale Supérieure in Paris. Im Jahr 2007 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Jussen ist Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Seit 2016 leitet er das Mittelalter-Zentrum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

 

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Audio:

 

Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Chris Hann, Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle/Saale
  • Prof. Dr. Chris Hann, Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle/Saale
  • Dr. des. Judith Blume, Referentin für Ausstellen an der Zentralen Kustodie der Georg-August-Universität Göttingen
  • Prof. Dr. Bernhard Jussen, Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Chris Hann, Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle/Saale
  • Prof. Dr. Bernhard Jussen, Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Dr. des. Judith Blume, Referentin für Ausstellen an der Zentralen Kustodie der Georg-August-Universität Göttingen

 

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Keynote Address: Normative Orders in Crisis – Conditions of Democratic Solidarity within the Capitalist World System

Crisis: Interdisciplinary Perspectives - 9th International Annual Conference

Thursday, November 23rd 2017, 5 pm - 6.30 pm

It is a truism that modern capitalism at once is the most productive and the most destructive economic system ever. To stay alive, capitalism needs as much state-intervention as socialism. The capitalist state can fulfil this function only as a self-interested agency that has constitutive and corrective functions also for non-capitalist spheres of life. Moreover, in a long course of social struggles, revolutions and civil wars, the capitalist state was forced to become democratic and to integrate two incompatible principles: capitalism and  democracy. The incompatibility was moderated after World War II by democracy with socialist characteristics. However, the democratic and social state has suffered from two problems: secular stagnation and horizontal inequality. Democracy with socialist characteristics was white, male, and heterosexual. Fighting horizontal inequality, the New Left triggered one of the most consequential cultural revolutions of world history. However, at the same time aggressive neoliberalism, politically and theoretically well prepared, took its chance and changed the direction of the evolution against democracy and socialism. The last 40 years witnessed a dramatic increase of social class differences and a transnationally enhanced threefold U-turn of constitutionalism from public power to private property, from public law to private law, and from legal formalism to legal dynamism. The outcome was a vicious circle of injustice: the permanent devaluation of political and personal rights through social injustice that blocks all possibilities of democratic change of social and political injustice. The world economic crisis of 2008 reinforced the circular downfall, consumed the scare resources of solidarity, and caused a legitimation crisis of normative orders. Technocratic incrementalism apparently comes to an end, but what comes then?

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg)

CV
Hauke Brunkhorst is Senior-Professor at the Europa-Universität Flensburg, Germany. 1996-2015 Professor of Sociology Europa-Universität Flensburg. 2009-2010 Theodor Heuss Professor New School for Social Research, New York. Studies in German literature, philosophy, biology, education and sociology in Kiel, Freiburg and Frankfurt. Since 1979 Visiting Professorships for Sociology and Philosophy at Universities of Kassel, Osnabrück, Mainz, Berlin (FU), Frankfurt, Vienna, Aarhus, Duisburg. Research Fellowships at Institute for Advanced Studies Vienna (1985), Kulturwissenschaftliches Institut Essen (1994-1996), Maison des Sciences de l’Homme, Paris (2005). Marie-Curie Seminar on Security and Citizenship in Europe at University of Wales, Aberystwyth. Clough Lecture on European Constitutionalism 2013. Europa Preis of European University 2017. Books: Solidarität. Von der Bürgerfreundschaft zur globalen Rechtsgenossenschaft, Frankfurt, Suhrkamp (stw) 2002 (English MIT Press 2005); Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte – Kommentar, Frankfurt: Suhrkamp 2007; Legitimationskrisen. Verfassungsprobleme der Weltgesellschaft, Baden-Baden: Nomos 2012; Kritik und Kritische Theorie. Programme, Personen, Positionen, Baden-Baden: Nomos 2014; Das doppelte Gesicht Europas - Zwischen Kapitalismus und Demokratie, Frankfurt: Suhrkamp 2014; Critical Theory of Legal Revolutions – Evolutionary Perspectives, New York/ London: Bloomsbury 2014.


Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Zum Nachbericht von Dr. Tatjana Sheplyakova: Hier...

Video:

Audio:

 

Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg)
  • Prof. Dr. Christoph Menke, Professor für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg)
  • Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg)
  • Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg)
  • Prof. Dr. Hauke Brunkhorst (Europa-Universität Flensburg)
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

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Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Panel I – Conceptions of Crisis

Crisis: Interdisciplinary Perspectives - 9th International Annual Conference

Thursday, November 23rd 2017, 2.30 pm - 4.30 pm

The term “crisis” is currently the most pervasive term used to describe the state of national as well as international normative orders. But what exactly does it mean to use this term? When does talk of a crisis arise, when can a normative order be said to be in crisis, and what forms of crisis are there? Can a focus on the normative dimension shed new light on social crises? These are the questions this panel seeks to address. Brian Milstein provides a diagnosis of our current situation in which the “legitimation crisis” of a faltering hegemony turns into a “justification crisis” as a result of societies lacking the normative and political resources to replace the old order. Albena Azmanova analyses the condition she proposes to call a “crisis of crisis” to further illuminate the cognitive and evaluative dimensions of what characterizes a state of normative “stuckness.” Rainer Forst and Klaus Günther present a conceptual typology of crisis, including two forms of normative crisis—i.e., justification crises of a first and a second order—and they explore how such forms of crisis appear and play out in the legal realm.


Chair: Rebecca Schmidt (Managing Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University)

CV
Rebecca Caroline Schmidt studied law focusing on criminal law, criminal procedural law and sentencing law at Goethe University Frankfurt am Main. Between 2007 and 2012, she worked as a research associate with Professor Dr. Klaus Günther in the fields of legal theory, criminal law and criminal procedural law as well as from 2010 until 2012 as a research associate and research coordinator with Prof. Dr. Dr. h. c. Andreas von Hirsch focusing on the theory and ethics of criminal law. She gained legal experience as an intern with Freshfields Bruckhaus Deringer and management experience as coordinator of several research projects at Goethe University. Since November 1st 2012, she has been Managing Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. While being responsible for the “Frankfurter Stadtgespräche”, she initiated and coordinated during the second funding period a series of further public outreach formats with various cooperation partners – among them exhibitions and/or framework programmes as for example the scientific-artistic project “Sense of Doubt. Resisting Oblivion” – in order to enhance the dialogue between research topics at the Cluster and society. (Klaus Günther, Rainer Forst, Rebecca Caroline Schmidt (Hg): Eine Publikation zum Ausstellungsprojekt Sense of Doubt. Wider das Vergessen. Mit der Videokunstausstellung memórias inapagáveis. Berlin: Revolver Publishing 2015.)

 

Lecture 1
Dr. Brian Milstein (Goethe University)

What Does a Legitimation Crisis Mean Today?

Abstract
The 2016 Brexit vote and the election of Donald Trump came as a shock, not only to the world at large but to the citizenries of the UK and US. While some anticipated that the political aftermath of the 2007/8 financial crisis might boil over into some kind of “legitimation crisis,” these events represented something quite specific. I argue we can speak of a justification crisis as a pathological iteration of a legitimation crisis: it occurs when an order of political hegemony begins to falter, but society cannot marshal the resources necessary to replace it. If the political public sphere is found corrupted or otherwise unable to facilitate deliberative processes of opinion and will-formation, and yet the mechanisms of aggregative democracy remain in place, discontented citizens are left to vote on the basis of snap judgments and prejudices untested by criteria of reciprocal and general justification. This scenario can render the political system prone to erratic decision-making, which appear democratic in form, yet which remain unrecognizable as theproduct of a general democratic will. Present-day  tendencies toward justification crisis  are not so much failures of democracy as “failures of failures of democracy.” Nevertheless, if left unaccounted for, they risk a more general loss of faith in democratic institutions.

CV
Brian Milstein is a research associate and lecturer at the Chair of International Political Theory, Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University Frankfurt, where he works on questions related to crisis theory and the concept of crisis in social and political  thought. He studied politics at the New School for Social Research, where he received the Hannah Arendt Memorial Award in Politics for his dissertation work on Kant, Habermas, and the pathologies of the modern international state system. Milstein previously held postdoctoral  fellowships at the Collège d‘études mondiales in Paris and the Freie Universität Berlin, and his work has appeared in the European Journal of Philosophy, European Journal of Political Theory, and Philosophy & Social Criticism. He is author of Commercium: Critical Theory from a Cosmopolitan Point of View (Rowman & Littlefield International 2015), and he recently finished editing a volume of dialogues between Nancy Fraser and Rahel Jaeggi, Capitalism: A Conversation in Critical Theory (Polity Press, forthcoming).

 

Lecture 2
Prof. Dr. Albena Azmanova (Brussels School of International Studies, Kent University)

Crisis of Crisis: On Normative and Institutional Stuckness

Abstract
In the aftermath of the 2007-2009 economic meltdown, a discourse about a profound social crisis, including a terminal crisis of capitalism, emerged from both ends of the left-right political divide. A decade later, the fears from, and hopes for, a transformative crisis have given way to calls for building resilience. This discursive shift from crisis to resilience is symptomatic of a situation I name ‘crisis of crisis’ – coping with crisis without addressing its structural roots. Efforts to cope with the crisis have entailed (1) the  institutionalisation of the situation of crisis into a new status quo; (2) the normalisation of perceptions of crisis into a new common-sense; (3) the valorisation of crisis-generated experiences of injustice into normative assets. I will adumbrate the cognitive and evaluative dimensions of  normativity particular to the crisis-of-crisis state, with attention to the way emancipatory critique and criticism are being disabled, and will shed some light on the mechanisms of institutionalisation that block emancipatory political mobilisations.

CV
Albena Azmanova is Associate Professor of Political Theory at the University of Kent, where she teaches courses in democratic theory and political economy. Her writing is dedicated to bringing the critique of political economy (back) into critical social theory. Her research ranges from theories of judgment and justice to the dynamics of contemporary capitalism and its effect on ideological orientation and electoral mobilisation. Among her recent publications are The Scandal of Reason: A Critical Theory of Political Judgment (Columbia University Press 2012), Reclaiming Democracy: Judgment, Responsibility and the Right to Politics, ed. with Mihaela Mihai (Routhledge 2015); The Right to Politics, Philosophy and Social Criticism 42 (2016), and Empowerment as Surrender: how women lost the battle for emancipation as they won equality and inclusion, in Social Research 83/3 (Fall 2016). She is currently working on a book manuscript titled The Crisis of ‘the Crisis of Capitalism’ tracing the mutation of neoliberal capitalism into a novel modality of capitalism.

 

Lecture 3
Prof. Dr. Rainer Forst and Prof. Dr. Klaus Günther (Directors of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University)

Normative Crisis: Conceptual and Diagnostic Remarks

Abstract
In these remarks, we show how the methodology developed in the Cluster allows us to analyse crises of normative orders in a productive and innovative way. Following Schleiermacher, we define crisis as the “time that is the boundary between two different orders of things”—that is, a time in which an old order is no longer seen as a possible or valid option and yet no new order lies in sight. Above all, we are interested in a particular category of such crises, which we call “normative crises.” These arise when a given order is normatively questioned and rejected, but the standards for conceiving of a new order remain heavily contested. In our view, this is more than a legitimation crisis; rather, it is a justification crisis. Here we distinguish two forms of it: first-order justification crises occur when there is deep disagreement about the language of justification to speak and find solutions in; second-order justification crises occur when the very framework of the justification community is questioned, such as in matters of transnational character that can no longer be resolved within the framework of national orders. In such crises, the normative order itself is questioned—its boundaries and its very nature. We will demonstrate these notions of crisis by putting them to use in the legal field. A legal order is often the most contested normative order in a situation of crisis. It begins with small violations or bypassing of valid norms without any legal consequences and ends with a blatant or clandestine suspension of a whole legal regime—as can be seen, for example, in the handling of the recent Euro and refugee crises. That there is a state of exception requiring new measures is one of the common justifications. We shall read these phenomena as indications of a justification crisis.

CV Rainer Forst
Rainer Forst is Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt. He is Co-Director of both the Research Cluster ”The Formation of Normative Orders” and the Centre for Advanced Studies “Justitia Amplificata” and is a member of the Directorate of the Institute for Advanced Studies in the Humanities in Bad Homburg. He has previously taught at the Free University Berlin, the New School for Social Research in New York and Dartmouth College. His work in moral and political philosophy focuses on questions of practical reason, justice and toleration; his major publications are Contexts of Justice (Suhrkamp 1994, Univ. of California Press 2002), Toleration in Conflict (Suhrkamp 2003, Cambridge UP 2013), The Right to Justification (Suhrkamp 2007, Columbia UP 2012), Justification and Critique (Suhrkamp 2011, Polity Press 2013), The Power of Tolerance (with W. Brown, Columbia UP 2014), Justice, Democracy and the Right to Justification (with Replies by Critics; Bloomsbury 2014) and Normativity and Power (Suhrkamp 2015, Oxford UP 2017). In 2012 he received the Gottfried Wilhelm Leibniz Price of the German Research Foundation. He is a member of the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences, Associate Editor of Ethics, a member of the Executive Editorial Committee of Political Theory and serves on the boards of numerous other international journals. He is co-editor of the book series “Theorie und Gesellschaft” and “Normative Orders” (Campus).

 
CV Klaus Günther

Klaus Günther born in 1957, is Professor of Legal Theory, Criminal Law and Law of Criminal Procedure in the Faculty of Law at the Goethe University Frankfurt. Since 2007 he has been Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. He is a member of the board of directors of the Institute for Social Research in Frankfurt and Permanent Fellow of the Institute for Advanced Studies in the Humanities of the Goethe University in Bad Homburg. Klaus Günther studied philosophy and law in Frankfurt. From 1983 to 1996 he was a research assistant and university assistant in Frankfurt in, inter alia, a DFG-funded legal theory working group (Leibniz-Programme) with Jürgen Habermas, where he received his doctorate in 1987. His habilitation in 1997 was followed by appointments to professorships at the EUI Florence and at the universities of Rostock and Zurich, which he declined. Guest professor at SUNY at Buffalo (2000), Corpus Christi College Oxford (2001), École des Hautes Études en Sciences Sociales (2003), London School of Economics (2003) and Sciences Po (2016). His most important publications include: Der Sinn für Angemessenheit (1988; English translation: The Sense of Appropriateness, 1993; Portuguese translation 2004) and Schuld und kommunikative Freiheit (2005). He is co-editor of the book series “Normative Orders“ (Campus).

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

 

Video:

Audio:

 

Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Dr. Brian Milstein, Goethe University
  • Prof. Dr. Albena Azmanova, Brussels School of International Studies, Kent University
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Darrel Moellendorf, Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

 

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis


9th International Annual Conference

Programme (CVs, Abstracts): click here...

Please register until 20th of November 2016. Application form: click here...

Schedule:

Thursday, November 24th, 2016

2:00 p.m. – 2:15 p.m., Ground floor Room 01+02

Opening of the Annual Conference 2016

Opening Address
Prof. Dr. Klaus Günther & Prof. Dr. Rainer Forst (Directors of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

2:15 p.m. – 4:15 p.m., Ground floor Room 01+02

Panel I - The Politics of Migration: Problems, Principles and Policies

Chairs: Prof. Dr. Rainer Forst & Prof. Dr. Klaus Günther (Directors of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

Prof. Dr. Steffen Mau (Humboldt University of Berlin) & Prof. Dr. Jens Steffek (TU Darmstadt):
Exploring the Global Mobility Divide: the Case of Visa Waiver Policies

Dr. Eszter Kollár (Goethe University):
Fairness in Labour Migration. A Radical Liberal Egalitarian Proposal

Prof. Dr. Lea Ypi (London School of Economics):
Real Realism on Migration

4:15 p.m. – 5:00 p.m., Ground floor Lobby

Coffee and Cake

5:00 p.m. – 7:00 p.m., Ground floor Room 01+02

Keynote Address
Bordering Migration: Legal Cartographies of Membership and Mobility
Prof. Dr. Ayelet Shachar
(Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen)

Friday, November 25th, 2016

10:00 a.m. – 12:00 a.m., Ground floor Room 01+02

Panel II – The Institutional, Legal and Normative Challenges of Europe’s Contemporary Migration Crisis

Chair: Prof. Dr. Gunther Hellmann (Goethe University)

Prof. Dr. Rainer Hofmann (Goethe University):
Current Challenges to International Refugee Law

Prof. Dr. Christopher Daase & Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Goethe University):
The European Union and Refugees: Crisis Without Borders

Nele Kortendiek (TU Darmstadt):
Global Migration Governance at the European External Border – The Case of Chios

12:00 a.m. – 1:00 p.m., Room 5.01 and Lounge

Lunch Snack

1:00 p.m. – 3:00 p.m., Ground floor Room 01+02

Panel III – Discourses on Migration and Citizenship in a Globalized World

Chair: Prof. Dr. Susanne Schröter (Goethe University)

Prof. Dr. Leo Lucassen (Leiden University):
Migration and the Formation of Normative Orders in Western Europe: from the Rushdie Affair to the 'Refugee Crisis‘

Prof. Dr. Mamadou Diawara (Goethe University):
“Lose your Passport!“ Migration and Citizenship in a so-called Globalized World

Dr. Dominik M. Müller (Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle):
Economies of Attention and Selective Empathy in Times of Multiple Refugee Crises: The Case of Rohingya in Southeast Asia

3:00 p.m. End of the Annual Conference 2016

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Previous Annual Conferences: click here...

Panel III – Discourses on Migration and Citizenship in a Globalized World

"Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis" - 9th International Annual Conference

Friday, November 25th 2016, 1 pm - 3 pm

Focusing on migration and citizenship from a historical and cultural anthropological perspective, the panel presents the empirical foundations of various discourses. Some of these are completely marginal, revealing refusal to even take notice of the issues under discussion. Others are omnipresent and rife with images of threat. While the case studies analyzed refer to local or national particularities, they are, at the same time, well suited for sharpening the eye for problems that are to some extent universal. When, and under what conditions, do migrants become projections of a negatively charged “Other”? When does the plight of refugees arouse compassion, empathy, and solidarity, and when does it fail to engender such emotions? In addition, the contributions with their focus on non-European case studies show that it may be necessary to critically reassess concepts used very matter-of-factly in academic and political discourses, as they perpetuate  postcolonial asymmetries of power. Hence, even positively charged terms such as “citizenship” may not have a positive connotation in all contexts.

 

Chair: Prof. Dr. Susanne Schröter (Professor for the Anthropology of Colonial and Postcolonial Orders at the Goethe University Frankfurt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

CV
Susanne Schröter holds a PhD in social anthropology. She is Professor for the Anthropology of Colonial and Postcolonial Orders at the Goethe University Frankfurt and Adjunct Professor at the Universitas Indonesia in Jakarta. In 2014 she founded the Frankfurt Research Center on Global Islam (FFGI) and operates as the director of the think tank. She is also director of the Institute of Cultural and Social Anthropology, Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, director at the Cornelia Goethe Center for Gender Studies, and a member of the board of the German Orient Institute. Her research focuses on political Islam, Islamic extremism, multiple modernities, feminist Islam, transformation of gender orders, multiculturalism, secularism and post-secularism. Her recent publications include Gott näher sein als seiner eigenen Halsschlagader. Fromme Muslime in Deutschland (Frankfurt: Campus 2016); Debating salafism, traditionalism and liberalism. Muslims and the state in Germany. (in: Ennaji, Moha, [ed.], New horizons of Muslim diaspora. Basingstoke, Hampshire: Palgrave MacMillan 2016); Dschihadistische Rechtfertigungsnarrative und mögliche Gegennarrative. [with Christoph Günther, Mariella Ourghi and Nina Wiedl] (in: HSFK-Report 4/2016); The young wild ones of the ummah. Heroic gender constructs in jihadism (in: Friedensgutachten. Berlin: Lit 2015).

 

Lecture 1
Prof. Dr. Leo Lucassen (Research Director of the International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam and part time professor of Global Labour and Migration History at the Institute of History of Leiden University)

Migration and the Formation of Normative Orders in Western Europe: from the Rushdie Affair to the ‘Refugee Crisis’

Abstract
In this talk I will analyze and compare two different, but intertwined, turns in the political discourse on migration in Western Europe since the 1950s. First I will focus on the settlement process of guest workers and colonial migrants from the 1950s onwards and secondly I will deal with the refugees who came to Western Europe in large numbers in the 1990s and 2010s. I will argue that the discomfort with immigration and integration with regard to the earlier groups changed  significantly (and suddenly) after the Rushdie affair (1988/89), whereas the ensuing growing islamophobia – reinforced by international Islamist terrorism since 2001 – created a new (and largely negative) normative order with respect to refugees in our current world.

CV
Leo Lucassen (1959) is Research Director of the International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam and part time professor of Global Labour and Migration History at the Institute of History of Leiden University. Furthermore since 2016 he is (honorary) adjunct professor at the University of Aalborg in Denmark. He received his PhD (1990) cum Laude at Leiden University. He is a former fellow of the New School for Social Research in New York and the Netherlands Institute for Advanced Study (NIAS) and since 2011 a member of the Academia Europaea. He specializes in migration history, urban history, state formation, eugenics and other socio-political developments in modern states. His publication list (1987-2016) counts over 240 scholarly publications, among which 11 monographs and 16 edited volumes. Recent publications include Globalising Migration History. The Eurasian experience (16th-21st centuries). (Brill, Leiden and Boston 2014). Edited with Jan Lucassen; Gewinner und Verlierer. Fünf Jahrhunderte Immigration. Eine nüchterne Bilanz (Münster and New York, Waxmann 2014), co-authored with Jan Lucassen; Migration and Membership Regimes in Global and  Historical Perspective (Leiden and Boston: Brill Publishers 2013). Edited with Ulbe Bosma and Gijs Kessler; The Encyclopedia of European migration and minorities (Cambridge University Press, New York 2011). Edited with Klaus Bade, Pieter  Emmer and Jochen Oltmer.

 

Lecture 2
Prof. Dr. Mamadou Diawara (Professor for Anthropology at the Goethe University Frankfurt, Germany, Founding Director of Point Sud, Bamako and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

“Lose your Passport!“ Migration and Citizenship in a so-called Globalized World

Abstract
Migration is intimately inscribed in the past of the people of the Western Sahel. Oral traditions relate such events of movement, mythical or real, as far back as the 4th century AD, and it continued in force into the colonial period and the  present day. This phenomenon has yielded a large body of scholarship, with particularly brilliant analysis in the context of intensified mobility. The concept of migration is dear to scholars, yet it is not without its critics: Whose mobility are we considering, against the backdrop of whose immobility? The topic of mobility has been discussed in the context of so-called globalization. But again we may ask ourselves who is becoming globalized? In the same way, we should question the concept of citizenship. These discourses and their corollaries are products of the state. Rather than “seeing like the state” (Scott 1998), this paper explores how the affected individuals take part in migration, citizenship and globalization. How are these “products of modernity” (Macamo and Neubert 2004) experienced and put to use by actors on the ground?

CV
Mamadou Diawara is Professor for Anthropology at the Goethe University Frankfurt, Germany, Founding Director of Point Sud, Bamako. He is Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and deputy director of the Frobenius Institut; member of the Council of the International African Institute, London. He was fellow at the Wissenschaftskolleg zu Berlin, John G. Diefenbaker fellow at the Université Laval, Canada, fellow at the Institut  d’Études Avancées de Nantes and Henry Hart Rice Professor for Anthropology andHistory at the Yale Center for International and Area Studies, Yale University. He is author of several books and articles, among them L’empire du verbe -  L’éloquence du silence, Köln: Rüdiger Köppe Verlag; co-author of Staging the Immaterial: Intellectual Property, Piracy and Performance in sub-Saharan Africa. Wantage: Sean Kingston Publishing. His main research topics are popular culture,  local knowledge and development anthropology, local media in Africa facing Western Media.

 

Lecture 3
Dr. Dominik M. Müller (Director of the Emmy Noether Junior Research Group The Bureaucratization of Islam and its Socio-Legal Dimensions in Southeast Asia at the Max Planck Institute for Social Anthropology, Department of Law and Anthropology, Halle)

Economies of Attention and Selective Empathy in Times of Multiple Refugee Crises: The Case of Rohingya in Southeast Asia

Abstract
Under the present conditions of dynamics of social acceleration and ever-increasingly complex transnational entanglements, it appears to be more and more impossible to develop a well-founded overview of the countless conflicts and  humanitarian crises that our “world society” is facing. While the amount of relevant information and its availability is constantly expanding, the capacities of attention remain limited. One illustrative example for this problem is the current refugee crisis in Southeast Asia, and its discursive irrelevance in Europe. My contribution does not intend to dramatize this supposed or factual injustice. Instead, referring to the example of Rohingya refugees who fl ed from Myanmar, I will  present some considerations about selective empathy, dislike, and the (non-)perception of particular refugee groups. Finally I will argue that although selective attention in contexts of multiple refugee crises and groups is unavoidable, a reflection of the genesis of specific normalizations will enable a deeper understanding of one’s own preferences and limitations. The example of how Rohingya refugees are dealt with in Southeast Asia and its embeddedness in locally specific  political and religious discursive contexts is thereby not a far distant, exotic or singular case study, but has implications that can insightfully be applied to the current situation in Germany.

CV
Dominik M. Müller is Director of the Emmy Noether Junior Research Group The Bureaucratization of Islam and its Socio-Legal Dimensions in Southeast Asia at the Max Planck Institute for Social Anthropology, Department of Law and  Anthropology, in Halle. He was previously a post-doctoral fellow at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” in Frankfurt am Main. He studied Anthropology, Philosophy and Law in Frankfurt and Leiden (2003-2008) and  pursued his PhD with a scholarship from the Cluster of Excellence in Frankfurt (2008-2012). His dissertation on the rise of “pop-Islamism” in Malaysia received the Frobenius Society’s Research Prize 2012 and was published by Routledge in 2014 (Islam Politics and Youth in Malaysia: The Pop-Islamist Reinvention of PAS). He held fellowships and visiting positions at Stanford University (2013), Universiti Brunei Darussalam (2014), the University of Oxford (2014), and the National  University of Singapore (2016). In 2016 he has been appointed as a member of the Young Academy at the Academy of Sciences and Literature in Mainz. He has published in peerreviewed journals such as Asian Survey, Globalizations, Indonesia and the Malay Word, Internationales Asienforum: International Quarterly for Asian Studies, Paideuma: Mitteilungen zur Kulturkunde, and South East Asia Research.

 

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  • Prof. Dr. Susanne Schröter (Professor for the Anthropology of Colonial and Postcolonial Orders at the Goethe University Frankfurt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Susanne Schröter (Professor for the Anthropology of Colonial and Postcolonial Orders at the Goethe University Frankfurt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Susanne Schröter (Professor for the Anthropology of Colonial and Postcolonial Orders at the Goethe University Frankfurt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Leo Lucassen (Research Director of the International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam and part time professor of Global Labour and Migration History at the Institute of History of Leiden University)
  • Prof. Dr. Leo Lucassen (Research Director of the International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam and part time professor of Global Labour and Migration History at the Institute of History of Leiden University)
  • Prof. Dr. Leo Lucassen (Research Director of the International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam and part time professor of Global Labour and Migration History at the Institute of History of Leiden University)
  • Prof. Dr. Mamadou Diawara (Professor for Anthropology at the Goethe University Frankfurt, Germany, Founding Director of Point Sud, Bamako and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Mamadou Diawara (Professor for Anthropology at the Goethe University Frankfurt, Germany, Founding Director of Point Sud, Bamako and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Mamadou Diawara (Professor for Anthropology at the Goethe University Frankfurt, Germany, Founding Director of Point Sud, Bamako and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Dr. Dominik M. Müller (Director of the Emmy Noether Junior Research Group The Bureaucratization of Islam and its Socio-Legal Dimensions in Southeast Asia at the Max Planck Institute for Social Anthropology, Department of Law and Anthropology, Halle)
  • Dr. Dominik M. Müller (Director of the Emmy Noether Junior Research Group The Bureaucratization of Islam and its Socio-Legal Dimensions in Southeast Asia at the Max Planck Institute for Social Anthropology, Department of Law and Anthropology, Halle)
  • Dr. Dominik M. Müller (Director of the Emmy Noether Junior Research Group The Bureaucratization of Islam and its Socio-Legal Dimensions in Southeast Asia at the Max Planck Institute for Social Anthropology, Department of Law and Anthropology, Halle)
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Dr. Dominik M. Müller (Director of the Emmy Noether Junior Research Group The Bureaucratization of Islam and its Socio-Legal Dimensions in Southeast Asia at the Max Planck Institute for Social Anthropology, Department of Law and Anthropology, Halle)

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Panel II – The Institutional, Legal and Normative Challenges of Europe’s Contemporary Migration Crisis

"Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis" - 9th International Annual Conference

Friday, November 25th 2016, 10 am - 12 am

Border-crossings of large groups of people have been a constitutive phenomenon of the international system ever since the formation of political communities separating richer and poorer societies as well as peoples fi ghting wars or living at peace. This is especially true for Europe with its rich history of warfare. What is today taken to be the most severe migration “crisis” in Europe’s history since the end of World War II has hit the continent at a time when its historically  unprecedented levels of peace and economic wellbeing have come under pressure from within and without. This panel examines the reach, limits and deficiencies of the legal underpinnings of international and European refugee law as well as the lacking institutional and procedural context of joint European decision-making. It also illustrates the dramatic lack of inter-state cooperation among EU member states with a case study of the Greek Island of Chios in 2015 where  international public and private actors largely replaced failing European states in managing an escalating crisis.

 

Chair: Prof. Dr. Gunther Hellmann (Professor of Political Science in the Department of Social Sciences at Goethe University and Principal Investigator in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“)

CV
Gunther Hellmann is Professor of Political Science in the Department of Social Sciences at Goethe University and Principal Investigator in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“. His research interests are in the fields of
social and international relations theory, foreign policy analysis, esp. German and EUropean foreign policy, and international security, esp. transatlantic and European security. He currently serves as Executive Secretary of the World International Studies Committee (WISC). He is one of the editors of Zeitschrift für Internationale Beziehungen (ZIB) and a Member of the Board of the Aspen Institute Berlin. He held the Steven Muller Chair in German Studies at the SAIS Bologna Center of Johns Hopkins University and was Harris Distinguished Visiting Professor at Dartmouth College, Hannover, NH.

 

Lecture 1
Prof. Dr. Rainer Hofmann (Professor of Public Law, Public International Law and European Law at Frankfurt University and Co-Director of its Merton Centre for European Integration and international Economic Order)

Current Challenges to International Refugee Law

Abstract
The current ‘refugee crisis’ differs in a number of aspects from previous large-scale influxes of asylum-seekers: The – at least in a European context – unprecedented number of persons seeking refuge, the heterogeneity of root-causes for their trans-boundary movements and of their countries of origin, and the human hardship experienced by many during their flight to Europe and upon arrival in reception facilities constitute heavy material burdens on the receiving countries. This factual situation is aggravated by the fact that the presently applicable legal framework – neither the 1951 Geneva Refugee Convention nor the applicable EU refugee law system – is not shaped so as to suffi ciently accommodate the  needs of the persons concerned, and of the states of refuge. This paper seeks to provide normative answers to these challenges, ranging from the narrow scope of the refugee definition to procedural issues (“the failure of the Dublin  system”) and the need for vigorously addressing root-causes of enforced migration and establishing a workable system of burden-sharing on a global and European level.

CV
Rainer Hofmann is Professor of Public Law, Public International Law and European Law at Frankfurt University and Co-Director of its Merton Centre for European Integration and international Economic Order. He is a member of the Advisory Council on Public International Law of the German Ministry of Foreign Affairs and sits on the Executive and the Management Board of the EU Fundamental Rights Agency, representing the Council of Europe. He was member and President  (1998-2004, 2008-2012) of the Advisory Committee on the Council of Europe Framework Convention for the Protection of National Minorities. He has widely published on, inter alia, human rights issues with a focus on minority rights and  refugee law.

 

Lecture 2
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Director of the Leibniz-Institute Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) and Professor for International Relations and Theories of Global Order in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“) & Prof. Dr. Christopher Daase (Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF))

The European Union and Refugees: Crisis Without Borders

Abstract
The current refugee flow into the European Union is not, or rather does not need to be a crisis. It is a challenge for the management capacity of EU member states on the one hand and a challenge for the policy capability of the European Union on the other. In principle, Member States could handle the number of refugees if they would agree to cooperate. The challenge has turned into a crisis because they refuse to do so and instead opt for national solutions. The conflictual dynamics lay bare the glaring weaknesses of the institutional design of the European Union as did the fi nancial crisis before. Thus, addressing this crisis in a sustainable way requires institutional reforms of decision-making in the  Union. Our contribution analyzes the cooperation problems underlying the current crisis and delineates possible solutions.

CV
Nicole Deitelhoff is Director of the Leibniz-Institute Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) and Professor for International Relations and Theories of Global Order in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“ at Goethe University in Frankfurt. She obtained an MA in Political Science from State University of New York (UB Buffalo) and a PhD from University of Technology Darmstadt. Among her previous positions was a project directorship at PRIF, and a  research professorship at University Bremen. She was visiting professor to Hebrew University in Jerusalem in 2010 and visiting fellow to the Center for European Studies at Harvard University in 2011, to the department of Political Science at  University of Hawaii at Manoa in 2012, and to the European University Institute in Florence in 2015. Her research and teaching focuses on international institutions and norms, the foundations of political rule and its legitimation beyond the  national state, and forms of international resistance, opposition, and dissidence.

CV
Christopher Daase is Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF). Previously he held the Chair in International Relations at the University of  Munich and was Senior Lecturer at the University of Kent at Canterbury as well as Director of the Programme on International Confl ict Analysis at the Brussels School of International Studies. Educated at Universities in Hamburg, Freiburg and Berlin, he became SSRC-MacArthur Fellow in International Peace and Security and was Research Fellow at Harvard University and the RAND Corporation in Santa Monica, CA. His research centres on theories of international relations, security issues and international institutions. As member of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” at the University of Frankfurt he currently works on changing patterns of legitimacy with regard to the use of force, rule and  resistance in international politics, and the informalization of international relations.

 

Lecture 3
Nele Kortendiek (Doctoral Candidate at the Cluster “The Formation of Normative Orders” and the Institute of Political Science, TU Darmstadt in the working group "Transnational Governance")

Global Migration Governance at the European External Border – The Case of Chios

Abstract
The number of migrants trying to reach Europe’s shores drastically increased since the beginning of 2015. Given the high number of people crossing borders daily, the little degree of institutionalised cooperation between nation-states on the task of migration governance comes as a surprise. States largely resist giving up longstanding notions of border and population control and avoid delegating competences to global actors. However, the continuous global mobility of people  challenges statist approaches to governing borders. Where national agencies are unwilling or unable to deal with the arrival of large numbers of migrants and refugees, international public and private actors step in. How do these international actors perform the task of global migration governance at the European external border? I will discuss examples from the Greek island of Chios where over 160,000 migrants entered Europe since the beginning of 2015, overwhelming the capacities of the Greek local authorities. How do international organisations like UNHCR, IOM, Frontex, EASO and humanitarian NGOs fill in the gaps in migration governance? How do they cooperate in border management practices like search  and rescue missions, humanitarian assistance, registration and return in an environment of unclear competences and responsibilities?

CV
Nele Kortendiek is a doctoral candidate at the Cluster “The Formation of Normative Orders” and the Institute of Political Science, TU Darmstadt in the working group Transnational Governance. She studied political science and international relations theory at the universities of Bremen, Geneva and the London School of Economics and Political Science with a grant from the German National Academic Foundation. In 2016, she was a visiting research fellow at the Centre on Migration, Policy, and Society (COMPAS) at the University Oxford. Her research interests include the normative dimensions of global governance, international organisations, the role of transnational professionals and global migration  management. She teaches on international political theory, global authority and legitimacy and global migration. In her current research project, she focuses on how global migration governance is made in and trough practice at the European external border. She spent two months as a volunteer on the Greek island of Chios to provide a political sociology of the public and private organisations which respond to the ongoing refugee emergency. Her forthcoming publications include works on borders and democracy as well as participatory governance.

 

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Picture gallery:

  • Prof. Dr. Gunther Hellmann (Professor of Political Science in the Department of Social Sciences at Goethe University and Principal Investigator in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“)
  • Prof. Dr. Rainer Hofmann (Professor of Public Law, Public International Law and European Law at Frankfurt University and Co-Director of its Merton Centre for European Integration and international Economic Order)
  • Prof. Dr. Rainer Hofmann (Professor of Public Law, Public International Law and European Law at Frankfurt University and Co-Director of its Merton Centre for European Integration and international Economic Order)
  • Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Director of the Leibniz-Institute Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) and Professor for International Relations and Theories of Global Order in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“)
  • Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Director of the Leibniz-Institute Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) and Professor for International Relations and Theories of Global Order in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“)
  • Prof. Dr. Christopher Daase (Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF))
  • Prof. Dr. Christopher Daase (Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF))
  • Prof. Dr. Christopher Daase (Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF))
  • Nele Kortendiek (Doctoral Candidate at the Cluster “The Formation of Normative Orders” and the Institute of Political Science, TU Darmstadt in the working group "Transnational Governance")
  • Nele Kortendiek (Doctoral Candidate at the Cluster “The Formation of Normative Orders” and the Institute of Political Science, TU Darmstadt in the working group "Transnational Governance")
  • Nele Kortendiek (Doctoral Candidate at the Cluster “The Formation of Normative Orders” and the Institute of Political Science, TU Darmstadt in the working group "Transnational Governance")
  • Prof. Dr. Lea Ypi (Professor in Political Theory at the London School of Economics and Political Science and Adjunct Professor of Philosophy at the Australian National University)
  • Prof. Dr. Steffen Mau (Professor of Macrosociology at Humboldt University of Berlin)
  • Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Director of the Leibniz-Institute Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) and Professor for International Relations and Theories of Global Order in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“) & Prof. Dr. Christopher Daase (Professor for International Organizations at Goethe University Frankfurt and Deputy Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF))

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Keynote: Bordering Migration: Legal Cartographies of Membership and Mobility

"Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis" - 9th International Annual Conference

Thursday, November 24th 2016, 5 pm - 7 pm

Prof. Dr. Ayelet Shachar (Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen)

The recent wave of migrants desperately seeking European shores provokes some of today’s most urgent, profound, and arduous questions: Is it legitimate for states to exclude non-members? If so, on what basis? Which normative orders and sources of law can be invoked in protectionseeking claims against governments jealously guarding citizenship and immigration laws as the “last bastions of sovereignty?” Rather than rehearse the contentious binaries of familiar debates — sovereignty and human rights, security and freedom, national interests and transnational obligations — Ayelet Shachar turns to investigate the simultaneous expansion and contraction, both spatial and conceptual, of shifting borders. By  contorting admission requirements, governments selectively manage migration by “stretching outward” or “bleeding inward,” making entry smoother and faster for a few, while increasingly restrictive and regulated for the many. Against this  backdrop, Shachar traces the contours of Olympic Citizenship, the emergent regime of governing access to membership which defies the predictions of both globalists and statists. Relating to the current situation in Europe, she argues, a new paradigm through which to re-conceptualize territoriality, sovereignty, and the spatial reach of human rights protections must be adopted in order to resist the perplexing power held by the everywhere-and-nowhere logic of the shifting  border of migration regulation.

CV

Ayelet Shachar is Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen, where she heads the Ethics, Law, and Politics Department. Previously, she held the Canada Research Chair in Citizenship and  Multiculturalism at the University of Toronto Faculty Law, and was also the Leah Kaplan Visiting Professor in Human Rights at Stanford Law School and the Jeremiah Smith Jr. Visiting Professor at Harvard Law School. Her research focuses on  citizenship theory, immigration law, cultural diversity, and new regimes of human mobility and inequality. Shachar is the author of Multicultural Jurisdictions: Cultural Differences and Women’s Rights (Cambridge); The Birthright Lottery:  Citizenship and Global Inequality (Harvard); and Olympic Citizenship: International Migration and the Global Race for Talent, to be published by Oxford. She is the recipient of scholarly excellence awards in three different countries (Canada,  Israel, and the United States). In 2014, Shachar was elected Fellow of the Royal Society of Canada. In 2015, she joined the Max Planck Society.

 

Video:

Audio:

 

Billdergalerie:

  • Prof. Dr. Ayelet Shachar (Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen) und Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie)
  • Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie)
  • Prof. Dr. Ayelet Shachar (Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen)
  • Prof. Dr. Ayelet Shachar (Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen)
  • Jun.-Prof. Dr. Matthias Goldmann (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Juniorprofessur für Internationales Öffentliches Recht und Finanzrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • Prof. Dr. Ayelet Shachar (Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen) und Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie)
  • Prof. Dr. Ayelet Shachar (Director at the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen) und Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie)
  • Prof. Dr. Klaus Günther (Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and Professor of Legal Theory, Criminal Law and Criminal Procedure in the Faculty of Law at the Goethe University Frankfurt)
  • Prof. Dr. Rainer Forst (Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt)

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Panel I - The Politics of Migration: Problems, Principles and Policies

"Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis" - 9th International Annual Conference

Thursday, November 24th 2016, 2:15 pm - 4:15 pm

In our research, we integrate empirical and normative analysis of social changes and conflicts that lead to the re-formation of normative orders on national and transnational scales. The current migration and refugee crisis is a case in point. In order to determine the responsibilities of states and other agents to offer solutions, guided by principles of justice or humanitarian moral considerations, we need a realistic picture of the sources and the many dimensions of the current crisis. The imperative of justice demands that we first do justice to the causes of  the many problems – faced by us and, in particular, by those who are forced to migrate. The contributors to this panel will present reflections on what “real realism” about migration means (Lea Ypi), the normative implications and social consequences of certain forms of labor migration such as “brain drain” (Eszter Kollár), and the “global mobility divide” established by certain visa policies (Steffen Mau and Jens Steffek). These different perspectives on important dimensions of the current crisis enable us to inquire into how the current and possible future migration regimes can be understood as “orders of justifi cation” addressed to and – ideally – constituted by those who are subject to these orders.

 

Chair: Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt.

CV
Rainer Forst is Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt. He is Co-Director of both the Research Cluster on the ”Formation of Normative Orders”, and the Centre for Advanced Studies “Justitia Amplificata” and is a member of the Directorate of the Institute for Advanced Study in the Humanities in Bad Homburg. He has previously taught at the Free University Berlin, the New School for Social Research in New York and Dartmouth College. His work in moral and political philosophy focuses on questions of practical reason, justice and toleration; his major publications are Contexts of Justice (Suhrkamp 1994, Univ. of California Press 2002), Toleration in Conflict (Suhrkamp 2003, Cambridge UP 2013), The Right to Justification (Suhrkamp 2007, Columbia UP 2012), Justification and Critique (Suhrkamp 2011, Polity Press 2013), The Power of Tolerance (with W. Brown, Columbia UP 2014), Justice, Democracy and the Right to Justification (with Replies by Critics; Bloomsbury 2014) and Normativität und Macht (Suhrkamp 2015, Oxford UP, forthcoming). In 2012 he received the Gottfried Wilhelm Leibniz Price of the German Research Foundation. He is a member of the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences, Associate Editor of Ethics, a member of the Executive Editorial Committee of Political Theory and serves on the boards of numerous other international journals. He is co-editor of the book series “Theorie und Gesellschaft” and “Normative Orders” (Campus).

 

Chair: Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and Professor of Legal Theory, Criminal Law and Criminal Procedure in the Faculty of Law at the Goethe University Frankfurt.

CV
Klaus Günther, born in 1957, is Professor of Legal Theory, Criminal Law and Law of Criminal Procedure in the Faculty of Law at the Goethe University Frankfurt. Since 2007 he has been Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. He is a member of the board of directors of the Institute for Social Research in Frankfurt and Permanent Fellow of the Institute for Advanced Study in the Humanities of the Goethe University in Bad Homburg. Klaus Günther studied philosophy and law in Frankfurt. From 1983 to 1996 he was a research assistant and university assistant in Frankfurt in, inter alia, a DFG-funded legal theory working group (Leibniz-Programme) with Jürgen Habermas, where he received his doctorate in 1987. His habilitation in 1997 was followed by appointments to professorships at the EUI Florence and at the universities of Rostock and Zurich, which he declined. Guest professor at SUNY at Buffalo (2000), Corpus Christi College Oxford (2001), École des Hautes Études en Sciences Soziales (2003), London School of Economics (2003) and Sciences Po (2016). His  most important publications include: "Der Sinn für Angemessenheit" (1988; English translation: "The sense of Appropriateness", 1993; Portuguese translation 2004) and "Schuld und kommunikative Freiheit" (2005). He is co-editor of the book series “Normative Orders“ (Campus).

 

Lecture 1
Prof. Dr. Steffen Mau
(Professor of Macrosociology at Humboldt University of Berlin) & Prof. Dr. Jens Steffek (Professor of Transnational Governance at Technische Universität Darmstadt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

Exploring the Global Mobility Divide: the Case of Visa Waiver Policies

Abstract
Political theorists and practitioners alike are discussing freedom of movement extensively and controversially. At the same time, we are still lacking profound empirical knowledge on that issue. Visa policies are the major instrument for regulating and controlling the global flow of people. They represent a form of exterritorialization of political control, which allows states to exercise it far beyond their own borders. With increasing migration flows, it makes sense to assume that their function of filtering wanted and unwanted types of travellers has gained importance over time. On the basis of a large comparative data set we explore changing visa relations at the global level. We demonstrate the emergence of a global mobility divide, marked by increasing mobility for some people while others are immobilized. Moreover, we will look at the issue of reciprocity as a key principle of international relations. We seek to answer the question under which conditions reciprocity in visa relations prevails and which countries are able to establish asymmetrical visa relationships to their own advantage.

CV
Steffen Mau is Professor of Macrosociology at Humboldt University of Berlin. Before coming to Berlin he was Professor of Political Sociology at the University of Bremen. He received his PhD from the European University Institute (EUI) in Florence. His areas of interest are social  inequality, migration, border studies and comparative social policy. Recent publications are Inequality, Marketization and the Majority Class. Why did the European Middle Classes accept Neoliberalism? Basingstoke: Palgrave Macmillan (2015); Liberal States and the Freedom of Movement. Selective Borders, Unequal Mobility. Basingstoke: Palgrave (with Heike Brabandt/Lena Laube/Christof Roos, 2012); (Un-)gerechte (Un-)gleichheiten. Berlin: edition suhrkamp (eds. with Nadine M. Schöneck, 2015).

CV
Jens Steffek (*1972) is Professor of Transnational Governance at Technische Universität Darmstadt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. He holds an MA degree in political science from the University of Munich (1998) and a  doctorate from the European University Institute (2002). Before coming to Darmstadt he worked at the University of Bremen, Jacobs University and the Robert-Schuman-Centre for Advanced Studies. He was visiting professor at the University of Pavia, LUISS Guido Carli (Rome) and the Max Planck Institute for Comparative Public Law and International Law at Heidelberg, as well as a visiting research fellow at the University of Cambridge, the University of Montréal and the Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). His research interests include international  relations (in particular the study of international organizations), international law and international political theory. Jens Steffek has published six books and some 50 journal articles and book chapters. He contributed, inter alia, to the European Journal of International Relations,  Ethics & International Affairs, International Relations, International Theory, Millennium and Review of International Studies.

 

Lecture 2
Dr. Eszter Kollár
(Researcher and Lecturer at the Chair of International Political Theory, Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“, Goethe University Frankfurt)

Fairness in Labour Migration: A Radical Liberal Egalitarian Proposal

Abstract
A liberal political theory of labour migration faces a serious dilemma. It takes the inequality generating effects of international brain drain to be morally objectionable, but cannot (directly) restrict the movement or occupational choice of labour migrants as a solution. I argue that a plausible solution can be found by rethinking a basic tenet of liberal political theory. Namely, its ownership of talents thesis, according to which talents fall under self-ownership, but the benefits derived from the use of talents are legitimately owned against the background of fair cooperation. I argue for radical liberal egalitarian  view about the ownership of talents that takes the moral ownership of cultivated skills to be conditional on fair opportunity for human development for all. Rethinking fairness in labour migration on the basis of this radical view takes the following form. Labour migration is currently driven by the immigration policies of affl uent states, aiming to fix their demographic and professional shortages and to gain competitive advantage in the global knowledge economy. It is yet unclear which normative ideas should guide a fair multilateral global governance of labor migration. I argue that in a globalized world of  production and trade, labour migration creates an extra burden of justification across borders concerning fair conditions for cultivating skills and rightful ownership of the social benefits. I conclude that a well-designed international brain drain tax and other types of in-kind (knowledge and skills) transfer and service schemes constitute fair terms of labour migration. The function of these normative constraints is to render the gains morally justified, and thereby normatively reorder rightful ownership in the global economy.

CV
Eszter Kollár is a Researcher and Lecturer at the Chair of International Political Theory, Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“, Goethe University Frankfurt. Her research in social and political philosophy focuses on the problem of fairness in labour migration, on reconciling global equality of opportunity and collective self-determination, and on rethinking relational egalitarianism in practice. She studied sociology and political science in Budapest, and wrote her dissertation on “Global distributive justice between justification and feasibility” at the Luiss University of Rome, at the University of Pennsylvania, and at the Australian National University. She then held postdoctoral fellowships at the Hoover Chair in Economic and Social Ethics, CU Louvain, and at the Centre for Advanced Studies in Bioethics, University of Münster. Her most recent work is published in Critical Review of International Social and Political Philosophy, Journal of Applied Philosophy, Journal of Medical Ethics, Bioethics, and she is the editor of the 2016/1 issue of Moral Philosophy and Politics on “Brain Drain and Emigration”. She is an organizing member of the Global Justice Network committed to bridging the gap between the theory and practice of global justice (http://www.theglobaljusticenetwork.org).

 

Lecture 3
Prof. Dr. Lea Ypi
(Professor in Political Theory at the London School of Economics and Political Science and Adjunct Professor of Philosophy at the Australian National University)

Real Realism on Migration

Abstract
This paper addresses some of the core claims that advocates of realism about migration tend to make when reflecting on the confl icts that the movement of people across borders poses for contemporary liberal democracies. I argue that migration poses serious questions of justice but that such questions ought to be examined in the context of a larger analysis of capitalist injustice, the historical context of its production and the agents responsible for and affected by it. If we isolate the discussion of migration related problems and ground it on an abstract analysis of human rights to freedom of movement, morality of border controls or humanitarian compassion towards vulnerable people, we end up depriving ourselves of the most effective tools for identifying a remedy to them.

CV
Lea Ypi is Professor in Political Theory at the London School of Economics and Political Science and Adjunct Professor of Philosophy at the Australian National University. She is interested in issues of global justice (including migration and colonialism), democratic theory (with particular focus on parties) and the philosophy of the Enlightenment (especially Kant). She is the author of Global Justice and Avant-Garde Political Agency (OUP 2012) and, with Jonathan White, The Meaning of Partisanship (OUP 2016). She has edited Migration in Political Theory (OUP 2016, with Sarah Fine) and Kant and Colonialism (OUP 2015, with Katrin Flikschuh). Her articles have appeared in Philosophy and Public Affairs, The American Political Science Review, The Journal of Political Philosophy, Political Theory and others. Last year she was the recipient of the British Academy Brian Barry Prize for Excellence in Political Science and her article “What’s wrong with colonialism” was selected by The Philosopher’s Annual as one of the ten best published in philosophy.

 

Video:

Audio:

 

Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Jens Steffek (Professor of Transnational Governance at Technische Universität Darmstadt and Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Steffen Mau (Professor of Macrosociology at Humboldt University of Berlin)
  • Prof. Dr. Steffen Mau (Professor of Macrosociology at Humboldt University of Berlin)
  • Dr. Eszter Kollár (Researcher and Lecturer at the Chair of International Political Theory, Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“, Goethe University Frankfurt)
  • Prof. Dr. Lea Ypi (Professor in Political Theory at the London School of Economics and Political Science and Adjunct Professor of Philosophy at the Australian National University)
  • Prof. Dr. Leo Lucassen (Research Director of the International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam and part time professor of Global Labour and Migration History at the Institute of History of Leiden University)

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Presented by:
Cluster of Excellence "The Formation of Normative Orders"

Internationale Jahreskonferenzen - Übersicht

Auf den internationalen Jahreskonferenzen des Exzellenzclusters werden die zentralen Untersuchungsgegenstände des Forschungsnetzwerkes intensiv und unter Beteiligung namhafter Gäste aus aller Welt diskutiert.  Die Konferenzen finden im Herbst statt, jeweils unter der Federführung eines anderen Forschungsfeldes.


Vergangene Internationale Jahreskonferenzen:

Internationale Jahreskonferenz 2016
Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis
24.-25. November 2016

Internationale Jahreskonferenz 2015
Europas Gerechtigkeit
19.-20. November 2015

Internationale Jahreskonferenz 2014
Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen
20.-21. November 2014

Internationale Jahreskonferenz 2013
Normative Ordnungen der Zukunft
21.-22. November 2013

Internationale Jahreskonferenz 2011

Legal Cultures, Legal Transfer, and Legal Pluralism
10.-12. November 2011

Internationale Jahreskonferenz 2010
Justice and/or Peace

18.-20. November 2010

Internationale Jahreskonferenz 2009
Rechtfertigungsnarrative - Legitimation und erzählende Verständigung
13.-14. November 2009

Eröffnungskonferenz 2008
Die Herausbildung normativer Ordnungen
14. und 15. November 2008

Europas Gerechtigkeit


Achte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

19.-20. November 2015

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02
Max-Horkheimer-Str. 2

Eine Anmeldung bis zum 15. November 2015 ist erforderlich. Anmeldeformular (pdf): Hier...

Ausführliche Programmbroschüre (pdf): Hier...

Programm

Donnerstag, 19. November

13.00 bis 13.15 Uhr

Eröffnung der Jahreskonferenz 2015: EUROPAS GERECHTIGKEIT
Begrüßung: Prof. Dr. Klaus Günther & Prof. Dr. Rainer Forst (Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen")

13.15 bis 15.15 Uhr

Panel I: EUROPE AS A CONTEXT OF JUSTICE

Chairs: Prof. Dr. Rainer Forst & Prof. Dr. Klaus Günther (Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen")

Prof. Dr. Kalypso Nicolaïdis (Oxford University): How can a Demoicratic Polity be Just? The Puzzles of Solidarity, Reciprocity and Choice in the EU

Dr. Lisa Herzog (Goethe University): Prices and Dignity in the Eurozone

Prof. Dr. Christoph Burchard (Goethe University): The Contexts of Europe as a Context of Justice – in Light of the Administration of Criminal Justice

15:15 Uhr bis 15:45 Uhr, Foyer im Erdgeschoss
Kaffee und Kuchen

15:45 Uhr bis 17:45 Uhr

Panel II: CRISES IN THE EUROZONE

Chairs: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen") & Prof. Dr. Rainer Klump (Universität Luxembourg)

Prof. Dr. Francesco Mongelli (ECB, Goethe University) & Jean-Francois Jamet (ECB): How to Exit the Crisis: Reflections on the 4 Unions. Why Do We Need Them?

Prof. Dr. John Milios (National Technical University of Athens): Crisis and Austerity. Is there a Chance for the Welfare State?

Dr. Kolja Möller (Goethe University): From the Constitutionalisation of Austerity to Destituent Power: Democratic Challenges in the Context of the Euro-Crisis

18:00 bis 20:00 Uhr
Keynote: Schuldfragen in der europäischen Schuldenkrise
Abendvortrag
Prof. Dr. Claus Offe (Hertie School of Governance, Berlin)


Freitag, 20. November

10:00 bis 12:00 Uhr

Panel III: UNGLEICHHEITEN IN EUROPA

Chair: Dr. Dominik Müller (Goethe University)

Prof. Dr. Hartmut Kaelble (Humboldt University Berlin): Warum milderte sich die soziale Ungleichheit im westlichen Europa während des 20. Jahrhunderts ab?

Prof. Dr. Susanne Schröter (Goethe University): Gerechtigkeit in der Einwanderungsgesellschaft

Dr. Kerstin Weiand (Goethe University): Ungleichheit als politisch-sozialer Sprengstoff? Zur (Un)ordnungsfunktion eines Strukturprinzips in der Frühen Neuzeit

12:00 Uhr bis 13:00 Uhr,  Raum 5.01 und Lounge
Kleiner Mittagsimbiss

13:00 Uhr bis 15:00 Uhr

Panel IV: POLICIES OF JUSTICE – ON THE EU’S PROBLEM WITH DRAWING BORDERS BY LEGAL MEANS

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Goethe University)

Prof. Dr. Helene Sjursen (Arena Centre for European Studies, Oslo): A Duty to Expand? The Question of Obligations Towards “the Other” in a European Context

Prof. Dr. Harald Müller (Peace Research Institute Frankfurt): International Political Justice in Europe: The Distribution of Security and Opportunity for Influence in Security Policy

Dr. Michael Ioannidis (Max Planck Institute Heidelberg): Weak Members and the EU Rule of Law: The Case of Greece

15:00 Uhr
Ende der Jahreskonferenz 2015

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Vorangegangene Jahreskonferenzen: Hier...

Panel IV: POLICIES OF JUSTICE – ON THE EU’S PROBLEM WITH DRAWING BORDERS BY LEGAL MEANS

"Europas Gerechtigkeit" - Achte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Freitag, 20. November 2015, 13.00 bis 15.00 Uhr

The topic of this panel is one of political justice between states. It deals with the tensions between universal claims to justice and political choices of inclusion or exclusion as they occur in the relationship of the EU and outside states, candidate states, or  member states. The EU, which likes to defi ne itself as a “legal community” has to take decisions which are political in character, but follows a custom to express and to justify them in normative terms. This behaviour at times creates gaps between normative aspirations and political results which contribute to the volatility of acceptance of the EU both by its citizens and state actors. The problem occurs in various contexts, as Europe’s neighbourhood politics, development cooperation, the fi nancial crisis and, most recently, the infl ux of refugees may illustrate. The participants on the panel will focus on questions of international political justice in the field of security politics, i.a. in relation to Ukraine, on the admission of new members along the lines of both politics and  predefined normative standards, and on the possible failure of earlier choices and its consequences for the rule of law in the Greek crisis.

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Director of the Institute of Public Law, Goethe University Frankfurt, member of the Cluster of Excellence “Formation of Normative Orders”)

CV
Born 1959; 1979-84 studies of literature and law at Tuebingen and Frankfurt; 1986 studies at Academy of Administration in Speyer and Hague Academy of International Law, 1987/88 at University of Virginia; 1984-87 preparatory civil service; 1991 dissertation (Dr. jur.) on peremptory norms of public international law; 1996 PhD (habilitation) on administrative law under the infl uence of EU law; 1997-2004 professor (tenure) at the University of Muenster (Westphalia). Guest professor and lecturer at the University of  Virginia (1999), the European University Institute (2000), the Institute of State and Law of the Russian Academy of Sciences (2002/03) and at Chuo University Tokyo (2004). Since 2004 at Goethe University Frankfurt. Director of the Institute of Public Law,  member of the Cluster of Excellence “Formation of Normative Orders”. Since 2014 Rapporteur of the International Law Association’s Human Rights Committee. Working Fields: Constitutional law, public international law and EU law, with an emphasis on foreign relations powers, federalism, multi-level governance, human rights and theory of international law.

 

Lecture 1
Prof. Dr. Helene Sjursen (Professor at ARENA, Centre for European Studies at the University of Oslo)

A Duty to Expand? The Question of Obligations Towards “the Other” in a European Context

Abstract
Enlargement is considered one of the major successes of the European Union. Yet, the EU’s commitment to include new members is a puzzle for most IR theories. As the cost of expansion has generally been expected to outweigh the benefits, why does the EU not just remain a club for the well off? Enlargement is usually understood to be the result of the EU’s sense of obligation to secure liberal democratic rule. But the wave of enlargement to Central and East European states in the fi rst part of 2000 suggests that it is bolstered by a specifi c commitment to Europe. The justifi cations presented to EU citizens during the Eastern enlargements were that of a duty to enlarge, a duty to ensure that the “other” Europeans were able to rejoin Europe. There is a  cosmopolitan duty to help (hospitality) but not to membership (residence). But the EU has turned membership into a question of a right for those belonging to a specifi c community. While making enlargement possible, this self-imposed duty also creates a particular challenge to the EU compared to other Western organisations such as for example to NATO. To the extent that citizens of non-member states refer to the EU’s duty to expand, on what grounds can their appeal be denied? Enlargement may be an efficient means to resolve the fundamental problem of dominance and arbitrariness that is inherent in international politics, but it is only so within a certain scale. At some point a continuous expansion risks creating its own problems of dominance at a global level as well as malfunctioning at the regional level. Ultimately, it presents the Union with the unresolved dilemma of fi nding legitimate ways to justify the drawing of its borders.

CV
Helene Sjursen is Professor at ARENA, Centre for European Studies at the University of Oslo. Her research interests include the EU as an international actor, transatlantic relations, democracy and foreign policy and EU enlargement. Sjursen has been at ARENA since 1997 and has previously worked as a lecturer in politics at the University of Glasgow and the University College Dublin. She holds a Ph.D. in international relations from London School of Economics and Political Science (LSE). Sjursen chairs ARENA’s research group on EU foreign policy. She is author of more than 60 academic publications, among them one singleauthored monograph, five edited and co-edited books, and four edited special issues. She has been member of a number of government-appointed committees, inter alia the Advisory Council for Disarmament and Security Affairs, Norwegian Ministry of Foreign Affairs, and the European Economic Area (EEA) Review Committee on Norway’s relations with the EU. In 2006 she received the Anna Lindh Award for her contributions to research in the fi eld of European foreign and security policy. Her most relevant works regarding the topic of her lecture are: The EU‘s Common Foreign and Security Policy: The Quest For Democracy (guest editor, Special Issue, Journal of  European Public Policy, 18(8), 2011); Questioning EU Enlargement: Europe in search of identity (London: Routledge, (ed.) 2006); and What Kind of Power: European ForeignPolicy in Perspective (guest editor, Special Issue, Journal of European Public Policy,  13(2), 2006).

 

Lecture 2
Prof. Dr. Harald Müller (Member of the Board of Directors of the Cluster of Excellence called “The Formation of Normative Orders”, Vice-President of the EU Consortium for Non-proliferation and Disarmament)

International Political Justice in Europe: The Distribution of Security and Opportunity for Influence in Security Policy

Abstract
This contribution deviates from mainstream accounts of political justice in three ways. First, while most of the studies on this issue take a normative approach, mine is an empirical one that follows the proposal of David Welch to count “a claim to an supposed  entitlement” as justice claim and a contest about an entitlement or a clash of several opposite ones as justice conflict. Second, while most studies look at justice for individuals and take a cosmopolitan orientation, I look at justice among states without a  preconception how it should be substantiated. Third, while most work on justice focusses on the distribution of material goods (focus on social justice) or ideational goods (focus on human rights), mine is interested in the distribution of political goods/values,  looking at the way security and influence are distributed among state actors in Europe and through which institutions and practices. For empirical illustration, I draw on the Ukraine crisis as a contest between Russia and NATO, and on disputes on nuclear disarmament within the EU as a contest between France and Austria. I first try to identify what  justice claims the actors have uttered, how these claims may coincide or clash, and what the outcome has been until today.

CV
Harald Müller has been Executive Director of the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF), a member of the Leibniz Association, from 1996 to 2015. He is now serving as Member of the Board and is head of Program Area I (Security of States). Together with Christopher Daase, he is directing the project “Salafi sm in Germany”. He is also Professor of International Relations at the Goethe University Frankfurt. Prof. Müller has been a member of German delegations to the Review Conferences of the Nuclear Non-Proliferation Treaty 1995-2010. From 1999 to 2005 he was member of the Advisory Boardb on Disarmament Matters of the UN Secretary General, chairing the Board in 2004. Between 2004 and 2005 he was appointed member of the Expert Group on Multilateral Fuel Arrangements of the International Atomic Energy Agency. From 1999 on, he has been co-chairing the Working Group on Peace and Confl ict at the German Foreign Office’s Planning Staff. Since 2007 he is member of the Board of Directors of the Frankfurt University’s Cluster of Excellence called “The Formation of Normative Orders” and since 2010 Vice-President of the EU Consortium for Non-proliferation and Disarmament. His research focuses on disarmament issues, theories of democratic peace, great power relations, disarmament, arms control, and non-proliferation. His  latest book is WMD Arms Control in the MiddleEast. Prospects, Obstacles and Options (Farnham (UK)/Burlington VT, Ashgate, 2015).

 

Lecture 3
Dr. Michael Ioannidis (Senior Research Fellow at the Max Planck Institute for Comparative Public Law and International Law in Heidelberg)

Weak Members and the EU Rule of Law: The Case of Greece

Abstract
The contributions offers an approach to the Greek crisis that does not focus on its economic dimensions, but rather on a constitutional concept that is in the core of contemporary European debates: the rule of law. The ongoing crisis has revealed that Greece’s economic problems are coupled with systemic, far-reaching problems in application of law by the administration and the judiciary. Corruption, incoherent law formulation, and disproportionate delays in delivering justice suggest that Greece can be treated as a type of weak state within the EU. Without an effective administrative and judicial system, however, able to guarantee that norms do not stay in the books but govern effectively social conduct, the normative quality of law is undermined. Two types of questions may rise from this observation. Firstly, whether we can conceptualize these problems using categories of EU constitutional law, and,  more concretely, the concept of the rule of law, which fi gures prominently in Art. 2 TEU as one of the values of the EU. Secondly, what should be the response of the EU to this kind of deficiencies, considering that the  weakness of a Member might create externalities to the Union as a whole, as the economic and asylum crises indicate. A closer look to the conditionality attached to the financial assistance offered to Greece indicates that the EU recognizes the problem and approaches Greece also as a state-building challenge. This dimension needs, however, to be strengthened and be explicitly treated as a rule-of-law problem.

CV
Michael Ioannidis is a senior research fellow at the Max Planck Institute for Comparative Public Law and International Law in Heidelberg. He graduated with distinction from the University of Athens in 2005 and continued his studies, first in Heidelberg (LL.M., 2007), and then in Cambridge (LL.M., 2008). Ioannidis earned his PhD, summa cum laude, from the University of Frankfurt in 2012 with a thesis on participation rights in WTO law under the supervision of  Professor Armin von Bogdandy. After the completion of his doctoral studies, he has continued working and publishing on international economic law and EU law. Ioannidis is currently working on two major projects. The first is connected with the Eurozone crisis, the role of the IMF and the emergence of the new European economic governance, looking especially at how financial assistance conditionality is used at the international and the European level. The second project entails applying a public law approach to the law of international treaties.

 

Video:

 Audio:

 

Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Harald Müller (Member of the Board of Directors of the Cluster of Excellence called “The Formation of Normative Orders”, Vice-President of the EU Consortium for Non-proliferation and Disarmament)
  • Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Director of the Institute of Public Law, Goethe University Frankfurt, member of the Cluster of Excellence “Formation of Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Helene Sjursen (Professor at ARENA, Centre for European Studies at the University of Oslo)
  • Dr. Michael Ioannidis (Senior Research Fellow at the Max Planck Institute for Comparative Public Law and International Law in Heidelberg)

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel III: Ungleichheiten in Europa

"Europas Gerechtigkeit" - Achte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Freitag, 20. November 2015, 10.00 bis 12.00 Uhr

Die Erforschung von Ungleichheit gehört zum institutionalisierten Korpus der sozialwissenschaftlichen und historischen Wissenschaften und bildet die Grundlage von handlungsorientierten Theorien, die auf ihre Beseitigung zielen. Das betrifft sowohl soziale und ökonomische Ungleichheiten wie solche, die in den Kategorien Geschlecht, Hautfarbe, Kultur, Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung gefasst werden. Gemeinsam ist den Forschungsansätzen die Konstruktion von Gruppen, die durch asymmetrische gesellschaftliche Strukturen benachteiligt werden. Der Analyse von außen steht dabei die Selbstwahrnehmung der diskriminierten Subjekte und ihre mögliche, keineswegs aber zwangsläufige  Selbstverortung in einer oder mehreren definierten Gruppen gegenüber. Die Fokussierung auf Mehrfachdiskriminierungen wird seit Ende der 1980er Jahre von feministischen und postkolonialen Wissenschaftler/innen im Rahmen der  Intersektionalitätstheorie vorangetrieben. Das Panel befasst sich in diachroner Perspektive mit normativen Dimensionen von Ungleichheit in Europa und umfasst dabei eine Zeitspanne von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Die Referent/innen gehen der Frage nach, unter welchen historischen Bedingungen sich Ungleichheiten verschärfen und welche Voraussetzungen notwendig sind, um Entwicklungen in Richtung Gleichheit voranzutreiben. Sie behandeln Konfliktpotentiale von Ungleichheit, diskutieren aber auch mögliche konfliktreduzierende Momente. Grundsätzlich wird erörtert, was in unterschiedlichen Kontexten unter Gleichheit oder Ungleichheit verstanden wird und in welchem Verhältnis Gleichheit und Gerechtigkeit unter Berücksichtigung ihrer sozialen, ökonomischen, rechtlichen, politischen und religiösen Besonderheiten stehen.

Chair: Dr. Dominik Müller (Post-Doktorand am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)

CV
Dominik Müller ist Post-Doktorand am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Er studierte Ethnologie, Philosophie und Rechtswissenschaft in Frankfurt und Leiden (2003-2008) und promovierte als Stipendiat des Exzellenzclusters in Frankfurt (2008-2012). Seine ethnologische Dissertation zur Entstehung des „Pop-Islamismus“ in Malaysia wurde 2012 mit dem Forschungsförderungspreis der Frobenius-Gesellschaft ausgezeichnet. Er war DAAD Post-Doc Stipendiat an der Stanford University (2013), Gastwissenschaftler an der University of Brunei Darussalam (2014), und Visiting Senior Member am St Antony’s College, University of Oxford (2015). Er ist Mitbegründer des dem Exzellenzcluster zugehörigen Frankfurter Forschungsinstituts Globaler Islam (FFGI). Sein gegenwärtiges Forschungsprojekt befasst sich mit dem Verhältnis zwischen der staatlichen Bürokratisierung des Islam und kulturellen Veränderungsprozessen im Sultanat von Brunei Darussalam. Ausgewählte Publikationen: Islam, Politics and Youth in Malaysia: The Pop-Islamist Reinvention of PAS (Routledge, 2014); Islamic Politics and Popular Culture in Malaysia: Negotiating normative change between shariah Law and electric guitars (Indonesia and the Malay World, 2015); Sharia Law and the Politics of Faith Control in Brunei Darussalam: Dynamics of socio-legal change in a Southeast Asian Sultanate (International Quarterly for Asian Studies, 2015); Islamic Law and the ASEAN Human Rights Declaration: Paradox normativities in Brunei Darussalam and Malaysia (Asian Survey, 2016 im Erscheinen).

 

Vortrag 1
Prof. Dr. Hartmut Kaelble

Warum milderte sich die soziale Ungleichheit im westlichen Europa während des 20. Jahrhunderts ab?

Abstract
Angesichts der heutigen Verschärfung der sozialen Ungleichheit erinnert man sich kaum noch an die lange Periode der Abmilderung soziale Ungleichheit im vergangenen 20. Jahrhundert. Vor allem für Vermögen und Einkommen ist das  belegt worden, zuletzt von Thomas Piketty in seinem international äußerst erfolgreichen Buch. Warum die soziale Ungleichheit damals etwas zurückging, ist umstritten und von hoher Aktualität. Einige Experten sehen die Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise als entscheidenden Auslöser, für andere waren die damalige Politik und wirtschaftliche Veränderungen jener Zeit ausschlaggebend. Der Vortrag setzt sich mit dieser Debatte auseinander und schlägt eine eigene Interpretation vor.

CV
Hartmut Kaelble geb. 1940, 1971-1991 Prof. für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Freien Universität Berlin, 1991-2008 Prof. für Sozialgeschichte an der Humboldt Universität Berlin. 2004-2009 Professor am Europakolleg Brügge. 2004-2007 Sprecher des SFB 614. 1998-2009 Mitdirektor des Zentrums (später Berliner Kolleg) für vergleichende Geschichte Europas. Forschungsgebiet: Vergleichende Sozialgeschichte Europas im 19. und 20. Jahrhundert, derzeit vor  allem Geschichte des Wohlfahrtsstaats, der sozialen Ungleichheit, der Geschichte der europäischen Integration. Wichtigste jüngere Publikationen: Der historische Vergleich (1999) (auch chines.); Wege zur Demokratie (2001) (auch  französ., span.); Sozialgeschichte Europas (2007) (auch japan., engl., poln., französ.); Kalter Krieg und Wohlfahrtsstaat. Europa 1945-1989 (2011) (auch japan.)

 

Vortrag 2
Prof. Dr. Susanne Schröter (Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Direktorin des Instituts für Ethnologie, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums globaler Islam (FFGI))

Gerechtigkeit in der Einwanderungsgesellschaft

Abstract
„Gerechtigkeit für die Muslime“ lautete die Überschrift eines 2006 in der Zeitschrift „DIE ZEIT“ veröffentlichten Manifests. Die Schrift war die Antwort einer Reihe von Migrationsforscher/innen auf eine Publikation der türkischstämmigen Soziologin Necla Kelek, die muslimische Frauen als besonders unterdrückt und den Islam als frauenfeindliche Religion bezeichnet hatte. In der Kontroverse kamen zwei unterschiedliche Gerechtigkeitsvorstellungen zum Tragen. Während die Forscher/innen Gerechtigkeit als vorurteilsfreie Anerkennung der muslimischen Minderheit unter Verzicht auf pejorative Zuschreibungen defi nierten, rekurrierte Kelek auf das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit, das, ihrer Ansicht nach, von muslimischen Communities konsequent negiert werde. Die Kontroverse, die in ähnlicher Form auch in anderen europäischen Staaten geführt wird, fokussiert die Problematik des Gelingens pluralistischer Gesellschaften auf die Auseinandersetzung mit Einwanderern muslimischen Glaubens. Während die einen Islamophobie und muslimfeindlichen Rassismus als größtes Hindernis gerechter demokratischer Gesellschaften sehen, sind andere der Ansicht, der Islam ziele auf die Etablierung einer ungerechten Ordnung, in der Frauen, Homosexuelle und Nichtmuslime zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden.

CV
Susanne Schröter ist Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Direktorin des Instituts für Ethnologie, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums globaler Islam (FFGI), welches sie 2014 gegründet hat, Principal Investigator im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Direktorin im Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung und Vorstandsmitglied des Deutschen Orient-Instituts. Von 2004-2008 war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Südostasienkunde an der Universität Passau. Zwischen 2000 und 2004 lehrte sie als Gastprofessorin an der Yale University, den Universitäten Mainz, Frankfurt und Trier und forschte als Fellow an der University of Chicago. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Islamische Feminismus und Frauenbewegungen in der islamischen Welt, Konstruktionen von Gender und Sexualität, islamischer Extremismus und Terrorismus, progressiver Islam, Säkularismus und Religion, Flüchtlinge und Integration sowie politische, religiöse und ethnische Konflikte. Zu ihren kürzlich erschienen Publikationen zählen unter Ihrer Herausgeberschaft Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt (Bielefeld 2013: Transcript) sowie Gender and Islam in Southeast Asia. Negotiating women’s rights, Islamic piety and sexual orders (Leiden 2013: Brill).

 

Vortrag 3
Dr. Kerstin Weiand (Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)

Ungleichheit als politisch-sozialer Sprengstoff? Zur (Un)ordnungsfunktion eines Strukturprinzips in der Frühen Neuzeit

Abstract
Die Erhebung von ‚Gleichheit‘ zum Grundprinzip rechtlicher Ordnung und zur Voraussetzung für gesellschaftliche und politische Stabilität und Integration ist eine verhältnismäßig junge, möglicherweise kulturell begrenzte Entwicklung. Die Erfahrungs- und  Wahrnehmungswelt des Europäers in der Frühen Neuzeit dagegen war geprägt von ‚Ungleichheit‘ oder, besser, von ‚Ungleichheiten‘ im Plural, die das soziale, politische, rechtliche und religiöse Leben bestimmten. Ungleichheit war damit das bestimmende  Strukturprinzip der gesellschaftlichen und politischen Ordnung in ihrer ständischen, korporativen und hierarchischen Verfasstheit. Der Vortrag beleuchtet dieses frühneuzeitliche Strukturprinzip näher und fragt nach seinen politischen und sozialen Implikationen: Inwiefern wirkte Ungleichheit destabilisierend auf die politische Ordnung, schürte bzw. verschärfte Konfl ikte? Konnte sie auf der anderen Seite möglicherweise auch eine stabilisierende, Konflikt entschärfende Wirkung entfalten? Diesen Fragen soll mit Blick auf das entstehende europäische Mächtesystem sowie mit Blick auf die Aufnahme und Integration von Glaubensflüchtlingen nachgegangen werden. So lassen sich Hinweise darauf finden, dass gerade die „Ungleichheit“ von Staaten vor der Durchsetzung des  völkerrechtlichen Prinzips souveräner, gleichrangiger Staaten massiv zu der Verdichtung kriegerischer Konflikte im 16. und 17. Jahrhundert beitrug. Auf einer ganz anderen Aktionsebene freilich führten nicht hinterfragte gesellschaftliche und rechtliche „Ungleichheiten“ offensichtlich dazu, dass die Ansiedlung fremder und zudem häufig rechtlich privilegierter Migrantengruppen weniger konflikthaft verlief, als dies von der Forschung lange Zeit angenommen wurde.

CV
Kerstin Weiand studierte Geschichtswissenschaften und Klassische Philologie an der Philipps-Universität Marburg und an der Università degli studi in Florenz. Im Jahr 2012 wurde sie in Marburg mit einer Arbeit zur Entstehung und Etablierung normativer Leitbilder im England der Stuartzeit promoviert. Für die Arbeit wurde sie 2013 mit dem Promotionspreis der Universität Marburg ausgezeichnet. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin war Kerstin Weiand an der Società Internazionale per lo Studio del Medievo Latino (SISMEL) in Florenz, an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie an der Philipps-Universität Marburg tätig. In den Jahren 2010 und 2011 war sie Forschungsstipendiatin am Institut für Europäische Geschichte in Mainz. Seit Oktober 2013 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Ihr aktuelles Forschungsprojekt fragt mit Blick auf das römische Papsttum danach, wie sich Normgefüge unter dem Eindruck der als existentiell empfundenen Bedrohung durch die  Osmanische Expansion in der Frühen Neuzeit veränderten und welche Auswirkungen dies auf die sich aus diesen Normgefügen ergebenden Handlungsimperative hatte.

 

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Bildergalerie:

  • Dr. Dominik Müller (Post-Doktorand am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)
  • Prof. Dr. Susanne Schröter (Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Direktorin des Instituts für Ethnologie, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums globaler Islam (FFGI))
  • Dr. Kerstin Weiand (Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)
  • Prof. Dr. Günter Frankenberg (Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)

Zum Panelbericht von Dr. Doris Decker: Hier...

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Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Keynote: Schuldfragen in der europäischen Schuldenkrise

"Europas Gerechtigkeit" - Achte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Donnerstag, 29. November 2015, 18.00 bis  20.00 Uhr

Prof. Dr. Claus Offe (Professor of Political Science at Humboldt University, Berlin)

The EU has adopted its common currency without providing an institutional framework that would have been needed to absorb and buffer the damages the Euro has predictably caused. After this ‘naked‘ monetary regime has created a deep division between a core of Euro-winners and a periphery of losers, a vehement exchange of mutual accusations has set in. The lecture explores the discursive patterns and normative arguments that are being invoked in this ‘blame  game‘. (The lecture will be in English, but the title remains in German because the shared root of the German words for guilt (Schuld) and debt (Schulden) mean that it cannot be translated satisfactorily into English.)

CV
Claus Offe, born 1940, was (until his retirement in 2005) Professor of Political Science at Humboldt University, Berlin, where he has held a chair of Political Sociology and Social Policy. He earned his PhD (Dr. rer. pol.) at the University of Frankfurt (1968) and his Habilitation at the Universityof Constance (1973). Since 2006 he has been teaching at the Hertie School of Governance, a private professional school of public policy, where he held a chair of Political Sociology. Previous positions include professorships at the Universities of Bielefeld and Bremen, where he has served as director of the Center of Social Policy Research. He has held research fellowships and visiting professorships and taught courses in the US, Canada, Australia, Russia, Hungary, Poland, Austria, Italy, and the Netherlands. He was awarded an honorary degree by the Australian National University in 2007. His fi elds of research include democratic theory, transition studies, EU integration, and welfare state and labor market studies. He has published numerous articles and book chapters in these fi elds, a selection of which is reprinted as Herausforderungen der Demokratie. Zur Integrations- und Leistungsfähigkeit politischer Institutionen (2003). Book publications in English include Contradictions of the Welfare State (1984, Chinese translation 2005), Varieties of Transition (1996), Modernity and the State: East and West (1996), Institutional Design in Post-Communist Societies (1998, with J. Elster and U. K. Preuss), Reflections on America. Tocqueville, Weber, und Adorno in the United States (2006) and Europe Entrapped (2014).

 

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Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Claus Offe (Professor of Political Science at Humboldt University, Berlin)
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Jürgen Habermas
  • Jonathan Klein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Dr. John Milios (National Technical University of Athens)

Zum Artikel von Johann Szews: Claus Offe - Abendvortrag während der Internationalen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters

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Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel II: CRISES IN THE EUROZONE

"Europas Gerechtigkeit" - Achte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Donnerstag, 29. November 2015, 15.45 bis 17.45 Uhr

Shortly after the collapsing financial markets had been rescued but the global economy had plunged into recession, the Eurozone became the center of economic turmoil. The sovereign debt crisis of several member states (Portugal, Ireland, Italy, Greece and Spain) was answered with the provision of European and international public loans on a hitherto unseen scale, which at the same time attached strict conditions to the receiving states. These conditions primarily concerned the implementation of economic reforms aimed at regaining the trust of the financial markets and boosting the competitiveness of the respective economies. Yet, as the recession worsened, the overall indebtedness of the states increased, and as the social fabric of the societies was on the point of rupturing (specifi cally due to extreme levels of unemployment, especially among young people) ever more actors began to oppose these prescribed reforms. In Greece a new left-wing party (Syriza) rose to power with the promise of  ending what it referred to as the undemocratic and unconstitutional politics of financial austerity. After five months of fi erce negotiations with the so-called Troika, however, this government accepted a reform package that consists toa large extent of austerity measures. This panel brings together contributions from economics, political economy and political theory that seek to explore the ongoing crisis tendencies of and within the Eurozone. From their respective viewpoints they ask how the framework of the EU and the specifi c nature of the Eurozone have contributed to these tendencies, as well as to the answers offered to the crisis; how the framework of economic governance within the Eurozone and the EU may have changed in the course of the crisis; and what prospects there are for dealing with the various dimensions of the crisis in the future.

Chair: Rebecca Caroline Schmidt (Managing Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

CV
Rebecca Caroline Schmidt studied law focusing on criminal law, criminal procedural law and sentencing law at Goethe University Frankfurt am Main. Between 2007 and 2012, she worked as a research associate with Professor Dr. Klaus Günther in the fields of legal theory, criminal law and criminal procedural law as well as from 2010 until 2012 as a research associate and research coordinator with Prof. Dr. Dr. h. c. Andreas von Hirsch focusing on the theory and ethics of criminal law. She gained legal experience as an intern with Freshfields Bruckhaus Deringer and management experience as coordinator of several research projects at Goethe University. Since November 1st 2012, she has been managing director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”.

 

Chair: Prof. Dr. Rainer Klump (President of Luxembourg University and Principal Investigator of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)

CV
Rainer Klump was born in 1958 in Darmstadt. He studied economics at the universities in Mainz, Paris I and Erlangen–Nuremberg and received his PhD in 1986. In 1987 he was awarded the Heinz-Maier-Leibnitz-Prize in economic politics. Subsequently he was a visiting researcher in the International Finance Division of the Federal Reserve Board in Washington, DC. In 1991 he received his ‘Habilitiation’ in economics. Between 1992 and 1997 he was professor for economics and development at the University Würzburg. From 1997 until 2000 he held the Ludwig-Erhard endowed professorship and a position as chair of the department of economic politics at the University Ulm. From 2000 to 2014 he was Professor for economics, development and integration at the Goethe University Frankfurt am Main and principal investigator of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”. Since January 2015 he is the president of Luxembourg University.

 

Vortrag 1
Prof. Francesco Mongelli (Senior Adviser in the European Central Bank in the Directorate General Research, and honorary Professor at the Goethe University of Frankfurt)

How to Exit the Crisis: Reflections on the 4 Unions. Why Do We Need Them?

Co-authored with Jean-Francois Jamet (ECB)

Abstract
We briefl y review various causes of the euro area crisis, examining in particular the flaws in the institutional framework of the European Monetary Union. Based on this analysis we will then provide an account of how the economic and financial adjustments need to be accompanied by institutional reforms and new forms of governance. Hence there is a lot of “repair work” ongoing. Subsequently, the lecture provides an account of what has been done already (Fiscal Compact, ESM, and recently SSM). Moreover, the Single Market withstood the crisis as did monetary and financial infrastructures. These are “shared assets”. Key question today: if so much has been done already why are we still in a crisis? Consider that there is also a global crisis with “debt-overhang” in various regions. Global Trade and Growth are slowing down especially in the BICS. Looking at Europe, reforms take time to display their positive effects. They must be  completed, explained, and understood. And they are only as good as they are implemented. Not surprising that confidence and some “European impetus” are still badly affected. Key issue today: there is agreement that EMU’s architecture must be completed by advancing along 4-Unions: fiscal, financial, political and economic unions. There are many synergies between these unions. But, there is also a political economy problem behind these unions: interdependencies between them suggests a need for sequencing or packaging but both have their difficulties. Sequencing is easier politically (allows to deal with legacy for instance) but it takes more time (which is not necessarily there, particularly in crisis times) and in some cases it may even not be optimal according to us (when there are two-ways interdependencies). Packaging is a priori optimal but not always possible (consumes political capital and reforms do not all take the same amount of time to be implemented).

CV
Francesco Mongelli is Senior Adviser in the European Central Bank in the Directorate General Research, and honorary Professor at the Johann Wolfgang Goethe University of Frankfurt. He holds a Master‘s degree and a Ph.D. in Economics from the Johns Hopkins University in Baltimore. He has worked at the ECB since 1998 holding various positions, including as organiser of the analytical agenda of DG Economics, editor of the ECB Occasional Paper Series, and in Directorate Monetary Policy. Prior to that he spent several years as an economist at the International Monetary Fund in Washington. His main area of research pertains to the transmission of monetary policy impulses, the effects of the euro on the functioning of EMU, the links between monetary policy and heterogeneity in the euro area, and the links between economic integration and institutional integration. He also teaches Economics of Monetary Unions at the Johann Wolfgang
Goethe University of Frankfurt. His papers have been published in various journals, such as the Journal of Money Credit and Banking, the Journal of Common Market Studies, Integration and Trade, Economie Internationale, Bancaria, and the Journal of Economic Integration.

 

Vortrag 2
Prof. John Milios (Professor of Political Economy and the History of Economic Thought at the National Technical University of Athens (NTUA), Greece)

Crisis and Austerity. Is there a Chance for the Welfare State?

Abstract
After the outbreak of the 2008 global economic crisis, extreme austerity policies prevailed in many parts of the developed capitalist world, especially in the European Union (EU) and the euro area (EA). Austerity has been criticized as an irrational policy, which further deteriorates the economic crisis by creating a vicious cycle of falling effective demand, recession and overindebtedness. However, these criticisms can hardly explain why this ‘irrational’ or ‘wrong’ policy persists, despite its ‘failures’. The first aim of the present paper is to give an answer to this discrepancy. The ‘unconventional’ role of the ECB, which does not function as a traditional lender of last resort, establishes a policy-making regime
in which austerity is the only way to deal with economic imbalances. In other words, austerity is offered as alternative to economic instability. What is urgently needed is a progressive policy setting that overrides this unfortunate trade-off.
The paper will address this issue mainly from the viewpoint of political economy.

CV
John Milios is Professor of Political Economy and the History of Economic Thought at the National Technical University of Athens (NTUA), Greece. He has authored more than two hundred (250) papers published or forthcoming in refereed journals (in Greek, English, German, French, Spanish, Portuguese, Italian, Chinese and Turkish) including the Cambridge Journal of Economics, History of Political Economy, History of Economics Review, Review of Political Economy,
European Journal of the History of Economic Thought, The American Journal of Economics and Sociology, Science & Society, Rethinking Marxism, Review of Radical Political Economics, and has participated as invited speaker in numerous international conferences. He has also authored or co-authored some twelve scholarly books. His most recent books in English are Rethinking Imperialism. A Study of Capitalist Rule (Palgrave-Macmillan 2009, co-authored with D.P.  Sotiropoulos) and A Political Economy of Contemporary Capitalism and its Crisis. Demystifying Finance (Routledge 2013, co-authored with D.P. Sotiropoulos and S. Lapatsioras). He is director of the quarterly journal of economic theory  Thesseis (published since 1982 in Greek) and serves on the Editorial Boards of four scholarly journals.

 

Vortrag 3
Dr. Kolja Möller (Post-Doctoral Fellow at the Cluster of Excellence “Normative Orders”)

Constitutionalisation of Austerity to Destituent Power: Democratic Challenges in the Context of the Euro-Crisis

Abstract
There is a widespread concern that European integration is more than ever a technocratic process which has lost its connection to the foundational dimension of democracy. According to many observers, the powerful role of the European Central Bank and the so-called “Troika” (ECB, European Commission and International Monetary Fund) as well as the mandatory character of austerity politics as enshrined in the fi scal treaty announce a postdemocratic shift in the overall architecture of supranational constitutionalisation. In my talk, I will scrutinize these tendencies and ask to what extent they can be contextualized as postdemocratic. Against this backdrop, I will discuss possible strategies to rehabilitate the foundational dimension of democratic constitutionalism and to deal with the profound abyss between the reference to „we-the-people“ as a central resource of political legitimation and the constitutionalisation of austerity politics. In the light of the emerging austerity constitution, constituent power must be reframed as destituent power on the European level – a counter-power which aims at a re-negotiation of hegemonic structures.

CV
Kolja Möller (1983) is a post-doctoral fellow at the cluster of excellence “Normative Orders”. His research focuses on transnational constitutionalism and international political theory. Before joining the cluster, he worked as a research associate at the collaborative research centre “Transformations of the State”, University of Bremen. He obtained his Phd at the University of Flensburg and received a grant from the German National Academic Foundation. His recent book Formwandel der Verfassung. Die postdemokratische Verfasstheit des Transnationalen (transcript 2015) outlines a critical approach to the changing role of constitutionalism in world society. Further publications include: A Critical Theory of Transnational Regimes. Creeping Managerialism and the Quest for a Destituent Power, in: Contested Collisions (Cambridge University Press, forthcoming); From the Ventotene Manifesto to Post-Democratic Integration. A Reconstructive Approach to Europe‘s Social Dimension, in: Europe at a Crossroad. From Currency Union to Political and Economic Governance? (Nomos 2015); Formwandel des Konstitutionalismus. Zum Verhältnis von Postdemokratie und Verfassungsbildung jenseits des Staates, in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie 2/2015.

 

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Bildergalerie:

  • Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Francesco Mongelli (Senior Adviser in the European Central Bank in the Directorate General Research, and honorary Professor at the Goethe University of Frankfurt)
  • Jean-Francois Jamet (European Central Bank)
  • Dr. Kolja Möller (Post-Doctoral Fellow at the Cluster of Excellence “Normative Orders”)
  • Prof. Dr. Rainer Klump (President of Luxembourg University and Principal Investigator of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”)
  • Dr. Thomas Biebricher (Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen")
  • Prof. John Milios (Professor of Political Economy and the History of Economic Thought at the National Technical University of Athens (NTUA), Greece)

 

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Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel I: EUROPE AS A CONTEXT OF JUSTICE

"Europas Gerechtigkeit" - Achte Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Donnerstag, 29. November 2015, 13.15 bis 15.15 Uhr

In times of crisis, we count on “normative orders” to live up to their own standards of justice and legitimacy—or to revise those standards in light of the challenges faced. But when it comes to the EU, there is massive disagreement as to what its standards of fairness, justice, and solidarity entail when it comes to solving financial or other crises. This panel thus asks: What are the justificatory standards by which we should measure EU policies, and how do we ground them? More precisely, what role does the EU play vis-à-vis national judicial systems and how can a European legal regime be justified? How should the EU be understood as a polity, and what principles of social justice—or solidarity—does it encompass? 

Chair: Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt.


CV

Rainer Forst is Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt. He is Co-Director of both the Research Cluster on the ”Formation of Normative Orders”, and the Centre for Advanced Studies “Justitia Amplificata” and is a member of the Directorate of the Institute for Advanced Study in the Humanities in Bad Homburg. He has previously taught at the Free University Berlin, the New School for Social Research in New York and Dartmouth College. His work in moral and political philosophy focuses on questions of practical reason, justice and toleration; his major publications are Contexts of Justice (Suhrkamp 1994, Univ. of California Press 2002), Toleration in Confl ict (Suhrkamp 2003, Cambridge UP 2013), The Right to Justifi cation (Suhrkamp
2007, Columbia UP 2012), Justifi cation and Critique (Suhrkamp 2011, Polity Press, 2013), The Power of Tolerance (with W. Brown, Columbia UP 2014), Justice, Democracy and the Right to Justification (with Replies by Critics; Bloomsbury 2014) and Normativität und Macht (Suhrkamp 2015). In 2012 he received the Gottfried Wilhelm Leibniz Price of the German Research Foundation. He is a member of the Berlin-Brandenburg Academy of Sciences, Associate Editor of Ethics, a member of the Executive Editorial Committee of Political Theory and serves on the boards of numerous other international journals. He is co-editor of the book series “Theorie und Gesellschaft” and “Normative Orders” (Campus).

Chair: Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” and Professor of Legal Theory, Criminal Law and Criminal Procedure in the Faculty of Law at the Goethe University Frankfurt.


CV

Klaus Günther, born in 1957, is Professor of Legal Theory, Criminal Law and Criminal Procedure in the Faculty of Law at the Goethe University Frankfurt. Since 2007 he has been Co-Director of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders” (with Rainer Forst). He is a member of the board of directors of the Institute for Social Research in Frankfurt and Permanent Fellow of the Institute for Advanced Study in the Humanities of the Goethe University in Bad Homburg. Klaus Günther studied philosophy and law in Frankfurt. From 1983 to 1996 he was a research assistant and university assistant in Frankfurt in, inter alia, a DFG-funded legal theory working group (Leibniz-Programme) with Jürgen Habermas, where he received his doctorate in 1987. His habilitation in 1997 was followed by appointments to professorships at the EUI Florence and at the universities of Rostock and Zurich, which he declined. His most important publications include: Der Sinn für Angemessenheit (1988; English translation:The sense of ppropriateness, 1993; Portuguese translation 2004) and Schuld und kommunikative Freiheit (2005). 

 

Vortrag 1
Prof. Kalypso Nicolaïdis (Professor of International Relations and director of the Center for International Studies at the University of Oxford)

How can a Demoicratic Polity be Just? The Puzzles of Solidarity, Reciprocity and Choice in the EU

Abstract
In order to suggest a grounded normative assessment of Europe as a context of justice, I characterize the European context as a demoicracy in the making, that is a Union of peoples who govern together but not as one. In such a polity, we must avoid two pitfalls. First that of  apprehending social justice between European peoples simply as enlightened mutual advantage or reciprocity as the price to pay for sustained cooperation. The second is to fall in the mimetic fallacy which considers the EU as a polity akin to a state-writ-large with similar habits and rationale available to underpin the kind of socio-economic justice advocated by John Rawls. Instead, the EU needs to adopt principles of justice faithful to its commitment to national autonomy as well as to its progressively greater “togetherness.” What could be the building blocks for such an approach? First, to respect the EU’s liberal legitimacy these principles must not preempt the processes of democratic deliberation, both at the national and continental levels. Instead, they can serve as contested referents in a variety of localized democratic debates over the ends we deem desirable in the wielding of political power. Second, to respect the EU’s diverse sociological make up, such principles must be constrained by but not reduced to feelings of solidarity. Third, in light of the EU’s powers and actions, such principles need to build on fair reciprocity conditions to take into account the contribution afforded by the recognition by some (countries, peoples) of rules that disproportionately favor others. Finally, we need to consider the extent to which the choice that is made to belong to the EU or the Eurozone is effectively constrained to different degrees for different actors, and therefore deserves to be treated at least partially in the same way as the kind of nonvoluntary membership we fi nd in classic states which leads to redistributive obligations.   

CV
Kalypso Nicolaïdis is Professor of International Relations and director of the Center for International Studies at the University of Oxford. She was previously associate professor at Harvard University’s Kennedy School of Government. She is chair of Southeastern European Studies at Oxford and Council member of the European Council of Foreign Relations. In 2012-2013, she was Emile Noel-Straus Senior Fellow at NYU Law School (2012-2013). In 2008-2010, she was a member of the Gonzales refl ection group on the future of Europe 2030 set up by the European Council. She also served as advisor on European affairs to George Papandreou in the 90s and early 2000s, the Dutch government in 2004, the UK government, the European Parliament, the European Commission, OECD and UNCTAD. She has published widely on international relations, global governance, trade ethics, law and democracy promotion, as well as the internal and external aspects of European integration in numerous journals including Foreign Affairs, Foreign Policy, The Journal of Common Market Studies, Journal of European Public Policy and International Organization. Her last books are Echoes of Empire: Memory, Identity and Colonial Legacies (ed w/ Sebe and Maas, IB Tauris), Normative Power Europe Revisited (ed w/ Whitman, Journal Confl ict and Cooperation) and European Stories: Intellectual Debates on Europe in National Context (ed w/ Lacroix, OUP, 2010). She is a graduate of Sciences-Po (1982) and received her PhD from Harvard in 1993. More information – including publications – can be found on her website: http://kalypsonicolaidis.com/

 

Vortrag 2
Dr. Lisa Herzog (Postdoctoral Researcher at the Cluster “Normative Orders” and the Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main)

Prices and Dignity in the Eurozone

Abstract
From its beginnings, the European Union has been both an aspirational political project and an economic project. But the relation between political values and economic processes has not always been clear. In this talk, I attempt to read the crisis of the Eurozone through the lens of the Kantian distinction between the notions of “price” and “dignity”. In the architecture of the Eurozone, prices and dignity are intertwined in complex ways: prices, especially prices in financial markets, were distorted by political measures, some of which were presented in a rhetoric of dignity. Human dignity became the plaything of the forces of markets that put the material precondition for a life in dignity at risk. Therefore, we need to reconsider the place and role of prices, and of the institutions that can secure human dignity, in our societies. To put it provocatively: in questions of institutional design, dignity without prices is blind,  while prices without dignity are empty. Prices have a distinctive function in markets where they are supposed to signal scarcities and to bring about an effi cient allocation, including an effi cient allocation of risks. They cannot do so unless the risks of bankruptcy or defaults are carried by investors rather than the general public. This perspective also sheds light on how to defi ne the proper place of markets in the Eurozone – not from the perspective of property rights or economic liberties alone, but from a functional perspective, as conducive to a dignifi ed life of all citizens. Institutions that secure the material  basis for human dignity, in contrast, need to be insulated from the play of market forces. Here, the solidarity of citizens can and should fi nd its place – for example in a European social insurance system that could be developed in a process of “democratic experimentalism” (Honneth) and institutional learning.

CV
Lisa Herzog is a postdoctoral researcher at the Cluster “Normative Orders” and the Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main, in the project “Moral agents in Financial Markets”. She studied philosophy, economics, politics and modern history at Munich and Oxford. She wrote her doctoral thesis at the University of Oxford as a Rhodes Scholar (Inventing the Market. Smith, Hegel, and Political Theory, Oxford University Press 2013). In 2014/15 she was a Postdoctoral Fellow at the Center for Ethics in Society, Stanford University. Her research interests lie at the intersection of philosophy and economics, including the history of economic and political thought and normative questions about economic institutions and economic phenomena. Currently, she focuses on ethics in organizations and normative questions about the fi nancial system. Recent works include “Ethik im Finanzsystem?” (Schwerpunkt in WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 1-2015, 65-120, edited with Sighard Neckel), “The Normative Stakes of Economic Growth. Why Adam Smith does not rely on ‘trickle down’” (Journal of Politics, accepted for publication), and “The Goods of Work – (other than money!)” (with Anca Gheaus, under review).

 

Vortrag 3
Prof. Dr. Christoph Burchard (Professor of Criminal Law and Procedure, International and European Criminal Justice, and Comparative Law and Legal Theory at the Goethe University Frankfurt am Main)

The Contexts of Europe as a Context of Justice – in Light of the Administration of Criminal Justice

Abstract
“Europe as a Context of Justice“ is after Europe as a justificatory means, procedure or standard for the governance by, with and for individuals. Therefore, “Europe as a Context of Justice“ is – or so goes my foundational hypothesis – in need of further contextualization. For Europe unites divergent (vertical, horizontal or diagonal; national, supranational or transnational) modes of governance, which need to be focused in detail for their qualifi cation as just or unjust (e.g. in light of possible democratic defi cits or shortcomings in the protection of human rights). In my contribution, I will exemplify the relevance of the contexts of Europe as a Context of Justice with a view to the administration of (in the wider sense) criminal justice “in” Europe; or more concretely, in the EU’s common space of freedom, security and justice. In my eyes, different justificatory challenges and potentials (be they in degree or in kind) come into play when we look e.g. to the supranational enforcement of EU antitrust regulations, to a possible European Public Prosecutor’s Office, or to the national administration of criminal justice in the Member States. With regard to the latter, the European legal order becomes more and more important, especially when the Member States wield extraterritorial powers via the mutual recognition principle (think of the European Arrest Warrant). For these extraterritorial powers, which are facilitated by, but not per se rooted in the EU, need checks and balances. And these checks and balances are in turn provided for by European constitutional law (like the Charter of Fundamental Rights), which thus becomes a justificatory standard for the national administration of criminal justice.

CV
Christoph Burchard is Professor of Criminal Law and Procedure, International and European Criminal Justice, and Comparative Law and Legal Theory at the Goethe University Frankfurt am Main. He is also a Principal Investigator at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders“. Previously, he was visiting professor at the Ludwig Maximilians University Munich. He received his Dr. iur. from the University of Passau in 2007 and his Habilitation from the University of Munich in 2015. He also holds an LL.M. from NYU School of Law. He heads a research network, funded by the German Research Foundation, on the “role of comparative criminal law in the Europeanization of criminal justice”, and has published inter alia on the Internationalization and  Europeanization of criminal justice in German, Spanish and English, including in the Leiden Journal of International Law, the New Journal of European Criminal Law and the Journal of International Criminal Justice. His research focus lies on the foundations of  international and European criminal justice. More information – including publications – can be found on his website: www.jura.uni-frankfurt.de/burchard.

 

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Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Christoph Burchard (Professor of Criminal Law and Procedure, International and European Criminal Justice, and Comparative Law and Legal Theory at the Goethe University Frankfurt am Main)
  • Prof. Kalypso Nicolaïdis (Professor of International Relations and director of the Center for International Studies at the University of Oxford)
  • Dr. Lisa Herzog (Postdoctoral Researcher at the Cluster “Normative Orders” and the Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main)
  • Prof. Dr. Darrel Moellendorf, Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie
  • Prof. Dr. Armin von Bogdandy, Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Max-Horkheimer-Str. 2
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen

Siebte internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

20.-21. November 2014

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Lübeckerstraße/Ecke Hansaallee
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Freier Eintritt


Anmeldeformular: Hier...

Programm (pdf):  Hier...

Donnerstag, 20. November 2014

14.30 bis 14.45 Uhr

Eröffnung der Jahreskonferenz 2014 "Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen"
Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Klaus Günther (Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen)

14.45 bis 16.45 Uhr

Panel I: Die Verrechtlichung der Welt und ihre Kritiker

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Prof. Michelle Everson (Birkbeck University of London):
Crisis past and crisis yet to come: the fault of (European) law

Dr. Matthias Goldmann (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg):
Couper la tête du roi? Die Verrechtlichung informaler öffentlicher Gewalt als Herausforderung für die Rechtswissenschaft

Prof. Dr. Jens Steffek (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Technische Universität Darmstadt):
Willkür, Kontingenz und internationales Recht

16.45 bis 17.15, Foyer im Erdgeschoss, Café und Kuchen

17.15-19.15 Uhr

Panel II: Multinormativität - Konstellationsanalysen

Chair: Prof. Dr. Thomas Duve (Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte)

Prof. Dr. Marie-Claire Foblets (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung):
A plea for Accommodation of Diversity within the State Legal Framework

Prof. Dr. Miloš Vec (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Universität Wien):
Normcore: Soziale Regeln und Recht der Mode

Dr. Stefan Kroll (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Die Entstabilisierung von Erwartungen durch die Verweigerung von Recht


Freitag, 21. November 2014

10-12 Uhr

Panel III: Herausforderungen der Normativität im Internet

Chair: Dr. Thorsten Thiel (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Dr. Matthias C. Kettemann (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Der Schutz des Internets im Gemeinschaftsinteresse: Implikationen für Staaten und nichtstaatliche Akteure

Prof. Dr. Alexander Peukert (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Privatisierung und Automatisierung der Rechtsdurchsetzung im Internet

Prof. Dr. Jeanette Hofmann (Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin):
Die Multi-Stakeholder-Semantik in der Internet Governance: Akteursformation und Möglichkeitsraum

12.00 bis 13.00 Uhr, Raum 501 und Lounge, kleiner Mittagsimbiss

13.00 bis 15.00 Uhr

Panel IV: (Post)Secularism – Theoretical and Empirical Findings on a Contested Category

Chair: Prof. Dr. Susanne Schröter (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main):

Dr. Jocelyne Cesari (Harvard University):
Bridging the Gap Between Political Theory and Political Reality: Revisiting the Dominant Concepts of Secularism

Prof. Dr Hartmut Zinser (Freie Universität Berlin):
Secularization – the Return of Religions – Postsecularism. Remarks on the Conceptual Landscape

Dr. Dominik Müller (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Anti-Secular Modernity and the Rise of Pop-Islamism in Southeast Asia

15.00 Uhr Ende der Jahreskonferenz 2014

Panel IV: (Post)Secularism – Theoretical and Empirical Findings on a Contested Category

"Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen - Siebte internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Freitag, 21. November 2014, 13.00 bis 15.00 Uhr

Secularism and religion stand in a tense and ambivalent relationship to each other. This pertains both to the empirically observable reality of the political and cultural discourses in which norms and the scope of action are negotiated by social actors, as well as to scholarly debates. In western societies those critical of religious positions clash with those who defend religion as an essential source of  meaning. Moreover, the “return of religions” (Riesebrodt) has been much discussed in the context of the religious rights of minority groups, particularly those of immigrants from predominantly Muslim countries. In non-western societies, too, questions regarding the significance of religion have been linked to conceptions of state and society as well as to debates on the rights of marginalized groups. Since the Weberian paradigm of a necessarily secular modernity has been called into question, we have been discussing the validity claims of religion within the framework of the postsecularist thesis. However, doubts have been raised as to whether the paradigm offers a satisfactory framework for understanding current dynamics, particularly in non-European societies.

Chair: Prof. Dr. Susanne Schröter (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

CV
Since 2008 Susanne Schröter has been Professor of Anthropology of Colonial and Postcolonial orders at the Goethe University Frankfurt and Adjunct Professor at the University of Indonesia. From 2004 to 2008 she was Professor of Southeast Asian Studies at the University of Passau. Between 2000 and 2004 she was visiting professor at Yale University, the Universities of Mainz, Frankfurt and Trier, and was visiting fellow at the University of Chicago. Her research foci are the transformation of normative orders, especially in predominantly Muslim societies as well as in post-conflict areas; the debate over secularism vs. postsecularism; constructions of gender and sexuality; as well as new frms of community-building in pluralistic societies. She is head of the international doctoral research group “Cultural and Political Transformations in the Islamic World”. Selected publications include: Schröter, Susanne, ed. (2013): “Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt“. Bielefeld: Transcript. Susanne Schröter, ed. (2013): “Gender and Islam in Southeast Asia. Negotiating women’s rights, Islamic piety and sexual orders“ . Leiden: Brill. Susanne Schröter, ed. (2010): “Christianity in Indonesia. Perspectives of power“. Berlin: Lit, Reihe: “Southeast Asian Modernities“.

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Vortrag 1

Dr. Jocelyne Cesari (Harvard University)

Bridging the Gap Between Political Theory and Political Reality: Revisiting the Dominant Concepts of Secularism

Abstract
Over the last decade since 9/11, most scholars of IR have come to terms with fixed, a priori definitions of religion and have multiplied attempts to describe which features of and in which ways religion make sense in IR. Nevertheless, the question remains: How can these practices be included within the IR research agenda? This remains a challenge that has been taken up by only a few scholars (Sandal and Fox). A case in point is the gap between current scholarly work on secularism that still insists on some kind of differentiation, separation or neutrality between religion and politics and the socio-political reality of the relations between state and religion that is far from exemplifying this theoretical ideal. This lecture will:
• review and analyze the recent attempts of political scientists to go beyond the separation of state and church in their analyses of secularism ( such as the work of Alfred Stepan);
• show the gap between these recent academic discussions and the existing data on the intermingling of state and church in all countries, including the most advanced democracies (with the notable exception of the USA);
• propose an alternative approach to secularism that looks not only at the institutional but also the social levels of secularization and takes into account the recent scholarly input of sociologists and historians (such as Taylor).

CV
Jocelyne Cesari is a senior fellow at Georgetown University’s Berkley Center where she directs the Islam in World Politics Program. She teaches on contemporary Islam at the Harvard Divinity School and directs the Harvard interfaculty program “Islam in the West”. Her research focuses on religion and international politics, Islam and globalization, Islam and secularism, immigration, and religious pluralism. Her new book, The Islamic Awakening: Religion, Democracy and Modernity ( 2014, Cambridge University Press), is based on three year’s research on state-Islam relations in Egypt, Turkey, Iraq, Pakistan, and Tunisia, conducted when she was the Minerva Chair at the National War College (2011-2012). Her book, “When Islam and Democracy Meet: Muslims in Europe and in the United States“ (2006), is a seminal work for the study of European Islam and integration of Muslim minorities in secular democracies. She has also recently published: "Why the West Fears Islam: An Exploration of Islam
in Western Liberal Democracies“ (2013). She coordinates two major web resources on Islam and politics: Islamopedia Online and Euro-Islam.info.

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Vortrag 2:

Prof. Dr Hartmut Zinser (Freie Universität Berlin):

Secularization – the Return of Religions – Postsecularism. Remarks on the Conceptual Landscape

Abstract
Since the beginning of the modern period, Europe has undergone several waves of secularization during which the church’s influence on the lives of individuals and on social relations as such receded. Secularization theory asserted this demise of religion constituted a general cultural trend. Today, however, in the wake of the “return of religion”, this theory is considered obsolete. Instead, religions have once again drawn public attention worldwide. Conservative critics have countered that the liberal, democratic state rests on foundations that it cannot in and of itself provide (Böckenförde). This is evident in the debates on genetic engineering and on the capabilities of the neurosciences to create individuals lacking the subjectivity that is constitutive of human life and freedom. In this situation, which is referred to as that of postsecular society, the advocates of liberal positions, once highly critical of religion and the Church, ally themselves with religion in order to defend the indisposability of man (Unverfügbarkeit des Menschen).

CV
Hartmut Zinser (1944) is Professor emeritus of Religion (Religionswissenschaft) at the Freie Universität Berlin. He was a member of the German parliamentary commission of inquiry on “So-called sects and psycho-cults” (1996-98) and a member of the working group of the German Science and Humanities Council on “the further development of theologies and the religious sciences at German universities” (2008-10). His most recent publications are: “Esoterik“ (2009), “Grundfragen der Religionswissenschaft“ (2010), and “Religion und Krieg“ (forthcoming). Hartmut Zinser is a member of the Board of Advisers of the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”.

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Vortrag 3

Dr. Dominik Müller (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Anti-Secular Modernity and the Rise of Pop-Islamism in Southeast Asia

Abstract
In recent years, political discourse about the relationship between state and religion in Muslim Southeast Asia has become dominated by a passionate demonization of ‘secularism’, particularly in Malaysia and Brunei Darussalam. In contrast to the early post-colonial period, no Muslim politician openly defends the idea of a secular state anymore. Governmental Islamic bureaucracies have systematically rationalized the adminis-tration of an anti-pluralistic, yet widely popular brand of Sharia Law. Anti-secular ideologies, however, are increasingly expressed by modern, supposedly ‘secularizing’ means, such as new media and the novel language of marketized religiosity. How can we make analytic sense of these on-going developments vis-à-vis scholarly narratives of (post-)secularism and religious modernity? Might the concept of ‘post-Islamism‘ provide some helpful insights? My presentation will discuss and ethnographically reconsider claims of a transnational ‘post-Islamist evolution’. I will argue that we are presently witnessing a decidedly anti-secular pop-Islamist – rather than a post-Islamist – turn in Southeast Asia, while the region may have never been substantially secularized in the first place.

CV
Dominik Müller (1982) is a post-doctoral fellow at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders.” He studied Cultural Anthropology, Philosophy and Law at Goethe-University Frankfurt and Leiden University (Netherlands) from 2003 until 2008. He obtained his PhD summa cum laude in Frankfurt in 2012. His PhD thesis explored the intersections of Islamic politics and popular culture in Malaysia, based on ethnographic fieldwork among the country’s largest Islamist opposition party, PAS. The dissertation received the Frobenius Society’s Research Prize for the best anthropological thesis
submitted at a German university in 2012, and was published in 2014 (Islam, Politics and Youth in Malaysia: The Pop-Islamist Reinvention of PAS, Routledge). Müller was a DAAD visiting scholar at Stanford University’s Walter H. Shorenstein Asia-Pacific Research Center (APARC) in 2013. He is now working on a book project on socio-legal change in the Islamic monarchy of Brunei Darussalam, and
presently holds a visiting fellowship at the University of Brunei Darussalam (UBD).

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Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Susanne Schröter (Chair), Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Dr. Jocelyne Cesari, Harvard University
  • Prof. Dr Hartmut Zinser, Freie Universität Berlin
  • Dr. Dominik Müller, Post Doc am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosphie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr Hartmut Zinser, Freie Universität Berlin
  • Dr. Mahmoud Bassiouni, Post Doc am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Michelle Everson, Birkbeck University of London
  • Prof. Dr Hartmut Zinser, Freie Universität Berlin
  • Prof. Dr. Marie-Claire Foblets, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
  • Dr. Daniel Föller, Post Doc am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Heike List, Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Dr. Thomas Schmidt, Professor für Religionsphilosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Lübeckerstraße/Ecke Hansaallee
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel III: Herausforderungen der Normativität im Internet

"Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen - Siebte internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Freitag, 21. November 2014, 10.00 bis 12.00 Uhr

Informations- und Kommunikationstechnologien und das Internet als globales Netzwerk von Netzwerken dynamisieren sozioökonomische Prozesse, vereinfachen global wahrnehmbares kommunikatives Handeln und wirken disruptiv auf normative Hierarchien; und sie stellen die Herausbildung normativer Ordnungen vor neue Herausforderungen. Diese sollen mit besonderem Blick auf die normativen Akteure in diesem Panel einer kritischen Sichtung unterzogen werden. Internet Governance-Prinzipien werden zunehmend über „Multistakeholder-Prozesse“ entwickelt. Diese sind dynamisch und vielfältig – und schwer zu fassen. Wie kann legitime Repräsentation in postnationalen Konstellationen konzipiert werden? Und wer definiert in diesen Prozessen das Gemeinschaftsinteresse? Führen die Emanzipation nichtstaatlicher Akteure in Internet Governance-Prozessen und die Schaffung privater Rechtsräume zu neuen akteursspezifischen Verantwortlichkeiten? Am Beispiel der Rollen von Staaten, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft stellt dieses Panel eine wichtige Bestandsaufnahme des Internets als Medium und Gegenstand des Prozesses um die Herausbildung seiner normativen Ordnung dar. Die drei Beiträge untersuchen aus unterschiedlichen, aber verbundenen Perspektiven, wie der Prozess der normativen Ordnungsbildung die Faktizität des Internets beeinflusst, wie private und öffentliche Akteure und Normen wechselseitig wirkmächtig werden und wie die normative Fluidität im Netz Akteursrollen konstruktiv destabilisiert.

Chair: Dr. Thorsten Thiel (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

CV
Thorsten Thiel ist Koordinator des Leibniz-Forschungsverbundes „Krisen einer globalisierten Welt“ und assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Von 2010 bis 2013 war Thorsten Thiel wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt des Clusters zu Opposition und Dissidenz. Seine Dissertation mit dem Titel „Republikanismus und die Europäische Union: Eine Neubestimmung des Diskurses um die Legitimität europäischen Regierens “ wurde im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs „Verfassung jenseits des Staates“ (HU Berlin) verfasst. Thorsten Thiel hat an der RWTH Aachen Politikwissenschaft studiert und war in den letzten Jahren Gastwissenschaftler an der Stanford University, am University College London und am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). Er ist Mitglied im Beirat der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft und einer der Gründer und Mitherausgeber des Theorieblogs . Seine derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind republikanische Demokratietheorie, Legitimations- und Akzeptanzforschung sowie Internet und Politik.

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Vortrag 1

Dr. Matthias C. Kettemann (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Der Schutz des Internets im Gemeinschaftsinteresse: Implikationen für Staaten und nichtstaatliche Akteure

Abstract
Die normative Ordnung des Internets steht großen Herausforderungen gegenüber: Der völkerrechtliche Schutz der Stabilität, Sicherheit, Integrität und Funktionalität des Internets schränkt staatliche Souveränität ein, macht aber weder diese noch Staaten irrelevant. Der Beitrag zeigt zunächst auf, was der „Schutz des Internets“ impliziert: den Schutz kinetischer wie nicht-kinetischer kritischer Ressourcen und die Sicherstellung eines freien Zugangs. Sodann wird nachgezeichnet, warum der Schutz der Integrität des Internets (als Mittel zur Erreichung einer menschenzentrierten und entwicklungsorientierten Informationsgesellschaft) im Gemeinschaftsinteresse liegt und was dies für die normativen Akteure des Internets bedeutet; namentlich, dass alle Stakeholder – Staaten (Regierungen), der Privatsektor (Unternehmen) und die Zivilgesellschaft (Individuen) – ein legitimes, funktional abgestuftes Interesse daran haben, dass alle anderen Akteure das Internet und die menschenrechtlich abgesicherte Aktivitätsvielfalt online schützen. Abschließend wird analysiert, welche normativen Konsequenzen diese Feststellung für jene staatlichen und nichtstaatlichen Akteure hat, die eine besondere Macht über kritische Internetressourcen ausüben. Ziel des Vortrags ist es, Wegmarken für die Entwicklung einer gerechten normativen Ordnung des Internets zu setzen, die die Funktionalität der Ressource Internet im global-öffentlichen Interesse sichert.

CV
Matthias C. Kettemann (1983) studierte Rechtswissenschaften in Graz und Genf und war Fulbright und Boas Scholar an der Harvard Law School (LL.M. 2010). 2012 promovierte er an der Karl-Franzens-Universität Graz mit einer Arbeit zur Zukunft des Individuums im Völkerrecht. 2006 bis 2013 war er Universitätsassistent und Lektor am Institut für Völkerrecht und Internationale Beziehungen der Universität Graz. Seit Oktober 2013 forscht er als Post-Doc Fellow am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo er sich zur normativen Ordnung des Internets habilitiert. Er ist Mitherausgeber des European Yearbook on Human Rights, Co-Chair der Internet Rights and Principles Coalition, hat für den Europarat, das Europäische Parlament und das Internet&Society Co:llaboratory geforscht und publiziert regelmäßig zu Rechtsfragen des Internets. Zu den letzten Veröffentlichungen zählen „The Common Interest in International Law“ (2014) und „Bestand und Wandel im Völkerrecht” (2014) (jeweils als Mitherausgeber), „Freedom of Expression and the Internet” (2014, mit Wolfgang Benedek) sowie „Grenzen im Völkerrecht” (2013, Herausgeber) und „The Future of Individuals in International Law” (2013).

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Vortrag 2:
Prof. Dr. Alexander Peukert (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Privatisierung und Automatisierung der Rechtsdurchsetzung im Internet

Abstract
Der Beitrag beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen der Normativität des Internets und der Normativität subjektiver Privatrechte. Während das Internet Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet, erklären das Datenschutz-, Persönlichkeits- und Immaterialgüterrecht bestimmte Äußerungen für rechtswidrig. Inzwischen zeichnet sich ab, wie die Berechtigten ihre subjektiven Rechte an bestimmten Kommunikationselementen auch im Internet effektiv durchsetzen können, nämlich netzkonform in nicht-staatlichen und automatisierten Verfahren, bei denen Intermediäre wie Google eine zentrale Rolle einnehmen. Dabei bestätigt sich Lawrence Lessigs Einschätzung: code is law. Der Beitrag wird diese Entwicklung mit Beispielen belegen und ihre Auswirkungen auf das Internet und die Idee staatlichen Privatrechts problematisieren.

CV
Alexander Peukert ist seit 2009 Professor für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt im internationalen Immaterialgüterrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Hauptantragsteller des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Vor seiner Berufung nach Frankfurt war Peukert als wissenschaftlicher Referent am
Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind die theoretischen Grundlagen und die internationale Regulierung des Immaterialgüter- und Wettbewerbsrechts. Zur Erklärung der globalen Proliferation der „intellectual property rights“ und der Wirkung der IP-Rechte in einer digitalisierten Welt verbindet Peukert rechtsdogmatische und rechtstheoretische Ansätze. Er ist Autor von „Güterzuordnung als Rechtsprinzip“ (2008), „Die Gemeinfreiheit. Begriff, Funktion, Dogmatik“ (2012) sowie „Urheber- und Verlagsrecht“ (gemeinsam mit M. Rehbinder, 17. A. im Erscheinen). Peukert unterrichtet internationales IP an den Universitäten Zürich, Strasbourg und Lyon III.

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Vortrag 3
Prof. Dr. Jeanette Hofmann (Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin):

Die Multi-Stakeholder-Semantik in der Internet Governance: Akteursformation und Möglichkeitsraum

Abstract
Der Multi-Stakeholder-Begriff ist im Bereich von Internet Governance im Zuge des Weltgipfels zurInformationsgesellschaft vor rund zehn Jahren populär geworden. In diesem Kontext bezeichnete er die Öffnung multilateraler Konferenzen für Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft. Seither hat das Multi-Stakeholder-Verfahren eine enorme Aufwertung erfahren. Heute stellt es ein nahezu selbstverständliches Attribut von Organisationen, Verfahren und Dokumenten dar und wird allgemein als legitimationssteigernd wahrgenommen. Ursprünglich stammt der Begriff Stakeholder aus der Betriebswirtschaftslehre und thematisiert die Beziehung eines Unternehmens zu seiner Umwelt in Gestalt von Interessen- oder Anspruchsgruppen. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche Bedeutungen das Multi-Stakeholder-Konzept im Bereich von Internet Governance angenommen hat. Die These ist, dass diese Bedeutungen einem anhaltenden Aushandlungsprozess
unterliegen. Verhandelt werden die relevanten Akteurskonstellationen und Verfahrensprinzipien von Multi-Stakeholder-Prozessen, aber auch deren Handlungskompetenzen und ihre Grenzen.

CV
Jeanette Hofmann ist Politikwissenschaftlerin und leitet am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung eine Projektgruppe zum Thema Politikfeld Internet. Sie ist Ko-Direktorin des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft, wo sie den Bereich Policy und Governance leitet und Professorin für Internetpolitik an der Universität der Künste. Ihre Forschungsinteressen richten sich auf die Regulierung des Internets und den Wandel des Urheberrechts. Von 2010 bis 2013 war sie Sachverständige in der Enquete-Kommission ‚Internet und digitale Gesellschaft‘ des deutschen Bundestags. Auf internationaler Ebene hat sie zwischen 2002 und 2005, zeitweilig als Mitglied der deutschen Delegation, am UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft mitgewirkt und beteiligt sich seit 2006 am Internet Governance Forum.

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Bildergalerie:

  • Dr. Thorsten Thiel (Chair), Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für internationale Organisationen und der Professur für internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Dr. Matthias C. Kettemann, Post Doc am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafprozessordnung der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosphie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Alexander Peukert, Professor für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Prof. Dr. Jeanette Hofmann, Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin

 

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Lübeckerstraße/Ecke Hansaallee
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel II: Multinormativität - Konstellationsanalysen

"Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen - Siebte internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Donnerstag, 20. November 2014, 17.15 bis 19.15 Uhr

Es ist nicht zuletzt die laufende Debatte um transnationales Recht, die das wissenschaftliche und politische Interesse an pluraler Normativität forciert. Aber auch andere Themen leisten zur neuen Konjunktur dieses rechtswissenschaftlichen Klassikers ihren Beitrag. Postkoloniale Perspektiven auf indigene Normativität sind relevant. Welt weite Migrationsströme führen zur Evidenz diverser Strukturen auch dort, wo man von diesem sozialen Tatbestand lange absehen wollte. Die politische Soziologie hat die Kriterien, mit denen sie die politischen Ordnungen beobachtet, zusehends von Government auf Governance umorientiert – mit dem Thema der ‚privaten Gesetzgebung’ im Fokus. Staatliche und nicht-staatliche Regulierung wird verflochten mit hybrider Normativität als Resultat. Und es wächst das Interesse an ‚vormodernen’ Verhältnissen mit ihrer allenfalls vagen Staatlichkeit und normativen Unübersichtlichkeit. All diese Bezugspunkte, die Gegenwarts- und Vergangenheitsgesellschaft übergreifen, führen hin zu empirischen Konstellationen von Rechtspluralismus (v. Benda-Beckmann), zu einem reichen Fundus von Beispielen ür Erscheinungsformen und Probleme von pluralen, oft hybriden Normativitäten.

Chair: Prof. Dr. Thomas Duve (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

CV
Thomas Duve ist Professor für vergleichende Rechtsgeschichte am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt und Direktor am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt. Er ist Principal Investigator am Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Herausgeber der Zeitschrift „Rechtsgeschichte – Legal History“, Mitherausgeber des „forum historiae iuris“, des „Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas - Anuario de Historia de América Latina“ sowie verschiedener Schriftenreihen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Rechtsgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne, mit einem Schwerpunkt auf der Rechtsgeschichte Hispanoamerikas. Neuere Publikationen: „Sonderrecht in der Frühen Neuzeit. Das frühneuzeitliche ius singulare, untersucht anhand der privilegia miserabilium personarum, senum und indorum in Alter und Neuer Welt“ (2008), „Katholisches Kirchenrecht und Moraltheologie im 16. Jahrhundert: Eine globale normative Ordnung im Schatten schwacher Staatlichkeit“, in: Kadelbach, Stefan/Günther, Klaus (Hrsg.): „Recht ohne Staat? Zur Normativität nichtstaatlicher Rechtsetzung“, 2011 und „Von der Europäischen Rechtsgeschichte zu einer Rechtsgeschichte Europas in globalhistorischer Perspektive“, in: Rechtsgeschichte – Legal History 20 (2012).

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Vortrag 1

Prof. Dr. Marie-Claire Foblets (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung)

A plea for Accommodation of Diversity within the State Legal Framework

Abstract
The vast majority of societies around the world have, over the past 30 years, become increasingly multiethnic and multicultural; this development raises serious questions regarding the legal techniques available for managing social cohesion. The contribution will be organised around three practical questions. The first question relates to the setting of cultural diversity: which arena in particular – geographic or regional – is at stake? The second question examines the origin of cultural diversity, that is to say the factors that have given rise to cultural diversity in the setting under scrutiny. The third question focuses on the interaction itself between law and cultural differences, and seeks to unravel the methods, solutions and processes utilized in each context in order to resolve disputes over culture and cultural differences. Ultimately, the purpose is to describe and examine how, in various settings, State legal institutions and practices, case law and legal experience treat cultural diversity: in a protective way or, on the contrary, by imposing various types of restrictions upon it? And to draw empirically based conclusions from the comparison of different experiences with accommodation of diversity within the State legal framework.

CV
Marie-Clarie Foblets, Lic. Iur., Lic. Phil., Ph. D. Anthrop. (Belgium), was for many years professor of Anthropology and of Law at the Universities of Leuven (Louvain) and Antwerp. She has held various visiting professorships both within and outside Europe. From 2005 to 2008 she served as Head of the ‘Department of Social and Cultural Anthropology’ at the Catholic University of Leuven, and from 2009 to 2012 she chaired the ‘Institute for Migration Law and Legal Anthropology’ at the Law Faculty in Leuven. In 2012 she joined the German Max Planck Society, to become Director of the newly established Department of Law and Anthropology, within the Institute of Social Anthropology in Halle a/d Saale. She has done extensive research and published widely on issues of migration law, including the elaboration of European migration law after the Treaty of Amsterdam (multi-layered governance), citizenship/nationality laws, compulsory integration policies, anti-racism and non-discrimination. In the field of anthropology of law, her research focuses on cultural diversity and legal practice, with special interest in the application of Islamic family law in Europe, and more recently in the accommodation of cultural and religious diversity under State law. In 2001 she was elected member of the Royal Academy of Sciences and Arts (Flanders/Belgium). She is also an honorary member of the Brussels bar. In 2004 she received the Francqui Prize, the most distinguished scientific award in the humanities in Belgium.

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Vortrag 2:

Prof. Dr. Miloš Vec (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Universität Wien)

Normcore: Soziale Regeln und Recht der Mode

Abstract
Wenn heute von den „Gesetzen der Mode“ (Barbara Vinken) die Rede ist, dann ist das nur noch metaphorisch gemeint. Man könnte von „Entrechtlichung“ sprechen; denn die Materie ist weitgehend aus Gesetzen verschwunden, den staatlichen Behörden außer Sichtweite geraten und vor Gerichten zumeist nicht verhandelbar. Vormoderne und Moderne scheinen hier noch musterhaft geschieden. Stattdessen bestimmen hauptsächlich soziale Regeln über die Angemessenheit der äußeren Erscheinung. Diese Normen sind kompliziert, sie sind saisonal, ortsabhängig und milieuspezifisch. Natürlich provoziert jede dieser Mode-Normen den kalkulierten Regelbruch und inszeniert ihn als Innovation – just wiederum im Namen der Mode selbst. Mode bedeutet daher stets die potenzielle Selbstaufhebung ihrer Maximen. Denn Regeln der Mode nehmen nicht Gott, Natur oder Vernunft als Normquelle oder Legitimation in Anspruch, sie sind vielmehr Ausdruck einer höchst wandelbaren sozialen Selbstregulierung der Gesellschaft. Verstöße bleiben dementsprechend ohne institutionelle Sanktion noch berühren sie das moralische Gewissen des Individuums. Fallweise bestehen dennoch auch rechtliche Normen, die Ge- und Verbote aussprechen, über die vor Gericht entschieden wird und die einer weitgehenden individuellen Freiheit in Kleiderfragen juristische Grenzen ziehen. Recht und Staat sind somit auch in der Moderne doch nicht ganz aus diesem Kräftefeld der Akteure eliminiert. Aber auch die Moral bestimmt in einigen Fällen über Angemessenheit. Diese Koexistenz, Kooperation und Konkurrenz von Normen verschiedener Qualität macht das Untersuchungsfeld der Kleidung zu einem besonders reizvollen Gegenstand für Fragen der Multinormativität. Denn hier besteht offenbar plurale und hybride Normativität in mehrfachem Sinne. Der Vortrag möchte diese Interaktion der verschiedenen normativen Sphären in rechtshistorischer und rechtstheoretischer Perspektive untersuchen.

CV
Miloš Vec, geboren 1966 in Frankfurt am Main, seit Oktober 2012 Professor für Europäische Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien. Zuvor Projektleiter am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und am Exzellenzcluster „Formation of Normative Orders“, Frankfurt am Main. Lehre an den Universitäten Hamburg, Berlin, Bonn, Frankfurt, Konstanz, Lyon, Tübingen und Vilnius. Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft 1997; Berufung zum Gründungsmitglied der „Jungen Akademie“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 2000; Nachwuchspreis der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur 2006; Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 2008; Fellow am Institute for Advanced Study (Wissenschaftskolleg) Berlin im akademischen Jahr 2011-12. Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Völkerrechts und der internationalen Beziehungen, Multinormativität, Recht in der Industriellen Revolution, Geschichte von Kriminalistik und Kriminologie.

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Vortrag 3

Dr. Stefan Kroll (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main):

 Die Entstabilisierung von Erwartungen durch die Verweigerung von Recht

 Abstract
Der Vortrag befasst sich mit der Situation der Multinormativität. Neben den auf der Strukturebene angesiedelten Fragen nach den Modi der Koexistenz   unterschiedlicher Normativität, eröffnet der Blick auf die Situation auch die Perspektive auf die Betroffenen von Multinormativität. In der Situation treffen die Struktur und der Akteur aufeinander. An der Situation kann beobachtet werden, wie sie sich gegenseitig prägen. Dies ist vor allem deshalb interessant, weil das Verhältnis verschiedener Normativitäten in unterschiedlichen historischen Situationen keiner bestimmten Hierarchie folgt, sondern kontingent zu sein scheint (Miloš Vec). Je nach Situation wird etwa in den internationalen Beziehungen Recht mobilisiert oder gemieden, es werden allgemeine oder exklusive Ordnungen ausgerufen. An der Völkerrechtsverweigerung gegenüber außereuropäischen Ländern im 19. Jh. wird deutlich, welche Folgen dies bisweilen haben kann. Die Entscheidung einzelner Akteure, diese Beziehungen nach nicht-rechtlichen Maßstäben zu gestalten, führte zu einer empfindlichen Störung der rechtlichen Funktion der Stabilisierung von Erwartungen.

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CV
Stefan Kroll st wissenschaftlicher Mitarbeiter der Goethe-Universität (Fachbereich Gesellschaftswissenschaften) und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Zuvor arbeitete er am LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ (Frankfurt), dem Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften (Göttingen), der Munk School of Global Affairs (Toronto) und dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (Frankfurt). Stefan Kroll wurde 2011 von der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen promoviert. Seine Dissertation wurde mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft und dem Friedrich-Christoph-Dahlmann-Preis ausgezeichnet. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Herausbildung weltgesellschaftlicher Strukturen, der Völkerrechtsgeschichte und den internationalen Beziehungen

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Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Thomas Duve (Chair), Professor für vergleichende Rechtsgeschichte der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Partner Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)
  • Prof. Dr. Marie-Claire Foblets, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
  • Prof. Dr. Milos Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und Assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Dr. Stefan Kroll, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für internationale Organisationen und der Professur für internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Post Doc am Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafprozessordnung der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Marie-Claire Foblets, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosphie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Marie-Claire Foblets, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
  • Dr. Lena Foljanty, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte
  • Prof. Dr. Susanne Schröter, Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"
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Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Lübeckerstraße/Ecke Hansaallee
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Panel I: Die Verrechtlichung der Welt und ihre Kritiker

"Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen - Siebte internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Donnerstag, 20. November 2014, 14.45 bis 16.45 Uhr

Mit dem Begriff der „Verrechtlichung“ der internationalen Beziehungen wird eine ganze Reihe von Phänomenen beschrieben. Die Tatsachen etwa, dass immer mehr internationale Verträge Staaten formale Rechte und Pflichten zuschreiben, dass internationale Gerichtshöfe und Schiedsgerichte im Streitfall zunehmend diplomatische Verhandlungen ersetzen, oder dass Individuen durch eine internationale Strafgerichtsbarkeit belangt werden können. Als schrittweises Vordringen der Rechtsherrschaft in die „Anarchie“ des Staatensystems wurden diese Entwicklungen lange Zeit fast einhellig begrüßt. Inzwischen mehren sich jedoch auch die kritischen Stimmen. Beklagt werden eine Aushöhlung nationaler Souveränität und demokratischer Selbstbestimmung, die fehlende Flexibilität internationaler Vertragswerke, die mangelnde Reaktionsfähigkeit in Krisenmomenten und die Diffusion politischer Verantwortung. Ist die „Verrechtlichung der Welt“ zu weit gegangen? Oder geht sie, im Gegenteil, noch längst nicht weit genug?

Chair: Prof. Dr. Stefan Kadelbach (Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Goethe-Universität Frankfurt am Main)

CV
Geboren 1959; 1979-84 Studium der Literatur- und Rechtswissenschaften in Tübingen und Frankfurt am Main; 1986 Hague Academy of International Law, 1987/88 University of Virginia; 1984-87 Referendariat; Promotion 1991 über das Thema „Zwingendes Völkerrecht“; Habilitation 1996 mit einer Arbeit zum Thema „Allgemeines Verwaltungsrecht unter europäischem Einfluss“; 1997-2004 o. Professor für Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; Gastprofessuren bzw. Vorlesungstätigkeit u.a. an der University of Virginia (1999), am Europäischen Hochschulinstitut Florenz (2000), am Institut für Staat und Recht der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau (2002/03) und an der Chuo-Universität Tokio (2004). Seit 2004 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“; seit 2014 Rapporteur des Human Rights Committee der International Law Association. Arbeitsgebiete: Verfassungs-, Europa- und Völkerrecht mit den Schwerpunkten Außenstaatsrecht, Föderalismus und Mehrebenensysteme, Grund- und Menschenrechte, Völkerrechtstheorie.

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Vortrag 1

Prof. Michelle Everson (Birkbeck University of London):

Crisis past and crisis yet to come: the fault of (European) law

Abstract
It is a commonplace that the discipline of economics contributed to crisis, above all, as economic methodologies contributed to the fatal inflation of debt risk. But what might be said of the role of law within this constellation? Much ink has been consumed detailing legal shortcomings within historical regulatory regimes for the financial services. However, a full accounting has yet to be made of the broader fault which may also be attributed to the premises of modern and increasingly post-national law, especially as they coalesce with a broader abdication of political responsibility for crisis. This lecture undertakes this accounting, investigating in legal theory particular, the processes whereby law has transformed itself into an economic technology within postnational regimes. Pre-empting the politics within which social and economic stability might be defi ned and achieved, an economic technology of law has also survived crisis. Still seeking its own material legitimacy in the flattened pursuit of universal welfare gain within the optimized allocative effi
ciency of new economic liberalisms, law has also emerged as one of the progenitors of crisis yet to come.


CV
Michelle Everson is Professor of Law at Birkbeck College University of London. She has written widely on European Regulatory and Constitutional Law (“The Making of the European Constitution: Judges and lawyers beyond the constitutive moment “ (Routledge: Cavendish 2007) deploying a wide range of critical legal methodologies. She has recently concentrated her research on financial services and the role played by law in economic crisis (“The Fault of (European) Law in (Political and Social) Economic Crisis“ , 24:59 Law & Critique (2013).

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Vortrag 2:

Dr. Matthias Goldmann (Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg):

Couper la tête du roi? Die Verrechtlichung informaler öffentlicher Gewalt als Herausforderung für die Rechtswissenschaft

Abstract
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts haben sich Tendenzen zur Verrechtlichung und zur Informalisierung der internationalen Beziehungen meistens die Waage gehalten. Jede Verrechtlichungswelle ging mit einer Zunahme der Zahl und Vielfalt informeller, völkerrechtlich unverbindlicher Interaktionsformen einher. Beide bilden heute ein eng verzahntes Geflecht für die Ausübung internationaler öffentlicher Gewalt. Nur selten kommt es zur Verrechtlichung informeller Interaktionsformen. Deren Persistenz lässt sich durch eine Reihe struktureller Gründe erklären. Doch gerade diese Gründe führen auch zu einer skeptischen Einschätzung der Legitimität informeller Interaktionsformen, und zwar weitgehend unabhängig von dem zugrunde gelegten Legitimitätsbegriff. Aus diskurstheoretischer Perspektive kann man die Legitimitätsprobleme informeller Interaktionsformen nur in den Griff bekommen, wenn man ihre Strukturen rechtlich rekonstruiert. Dies setzt ein Umdenken des völkerrechtlichen Rechtsbegriffs voraus, welches der von Foucault für die politische Theorie eingeforderten „Enthauptung des Königs“ entspricht.


CV
Matthias Goldmann studierte Jura in Würzburg und Fribourg. Seit 2004 ist er Mitarbeiter von Prof. Dr. Armin v. Bogdandy am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Nach dem 2. Staatsexamen und einem LL.M. an der New York University promovierte er 2013 an der Uni Heidelberg zum Begriff der Internationalen öffentlichen Gewalt (Springer 2014). Im Cluster koordiniert er das Teilprojekt zur „Ausübung öffentlicher Gewalt “ am Heidelberger MPI. Seine Habilitation widmet sich dem Zusammenspiel rechtlicher und finanzwissenschaftlicher Normativitäten. Wichtige Werke: „Developing the Publicness of Public International Law: Towards a Legal Framework for Global Governance Activities” German L. J. 9, 1375 (2008) (mit v. Bogdandy/Dann); „We Need to Cut Off the Head of the King: Past, Present, and Future Approaches to International Soft Law” , Leiden J. of Int’l L. 25, 335 (2012); „Dogmatik als rationale Rekonstruktion. Versuch einer Metatheorie am Beispiel  völkerrechtlicher Prinzipien“, Der Staat 53/3 (2014); sowie viele Schriften zur Staatsverschuldung.

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Vortrag 3

Prof. Dr. Jens Steffek
(Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Technische Universität Darmstadt):

Willkür, Kontingenz und internationales Recht

Abstract
Das Völkerrecht ist in keiner beneidenswerten Situation. Seine traditionellen Kritiker werfen ihm immer noch vor, dass mächtige Staaten internationale Rechtsnormen weitgehend folgenlos missachten können. Daneben ist inzwischen eine neue Art der Kritik getreten, die den Vorwurf gewissermaßen umdreht: dass das internationale Recht nicht zu schwach ist, sondern zu stark; dass es Bürger bevormundet und die parlamentarische Demokratie aushöhlt, gerade weil Staaten seine Normen regelmäßig beachten. In meinem Vortrag nähere ich mich dieser merkwürdigen Ambivalenz der Bewertung international gesetzten Rechts über das Begriffspaar der Willkür und Kontingenz. Traditionell eingesetzt als Instrument zur Einhegung negativ konnotierter Staatenwillkür hat das Völker- und Europarecht auch der positiv konnotierten Kontingenz und Reversibilität demokratischer Entscheidungsfindung Grenzen gesetzt. Ich werde untersuchen, ob nur eine kosmopolitische Demokratisierung, die der willkürbegrenzenden Rolle des Völkerrechts ein permanentes Forum
der ergebnisoffenen Neuverhandlung transnational gültiger Normen gegenüberstellt, diesen Konflikt aufheben kann.


CV
Jens Steffek ist seit 2010 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt „Transnationales Regieren“ an der Technischen Universität Darmstadt und Principal Investigator im Exzellenzcluster. Nach einem Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München promovierte er 2002 am Europäischen Hochschulinstitut mit einer Arbeit zu Fragen der Gerechtigkeit in der internationalen Handels- und Klimapolitik. Danach beschäftigte er sich als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bremen und der Jacobs University mit der Kooperation zwischen internationalen Regierungsorganisationen und nichtstaatlichen Akteuren. Aktuell arbeitet Jens Steffek an einer Ideengeschichte technokratischer Weltordnungsentwürfe und zum Verhältnis von Recht und internationaler Politik. Er hat sechs Bücher und rund 50 Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden publiziert. Seine Aufsätze erschienen unter anderem im European Journal of International Relations, Ethics & International Affairs, Government & Opposition und Review of International Studies.

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Bildergalerie:

  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosphie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Stefan Kadelbach, Chair (Professor für Öffentliches Recht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Prof. Dr. Stefan Kadelbach, Chair (Professor für Öffentliches Recht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Prof. Michelle Everson, Birkbeck University of London
  • Prof. Michelle Everson, Birkbeck University of London
  • Dr. Matthias Goldmann, Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg
  • Dr. Matthias Goldmann, Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg
  • Dr. Matthias Goldmann, Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg
  • Prof. Dr. Jens Steffek, Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Technische Universität Darmstadt
  • Prof. Dr. Jens Steffek, Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Technische Universität Darmstadt
  • Prof. Dr. Jens Steffek, Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Technische Universität Darmstadt
  • Prof. Dr. Jens Steffek, Principal Investigator des Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen", Technische Universität Darmstadt
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafprozessordnung der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Politische Theorie und Philosphie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr.  Katharina  Michaelowa, Wissenschaftlicher Beirat des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professorin für Politikwissenschaften an der Universität Zürich
  • Prof. Dr. Alexander Peukert, Professor für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Desirée Dietrich, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“
  • Prof. Dr. Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Strafprozessordnung der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann (Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt und Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“) und Prof. Sighard Neckel (Professor für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt, Principal Investigator des Excellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“) (v.l.)



Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Lübeckerstraße/Ecke Hansaallee
Gebäude "Normative Ordnungen", EG 01 und EG 02

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Das ethische Produkt, oder wie man Moral in Material übersetzt. Regeln für Herrscher von Qiu Jun (1421-1495)

Ringvorlesung "Translating Normativity: New Perspectives on Law and Legal Transfers"

16. Dezember 2014, 18.15 Uhr
Prof. Dagmar Schäfer (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin)

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, HZ10

Video:


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Abstract

Wie organisiert ein Staat handwerkliche Produktion? Eine klassische Antwort darauf gibt Qiu Jun im China des 15. Jahrhunderts: durch die Festlegung von Riten und die Kontrolle von Sitten und Gebräuchen. Dieser Beitrag diskutiert Qiu Juns Ideen zur Organisation von Staat und Handwerk und erläutert den Einfluss, den das diskursive Zusammenspiel von Ritus und Arbeitswelt auf technische und normative Vorgaben hatte. Nicht Gesetze oder technisches Regelwerk bestimmten das Verhältnis zwischen Staat, Gelehrtestem und Handwerk, sondern elementare Fragen nach Verantwortlichkeiten — wer weiß und wer handelt? Quelle der Untersuchung ist Qiu Juns Hauptwerk, die Erläuterungen zum großen Lernen, ein Regierungskompendium verfasst als Ratgeber für den Kaiser. Während des 15. Jahrhunderts
wird Qiu Juns Werk aufgrund seines pragmatischen Ansatzes zum kritischen Referenzpunkt der Wang Yangming Schule des intuitiven Lernens. Ende des 16. Jahrhunderts findet Qiu Juns Werk auch Eingang in Diskurse zur „Erörterung der Dinge und Handhabung der Angelegenheiten“ (gezhi bowu), die Jesuiten in enger Verbindung zur europäischen Tradition der scientia sahen.

CV

Dagmar Schäfer ist die Direktorin von Abteilung III, „Artefakte, Handeln und Wissen“, am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, sowie Professorin für Chinastudien und Technikgeschichte an der School for Arts and Languages der Universität Manchester. Sie ist Expertin für die Wissenschafts- und Technikgeschichte Chinas und bekam ihren Doktortitel 1996 von der Universität Würzburg verliehen. Außerdem hat sie an der Zhejiang Universität, VR China, an der Tsing-Hua-Nationaluniversität, Taiwan, und an der Pennsylvania Universität,
USA, studiert und gearbeitet. Zu ihren Veröffentlichungen gehören The Crafting of the 10,000 Things (University of Chicago Press, 2011) und Cultures of Knowledge: Technology in China (Brill, 2012).

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" in besonderer Zusammenarbeit mit dem Partner des Exzellenzclusters, dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte


 

 


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Normative Ordnungen der Zukunft

Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"

Gebäude „Normative Ordnungen“, Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main










Broschüre: Hier...

Plakat: Hier...

Programm:

Donnerstag, 21. November 2013
14:30 Uhr - 14:45 Uhr, Raum EG 01+02

Eröffnung der Jahreskonferenz 2013: Normative Ordnungen der Zukunft
Prof. Dr. Klaus Günther, Co- Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

14:45 Uhr - 16:45 Uhr, Raum EG 01+02

Panel des Forschungsfeldes III:
Die Umstrittenheit der internationalen Ordnungen
Chair: Prof. Olivier Jouanjan (Université de Strasbourg)

Prof. Dr. Michael Zürn (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)
Die Politisierung internationaler Institutionen – Vorbote einer postnationalen Konfliktlinie?

Prof. Dr. Gunther Hellmann (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Multilateralismus, Minilateralismus und Weltordnungspolitik

Dr. Sara Dezalay (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Prevent, Pacify and Punish. Non-governmental organizations in the international governance of social violence on the African continent

16:45 Uhr - 17:15 Uhr, Foyer im Erdgeschoss: Kaffee und Kuchen

17:15 Uhr - 19:15 Uhr, Raum EG 01+02

Panel des Forschungsfeldes II:
Kultur und Macht
Chair: Prof. Dr. Thomas M. Schmidt (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Prof. Dr. Claudia Rapp (Universität Wien)
Kaiser, Christentum und Macht, oder: Wer war schuld an der Institutionalisierung der Kirche?

Prof. Dr. Susanne Schröter (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Das Phänomen des Neo-Islamismus. Religiöse Kultur und politische Verflechtungen

Dr. des. Daniel Föller (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Politische Macht und Kriegerkultur im karolingischen Europa

Freitag, 22. November 2013
10:00 Uhr - 12:00 Uhr , Raum EG 01+02

Panel des Forschungsfeldes I:
Die Gegenwart der Zukunft. Nachhaltigkeit und ökologische Gerechtigkeit
Chair: Prof. Dr. Katharina Michaelowa (Universität Zürich)

Prof. Dr. Thomas Pogge (Yale University)
Stemming Climate Change and Eradicating Poverty: Competing Imperatives?

Prof. Dr. Darrel Moellendorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Dangerous Climate Change and Responsibility for Mitigation

Dr. Anja Karnein (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Addressing (Past) Pollution: The Beneficiary Pays Principle Revisited

12:00 Uhr - 13:00 Uhr: Raum 5.01 und Lounge: kleiner Mittagsimbiss

13:00 Uhr - 15:00 Uhr, Raum EG 01+02

Postdoc-Panel:
Krise und Entstehung
Chair: Dr. Dr. Milan Kuhli (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Dr. Kerstin Weiand (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Papsttum und Türkenfurcht. Die Osmanische Expansion als Mobilisierungs- und Dynamisierungsfaktor päpstlicher Politik

Dr. Lisa Herzog (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Persönliches Vertrauen, Rechtsvertrauen, Systemvertrauen. Zur Natur von Krediten und den Ursachen der Finanzkrise

Dr. Matthias C. Kettemann (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Die normative Ordnung des Internets. Probleme, Potenzial und Perspektiven der Internet Governance

15:00 Uhr  Ende der Jahreskonferenz 2013


Bildergalerie:

22. November 2013, 13:00 - 15:00 Uhr

Postdoc-Panel: Krise und Entstehung


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Audio:




Das Verhältnis zwischen Krise und Entstehung normativer Ordnungen ist vielschichtig: So können Krisen etwa zeitlich vorangehen und Platz schaffen für die Herausbildung neuer Ordnungen; sie können aber auch unmittelbar neue Werte und  Normen hervorbringen; und schließlich kann der die Herausbildung normativer Ordnungen begleitende Diskurs unter dem Paradigma stehen, krisenhafte Szenarien gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dies sind nur einige der möglichen Zusammenhänge zwischen beiden Größen, die im vorliegenden Panel von Postdocs des Exzellenzclusters analysiert werden. Die Beiträge spiegeln die drei Forschungsfelder des Clusters wider und beleuchten das wechselseitige Verhältnis von Krise und Entstehung aus ökonomischer und philosophischer Sicht (Lisa Herzog), aus historischem Blickwinkel (Kerstin Weiand) sowie aus politik- und rechtswissenschaftlicher Perspektive (Matthias C. Kettemann).

Chair: Milan Kuhli

Milan Kuhli, geboren 1979, ist seit 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft (1. Staatsexamen 2003) und der Mittleren und Neueren Geschichte mit den Nebenfächern Politologie und Zivilrecht (Magister 2005) in Frankfurt am Main absolvierte er das juristische Referendariat (unter anderem am Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe), das er im Jahre 2008 mit dem 2. juristischen Staatsexamen abschloss. Kuhli wurde mit einer völkerstrafrechtlichen Arbeit zum Dr. jur. (2008) und mit einer historischen Arbeit zum Dr. phil. (2011) promoviert. Gegenwärtig arbeitet er an einem strafrechtswissenschaftlichen Habilitationsprojekt zum Thema „Normative Tatbestandsmerkmale in der strafrichterlichen Rechtsanwendung“. – Aktuelle Veröffentlichungen: Das VStGB und das Verbot der Strafbegründung durch Gewohnheitsrecht (Berlin: Duncker & Humblot 2010); Carl Gottlieb Svarez und das Verhältnis von Herrschaft und Recht im aufgeklärten Absolutismus (Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2012); Kommentierung diverser §§, in: Matt/Renzikowski, StGB. Kommentar (München: Verlag Franz Vahlen 2013); Judicial Lawmaking, Discourse Theory, and the ICTY on Belligerent Reprisals (gemeinsam mit Klaus Günther), in: von Bogdandy/Venzke, International Judicial Lawmaking (Heidelberg et al.: Springer 2012), S. 365-385.


Vortrag 1:

Papsttum und Türkenfurcht. Die Osmanische Expansion als Mobilisierungs- und Dynamisierungsfaktor päpstlicher Politik

Kerstin Weiand

Die Auseinandersetzung der europäischen Mächte mit dem Osmanischen Reich ist zweifellos ein Schlüsselkonflikt der Epoche, der in der Wahrnehmung der Zeitgenossen eine besondere Stellung einnahm. Begründet liegt dies in der Dauer und Vehemenz dieses Konfliktes, der sich mit unterschiedlichen Konjunkturen vom 15. bis ins 19. Jahrhundert hinzog. Vor allem aber steht es im Zusammenhang mit seiner Deutung als existentieller Überlebenskampf des christlichen Europas gegen einen islamischen Orient. In der aktuellen Forschung haben Untersuchungen zum Osmanischen Reich Konjunktur. Trotz dieser Aufmerksamkeit ist die Frage, welche Auswirkungen diese Dauerkrise auf den Wertehaushalt der politischen Akteure und auf die sich daraus ergebenden Handlungsimperative hatte, bislang nicht untersucht worden. Wie veränderten sich Normgefüge und damit verbunden politische Handlungsräume unter dem Eindruck einer existentiellen Bedrohung? Diese Frage ist der Ausgangspunkt eines Forschungsprojekts, dessen Konzeptionierung im Zentrum des Vortrags stehen wird.

Kerstin Weiand ...
... studierte Geschichtswissenschaften und Klassische Philologie an der Philipps-Universität Marburg und an der Università degli studi in Florenz. Im Jahr 2012 wurde sie in Marburg mit einer Arbeit zur Entstehung und Etablierung normativer Leitbilder im England der Stuartzeit promoviert. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin war Kerstin Weiand an der Società Internazionale per lo Studio del Medievo Latino (SISMEL) in Florenz, an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie an der Philipps-Universität Marburg tätig. In den Jahren 2010 und 2011 war sie Forschungsstipendiatin am Institut für Europäische Geschichte in Mainz. Seit Oktober 2013 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Das Forschungsprojekt fragt mit Blick auf das römische Papsttum danach, wie sich Normgefüge unter dem Eindruck der als existentiell empfundenen Bedrohung durch die Osmanische Expansion in der Frühen Neuzeit veränderten und welche Auswirkungen dies auf die sich aus diesen Normgefügen ergebenden Handlungsimperative hatte.

Vortrag 2:

Persönliches Vertrauen, Rechtsvertrauen, Systemvertrauen. Zur Natur von Krediten und den Ursachen der Finanzkrise

Lisa Herzog

Nicht zu wenig, sondern zu viel Vertrauen hat die Finanzkrise von 2008 ausgelöst - allerdings von Vertrauen einer speziellen Art. Dieser Vortrag analysiert verschiedene Formen von Vertrauen, ihre normativen Implikationen, und ihr Zusammenspiel im Vorlauf der Krise von 2008. Während persönliches Vertrauen offensichtlich durch implizite Normen, z.B. in Bezug auf epistemische Offenheit, geprägt ist, kann es durch Formalisierung und Legalisierung ersetzt werden durch Systemvertrauen, das von den persönlichen Charakteristika der Vertragsparteien weitgehend absieht. Dieses Systemvertrauen verband sich vor 2008 mit Marktvertrauen im Sinne des Sich-Verlassens auf die Urteilskraft des Marktes sowie Staatsvertrauen im Sinne der Hoffnung, dass ein vollständiger Zusammenbruch des Finanzsystems von den politischen  Akteuren nicht zugelassen würde. Aufgrund der hierarchischen Struktur des Finanzsystems wurde in und nach der Krise jedoch das Vertrauen verschiedener Akteure unterschiedlich stark enttäuscht, wie die Forschung zu „law and finance“ zeigt. Aus dieser Analyse ergeben sich einerseits Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und andererseits Fragen danach, welche Formen von Vertrauen welche Bereiche von komplexen Gesellschaften strukturieren sollen.

Lisa Herzog, ...

... Jahrgang 1983, studierte Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Politologie und Neuere Geschichte in München und Oxford. Von 2008-2011 promovierte sie als Rhodes Scholar an der Universität Oxford („Inventing the Market. Smith, Hegel, and Political Theory“, Oxford University Press, 2013). Nach Stationen an den Universitäten TU München, St. Gallen und KU  Leuven ist sie seit April 2011 Postdoc am Institut für Sozialforschung und am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ im Projekt „Normative Akteure am Finanzmarkt“. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Philosophie und Ökonomie, derzeit mit besonderen Schwerpunkten auf dem Verhältnis von moralischen Individuen und Institutionen und Ethik am Finanzmarkt. Demnächst erscheinen von ihr „Der Wert des Marktes“ (Hg. mit Axel Honneth, Suhrkamp) und „Freiheit gehört nicht nur den Reichen. Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus“ (Beck).

Vortrag 3:

Die normative Ordnung des Internets. Probleme, Potenzial und Perspektiven der Internet Governance

Matthias Kettemann

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum: Doch wer schützt E-Mails deutscher Staatsbürger vor US-Geheimdiensten oder  internationalen Unternehmen? Wer garantiert die Stabilität, Integrität und Funktionalität des Internets? Und was kann das Völkerrecht angesichts konfligierender Rechtsordnungen und divergierender Machtverhältnisse leisten? Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen des Internets fokussieren das Interesse der Staaten der Welt auf dessen Regulierung und wecken normative Begehrlichkeiten. Vor dieser Folie zeige ich die Grundlagen für die Herausbildung der normativen Ordnung des Internets und dessen Implikationen auf. Zunächst widme ich mich der normativen Ordnung des Internets und untersuche die normativen Grundlagen und ihre Prinzipien und Prozesse. Sodann lege ich die Grundlage für eine Legitimation der normativen Ordnung des Internets und analysiere Rechtfertigungsnarrative und Rechtfertigungsansprüche. Im abschließenden rechtspolitischen Teil schließt sich die Reflexionsschleife mit Untersuchungen zu Perspektiven der Institutionalisierung der Internet Governance und deren Implikationen für andere normative Ordnungen.

Matthias C. Kettemann, ...
... Jahrgang 1983, studierte Rechtswissenschaften in Graz und Genf und war Fulbright und Boas Scholar an der Harvard Law School (LL.M. 2010). 2012 promovierte er an der Karl-Franzens-Universität Graz mit einer Arbeit zur Zukunft des Individuums im Völkerrecht. 2006 bis 2013 war er Universitätsassistent und Lektor am Institut für Völkerrecht und Internationale Beziehungen der Universität Graz. Seit Oktober 2013 forscht er als Post-Doc Fellow am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo er sich zur normativen Ordnung des Internets habilitiert. Er ist Co-Chair der Internet Rights and Principles Coalition, hat für den Europarat, das Europäische Parlament und das Internet & Society Co:llaboratory geforscht und publiziert regelmäßig zu Rechtsfragen des Internets. 2013 erschien von ihm The Future of Individuals in International Law (Utrecht) und als (Mit-)Herausgeber European Yearbook on Human Rights 2013 (Wien), Grenzen im Völkerrecht (Wien) und Netzpolitik in Österreich. Internet. Macht. Menschenrechte (Wien).

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22. November 2013, 10:00 - 12:00 Uhr

Panel des Forschungsfeldes I: Die Gegenwart der Zukunft. Nachhaltigkeit und ökologische Gerechtigkeit

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At present we can only conjecture what conflicts with respect to the justice of a global normative order will be triggered by the predicted changes in the global climate, if we think of distribution conflicts over increasingly scarce resources in the seriously affected regions and social and cultural struggles that could be triggered once the predicted mass migrations to the more favorable climatic zones begin. With a thematic focus on intergenerational justice, poverty and climate change, the panel explores the normative bases of different conceptions of a just world order, with a particular emphasis on the responsibilities that follow from that for present and/or future generations.

Chair: Katharina Michaelowa
Katharina Michaelowa (Ph.D. 1998, Hamburg) is Professor of Political Economy and Development at the University of Zurich. She studied Economics at the Universities of Mannheim (Germany) and at the Delhi School of Economics (India). Before joining the University of Zurich she held positions at the OECD in Paris and at the Hamburg Institute of International Economics (HWWI). From January 2009 to December 2011 she was the Director of the Center for International and Comparative Studies (CIS) at the University of Zurich and ETH Zurich. She currently chairs the Working Group on “Development Economics” of the German Economic Association and co-chairs the Working Group “Environment & Development” of the Swiss Political Science Association. Moreover, she is a member of the National Research Council of the Swiss National Science Foundation. Her research focuses on the areas policies and politics in developing countries, international development cooperation, and international climate policy, and led to over 70 publications including several books, and articles in journals such as Public Choice, the Journal of the Royal Statistical Society, World Development, the Review of International Organizations and Climatic Change.



Vortrag 1:

Stemming Climate Change and Eradicating Poverty: Competing Imperatives?

Thomas Pogge

Many people vaguely believe that the fight against pollution and climate change is at cross-purposes with the fight against poverty. A simple argument for this hypothesis goes as follows: „Reductions in poverty increase human population as those who escape extreme poverty will enjoy longer lives. The effect is substantial as about half of current poverty deaths (9 out of 18 million) are children under 5. If we enable these children to survive, most of them will reproduce (and thereby aggravate ecological burdens). This will invariably accelerate climate change and aggravate ecological burdens more generally (including depletion of non-renewable natural resources), as these are positively correlated with population. There is no reason to think that ecological footprint per person declines meaningfully with the number of persons. Therefore, more people means more rapid exhaustion of our planetary resources.“ The lecture will examine this supposed competition of goals in detail.

Thomas Pogge ...

... ist Leitner Professor für Philosophie und internationale Angelegenheiten und Gründungsdirektor des Programms für globale Gerechtigkeit an der Yale Universität (pantheon.yale.edu/~tp4), Forschungsdirektor am Centre for the Study of Mind in Nature an der Universität Oslo und Teilzeitprofessor am Kings College London und den Universitäten Sydney und Central Lancashire. Er ediert den Bereich soziale und politische Philosophie der Stanford Encyclopedia of Philosophy und ist Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften. Seine jüngsten Bücher sind Weltarmut und Menschenrechte: Kosmopolitische Verantwortung und Reformen (Berlin 2011), Kant, Rawls, and Global Justice (Chinesisch, Shanghai 2010), Politics as Usual: What Lies behind the Pro-Poor Rhetoric? (Cambridge 2010), Gerechtigkeit in der Einen Welt (Essen 2009), Hacer justicia a la humanidad (Mexiko Stadt 2009), The Health Impact Fund (mit Aidan Hollis, Oslo 2008), John Rawls: His Life and Theory of Justice (Oxford 2007); und, als (Mit-)Herausgeber, Global Financial Crisis: the Ethical Issues (Basingstroke 2011), Incentives for Global Public Health (Cambridge 2010), Giving Well (Oxford 2010), Health Rights (Farnham 2010), Absolute Poverty and Global Justice (Aldershot 2009), Global Justice/Global Ethics: Seminal Essays (2 Bände, St. Paul 2008), Freedom from Poverty as a Human Right (Oxford 2007). Pogge ist Präsident der Organisationen Academics Stand Against Poverty (ASAP; www.academicsstand.org), die durch internationale Kollaboration von Forschern, Lehrenden und Studierenden zur weltweiten Armutsbekämpfung beiträgt, und Incentives for Global Health (Strukturanreize für globale Gesundheit e.V.; www.healthimpactfund.org), die durch ein neues Finanzierungsinstrument für pharmazeutische Forschung den Zugang zu neuen Medikamenten strukturell zu verbessern sucht.

Vortrag 2:

Dangerous Climate Change and Responsibility for Mitigation

Darrel Moellendorf

Unmitigated climate change is widely regarded as dangerous. But because the evaluation of a course of action as dangerous is normative, the contribution of the natural and social sciences to such an evaluation is insufficient. In this presentation I argue that the reasons that we have to avoid poverty are key to the identification of climate change as dangerous. These reasons are also important in the distribution of the responsibility of the present (and near future) generations to mitigate climate change.

Darrel Moellendorf ...

... is a Professor of International Political Theory at Goethe-Universität Frankfurt am Main. He is the author of Cosmopolitan Justice (2002), Global Inequality Matters (2009), and The Moral Challenge of Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy (2014). He co-edited (with Christopher J. Roederer) Jurisprudence (2004), (with Gillian Brock) Current Debates in Global Justice (2005), (with Thomas Pogge) Global Justice: Seminal Essays (2008) and (with Heather Widdows) The Handbook of Global Ethics (2014). He has been Member of the School of Social Sciences at the Institute for Advanced Study (Princeton) and a Senior Fellow at Justitia Amplificata at Goethe-Universität Frankfurt and the Forschungskolleg Humanwissenschaften.


Vortrag 3:

Addressing (Past) Pollution: The Beneficiary Pays Principle Revisited.

Anja Karnein

Climate change requires helping the most vulnerable countries adapt to severe atmospheric conditions. But who should do so and for what kinds of reasons? Unfortunately, it is far from obvious on what normative grounds such assistance should be provided. There are mainly three options referred to by scholars and politicians: the polluter pays principle (PPP), the ability to pay principle (APP), and the beneficiary pays principle (BPP). Especially in the case of addressing the detrimental effects of past pollution, the BPP is a very widely endorsed principle. However, I argue that the mere fact of having benefited cannot provide the necessary grounds for establishing special obligations to assist victims of past pollution. I will show that additional factors, such as moral responsibility or wealth, have to be present for benefits to generate obligations. But once these additional factors have been identified, having benefitted (alone) appears not to be particularly relevant.

Anja Karnein ...

... is a junior faculty member at Goethe University Frankfurt where she teaches political theory and philosophy. After completing her Ph.D. at Brandels University she was a Visiting Fellow at the Edmond J. Safra Foundation Center for Ethics at Harvard University and, following that, Post-doctoral Research Fellow at the Institute for Society and Genetics at the University of California, Los Angeles. Additionally, she has been Visiting Scholar at the Center for Bioethics at New York University and in the Law and Philosophy Program at the University of California, Los Angeles. She has been a regular Visiting Professor at Karl-Franzens University Graz since 2012. Her first book, A Theory of Unborn Life: From Abortion to Genetic Manipulation, appeared with Oxford University Press (2012) and, for the German translation, with Suhrkamp Verlag (2013). Currently, she is working on her second book on intergenerational justice and climate change.

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21. November 2013, 17:15 - 19:15 Uhr

Panel des Forschungsfeldes II: Kultur und Macht


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Mit Blick auf den „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ wird inzwischen verstärkt diskutiert, welche Rolle öffentlichen Debatten über Macht und über Kultur zukommt: Handelt es sich bei Debatten über kulturelle Themen wie Kunstwerke und künstlerischer Darbietungen um Kommunikation, die (auch) politische Ohnmacht der Öffentlichkeit widerspiegeln? Oder werden in Debatten über Kultur Techniken, Fragestellungen und Themen eingeübt, die notwendigerweise auf eine politische Welt zurückschlagen, die in welcher Form auch immer auf analoge Praktiken der Repräsentation von Macht, Einfluss und Legitimität angewiesen ist? Oder ist die Beziehung beider Sphären gar nicht eindeutig zu fassen? Die Vorträge dieses Panels widmen sich Kulturen der Macht beziehungsweise Macht der Kultur(en) an Fallstudien, die geeignet sind, die Spannweite möglicher Antworten chronologisch und thematisch umfassend auszuloten.

Chair: Thomas M. Schmidt

Thomas M. Schmidt ist Professor für Religionsphilosophie am Fachbereich Katholische Theologie und kooptierter Professor am Institut für Philosophie der Goethe-Universität. Als Angehöriger des Exzellenzclusters leitet er u. a. das Forschungsprojekt „Religiöse Überzeugungen in normativen Ordnungen“. Vor seiner Berufung nach Frankfurt lehrte Schmidt als Assistenzprofessor für Philosophie an der California State University in Long Beach. Er hatte Gastprofessuren an der St. Louis University (2001) und an der University of Washington, Seattle (2004) inne. Der Religionsphilosoph ist Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs „Theologie als Wissenschaft“; er war Fellow am Helsinki Collegium für Advanced Studies (2009) und am Max-Weber-Kolleg Erfurt (2011-2012). Zu seinen Publikationen gehören (als Mitherausgeber) die Sammelbände „Religion in der pluralistischen Öffentlichkeit“ (2008), „Moderne Religion? Theologische und religionsphilosophische Reaktionen auf Jürgen Habermas“ (2009), „Herausforderungen der Modernität“ (2012) und das„Handbuch Säkularisierung“ (im Erscheinen).


Vortrag 1:

Kaiser, Christentum und Macht, oder: Wer war schuld an der Institutionalisierung der Kirche?

Claudia Rapp

In der Übergangszeit der Spätantike ist das Erstarken des Christentums eines der historisch wirkmächtigsten Phänomene. Die einst verfolgte Sekte entwickelte sich innerhalb von weniger als drei Generationen zur Staatsreligion mit einem großen Verwaltungsapparat. Welche Faktoren dabei im Spiel waren, ist immer wieder kontrovers diskutiert worden. War es der Kaiser, der sich die Kirchenorganisation zu eigen machen wollte, um seine Machtposition zu stärken? Oder war es die Kirche selbst, die sich nach der Macht drängte, und damit riskierte, ihrem ursprünglichen Auftrag untreu zu werden? Diese Fragen und der Forschungsansatz, auf dem sie beruhen, sollen in diesem Vortrag kritisch beleuchtet werden.

Claudia Rapp ...

... ist seit 2011 Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien. Außerdem ist sie Leiterin der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Scholarly Director des Sinai Palimpsests Project. Im Mai wurde sie zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Nach dem Studium in Berlin und der Promotion in Oxford lehrte sie 22 Jahre in den Vereinigten Staaten, erst an der Cornell University und dann an der University of California, Los Angeles. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten sie nach Princeton, Utrecht, Budapest, Jerusalem, Oxford und Paris. Ihr Forschungsgebiet ist die Kulturgeschichte in Spätantike und Byzanz, wobei viele ihrer Veröffentlichungen sich mit der sozialgeschichtlichen Rolle des Christentums befassen. Ihr erstes Buch 'Holy Bishops in Late Antiquity: The Nature of Christian Leadership in an Age of Transition‘ wird gerade als Taschenbuch neu aufgelegt. Ihr zweites Buch 'Brother-Making in Late Antiquity and Byzantium: Monks, Laymen and Christian Ritual‘ wird nächstes Jahr bei Oxford University Press erscheinen.

Vortrag 2:

Das Phänomen des Neo-Islamismus. Religiöse Kultur und politische Verflechtungen

Susanne Schröter

Postsäkulare Entwicklungen oder der „Rückkehr der Religionen“ werden in Bezug auf die islamische Welt auch im Hinblick auf politische Dynamiken diskutiert. Zwei Positionen lassen sich ausmachen. Die einen zitieren die Anschläge von Jihadisten, um das Schreckgespenst einer entfesselten Religion an die Wand zu malen, deren finales Ziel erst mit dem Errichten islamischer Diktaturen erreicht sein würde. Die anderen fokussieren vornehmlich auf islamistische  rganisationen und meinen festgestellt zu haben, dass die Faszination des Islamismus nicht von Dauer ist und sich islamistische Akteure im Kontakt mit der Demokratie und durch demokratische Verfahren von ihren ursprünglichen Zielen abwenden, der politische Islam zu einem kulturellen modifiziere und dieser schließlich durch Marktwirtschaft, Konsum und einen der Moderne inhärenten Individualismus zum „Post-Islamismus“ transformiere. Susanne Schröter zeigt am Beispiel aktueller Entwicklungen in Südostasien und Nordafrika, dass beide Tendenzen gleichzeitig vorhanden sind, der kulturelle Islamismus aber keinesfalls immer ein Resultat der Überwindung des politischen Islamismus, sondern vielfach auch dessen Anfang darstellt.

Susanne Schröter ...

... war Lehrstuhlinhaberin für Südostasienkunde an der Universität Passau, bevor sie 2008 auf die Professur für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an die Goethe-Universität Frankfurt berufen wurde. Forschungsinteressen: Kulturelle und politische Transformationen in der islamischen Welt, islamischer Feminismus, Herausforderungen der multiplen Moderne. Jüngste Publikationen: „Gender and Islam in Southeast Asia. Women’s Rights Movements, Religious Resurgence and Local Traditions“. Leiden: Brill, 2013; Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt. Bielefeld: Transcript, 2013; „Tunesien. Vom Staatsfeminismus zum revolutionären Islamismus“. In: Schröter, Susanne (Hg.): „Geschlechtergerechtigkeit durch Demokratisierung? Transformationen und Restaurationen von Genderverhältnissen in der islamischen Welt“. Bielefeld: Transcript, S. 17-44, 2013, (zusammen mit Sonia Zayed).

Vortrag 3:

Politische Macht und Kriegerkultur im karolingischen Europa

Daniel Föller

Wie in den meisten nichtmodernen Gesellschaften war auch in der Karolingerzeit (8./9. Jh. n. Chr.) die Ausübung oder plausible Androhung militärischer Gewalt eines der wichtigsten Mittel politischer Macht. Das moderne Verständnis dieses Machtmittels wurde allerdings lange von späteren vormodernen Konzepten determiniert, deren Wurzeln in der karolingischen Periode vermutet wurden: dem Rittertum, der dreiteiligen Gesellschaftsordnung Alteuropas, dem Lehnswesen. Die  Deutungsmacht dieser zukünftigen normativen Ordnungen führte zu einer verzerrten Sicht auf die frühmittelalterlichen Militäreliten, die primär durch spezifische Rechtsformen und Besitzverhältnisse definiert zu sein schienen. Empirische Befunde vor allem aus dokumentarischem Material verdeutlichen allerdings, dass die Präsenz und Ausformung dieser Faktoren bei klar identifizierbaren Militärakteuren stark variierten. Rechtsstatus und Besitzverhältnisse können daher kaum als konstitutiv für die Frage gelten, wer am Machtmittel der militärischen Gewalt in der Karolingerzeit partizipieren konnte. In Abgrenzung zu den bisherigen Erklärungsmodellen erscheint hier vielmehr ein Faktor als bedeutend, der von der Forschung bislang kaum beachtet wurde: die von den Militäreliten tatsächlich geübten oder ihnen zugeschriebenen soziokulturellen Praxen, die „karolingische Kriegerkultur“, wenn man so will. Es soll diskutiert werden, ob es sich hierbei um einen „Habitus“ im Sinne Pierre Bourdieus handelt, und welche normativen Wirkungen dieser in der Gesellschaft der Karolingerzeit entfaltete.

Daniel Föller, ...

... geboren 1977, studierte 1997 bis 2005 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Mittlere und Neue Geschichte, Alte Geschichte, Ältere Skandinavistik und Germanistik. Er forschte und lehrte am MPI für europäische Rechtsgeschichte, den Universitäten Frankfurt und Mainz sowie dem DHI Paris. 2012 wurde er an der Goethe-Universität mit einer Dissertation zu kognitiven Strategien im wikingerzeitlichen Skandinavien (8. –11. Jh.) promoviert; die Arbeit wurde mit dem Stiftungspreis Kopper der Stiftung „pro universitate“ ausgezeichnet. Seit Sommer 2013 arbeitet er am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an seinem Habilitationsprojekt zur Kultur von militärischen Gewaltakteuren im karolingischen Europa (8./9. Jh.). Neben der mittelalterlichen Geschichte forscht er auch im Bereich der Byzantinistik. Er ist Mitglied der „Interfaces Group“, einem internationalen Netzwerk von philologisch orientierten Mediävisten, aus deren Kooperation das „Centre for Medieval Literature“ (Odense/York) hervorging. Seine Publikationen umfassen außer Aufsätzen und Rezensionen noch eine kurze Einführung in die Geschichte des früh- und hochmittelalterlichen Skandinavien (Wikinger. Wissen was stimmt, Freiburg: Herder 2011) sowie 169 Lemmata zu skandinavischen Byzanzreisenden in der zweiten Abteilung (867–1025) der „Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit“ (9 Bände, Berlin u. a.: De Gruyter 2009–2013).

 

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21. November 2013, 14:45 - 16:45 Uhr

Panel des Forschungsfeldes III: Die Umstrittenheit der internationalen Ordnungen


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Das Vokabular der Beschreibung normativer Ordnungen der Politik im globalen bzw. transnationalen Rahmen ist geprägt von Unterscheidungen zwischen Akteursgruppen und Handlungsweisen, die dem Staat selbst dann eine herausragende Stellung einräumen, wenn diesem nicht eine zentrale Prägekraft bei der Transformation weltpolitischer Ordnungen zugewiesen wird. Die Kategorie der „nicht-staatlichen Akteure“ spiegelt diese Betrachtung und die darunter subsumierten Akteure haben von diesem Wandel auch erheblich profitiert. Entsprechend komplexer stellt sich die Analyse und Bewertung globaler Veränderungen dar. Wie das Verhältnis zwischen Staaten und (unterschiedlichsten Ausprägungen von) nicht-staatlichen Akteuren zu beschreiben ist, welche Dynamiken sich aus diesem Wechselspiel ergeben und wie sich dies in der Transformation internationaler Ordnungen manifestiert ist Gegenstand dieses Panels.

Chair: Olivier Jouanjan

Olivier Jouanjan ist Professor für öffentliches Recht an der Universität Strasbourg und Honorarprofessor an der Universität Albert Ludwig de Fribourg-en-Brisgau. Er ist Direktor des Forschungsinstituts Carré de Malberg.  Seine Arbeitsschwerpunkte sind nationales und vergleichendes öffentliches Recht, deutsches öffentliches Recht, Rechtstheorie und juristische Methoden sowie Geschichte des juristischen Denkens. Einige seiner wichtigsten Publikationen sind: Le principe d’égalité devant la loi en droit allemand (1992), Figures de l‘État de droit. Le Rechtsstaat dans l‘histoire intellectuelle et constitutionnelle de l‘Allemagne moderne (2001), Une histoire de la pensée juridique en Allemagne (1800-1918) (2005) und (zusammen mit Johannes Masing) Weltanschauliche Neutralität (2013). Darüber hinaus hat er unter anderem die Übersetzung und Einleitung verfasst von Ernst-Wolfgang Böckenförde, Le droit, l‘État et la constitution démocratique. Essais de théorie juridique, politique et constitutionnelle (2000).
Herr Jouanjan war leider verhindert, Klaus Dieter Wolf agierte an seiner Stelle als Chair des Panels.


Vortrag 1:

Die Politisierung internationaler Institutionen – Vorbote einer postnationalen Konfliktlinie?

Michael Zürn

Internationale Institutionen werden zunehmend ein Gegenstand der politischen Auseinandersetzung, sie werden politisiert. Diese Politisierung kann als Voraussetzung der Demokratisierung gesehen werden. Sie kann aber auch den Stoff für eine Konfliktlinie bilden, die sich nicht mehr im Nationalstaat manifestiert, sondern über dessen Grenzen hinausreicht und sie zugleich zum Gegenstand hat.

Michael Zürn ...

... ist Direktor der Forschungsabteilung Global Governance am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, Berlin (WZB) und Professor für Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin. Er war Gründungsrektor der Hertie School of Governance und ist Mitglied der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Global Governance, Autorität und Legitimität internationaler Institutionen und die Verrechtlichung in der internationalen Politik. Wichtige Publikationen: Bringing Sociology to International Relations. World Politics as Differentiation Theory, Cambridge, Cambridge University Press, 2013 (Hg. zusammen mit Mathias Albert und Barry Buzan); Die Politisierung der Weltpolitik. Umkämpfte internationale Institutionen, Berlin, Suhrkamp, 2013 (Hg. zusammen mit Matthias Ecker-Ehrhardt); The Dynamics of the Rule of Law in an Era of International and Transnational Governance, Cambridge University Press, 2012 (Hg. zusammen mit Andre Nollkaemper and Randy Peerenboom); On Fragmentation, Differentiation and Coordination. In: Global Environmental Politics, 13:3, 119-130 (zusammen mit Benjamin Faude); Can the Politicization of European integration be Reversed? in: Journal of Common Market Studies, 2012, S1:50, 137-153 (zusammen mit Pieter de Wilde); International authority and its politicization, in: International Theory, 2012, 4:1, 69–106 (zusammen mit Martin Binder, Matthias Ecker-Ehrhardt). Perspektiven des demokratischen Regierens und die Rolle der Politikwissenschaft im 21. Jahrhundert, in: Politische Vierteljahresschrift, 52:4, 2011, 603-635.

Vortrag 2:

Multilateralismus, Minilateralismus und Weltordnungspolitik

Gunther Hellmann

Unter den konkurrierenden Beschreibungen von Weltordnungen ragen seit jeher solche „liberalen“ bzw. „realistischen“ Ursprungs hervor – Beschreibungen, die den Beziehungen zwischen Staaten entweder einen gehaltvollen, genuin sozialen Charakter zuweisen oder sie auf ein Verhältnis analog zu einem Billardspiel reduzieren. Multilateralismus und Mächtegleichgewicht fungieren in diesen rivalisierenden Beschreibungsweisen nicht nur als konzeptuelle Anker theoretischer Selbstvergewisserung, sondern auch als idealtypische Referenzpunkte zeitdiagnostischer Analyse. Gegenwart und Zukunft liberaler Weltordnungspolitik erscheinen in diesem Lichte derzeit recht düster.

Gunther Hellmann ...
... ist Professor für Politikwissenschaft an der Goethe Universität und Principal Investigator im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Theorie der internationalen Beziehungen, insbes. Theorie der Außenpolitik, deutsche und europäische Außenpolitik sowie euro-atlantische Sicherheitsbeziehungen. Seit 2002 ist er einer der Herausgeber der „Zeitschrift für Internationale Beziehungen“ (ZIB), seit 2012 Associate Executive Secretary des „World International Studies Committee“ (WISC). Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten ihn an das SAIS Bologna Center der Johns Hopkins University („Steven Muller Chair in German Studies“ 2008/09), zum Dartmouth College („Harris Distinguished Visiting Professor“, Sommer 2012) sowie als „Senior Fellow“ im Rahmen des Forschungsprogramms „The Future of the Western Liberal Order“ an die Transatlantic Academy in Washington, D.C. (2012/13).

Vortrag 3:

Prevent, Pacify and Punish. Non-governmental organizations in the international governance of social violence on the African continent

Sara Dezalay

Anchored in a political sociology of international relations and international law this presentation is based on extensive fieldwork carried out across sectors of expertise and practices contributing, in the North (World Bank; European Commission; Foundations; NGOs; think tanks), to the management of violent conflict in the African South. It suggests a novel approach to retrace the historical genesis and the deployment, across these scholarly and policy sectors since the 1980s of a “common sense” in the internationalized management of violent conflicts in the African South: the necessity to prevent violent conflicts, to pacify them, and to punish perpetrators of violence. Its empirical entry-point is a study of the social and political usages of the law by NGOs based in Europe and the US operating in the sectors of human rights, humanitarianism, development, and conflict resolution and prevention.

Sara Dezalay ...

... is a lawyer and political sociologist and Research fellow at the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, Goethe University, Frankfurt. Her areas of expertise cover international crimes, armed conflicts, and global justice. Her doctoral research, at the European University Institute, underlined transformations and circulations of expertise and practices over the management of violent conflict in African countries across sectors of intervention in the North (development; humanitarian action; rule of law reforms). Her current research focuses on the expansion of the field of global justice and the transformation of political legitimacy at the international and domestic level, by studying both the professional trajectories of lawyers and other professionals operating within the International Criminal Court, and processes of diffusion of international criminal norms and transformation of fields of power within post-conflict settings on the African continent (Burundi, DRC, Uganda). She has published in leading journals in Europe on the role of the law, the expansion of global justice, and the global management of violent conflict, including as co-coordinator of special issues on war crimes of the French journal Actes de la recherche en sciences sociales, with Ron Levi and John Hagan (forthcoming).

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4. Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters

Legal Cultures, Legal Transfer, and Legal Pluralism

10.-12. November 2011

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Bockenheim, Alte Aula

Zur Konferenz:

altThe subject of the conference concerns recent developments of normative orders in general and legal orders in particular: The fact that in the area of globalisation our traditional image of an integrated normative order within a nationstate on one territory which can be identified by its borders becomes more and more obsolete. International and transnational norms emerge and influence or determine national law, different kinds of norms govern people on the local as well as on the global level and different actors of normativity are active beyond territorial borders. The fact of legal pluralism reveals the other fact that law is and always was an integral part of cultures – and the plurality of cultures determines in a certain way the pluralisation of law as well as conflicts about the law and the different processes of exchange and transfer between different normative orders. It is also obvious that the fact of legal pluralism has a long historical continuity – and it might be that a unified and centralized national law and legal code was an exception and not the normal condition of modern societies.

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Programm:

Donnerstag, 10. November 2011

18.00 Uhr Begrüßung
18:15 Uhr Eröffnungsvortrag:
Martin Loughlin „Some reflections on the concept of constitutional pluralism”

Freitag, 11. November 2011

10.00 Uhr Offizielle Eröffnung
(Rainer Forst & Stefan Kadelbach)

10.30 Uhr Panel I
Global Legal Pluralism: Fact, Fiction, Forecast, Norm?
Chair: Christoph Menke
Vortrag Paul Schiff Berman „Global Legal Pluralism as a Normative Project”
Vortrag Klaus Günther „Normative Legal Pluralism and Its Discontents”

14.00 Uhr Panel II
Transfer of Normative Orders - Normative Orders from Transfer
Chair: Annette Warner
Vortrag Michael Stolleis „Transfer normativer Ordnungen. Baumaterial für junge Nationalstaaten – ein Südosteuropa-Projekt”
Vortrag Jane Burbank „The Rights of the Ruled: Legal Process and Sovereignty in Imperial Russia”

16.30 Uhr Panel III
The Politics of Legal Pluralism and the Role of Experts
Chair: Gunther Hellmann
Vortrag Jean Cohen „The Politics and Risks of the New Legal Pluralism”
Vortrag Jens Steffek „Law, Expertise, and the Legitimacy of International Governance“

Samstag, 12. November 2011

10.00 Uhr Panel IV
Emerging Transnational Normative Orders: Efforts on the Ground-Level
Chair: Stefan Kadelbach
Vortrag Christian Joerges „What is left of the ‘integration through law’ project?“
Vortrag Alexander Peukert „Intellectual Property: The Global Spread of a Legal Concept”

12.00 Uhr Konferenzende

Bildergalerie:

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12. November 2011, 10.00 Uhr

Panel IV: Emerging Transnational Normative Orders: Efforts on the Ground-Level

Introduction:

Stefan Kadelbach

Legal pluralism is seen to be the answer to conflicts between norms of an overarching character with claims to supremacy on the one hand and norms of a more restricted personal and territorial scope on the other. Thus, efforts
to implement legal frameworks for an economy that transgresses frontiers confront needs and ambitions of political, cultural or other origin in particular environments with competing claims to priority. The two lectures of Panel IV will focus on the examples of the European Union and the spread of universal intellectual property protection. Both can be understood as reflections as to whether co-ordination deserves more attention as a technique than concept of normative hierarchies to resolve such tensions.

altStefan Kadelbach is Professor of Public Law, European Union Law and Public International Law at Goethe University and one of the cluster’s principal investigators. His working fields have been public international law, EU law, and federalism. Publications include a volume on legal pluralism (“Recht ohne Staat?”, 2011, edited together with Klaus Günther), and a contribution to the pluralism of the administrative law of the European Union and its member states (“Allgemeines Verwaltungsrecht unter europäischem Einfluss”, 1999).

Lecture I:

“What is left of the ‘integration through law’ project?“

Christian Joerges

“Integration through Law” has been since the trademark of the European project since the early 80s. In the present critical state of the European Union the law appears overburdened by the functions it has been expected to fulfil.
This is true with regard to the legalisation of monetary policy, the responses to the quest for social justice and now also in debates on nuclear energy. The overburdening of law has so far not been sufficiently compensated for by institutional innovations and it seems highly unlikely in view of the Europe’s political and socioeconomic constellation that such steps will be taken. The idea of “conflicts-law constitutionalism” which advocates a re-conceptualisation
the relation between law and “the political” will be sketched out as a tentative response to the European problématique.

altChristian Joerges is since 2008 Research Professor at the Law Faculty of Bremen University and Co-Director of the Centre of European Law and Politics. Until 2007 he held the chair for European Economic Law at the European University Institute Florence and was a Visiting Professor at Trento, Birkbeck University College, Toronto, NYU and Columbia. He was a fellow at the Institutes for Advanced Study in Berlin and Wassenaar, NL. His research deals with the Europeanization of private and economic law, transnational risk regulation governance structures. In 2009 he obtained an honorary doctorate from the University Freiburg i.Ue., CH.

 

Lecture II:

“Intellectual Property: The Global Spread of a Legal Concept”

Alexander Peukert

Intellectual property (IP) laws are a modern phenomenon. Patent and copyright acts only date back to the 17th and 18th century. Nowadays, IP rights are recognized in at least 173 countries. This surprisingly quick, global spread of IP legislation was facilitated by a number of legal transfers. First, doctrines and narratives of justification developed for real property were applied to inventions and works of art. Second, the patent and copyright systems of Western Europe, already backed up by property theory, were transplanted to the rest of the world during colonialism. Third, counter-reactions of newly independent developing countries were settled by promising yet another type of IP protection, this time for traditional knowledge. In the course of telling these stories, the presentation will  conceptualize three categories of legal transfers, linking them to dysfunctionalities observable in the current global IP system.

altAlexander Peukert was born in 1973 and since 2009 Professor of Civil Law and Commercial Law with a focus on international intellectual property law at the Goethe University in Frankfurt am Main, Cluster of Excellence „The Formation of Normative Orders“. He studied and received his doctorate in Freiburg (1993-1999). After the second state exam and working as a lawyer in Berlin (1999-2002) he was a Research Fellow and Head of U.S. Unit at the Max Planck Institute for Intellectual Property, Competition and Tax Law in Munich (2002-2009). In 2008 he habilitated with the font „property assignment as a legal principle“ at the Ludwig-Maximilians-University Munich. His research deals with the basic structures of justification and dysfunctions of the international system of
intellectual property.

11. November 2011, 16.30 Uhr

Panel III: The Politics of Legal Pluralism and the Role of Experts

Introduction:

Gunther Hellmann

Theories of modern legal pluralism are variants of two discourses which have begun decades ago. The first is legal pluralism within a state. It dates back to the origins of sociology of law which lie in Eugen Ehrlich’s observations on the normative universe of the Bukowina and in anthropological enquiries of the law of colonized peoples. The second paradigm of pluralism is global began after the Second World war with models of transnational trade law. Later, concepts of that kind were projected to other ages and areas, mostly taking the 19th century as a starting point. The two lectures will deal with domestic and global pluralism separately. In both, specialized knowledge of particular normative environments plays a decisive role.

altGunther Hellmann is Professor of Political Science at Goethe-University, Frankfurt am Main and Adjunct Professor at the Bologna Center of the School of Advanced International Studies, Johns Hopkins University. He is a Principal Investigator and Member of the Board of Directors of the Frankfurt Cluster of Excellence “Formation of Normative Orders“. His research interests are in the fields of international relations theory, international security, and the theory of foreign policy in general and German foreign policy in particular. His recent publications include „International Relations as a Field of Studies“, in: Bertrand Badie, Dirk Berg-Schlosser and Leonardo Morlino (Eds.): International Encyclopedia of Political Science, London: Sage Publication 2011; Ed. „The Forum: Pragmatism and International Relations“, International Studies Review 11:3 (2009), 638-662; Ed. „Special Section“ on „IR Theory and (German) Foreign Policy“, Journal of International Relations and Development 12:3 (2009); „Inevitable Decline versus Predestined Stability: Disciplinary Explanations of the Evolving Transatlantic Order“, in: Anderson, Jeffrey/Ikenberry G. John/Risse, Thomas (Eds.), The End of the West? Crisis and Chance in the Atlantic Order, Ithaca: Cornell University Press 2008, 28-52; Ed., De-Europeanization by Default. Germany´s EU-Policy in Defence and Asylum, Houndmills, Basingstoke: Palgrave MacMillan 2006.

Lecture I:

“The Politics and Risks of the New Legal Pluralism”

Jean Cohen

The discourse of legal pluralism is becoming ubiquitous. Not only has it been revived with respect to new quasi- federal regional political formations like the European Union, it is also being invoked to account for transformed relations among legal orders created by the morphing of international organizations into global governance institutions. Much ink has been spilled over whether a constitutionalist or pluralist discourse best suits these transformations and whether the black box of state sovereignty has been so penetrated by external, supranational jurisdictions or international regimes, (humanitarian and human rights law), that the very concept of sovereignty has become an anachronism. Even more striking, the discourse of legal pluralism has begun to emerge ‘from below” in the context of new forms of religious pluralism and public religion in ways that pose a challenge from within to internal “domestic” state sovereignty. Indeed it has now arisen in the context of long consolidated western, constitutional-democratic states. Here too the relation between constitutionalism and democracy, political equality and socio-cultural plurality, unified legal sovereignty and group “difference” is being put into question by demands for what is called “multicultural jurisdiction”. This paper will focus on the form of legal pluralism that delegates or shares state jurisdictional power with religious authorities particularly in the domain of personal law. I will discuss new uses of this discourse focusing on the US case, although status group legal pluralism has become a contentious issue around the globe. I will address the question of what is the potential impact of status based legal pluralism on citizenship, political equality and sovereignty. It is important to distinguish among types of legal pluralism and I will do so in this paper. I will also examine, whether and in what respects personal status based legal pluralism poses a threat to threat to the achievements of modern democratic constitutionalism, individual human rights and republican political principles.

altJean Cohen (Ph.D., The New School for Social Research, 1979) is the Nell and Herbert M. Singer Professor of Political Thought. She specializes in contemporary political and legal theory, continental political thought, contemporary civilization, critical theory, and international political theory. She works on civil society, sovereignty, human rights, gender, and the law. She is the author of numerous books and articles including Class and Civil Society: The Limits of Marxian Critical Theory (University of Massachusetts Press: 1982); Civil Society and Political Theory (co-authored with Andrew Arato) (MIT Press 1992); Regulating Intimacy: a New Legal Paradigm (Princeton University Press: 2002); and Rethinking Legitimacy and Legality in the Epoch of Globalization (Cambridge University Press, forthcoming 2011). She has published over 50 articles in journals such as Constellations, Ethics and International Affairs, Philosophy and Social Criticism, Social Research, Political Theory, Telos, Thesis 11, and in numerous law reviews in addition to chapters in edited books. Her work is translated into many languages including Chinese, French, German, Italian, Russian, Serbo-Croatian, Spanish, and Swedish. Professor Cohen has been awarded numerous fellowships and honors including the Fulbright Hays Research Fellowship, the Alfred Schutz Memorial Award, NEH summer fellowships, ACLS Travel Grants. She was a Fellow at The Max Planck Institute in Germany and at the Russell Sage Foundation in New York. She has held distinguished Professor posts in Canada (University of Toronto School of Law), France (College de France, Ecole des Hautes Etudes, Sciences Po), Germany (Johann Wolfgang Goethe University), and Sweden (Lund University). She was co-Director for 17 years of the Seminar on Philosophy and the Social Sciences, held yearly at the Inter-University Center of Dubrovnik, Yugoslavia, and since 1993 in Prague, The Czech Republic. Professor Cohen is Associate Editor of Constellations, and Global Constitutionalism. She has served on the board of many journals including Ethics and International Affairs, the Journal of Civil Society, Critical Horizons, The European Journal of Politics, Political Theory, Philosophy and Social Criticism, Thesis 11, Dissent, and Telos.

 

Lecture II:

„Law, Expertise, and the Legitimacy of International Governance“

Jens Steffek

Legal scholars often suggest public and administrative law as a key remedy for the legitimacy problems of international governance. This idea has a long pedigree. Since the late 19th century, academics and activists alike promoted legalization as a way of rationalizing the conduct of states and of taking the malicious ‘politics’ out of international relations. In a modernist fashion, functional international governance was envisaged as a ‘rule of law and expertise’, meant to replace the pushing and shoving of power politics. Such functional governance rests chiefly on what Scharpf has called ‘output legitimacy’ and thus sits uncomfortably with the recent calls for increased democratic input into, and control over, international governance. In this lecture I discuss whether law can be as instrumental in democratizing global governance as it was in de-politicizing it.

altJens Steffek is Professor of Transnational Governance at Technische Universität Darmstadt and Principal Investigator in the Cluster of Excellence “The Formation of Normative Orders”, hosted by the University of Frankfurt/Main. Before coming to Darmstadt he held appointments at the University of Bremen, Jacobs University Bremen and the Robert-Schuman-Centre for Advanced Studies in Florence/Italy. He has published widely on transnational governance, international organizations and the theory of international relations. Jens Steffek is the author of “Embedded Liberalism and Its Critics: Justifying Global Governance in the American Century”, and co-editor of “Civil Society Participation in European and Global Governance: a Cure for the Democratic Deficit?” and “Evaluating Transnational NGOs: Legitimacy, Accountability, Representation”, all published by Palgrave Macmillan.

11. November 2011, 14.00 Uhr

Panel II: Transfer of Normative Orders – Normative Orders from Transfer

Introduction:

Annette Warner (Imhausen)

The plurality of normative orders and in particular the plurality of legal orders is by no way a new development. In the past it was the normal condition of human societies. Different actors and institutions had different degrees of a power of legislation and jurisdiction within one and the same society. Between different territories, groups and areas of legislation and jurisdiction complex processes of exchange and transfer took place. It was a quite usual  phenomenon that one took the law from a foreign county to create the legal order in one´s own country. In some areas a longue durée of normative influence can be observed – the more than thousand years of the influence of the Roman law in Europe is only one prominent example of many. It is an example where a lot of research has been done. But we still know very little about legal pluralism and the transfer of normative orders in Eastern Europe and Russia.

altAnnette Warner (Imhausen) is Professor for the History of Ancient Science at Frankfurt University since 2009 having previously held a junior professorship at Mainz University and research positions at the former Dibner Institute for the History of Science and Technology, (MIT, Cambridge, Mass.) and at Trinity Hall (University of Cambridge, England). She has published Ägyptische Algorithmen [Egyptian Algorithms – an analysis of ancient Egyptian mathematical problem texts](2003) and coedited Under One Sky. Astronomy and Mathematics in the Ancient Near East (2002) and Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome, and Greece Translating Ancient Scientific Texts (2010).


Lecture 1:

„Transfer of Normative Orders. Building Materials for Young National States – a Southeast Europe Project.“

Michael Stolleis

Since the 17th century there has been historical reflections about how and why the ancient Roman law was  received, formed through teachings and practice of the medieval Italy north of the Alps. Also since the 19th century there was discussion about the city status of Lübeck in the context of the Hanse as well as the spreading of the Magdeburg law onto cities in the Slavic east. The contemporary legal history searches for new models and terminologies in order to grasp the transfer of codes of law, principles of law, institutions, legal terminology or cultural habits of executioners of law. Here it is going to be reported on a project on south-east Europe (1850 to 1933) regarding the transfer of normative orders (constitutional law, civil law, criminal law) in former provinces of the Ottoman empire that have now become young nation states such as Greece, Romania, Bulgaria, Bosnia, Serbia, and Albania.

altMichael Stolleis was born in 1941, studied law in Heidelberg and Würzburg. First and Second State examination in 1965, 1969, Doctorate 1967, Habilitation 1973 in Munich. 1974 – 2006 Professor of Public Law, Modern History of Law and Canon Law at the Goethe University Frankfurt am Main. 1992 to 2009 Director at the Max-Planck-Institute for European Legal History, Frankfurt am Main. Important publications concerning Social Law and History of Law from the Early Modern Period to the Contemporary History of Law, in particular: Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland, 4 vols, (Munich1988, 1992, 1999, 2012). DFG Leibniz Award in 1991, Balzan Award in 2000, Federal Cross of Merit, 2010. Honorary doctorates from Lund, Toulouse, Padua, Helsinki and member of numerous academies.

 

Lecture 2:

Jane Burbank

This lecture explores the law in operation in imperial Russia in the early 20th century, with a focus on „orders of justification“ and the rights of the empire‘s subjects. I provide an overview of Russia‘s kind of rule of law, and the legal pluralism it sustained and exploited. I then focus on the issue of personal dignity at different sites in the legal system. I argue that the state, through its legal structures, provided for the defense of individual dignity, and that this state-assumed right to protect its subjects‘ honor was a key element of patrimonial and legal sovereignty.

altJane Burbank, New York University, Professor of History and Russian and Slavic Studies, 2002-, Collegiate Professor, 2008-; Humboldt University, Berlin, Sonderforschungsbereich 640, Distinguished Visiting Professor, 2010-2011; Ph.D., Harvard University, Russian History, 1981; M.A., Harvard University, Soviet Studies, 1971; M.L.S., Simmons College, 1969; Empires in World History: Power and the Politics of Difference, with Frederick Cooper (Princeton: Princeton University Press, 2010, pb 2011); Russian Empire: Space, People, Power, 1700-1930, eds. Jane Burbank, Mark von Hagen, Anatolyi Remnev (Bloomington: Indiana University Press, 2007); Russian Peasants Go to Court: Legal Culture in the Countryside, 1905-1917 (Bloomington: Indiana University Press, 2004); Imperial Russia: New Histories for the Empire, edited with David L. Ransel (Bloomington: Indiana University Press, 1998); Perestroika and Soviet Culture, edited with William G. Rosenberg, Michigan Quarterly Review, special issue, Fall 1989; Intelligentsia and Revolution: Russian Views of Bolshevism, 1917-1922 (New York: Oxford University Press, 1986; paperback, 1989).

11. November 2011, 10.30 Uhr

Panel I: Global Legal Pluralism: Fact, Fiction, Forecast, Norm?

Introduction:

Christoph Menke

The traditional nation state is no longer the only sovereign and supreme legislator. In the era of globalisation other legal actors play a more and more important role: International and supranational organizations like the EU are sometimes empowered to make valid law or they influence the lawmaking of national legislators. Governments regulate many issues by intergovernmental agreements that have an indeterminate legal status. Private actors like multinational companies or NGOs are active in different processes of law making or they set their own rules and create normative orders by self-commitment. As a consequence the law becomes pluralised with regard to the different de-territorialized agencies and actors of legislation and jurisdiction and with regard to different kinds of normativity (like, e.g., “soft law”). Is the fact of such a legal pluralism a challenge to traditional concepts of a unified law, is it a problem which has to be solved, is it an exaggerated description – or is it a new kind of order which we should promote because its advantages outweigh its disadvantages?

altChristoph Menke is Professor for Practical Philosophy in the Cluster of Excellence „Normative Orders“ at the Goethe University Frankfurt am Main. The center of his work is in the fields: Political and Legal Philosophy; Aesthetics. Publications (choice): Die Souveränität der Kunst (1988), Tragödie im Sittlichen (1996), Spiegelungen der Gleichheit (2000, 2004), Die Gegenwart der Tragödie. Versuch über Urteil und Spiel (2005), Kraft. Ein Grundbegriff ästhetischer Anthropologie (2008), Recht und Gewalt (2011).

Lecture 1:

“Global Legal Pluralism as a Normative Project”

Paul Schiff Berman

Anthropologists and historians have generally framed the study of legal pluralism in descriptive terms. Accordingly, they have catalogued both the inevitable hybridity that arises when two legal or quasi-legal systems occupy the same social space and the resulting strategic interactions that occur among actors in navigating the multiple regimes. As a descriptive enterprise, legal pluralism is relatively uncontroversial. After all, even the most die-hard sovereigntist would likely acknowledge that sub-, supra-, or non-state normative systems do impose real constraints that have real impacts. More controversial is the idea that legal pluralism might be a normatively desirable approach to the design of legal systems. As a normative project, legal pluralism can be seen to support two different strategies. First, what we might call substantive legal pluralism seeks a sort of multicultural accommodation of alternative norms, at least in certain delineated spheres. Second, a more proceduralist vision of legal pluralism aims to design procedural mechanisms, institutions, and discursive practices that seek to manage, without eliminating, pluralism, without making a priori substantive decisions regarding when deference to alternative norms is appropriate and when it is not. I will defend this proceduralist version of legal pluralism‘s normative project, arguing that the mechanisms, institutions, and practices that result may at times be preferable to either sovereigntist territorialism on the one hand, or universal harmonization on the other. Moreover, I argue that such a proceduralist version of legal pluralism, unlike the substantive version, need not commit one to a program of inevitable deference even to illiberal norms. Nevertheless, this proceduralist approach, precisely because it refuses to engage with some of the most contentious substantive political battles over when deference is appropriate and when it is impossible, may be distrusted or rejected by those on both sides of the pluralism debate who want more substantive normative
certainty.

altPaul Schiff Berman serves as the 18th dean of The George Washington University Law School, a school dedicated to teaching and scholarship that emphasizes law in action in the nation’s capital. He joined GW Law in 2011, bringing experience as both an academic administrator and as a renowned teacher and scholar. Berman’s scholarly work focuses on the ways in which globalization affects the intersection of legal systems. From 2008 to 2011, Berman served as dean and Foundation Professor of Law at the Sandra Day O’Connor College of Law at Arizona State University, where he helped to transform the school and build an innovative and expansive model for 21st century public legal education. Among his many accomplishments Dean Berman exponentially increased programmatic offerings and pathways for students while significantly raising the national and international profile of the school. Berman is the author of numerous books and scholarly journal articles. His most recent book, Global Legal Pluralism: A Jurisprudence for Law Beyond Borders, will be published by Cambridge University Press in 2011.

 

Lecture 2:

"Normative Legal Pluralism and Its Discontents”

Klaus Günther



Whereas nearly nobody denies that “legal pluralism” is a correct description of the current status of legal orders in the era of globalization, it is still a controversial issue how one should react to it. Should legal pluralism be regarded as a challenge, in particular for a legal theory which still presupposes a unified and coherent concept of law? Or should it be defended because of normative reasons which claim that a plurality of legal orders and a plurality of different kinds of normative orders is advantageous compared to the traditional concept of law? In my presentation, I shall take legal pluralism as a normative project and ask for some of its consequences. In particular I shall focus on possible changes in the structure of legality which might emerge from pluralism, e.g. for the relationship between law and power, or for the concept of a legal subject.

altKlaus Günther born 1957; studied Philosophy and Law in Frankfurt am Main; Professor for Jurisprudence, Criminal Law and Law of Criminal Procedure at the Goethe University Frankfurt am Main; Coordinator of the Cluster of Excellence “Normative Orders”; Member of the Research College at the Institute of Social Science in Frankfurt am main; Permanent Fellow of the Forschungskolleg Humanwissenschaften of the Goethe University in Bad Homburg v.d.H.; Fellow at the Wissenschaftskolleg zu Berlin (1995/96); Guest Professor in Buffalo (2000), Oxford (2001) and Paris (2003). Most important publications: Der Sinn für Angemessenheit (1988, eng. 1993, portug. 2004), Schuld und kommunikative Freiheit (2005).

 

 

   

10. November 2011, 18.15 Uhr

“Some reflections on the concept of constitutional pluralism”

Eröffnungsvortrag

Martin Loughlin

Aula Campus Bockenheim

Within the last decade or so, a new concept has made its presence felt in the world of legal scholarship: the concept of constitutional pluralism. The term has been adopted by a significant number of scholars in a variety of contexts and using different methodologies. But behind these differences, there appears to be a common claim. This is that we are able to grasp the nature of the changes affecting the activity of governing in the contemporary world – and certainly to be able to respond effectively to them – only if ‘we posit a framework which identifies multiple sites of constitutional discourse and authority’. This is (to me) a puzzling notion. In my presentation, I will offer some sceptical reflections on the nature and utility of this novel concept.

altMartin Loughlin is Professor of Public Law and Head of the Department of Law at the London School of Economics & Political Science, having previously held appointments at the Universities of Manchester, Glasgow and Warwick. His publications include Local Government in the Modern State (1986), Public Law and Political Theory (1992), Legality and Locality: The Role of Law in Central-Local Government Relations (1996), Sword and Scales (2000), The Idea of Public Law (2003) and Foundations of Public Law (2011). He is a member of The Editorial Boards of The Modern Law Review, Journal of Contemporary Legal Issues and Jus Politicum: Revue de droit politique and an editor of the OUP book series, Oxford Constitutional Theory. He was a Leverhulme Major Research Fellow from 2000-02, a Fellow at the Wissenschaftskolleg zu Berlin in 2007-08 and is a Fellow of the British Academy.

 

 

20. November 2010, 13.30 Uhr

Panel V: Justice and Peace – Goals or Fragments of International Law?

Introduction:

Klaus Günther

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Nobody denies that International Law should contribute to justice and peace, that a just world order will also be a requirement for a global state of peace. Although the law plays a prominent
role in the development of international organisations and international regulations of a globalised world, one can observe that International Law is also becoming more and more fragmented. Different authorities claim direct or indirect legislative power, legal regulations differ from one area to another, private actors and states cooperate or litigate against each other, soft law regulations and intergovernmental agreements are more influential than legally binding norms with courts and sanctions. The panel will address some of the problems resulting from the ambivalent state of international
law: Is a fragmented and pluralistic law perhaps a better tool for ensuring global justice and peace? Or can global justice only be realised within a constitutional framework? Does constitutionalisation make conflicts more or less probable or is it a tool for resolving conflicts?

Lecture 1:

International Law between Fragmentation and Constitutionalisation

Andreas Paulus

Video:

Audio:

This contribution deals with the paradoxical relationship between the two main strands of theories on the current status of international law. On the one hand, the international (dis)order
seems to fragment into different issue areas, with different actors and different standards or even different legal subjects, from investment law to human rights law. On the other hand, a
good deal of German scholarship centres around a theory of the ‘constitutionalisation‘ of international law, referring to the increasing juridification and the development of common principles
and institutions in the international legal order. We will see that fragmentation and constitutionalisation, as responses to globalisation, may well represent two sides of the same coin.

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Andreas L. Paulus holds the Chair of Public and International Law at the University of Göttingen. Paulus teaches Public Law, International and European Law, Constitutional History and Legal Philosophy. He is also a tutor (Vertrauensdozent) of the German National Academic Foundation (Studienstiftung des Deutschen Volkes). In March 2010, he was sworn in as justice of the First Senate of the Federal Constitutional Court (Bundesverfassungsgericht).

 

Lecture 2:

International Order As an Idea – On Strict Rules and Flexible Principles

Stefan Kadelbach

Video:

Audio:

Since Kant, political philosophy has elaborated on the famous ‘contradiction‘ between the republican organisation of individual and collective
autonomy, on the one hand, and the rule of nonintervention, on the other. In International Law both a categorical prohibition of unjustified use
of force or other coercive means and constitutional principles transferred from the domestic realm into norms between states coexist. The
paper addresses whether or not this coexistence is paradoxical and the shapes assumed by conflicts between both sets of norms.

alt

After studies in Tubingen, Frankfurt and Charlottesville/Va., Stefan Kadelbach took the bar exam in 1988, is doctoral degree in 1991 and his Ph.D. in 1996. Having worked at the universities
of Bremen and Muenster, he was appointed a professor for Public Law at Frankfurt in 2004. His fields of research include the theory of public International Law, human rights as well

20. November 2010, 10.00 Uhr

Panel IV: Particularity and Universality

Introduction:

Susanne Schröter

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The panel deals with conflicting priorities in universalist and particularist approaches to justice and peace. While both justice and peace are considered to be universal concepts, they are often viewed as ideals to be achieved rather than as existing realities. Politicians, jurists and scholars attempt to define them in concrete contexts and to translate them into tangible terms in political agreements and legal texts. On the level of local actors, these terms are then once again appropriated, commented, rephrased and transformed. Two scholars who have done longterm research in Africa discuss these processes and their manifold dynamics: Cecilia Lynch scrutinises Christian ethics with reference to the concept of popular casuistry; Mamadou Diawara focuses on African musicians’ responses to the
Universal Copyright Convention.

Lecture I:

Popular Casuistry and the Problem of Peace and/or Justice in Christian Ethics

Cecelia Lynch

Video:

Audio:

Most contemporary political debates presuppose the secular as the basis for normative order, primarily for European and North American politics, but also for global norms. The religious is often
seen as the counterpoint to or intrusion into the secular. This is particularly true of religions other than Christianity, especially Islam. Conversely, I foreground the relationship between tensions in Christian ethics and tensions in normative orders on issues of peace and justice. I do so through a genealogical analysis of 20th century Christian ethics on issues of violence and the use of force, focusing on debates around the concept of ‘popular casuistry’ (Lynch 2009) in a ‘secular age’ (Taylor 2007). Tracing debates from the 1930s, the 1960s and 70s, and the 1990s among Christian movements and theologians about peace and/or justice, the use of force and the legitimacy of violence, I argue that Christian interpretations and ethical tensions – seen through working out the concept of popular
casuistry in each case – play an important part in sustaining and challenging normative orders and reveal tensions between goals of peace and/or justice.

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Cecelia Lynch is Professor of Political Science and Director of the Center for Global Peace and Conflict Studies, University of California, Irvine. She teaches and writes on international relations, organisation and law, religion and ethics, social movements and civil society, and humanitarianism.

 

Lecture 2:

Justice, in Whose Name? The Domestication of Copyright in Sub-Saharan Africa

Mamadou Diawara

Video:

Audio:

In 1952, UNESCO passed the Universal Copyright Convention. Together with the Berne Convention (1886) it established the norms of copyright protection that every nation must endeavor to respect in its national legislation. This paper deals with the musicians and intends to show how people in day to day life, according to their
gender, wealth and power, respond to the will of the state and the international development agencies to grant right and justice. How is the ‘romance of the commons’ experienced locally?

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Prof. Dr. Mamadou Diawara is Professor for the Anthropology of Africa at the Institut für Ethnologie of the Goethe University Frankfurt. He is Deputy Director of the Frobenius Institute and
the Founding Director of Point Sud, Center for Research on Local Knowledge, in Bamako, Mali. He is also one of the Principal Investigators in the Cluster of Excellence with a project entitled
‘Media and Norms in Africa‘. Before he joined Frankfurt University in 2004, he was Henry Hart Rice Professor for Anthropology and History at the Yale Center for International and Area
Studies at Yale University, and Fellow of the Wissenschaftskolleg zu Berlin. His areas of research include media, history, oral tradition, and local knowledge in sub-Saharan Africa, specifically in
Mali. He has published numerous articles and several books, among them L’empire du verbe - L’éloquence du silence. Vers une anthropologie du discours dans les groupes dits dominés
au Sahel (Cologne: Rüdiger Köppe, 2003) and, with Ute Röschenthaler, Im Blick der Anderen (Brandes & Apsel, 2008).

19. November 2010, 16.30 Uhr

Panel III: Lessons from History? Designs of Post-War World Orders

Introduction:

Andreas Fahrmeir

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From a historical perspective, determining what the title of the conference should be seems fairly easy. One only has to call to mind the concept of a ‘just war’ to conclude that peace does not follow naturally if justice is considered the key value, particularly if the place where justice is ultimately meted out is held to be out of this naturally unjust world. This panel therefore explores two cases where the relationship between justice and peace appeared and appears particularly fraught. One concerns disputes between religions in the early modern era, where a degree of peace ultimately emerged in spite of each side’s claim to fight for absolute truth and of both calls not to shrink from sacrificing lives and livelihoods in the name of the one cause which could provide eternal happiness. The other takes us to the present, and discusses why the attempt to install a US-European order which was both (reasonably) just and (reasonably) peaceful after the Cold War order appears to have met neither of its goals.

Lecture 1:

Religious Peace as a Political Problem in Early Modern Europe (16th to 17th Centuries)

Luise Schorn-Schütte

Video:

Audio:

Accepting a peaceful coexistence among the various Christian denominations was widely considered impossible in early modern Europe, since all groups asserted exclusive claims to religious truth. Successful pacifications were thus generally preceded by a long series of abortive attempts at religious settlement. Long is the list of unsuccessful colloquies, councils, and meetings. When agreements concerning mutual coexistence were finally made, they were often the result of exhaustion and breathed the air of resignation since they meant abandoning the idea of a unified Christendom. Nevertheless, the warring parties did make attempts to end strife and sought to break free of defamation and destruction. A major means to achieve this was to reformulate religious issues in the language of law. This strategy allowed all participants to use ‘neutral’ categories for discussing relevant issues. Questions of religious truth were excluded from public debate.

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Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte received her PhD in 1981 from the University of Munster and her Habilitation in 1992 from the University of Giessen. She held appointments as Professor for Early Modern History in Basel, Berlin and Potsdam before joining the Department of History at Frankfurt in 1998. She has published widely on the history of historiography in the 19th century and on many aspects of early modern European History. Her current research is especially focused on early modern Lutheranism and its relationship to the concepts and practices of politics in the 16th and 17th centuries.

 

Lecture 2:

New Order of Confluence of Crises?

Brendan Simms

Video:

Audio:

My lecture will examine, first, the rise and falls of post-war models of order in the 1990s and early 2000s, and the neo-conservative response to them. It will then, secondly, look at the antineoconservative critique which developed in reaction. In November 2008, many greeted the election of Barak Obama as President of the USA
as the dawn of a new cooperative era in world order, and the end of the unilateralist doctrines of the ‘Bush doctrine’. This was accompanied by an expectation that the EU was much better placed to meet the world economic crisis. Now, two years later, these hopes have evaporated under the pressure of events. The third and
main part of my lecture will therefore look at the confluence of crises in 2010 which, much more than the spectacular eruption of 2008, have put the whole idea of an US-European order in
doubt: the Greek and Spanish crises, the crisis of integration in Germany, the Gaza crisis and the crisis of the US mission in Afghanistan.

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Brendan Simms is Professor in the History of European International Relations, Centre of International Studies, University of Cambridge, and Fellow of Peterhouse. His publications include Unfinest Hour: Britain and the Destruction of Bosnia (Allen Lane, London, 2001) and Three Victories and a Defeat: the Rise and Fall of the First British Empire (Allen Lane, London, 2007). He is a member of Academic Advisory Council, Military-historical Research Institute, Potsdam, Germany and of the Strategic Advisory Panel, Chief of the (British) Defence Staff.

19. November 2010, 14.00 Uhr

Panel II: The Politics and Ethics of Peace

Introduction:

Christoph Menke

altPhilosophical approaches to peace and justice treat them as ethical or moral categories. They ask whether peace and justice can be properly understood and realised only if they are related to an underlying notion of the good, and hence what constitutes the good of peace and justice. Answers to this question refer both to the good of political community and to individual subjects: among them are considerations in political ethics and theories of individual morality. At the same time the issue of what role such political and moral reflections play in decisions concerning peace and justice is addressed: Do they merely lend motivational support to institutional arrangements which follow their own logic? Or, insofar as they provide justifications, do they also function as a criterion in terms of which decisions concerning war and peace, justice or injustice, can be made?

 

Lecture 1:

War and Peace: Norms and Facts in a Globalised World

Matthias Lutz-Bachmann

Video:

Audio:

In the history of ideas and of law the concepts of war and of peace have been used not just to describe contradictory states of political orders. They have been appealed to in addition to justify
human moral as well as legal action. In my contribution to the conference I will discuss the proper meaning of these basic concepts over the course of human history and their future relevance
vis-à-vis the challenges we are confronted with today in a globalising world.

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Matthias Lutz-Bachmann is Professor of Philosophy at the Goethe University Frankfurt. His main research interests are the history of medieval science and philosophy, political philosophy of international relations, ethics and applied ethics and the philosophy of religion. He is currently Vice President of the Goethe University
and Principal Investigator of the Cluster of Excellence ‘The Formation of Normative Orders’ and Co-Director of the ‘Institute for Philosophy of Religion’ at the Goethe University. His most important recent publications are: Kosmopolitanismus. Zur Geschichte und Zukunft eines umstrittenen Ideals (Weilerswist 2010); Lex und
Ius. Beiträge zur Begründung des Rechts in der Philosophie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (Stuttgart 2010); and Krieg und Frieden im Prozess der Globalisierung (Weilerswist 2009).

 

Lecture 2:

Kant on Justice and Morality and Peace

Pauline Kleingeld

Video:

Audio:

Contrary to initial appearances, Kant’s normative ideal of perpetual peace is not exhausted by the ideal of a just global legal order. In addition, genuine peace requires support from normative convictions and cosmopolitan sentiments. In the concept of peace, according to Kant, justice and morality come together. Many critics claim,
however, that Kant’s cosmopolitan ideal, spelt out in terms of laws and moral principles, is unable to generate cosmopolitan sentiments and inspire humanity to promote its realisation. In this paper, I examine the question of the ‘realisability’ of Kant’s rich cosmopolitan ideal, with the aim of demonstrating its relevance and contribution to current debates.

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Pauline Kleingeld (Ph.D. Leiden, 1994) is Professor of Practical Philosophy at Leiden University. From 1993-2004 she taught at Washington University in St. Louis. Her work focuses on Kant
and Kantian philosophy, as well as on moral theory and political philosophy. She is the author of Fortschritt und Vernunft: Zur Geschichtsphilosophie Kants (Würzburg: Königshausen und
Neumann, 1995), the editor of Immanuel Kant, ‘Toward Perpetual Peace’ and Other Writings on Politics, Peace, and History (New Haven: Yale University Press, 2006), and the author of Kant
and Cosmopolitanism: The Philosophical Ideal of World Citizenship (Cambridge: Cambridge University Press, 2011).

19. November 2010, 10.30 Uhr

Panel I: Contending Views on Justice and Peace

Introduction:

Christopher Daase

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Peace and justice are central values of political imagination and practice. While both are considered to be equally important for constituting the ‘good life’, at times they come into conflict when peace is seen as demanding certain qualifications of justice, or justice is said to call for measures that are less than peaceful. The panellists approach the tension between justice and peace from two different perspectives, the theory of justice and peace research, respectively. Both inquire into the theoretical relation between peace and justice and explore the prospects for political strategies that try to balance
arguments of justice and pleas for peace.

Lecture 1:

Justice and Peace: Good Things Do not Always go Together

Harald Müller

Video:

Audio:

That good things go together is one of our inheritances of Enlightenment optimism: democracy and peace, justice and peace, and so on. Sometimes this expectation is mistaken. Conflicting justice claims or opposing justice principles employed in justification narratives can undermine normative orders and even lead to violent clashes. Therefore, among collectivities, justicebased orders enjoying sufficient legitimacy can only be based on the consent of the representatives of these collectivities.

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Prof. Dr. Harald Müller received his doctorate in political science at Frankfurt University. In 1996, he became Director of the Peace Research Institute Frankfurt. In 1999 he was appointed Professor of International Relations at Frankfurt University. Since 1984 he has taught regularly at the Johns Hopkins University Center for International Relations, Bologna, Italy. From 1994 to 2005, Prof. Müller was a member of the Advisory Council on Disarmament Matters of the UN Secretary General, which he chaired in 2004. In 1999/2000 he served in the Defence Review Commission of the German Government. In 1995, 2000, 2005 and 2010 he participated as a member of the German Delegation in the Review Conferences of the Nuclear Nonproliferation Treaty. His most recent monograph is Building a New World Order: Sustainable Policies for the Future (2009, London, Haus Publishing). Since 2007 he is a member of the Board of Directors of the Frankfurt University’s Cluster of  Excellence ‘The Formation of Normative Orders’.

 

Lecture 2:

The Normative Order(s) of Justice and Peace

Rainer Forst

Video:

Audio:



Ideally, in a justifiable normative order, justice and peace coincide. But there are important differences between these normative concepts and corresponding aims and actions, and they can collide. Seeking or imposing peace can compromise justice, and seeking justice can lead to violent conflict. Are then the social orders of peace and justice essentially different, and is there a normative order between the two in the realm of reasons if we consider what it means to speak of a justifiable order?

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Rainer Forst is Professor of Political Theory and Philosophy at the Goethe University Frankfurt. He is Co-Speaker of the Cluster of Excellence on the ‘Formation of Normative Orders,’ Vice-Director of the Centre for Advanced Studies ‘Justitia Amplificata’ and Member of the Directorate of the Institute for Advanced Study in the Humanities in Bad Homburg. He has taught at the Free University Berlin and the New School for Social Research in New York and has been invited to hold guest professorships at Harvard University and Dartmouth College. His work in moral and political philosophy focuses on questions of justification, justice and toleration; his major publications are Contexts of Justice (Suhrkamp 1994, Univ. of California Press 2002), Toleration in Conflict (Suhrkamp 2003, Cambridge UP forthcoming), The Right to Justification (Suhrkamp 2007, Columbia UP forthcoming), Justification and Critique (Suhrkamp and Polity Press, forthcoming).

18. November 2010, 18.15 Uhr

Ethics, Law, and the Responsibility to Protect

Opening Lecture

Michael Doyle

Video:

Audio:

Campus Westend, Neues Hörsaal Gebäude HZ3

One of the truly striking evolutions in international norms of our time is the development of the Responsibility to Protect (R2P or RtoP). Articulated as part of the UN GA Outcome Document (GA A60/1) that expressed the consensus of the United Nation’s 192 members at the 2005 Summit, its core commitments are to prevent or stop “genocide, war crimes, ethnic cleansing and crimes against humanity.” I examine the roots of R2P in international law and international ethics. I then explore how it evolved out of the crisis in Kosovo and the question of its policy significance today in cases in which it has been invoked, ranging from Myanmar to Kenya and Guinea – sometimes explicitly, sometimes implicitly, successfully and not.

 

Michaealtl W. Doyle is the Harold Brown Professor of International Affairs, Law and Political Science at Columbia University. His current research focuses on international law and international relations. His major publications include Ways of War and Peace (W.W. Norton); Empires (Cornell University Press); Making War and Building Peace (Princeton Press); and Striking First: Preemption and Prevention in International Conflict (Princeton Press, 2008). He served as Assistant Secretary-General and Special Adviser to United Nations Secretary-General Kofi Annan where his responsibilities included strategic planning (the ‘Millennium Development Goals‘), outreach to the international corporate sector (the “Global Compact”) and relations with Washington. He is currently an individual member and the chair of the UN Democracy Fund, elected by the members and appointed by UN Secretary-
General Ban Ki-moon.

Internationale Jahreskonferenz des Clusters: Justice and/or Peace?

In ordinary language peace usually stands for ‘freedom from disturbance‘ or ‘a state or period in which there is no war‘. Justice, in turn, is generally associated with ‘the quality of being fair and reasonable‘. In ethical and moral discourse the two are often discussed together, suggesting an internal, if delicate relationship. Consider three different voices: When, in addressing the United Nations, Pope Benedict quotes the prophet Isaiah that ‘justice will bring about peace; right will produce calm and security‘ the mere invocation of peace and justice as mutually interdependent already portends that the realities of global life probably do not (yet) live up to Catholic normative standards. John Rawls is more explicit when he argues that a ‘liberal people tries to assure reasonable justice for all its citizens and for all peoples‘ and ‘can live with other people of like character in upholding justice and preserving peace‘. Yet the qualifiers ‘liberal‘ and ‘reasonable‘ immediately suggest that demanding normative standards have to be met if both justice and peace are to obtain. Finally, political realists like to quote Thucydides’ assertion that ‘the standard of justice depends on the equality of power to compel’. In their view, peace is mainly a function of power – ‘the strong do what they have the power to do and the weak accept what they have to accept’.

Quoting these very different perspectives on justice and peace not only provides an initial taste of the difference in disciplinary language games. It also hints at how definitions predetermine the relationship between peace and justice, i.e. whether it is conceived in terms of equivalence or hierarchy, mutual dependence or exclusivity. The title of this conference, ‘Justice and/or Peace?‘, is meant to capture these different dimensions. As in previous years we have aimed at a broad array of disciplines and perspectives, mixing contributions from members of the Cluster with scholars from outside Frankfurt. Of course, perspectives will differ and may even clash. This is to be expected – not only due to the subject matter but also to different responses to the standards of the normative order of scholarly exchange. However, as conference organisers we have taken all precautionary measures to ensure that this exchange will be conducted in a fair and peaceful manner! What remains is for all participants – speakers, chairs and audience – also to help to render it a successful and productive exchange.

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Jahreskonferenzen - Übersicht-(Hintergrund)

Auf den internationalen Jahreskonferenzen des Exzellenzclusters werden die zentralen Untersuchungsgegenstände des Forschungsnetzwerkes intensiv und unter Beteiligung namhafter Gäste aus aller Welt diskutiert.  Die Konferenzen finden im Herbst statt, jeweils unter der Federführung eines anderen Forschungsfeldes.

Vergangene Veranstaltungen:

Internationale Jahreskonferenz 2015
Europas Gerechtigkeit
19.-20. November 2015

Internationale Jahreskonferenz 2014
Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen

Internationale Jahreskonferenz 2013
Normative Ordnungen der Zukunft
21.-22. November 2013

Internationale Jahreskonferenz 2011

Legal Cultures, Legal Transfer, and Legal Pluralism
10.-12. November 2011

Internationale Jahreskonferenz 2010
Justice and/or Peace

18.-20. November 2010

Internationale Jahreskonferenz 2009
Rechtfertigungsnarrative - Legitimation und erzählende Verständigung
13.-14. November 2009

Eröffnungskonferenz 2008
Die Herausbildung normativer Ordnungen
14. und 15. November 2008

Internationale Jahreskonferenz

Auf den internationalen Jahreskonferenzen des Exzellenzclusters werden die zentralen Untersuchungsgegenstände des Forschungsnetzwerkes intensiv und unter Beteiligung namhafter Gäste aus aller Welt diskutiert.  Die Konferenzen finden im Herbst statt, jeweils unter der Federführung eines anderen Forschungsfeldes.


Vergangene Internationale Jahreskonferenzen:

Internationale Jahreskonferenz 2017
Crisis: Interdisciplinary Perspectives
23.-24. November 2017

Internationale Jahreskonferenz 2016
Normative (B)Orders. Migration and Citizenship in a Time of Crisis
24.-25. November 2016

Internationale Jahreskonferenz 2015
Europas Gerechtigkeit
19.-20. November 2015

Internationale Jahreskonferenz 2014
Normative Ordnungen im Wandel: Globale Herausforderungen
20.-21. November 2014

Internationale Jahreskonferenz 2013
Normative Ordnungen der Zukunft
21.-22. November 2013

Internationale Jahreskonferenz 2011

Legal Cultures, Legal Transfer, and Legal Pluralism
10.-12. November 2011

Internationale Jahreskonferenz 2010
Justice and/or Peace

18.-20. November 2010

Internationale Jahreskonferenz 2009
Rechtfertigungsnarrative - Legitimation und erzählende Verständigung
13.-14. November 2009

Eröffnungskonferenz 2008
Die Herausbildung normativer Ordnungen
14. und 15. November 2008

3. Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters

Justice and/or Peace

8.-20. November 2010
Goethe-Universität Frankfurt a. M./Campus Westend

Zur Konferenz:

Plakat JahreskonferenzIn ordinary language peace usually stands for ‘freedom from disturbance‘ or ‘a state or period in which there is no war‘. Justice, in turn, is generally associated with ‘the quality of being fair and reasonable‘. In ethical and moral discourse the two are often discussed together, suggesting an internal, if delicate relationship. Consider three different voices: When, in addressing the United Nations, Pope Benedict quotes the prophet Isaiah that ‘justice will bring about peace; right will produce calm and security‘ the mere invocation of peace and justice as mutually interdependent already portends that the realities of global life probably do not (yet) live up to Catholic normative standards.

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Programm zum Download (pdf): hier

Programm:

Donnerstag, 18. November 2010
Hörsaalzentrum HZ3


18.00 Uhr: Begrüßung

18.15 Uhr: Eröffnungsvortrag
Prof. Michael W. Doyle (Columbia University): "Ethics, Law, and the Responsibility to Protect"


Freitag, 19. November 2010
Casino - Cas 823 Festsaal

10.00 Uhr: Offizielle Eröffnung

10.30 – 12.30 Uhr:
Panel I: Contending Views on Justice and Peace
Vortrag Prof. Harald Müller: "Justice and Peace: Good Things Do not Always go Together"
Vortrag Prof. Rainer Forst: "The Normative Order(s) of Justice and Peace"

12.30 Uhr: Mittagspause

14.00 – 16.00 Uhr:
Panel II: The Politics and Ethics of Peace
Vortrag Prof. Matthias Lutz-Bachmann: "War and Peace: Norms and Facts in a Globalized World"
Vortrag Prof. Pauline Kleingeld: "Kant on Justice and Morality and Peace"

16.00 Uhr: Kaffeepause

16.30 – 18.00 Uhr:
Panel III: Lessons from History? Designs of Post-War World Orders
Vortrag Prof. Luise Schorn-Schütte: "Religious Peace As a Political Problem in Early Modern Europe (16th to 17th Centuries)"
Vortrag Prof. Brendan Simms: "New Order of Confluence of Crises?"

Samstag, 20. November 2010
Casino - Cas 823 Festsaal

10.00 – 12.00 Uhr:
Panel IV: Particularity and Universality
Vortrag Prof. Cecelia Lynch: "Popular Casuistry and the Problem of Peace and/or Justice in Christian Ethics"
Votrag Prof. Mamadou Diawara: "Justice, in Whose Name: The Domestication of Copyright in Sub-Saharan Africa"

12.00 Uhr: Mittagspause

13.30 – 15.30 Uhr:
Panel V: Justice and Peace – Goals or Fragments of International Law?
Vortrag Prof. Andreas Paulus: "International Law between Fragmentation and Constitutionalization"
Votrag Prof. Stefan Kadelbach: "International order as an Idea - On strict rules and flexible principles"

Bildergalerie:

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Internationale Jahreskonferenz des Clusters: Rechtfertigungsnarrative Legitimation und erzählende Verständigung

Die zweite Jahreskonferenz des Frankfurter Exzellenzclusters zur „Herausbildung normativer Ordnungen“ widmet sich dem Thema der „Rechtfertigungsnarrative“. Mit Hilfe dieses Begriffs soll insbesondere die historische Dimension von Rechtfertigungsordnungen erschlossen werden, d.h. die Erzählungen, die sich zu Legitimationen sozialer Strukturen und Institutionen verdichten. Sie bilden keine homogenen Blöcke, sondern sollen in ihrer Pluralität, Konflikthaftigkeit und Dynamik analysiert werden.

Mit dem Schlagwort des ‚Rechtfertigungsnarrativs’ widmet sich die Jahreskonferenz einem zentralen Untersuchungsgegenstand des Clusters. Gemeint sind damit als Erzählung strukturierte Begründungen für die Legitimität oder Illegitimität normativer Ordnungen. Dabei geht es ebenso darum, Rechtfertigungsnarrative aus umfassenderen Diskursen gewissermaßen herauszupräparieren, wie den Umgang mit der Tatsache zu untersuchen, dass sich Rechtfertigungsnarrative ablösen und daher oft eine historische, potentiell selbstrelativierende Dimension in sich tragen müssen, ohne deshalb ihren Geltungsanspruch aufzugeben.

Der Begriff ist in den unterschiedlichen kooperierenden Fächern mehr oder weniger gut etabliert; insofern stellt die Konferenz zum einen das Experiment dar, nach seiner Anwendbarkeit und seinem Potential in verschiedenen disziplinären Kontexten zu fragen. Zum anderen werden die unterschiedlichen Dimensionen diskutiert, die solche Narrative aufweisen – von den ästhetischen Qualitäten, die möglicherweise über die Akzeptanz einer Begründung ebenso entscheiden wie Inhalte, bis hin zum Einsatz von gegenläufigen Rechtfertigungserzählungen in konkreten Friedensverhandlungssituationen oder bei der Ausgestaltung von Wirtschaftspolitik.

Unter der Federführung des Forschungsfeldes 2 „Geschichtlichkeit normativer Ordnungen“ soll dem diesjährigen Leitthema der „Rechtfertigungsnarrative“ in fünf Panels nachgegangen werden. Aus historischer Perspektive wird es im ersten Panel des ersten Tages um die Rolle von Rechtfertigungsnarrativen in Übergangszeiten gehen. Im Zentrum des zweiten Panels steht die Frage, welche Rolle Rechtfertigungsnarrativen in politischen Verhandlungsprozessen zukommt. Das dritte Panel wird sich aus rechtswissenschaftlicher Perspektive mit der Bedeutung von Menschenrechten als Rechtfertigungsnarrative auseinandersetzen. Am zweiten Konferenz-Tag wird sich dann Samstagvormittag das philosophisch ausgerichtete Panel mit der Ästhetik von Rechtfertigungsnarrativen befassen. Schließen wird die Tagung am Samstagnachmittag mit einem Panel über den Stellenwert von Rechtfertigungsnarrativen in der Ökonomie.

Wie bereits im letzten Jahr werden namhafte Gäste aus den verschiedenen im Cluster vertretenen Disziplinen Vorträge halten. So freuen wir uns sehr, den Ethnologen Harri Englund aus Cambridge, den Rechtswissenschaftler Robert Howse von der New York University, den Philosophen Michael Hampe von der ETH Zürich, den Bremer Historiker Hans Kippenberg und den Wirtschaftshistoriker Keith Tribe aus Sussex in Frankfurt begrüßen zu können. Dabei fällt die eindeutige disziplinäre Zuordnung unserer Gäste nicht leicht, sind doch die meisten von ihnen in mindestens zwei Fächern zu Hause – gute Beispiele dafür, wie in unserem Cluster Forschung praktiziert und verstanden wird. Neben der Interdisziplinarität ist aber auch der Dialog mit der Öffentlichkeit und der politischen Praxis für den Cluster von besonderem Interesse. So schätzen wir uns glücklich, dass es uns in diesem Jahr gelungen ist, mit Gunter Pleuger jemanden zu gewinnen, der als Diplomat, ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen und Staatssekretär im Auswärtigen Amt tätig war, bevor er das Amt des Präsidenten der Europa-Universität Viadrina angenommen hat. Aus den Reihen des Clusters werden der Historiker Hartmut Leppin, die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, der Rechtswissenschaftler Günter Frankenberg und der Philosoph Martin Seel die Panels mit Vorträgen bereichern.

Wir wünschen interessante Vorträge und spannende Debatten!

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Panel V: Ökonomische Rechtfertigungsnarrative

14.11.2009, 14.00 – 16.00 Uhr, Hörsaal-Zentrum – HZ 3

Im Rahmen des Clusters beschäftigt sich die Ethnologie mit der Aneignung westlicher Normen in verschiedenen Kulturen. Stets stehen dabei die sozialen Akteure und ihre Gründe für die Übernahme oder Ablehnung westlicher Normen im Zentrum. Diese Rechtfertigungen sind umso interessanter für die Ethnologie, wenn dabei Diskurse ebenso berücksichtigt werden wie auch die sie untermauernden Handlungen. Am Beispiel Malawis studiert Harri Englund im Panel V, wie das „Lieblingsexportprodukt“ des Westens – nämlich die Demokratie und die Freiheit – den Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit lähmen. Hier treffen Diskurs und „harte“ Fakten aus verschiedenen normativen Ordnungen und Welten aufeinander. Wie andere mit der Deutung und Umgestaltung der geschichtlichen Lage befassten Wissenschaften steht auch die Volkswirtschaftslehre unter Ideologieverdacht: dass sie den Status quo (oder eine erstrebte Änderung desselben) mit ideologischen Argumenten rechtfertige, statt sich auf objektive Analysen zu beschränken. Ob und wie eine möglichst wertfreie Nationalökonomie möglich sei, wurde in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert wiederholt intensiv diskutiert. Die deutsche Historische Schule glaubte, die mit der wünschenswert historischen Entwicklung zu höherem Wohlstand und Kultur zu verbindenden Werte erkennen und institutionell verankern zu können, während in der nachfolgenden Epoche abstrakte Theorie und politische Abstinenz der Wissenschaft propagiert wurden. Die europäischen Universitätsreformen haben diese Debatten zu neuem Leben erweckt.

Mamadou Diawara und Betram Schefold

Einführung

Mamadou DiawaraMamadou Diawara ist Professor für Historische Ethnologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Zuvor lehrte er an der Universität von Georgia in Athens/USA und war Gastprofessor für Geschichte und Ethnologie Afrikas an der Yale Universität. Seit 2004 ist er Stellvertretender Direktor des dortigen Frobenius-Instituts, dem ältesten ethnologischen Forschungsinstitut Deutschlands. Zudem ist Direktor von Point Sud, Forschungszentrum für lokales Wissen in Bamako, Mali, und Principal Investigator in diesem Exzellenzcluster. Publikationen u.a.: L’empire du verbe - L’éloquence du silence. Vers une anthropologie du discours dans les groupes dits dominés au Sahel (Cologne: Rüdiger Köppe, 2003), and with Ute Röschenthaler, Im Blick der Anderen (Brandes & Apsel, 2008).

Bertram Schefold (1943) studierte in München, Basel und Hamburg bis zum Diplom in Mathematik, Theoretischer Physik und Philosophie (Mai 1967). Anschließend wandte er sich dem Studium der Nationalökonomie in Basel und Cambridge (GB) zu, das er 1971 mit der Promotion abschloss. Er wurde Lektor in mathematischer Nationalökonomie in Basel (1971-1972), danach Visiting Scholar am Trinity College in Cambridge und Research Associate in Harvard. Seit 1974 ist Bertram Schefold Ordentlicher Professor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Er nahm zahlreiche Gastprofessuren wahr. So las er in Nizza 1977 und 1993, in Toulouse 1992 und 1993. Er las als Theodor Heuss-Professor an der New School for Social Research in New York 1984 und an den Universitäten von Rom (1985) und Venedig (1990). Zudem lehrte er während zehn Jahren am Center of Advanced Economic Studies in Triest (1981-1990). Im Jahre 2004 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der juristischen Fakultät der Universität Tübingen verliehen, 2005 die Ehrendoktorwürde der Università degli studi di Macerata in Italien. Jüngere Publikationen: Beiträge zur ökonomischen Dogmengeschichte - Aufsätze von Bertram Schefold herausgegeben von Volker Caspari, 2004; Normal Prices, Technical Change and Accumulation. London: Macmillan 1997; Wirtschaftsstile Bd. 1 und 2, 1994-1995.

Prof. Harri Englund

Economic Rights as a Justification Narrative

Poverty and Vulnerability in Africa

Harri EnglundHarri Englund ist Professor am Department of Social Anthropology an der University of Cambridge, Fellow of Churchill College in Cambridge und Dozent in African Studies an der University of Helsinki. Auf der Grundlage einer ethnologischen Langzeitfeldforschung in Malawi, Mozambik and Sambia erforschte er die Bedeutung von Menschenrechten unter den bedingungen gravierender Armut und politischer Liberalisierung. Neuere Veröffentlichungen: Prisoners of Freedom: Human Rights and the African Poor, 2006; Rights and the Politics of Recognition in Africa, 2004.

Prof. Keith Tribe

The Limits of the Market: Walras versus Becker

Keith TribeKeith Tribe (1949), studierte social sciences und economic history an den Universitäten von Essex (1968-71) und Cambridge (1972-1976). Er lehrte an der Universität von Keele 1977 to 2002 und spezialisierte sich auf die Gebiete der Industrial and European Economics. Er erforscht die Herausbildung der Wirtschaftswissenschaft als universitäre Disziplin in Großbritannien. Zurzeit ist er tätig als Visiting Senior Research Fellow in Geschichte an der Universität von University of Sussex. Jüngere Veröffentlichungen: “German Economics in the Early Nineteenth Century”, and “British Economics in the 20th Century”, in Stephen Durlauf, Lawrence Blume (eds.) The New Palgrave Dictionary of Economics, 2nd. Edition, Palgrave Macmillan, Basingstoke 2008. “Political Economy Club”, Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press 2008. “Happiness: What’s the Use?”, Economy and Society Vol. 37 (2008) pp. 460-68. „’Das Adam Smith Problem’ and the Origins of Modern Smith Scholarship“, History of European Ideas Vol. 34 (2008) pp. 514-25. “Liberalism and Neoliberalism in Britain, 1930-80” Phil Mirowski, Dieter Plehwe (eds.) The Road from Mont Pèlerin. The Making of the Neoliberal Thought Collective, Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2009 pp. 68-97.

Panel IV: Ästhetik von Rechtfertigungsnarrativen

14.11.2009, 10.00 – 12.30 Uhr, Hörsaal-Zentrum – HZ 3

Alle Narrative besitzen eine besondere semiotisch-pragmatische Verfasstheit. Das Panel wird sich deshalb aus philosophischer Perspektive mit den semiotisch-pragmatischen Strukturen von Rechtfertigungsnarrativen beschäftigen und der Frage nachgehen, wie diese in verschiedenen Kontexten zur Sprache kommen. Während der erste Vortrag die epistemische Frage einer „Erklärung durch Beschreibung“ und deren Legitimationspotential behandelt, wird sich der zweite Vortrag mit der besonderen ästhetischen Struktur von Erzählungen in Filmen und deren (de-)legitimierende Funktion am thematischen Beispiel der Berichterstattung zum zweiten Irak-Krieg befassen.

Prof. Matthias Lutz-Bachmann

Einführung

Matthias Lutz-BachmannMatthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie, Mitglied des Direktoriums des Exzellenzclusters 243 und Vizepräsident der Goethe-Universität. Er leitet innerhalb des Clusters die Forschungsgruppe zur Rechtsphilosophie der „Schule von Salamanca“ und arbeitet maßgeblich in der Projektgruppe zur Entwicklung der Theorie des „Post-Säkularismus“ mit. Schwerpunkte seiner Forschung liegen in der Philosophie des Mittelalters, der Politischen Philosophie, der Kritischen Theorie und der Religionsphilosophie. Neuere Veröffentlichungen: Metaphysik heute - Probleme und Perspektiven der Ontologie (Hrsg. zusammen mit Thomas M. Schmidt), 2007; Handlung und Wissenschaft. Die Epistemologie der praktischen Wissenschaften im 13. und 14. Jahrhundert (Hrsg. zusammen mit Alexander Fiodora), 2008; Krieg und Frieden im Prozess der Globalisierung (Hrsg. zusammen mit Andreas Niederberger), 2009.

Prof. Michael Hampe

Erklärung durch Beschreibung

Michael HampeMichael Hampe, geb. 1961, Studium der Philosophie, Psychologie, Germanistik und Biologie in Heidelberg und Cambridge, Professor für Philosophie an der ETH Zürich. Arbeitsgebiete: Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft, Relevanz der Erkenntnis für die Lebenspraxis, Naturphilosophie. Buchpublikationen (Auswahl): Die Wahrnehmungen der Organismen, Göttingen 1990 (Diss.); Gesetz und Distanz. Studien über die Prinzipien der Gesetzmäßigkeit in der theoretischen und praktischen Philosophie, Heidelberg 1996 (Habil. Teil 1), Erkenntnis und Praxis, Frankfurt/M. 2006; Eine kleine Geschichte des Naturgesetzbegriffs, Frankfurt/M. 2007 (Habil Teil 2). Das vollkommene Leben, München 2009.



Prof. Martin Seel

Narration und (De-)Legitimation

Der zweite Irak-Krieg im Kino

Martin SeelMartin Seel, geb. 1954 in Ludwigshafen/Rhein, ist Professor für Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. Buchveröffentlichungen u. a.: Versuch über die Form des Glücks, Frankfurt/M. 1995; Ethisch-ästhetische Studien, Frankfurt/M. 1996; Ästhetik des Erscheinens, München 2000; Sich bestimmen lassen. Studien zur theoretischen und praktischen Philosophie, Frankfurt/M. 2002; Die Macht des Erscheinens. Texte zur Ästhetik, Frankfurt/M. 2007; In der Welt der Sprache. Konsequenzen des semantischen Holismus (zus. m. G.W. Bertram, D. Lauer, J. Liptow), Frankfurt/M. 2008; Theorien, Frankfurt/M. 2009.

Panel III: Menschenrechte als Rechtsfertigungsnarrative?

13.11.2009, 16.30 – 18.30 Uhr, Casino – Cas 823 Festsaal

Menschenrechte sind zu einem der wichtigsten und am weitesten verbreiteten Rechtfertigungsnarrative in der gegenwärtigen Welt geworden. Mit ihnen verbinden sich historische Unrechtserfahrungen von einzelnen ebenso wie von Kollektiven. Sie werden für die Rechtfertigung von Widerstand gegen politische Herrschaft ebenso in Anspruch genommen wie für militärische Interventionen zum Schutz einer Minderheit gegen Repressionen durch ihre Regierung. Gleichzeitig werden Menschenrechte auch in scheinbar fernliegenden Kontexten thematisiert, z. b. wenn vor der Welthandelsorganisation (WTO) über Handelsbeschränkungen gestritten wird. Die fast schon ubiquitäre Inanspruchnahme von Menschenrechten lässt befürchten, dass sie zu einer rhetorischen Formel im schlechten Sinne werden. Das Panel beleuchtet diesen und weitere Aspekte aus Thematik der Menschenrechte als Rechtfertigungsnarrative.

Prof. Klaus Günther

Einführung

Klaus GüntherKlaus Günther, Prof. Dr., geb. 1957; Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main; Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität Frankfurt/Main; Co-Sprecher des Exzellenzclusters EXC 243 Die Herausbildung normativer Ordnungen; Mitglied des Forschungskollegiums am Institut für Sozialforschung in Frankfurt/Main; Permanent Fellow des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg v.d.H. Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (1995/96); Gastprofessuren in Buffalo (2000), Oxford (2001) und Paris (2003). Wichtigste Veröffentlichungen: Der Sinn für Angemessenheit (1988, engl. 1993, portug. 2004); Schuld und kommunikative Freiheit (2005).

Prof. Robert Howse

Human Rights Discourse in World Trade

Robert HowseRobert Howse ist Inhaber der Lloyd C. Nelson Professor of International Law an der NYU School of Law (New York). Neben Gastprofessuren an der Harvard Law School, der Universität von Tel Aviv, der Hebräischen Universität von Jerusalem, der Universität 1 in Paris (Pantheon-Sorbonne), Tsinghua-Universität sowie der Osgoode Hall Law School in Canada unterrichtete er an der Academy of European Law, European University Institute, Florence. Er ist aktives Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien und Vereinigungen. Howse ist zudem in dem redaktionellen Beirat des European Journal of International Law tätig. Er Herausgeber der Oxford University Press Commentaries on the WTO treaties. Neuere Veröffentlichungen: Trade and Transitions; Economic Union, Social Justice, and Constitutional Reform; The Regulation of International Trade; Yugoslavia the Former and Future; The World Trading System; and The Federal Vision: Legitimacy and Levels of Governance in the EU and the U.S.

Prof. Günther Frankenberg

Menschenrechte als Rechtsfertigungsnarrative

Günther FrankenbergGünther Frankenberg, Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Nach Studium des Rechtswissenschaft in Deutschland sowie der Government and Legal Studies in den USA erwarb im Jahre 1978 Institut für Sozialwissenschaften der Technischen Universität München den Grad eines Doktors der Philosophie sowie drei Jahre später an der Universität Bremen den Grad eines Doktors der Rechtswissenschaft. Er ist aktives Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien und Vereinigungen. Zudem ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Kritische Justiz“. Veröffentlichung u. a. Die Verfassung der Republik (1996); Autorität und Integration (2003); Staatstechnik – Perspektiven auf Rechtsstaat und Ausnahmezustand (erscheint 2010 Suhrkamp stw).

Panel II: Rechtfertigungsnarrative in internationalen Verhandlungsprozessen

13.11.2009, 14.00 – 16.00 Uhr, Casino – Cas 823 Festsaal

Das Panel widmet sich Rechtfertigungsnarrativen aus politikwissenschaftlicher Perspektive. Dr. Pleuger verfügt wie kaum ein anderer über praktische Erfahrungen mit Rechtfertigungsnarrativen in internationalen Verhandlungen, sei es im Vorfeld des Irak-Krieges oder bei den Auseinandersetzungen um einen Ständigen Sitz der Bundesrepublik im Sicherheitsrat. Das Panel wird mit einem Beitrag von Prof. Dr. Klaus Dieter Wolf eingeleitet. Kommentiert wird der Vortrag von Dr. Pleuger von Prof. Nicole Deitelhoff, die sich mit den normativen Wirkungen multilateralen Verhandelns befassen wird.

Prof. Klaus Dieter Wolf

Einführung

Klaus Dieter WolfKlaus Dieter Wolf ist seit 1992 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt und einer der Principal Investigators des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Seine Forschungsschwerpunkte bilden Fragen der Effektivität und Legitimität des grenzüberschreitenden Regierens unter besonderer Berücksichtigung der Rolle privater Akteure. Professor Wolf ist seit 2005 Programmbereichsleiter und seit 2007 stellvertretender Direktor an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Neuere Veröffentlichungen: Die UNO. Geschichte, Aufgaben, Perspektiven 2005, Die neuen Internationalen Beziehungen. Forschungsstand und Perspektiven in Deutschland (Hrsg. zusammen mit Gunther Hellmann und Michael Zürn) 2003.

Dr. Gunter Pleuger

Die normativen Wirkungen multilateralen Verhandelns

Gunther PleugerGunter Pleuger studierte in Köln und Bonn Rechtswissenschaften und Politikwissenschaften an der ENA in Paris. 1966 Promotion zum Dr. jur. 1969 trat er in den Auswärtigen Dienst ein und wurde im darauf folgenden Jahr bei der deutschen UN-Vertretung in New York eingesetzt. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem als Leiter der Menschenrechtsabteilung im Auswärtigen Amt und von 1998 bis 2002 als Staatssekretär, übernahm er 2002 die Leitung der deutschen Vertretung bei der UN. Hier vertrat er Deutschland unter anderem im Weltsicherheitsrat, in dem Deutschland für die Zeit von 2003 bis 2004 nicht-ständiges Mitglied war. Im Herbst 2000 war er der deutsche Verhandlungsführer bei der EU-Konferenz in Nizza. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Pleuger zu Zeiten der Auseinandersetzung über den Irak-Konflikt, da er die Position Deutschlands, das zu dieser Zeit den Vorsitz des UNO-Sicherheitsrates innehatte, in zahlreichen Stellungnahmen im Sicherheitsrat vertrat. Zuletzt bemühte er sich zusammen mit den anderen sog. G4-Staaten um eine UNO-Reform und im Zuge dessen um einen ständigen Sitz Deutschlands im Weltsicherheitsrat. Am 9. Juli 2008 wurde Gunter Pleuger vom Senat der Europa-Universität Viadrina zum Präsidenten der Universität gewählt. Er trat zum 1. Oktober 2008 die Nachfolge von Gesine Schwan an.

Prof. Nicole Deitelhoff

Politische Praxis und politische Analyse. Ein Kommentar

Nicole DeitelhoffNicole Deitelhoff, Jahrgang 1974, studierte Politikwissenschaft, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der TU Darmstadt und absolvierte einen Masterstudiengang Political Science an der State University of New York at Buffalo. Im Jahr 2004 promovierte sie an der TU Darmstadt mit einer Arbeit über Überzeugungsprozesse in der internationalen Politik. Es folgten Positionen an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung sowie am Zentrum für interdisziplinäre Technikforschung der TU Darmstadt. 2008 bekleidete Deitelhoff eine Vertretungsprofessur am Institut für Interkulturelle und Internationale Beziehungen der Universität Bremen sowie eine Forschungsprofessur am dortigen Sonderforschungsbereich „Staatlichkeit im Wandel“. Neuere Publikationen: The Parliamentary Control of European Security Policy, RECON Report No. 3/2008 (Hrsg. zusammen mit Dirk Peters und Wolfgang Wagner); Ohne private Sicherheitsanbieter können die USA nicht mehr Krieg führen - Die Privatisierungsdimension der RMA, in: Jan Helmig (Hg.)/ Niklas Schörnig (Hg.), Die Transformation der Streitkräfte im 21. Jahrhundert. Militärische und politische Dimensionen der aktuellen "Revolution in Military Affairs", Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (Bd. 54), Frankfurt/M. 2008, 165-184.

Panel I: Rechtfertigungsnarrative in Übergangszeiten

13.11.2009, 10.30 – 12.30 Uhr, Casino – Cas 823 Festsaal

Ein Zeichen des Wandels normativer Ordnungen in Zeiten gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Umbrüche sind die Veränderungen, welche die Narrative der Rechtfertigung von Normen und normativen Ordnungen erfahren. Diese Veränderungen können sehr unterschiedliche Formen annehmen. Überlieferte Rechtfertigungsnarrative können durch Kritik geschwächt oder durch Alternativen verdrängt werden. Elemente aus Narrativen verschiedener Herkunft können ineinandergeschoben werden, Teile von Narrativen können neu interpretiert werden oder andere Funktionen der Rechtfertigung erhalten. Die Beziehungen von Rechtfertigungsnarrativ, Norm und normierter Praxis können sich verändern. Das Panel sucht den Formen und Funktionen solcher Modifikationen von Rechtfertigungsnarrativen an historischen Beispielen aus verschiedenen Zeiten nachzugehen.

Prof. Moritz Epple

Einführung

Prof. Dr. Moritz EppleProf. Dr. Moritz Epple. Nach einem Studium der Physik, Mathematik und Philosophie Promotion in mathematischer Physik im Jahr 1991 und Habilitation im Fach Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften im Jahr 1998. Von 2000 bis 2002 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2002-2003 Leiter der Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik am Historischen Institut der Universität Stuttgart. Seit Oktober 2003 Leiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Epples Forschungsinteressen gelten der Geschichte der mathematischen Wissenschaften des 18. bis 20. Jahrhunderts im wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenhang, u. a. der Rolle der mathematischen Wissenschaften in der europäischen Aufklärung, den Mathematisierungsprozessen in modernen Gesellschaften, und den Beziehungen zwischen Naturwissenschaft und Krieg. Neuere Publikationen: Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur (Hrsg. zusammen mit Birgit Bergmann), 2008; Science as Cultural Practice. Vol. 1: Cultures and Politics of Research from the Early Modern Period to the Age of Extremes (Hrsg. zusammen mit Claus Zittel), im Erscheinen; Science as Cultural Practice. Vol. 2: Modernism in the Sciences (Hrsg. zusammen mit Falk Müller), im Erscheinen.

Prof. Hans Kippenberg

Das Thomas-Theorem In der modernen Religionsgeschichte

Zur Differenz zwischen normativen Haltungen und Handlungen

Hans KippenbergHans G. Kippenberg, geboren 1939 in Bremen, seit 2008 „Wisdom Professor for Comparative Religious Studies“ an der Jacobs University Bremen, studierte in Marburg, Tübingen, Göttingen, Leeds (GB) und Berlin Theologie, semitische und iranische Sprachen sowie Allgemeine Religionsgeschichte. Von 1977-1989 war er Professor für vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Groningen (NL), von 1989 bis 2004 Professor für Theorie und Geschichte der Religionen an der Universität Bremen und zugleich von 1998 bis 2009 Fellow für Religionswissenschaft am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Er war zuvor Fellow am Netherland's Institute for Advanced Study in Wassenaar, am Wissenschaftskolleg zu Berlin, am Institute for Advanced Study in Princeton und am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld. Veröffentlichungen der letzten Jahre: Herausgeber zusammen mit T. Seidensticker von The 9/11 Handbook. Annotated Translation and Interpretation of the Attackers’ Spiritual Manual, 2006; Gewalt als Gottesdienst. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung, 2008; Herausgeber zusammen mit J. Rüpke / K. v. Stuckrad von Europäische Religionsgeschichte. Ein mehrfacher Pluralismus. 2 Bde. 2009.



Prof. Hartmut Leppin

Deo auctore

Die Christianisierung kaiserlicher Selbstdarstellung in der Spätantike

Hartmut LeppinHartmut Leppin (* 1963) wurde nach Studium der Geschichte und Klassischen Philologie in Marburg, Heidelberg, Pavia und Rom 1992 in Marburg mit einer Dissertation über die soziale Stellung römischer Bühnenkünstler promoviert. 1995 erfolgte die Habilitation an der FU Berlin mit einer Arbeit über politische Vorstellungen in der spätantiken Geschichtsschreibung. Nach Stationen in Greifswald, Nottingham und Göttingen seit 2001 in Frankfurt / Main. Er ist Principal Investigator des Exzellenzclusters. Seine gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte liegen auf der politischen Ideengeschichte der Antike sowie auf Christianisierungsprozessen in der spätantiken Gesellschaft. Neuere Publikationen: Theodosius der Große. Auf dem Weg zu einem christlichen Imperium, 2003 (it. und sp. Übersetzung 2008); The Church Historians I. Socrates, Sozomenus, and Theodoretus, in: G. Marasco (Hg.), Greek and Roman Historiography. Fourth to Sixth Century, 2003, 219-254; Power from Humility: Justinian and the Religious Authority of Monks, in: N. Lenski (Hg.), Shifting Frontiers (im Druck).

2. Internationale Jahreskonferenz des Exzellenzclusters

Rechtfertigungsnarrative
Legitimation und erzählende Verständigung

13.-14. November 2009
Goethe-Universität Frankfurt a. M. / Campus Westend

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

Zur Konferenz:
Plakat Jahreskonferenz 09Die zweite Jahreskonferenz des Frankfurter Exzellenzclusters zur „Herausbildung normativer Ordnungen“ widmet sich dem Thema der „Rechtfertigungsnarrative“. Mit Hilfe dieses Begriffs soll insbesondere die historische Dimension von Rechtfertigungsordnungen erschlossen werden, d.h. die Erzählungen, die sich zu Legitimationen sozialer Strukturen und Institutionen verdichten. Sie bilden keine homogenen Blöcke, sondern sollen in ihrer Pluralität, Konflikthaftigkeit und Dynamik analysiert werden.

Mit dem Schlagwort des ‚Rechtfertigungsnarrativs’ widmet sich die Jahreskonferenz einem zentralen Untersuchungsgegenstand des Clusters. Gemeint sind damit als Erzählung strukturierte Begründungen für die Legitimität oder Illegitimität normativer Ordnungen. Dabei geht es ebenso darum, Rechtfertigungsnarrative aus umfassenderen Diskursen gewissermaßen herauszupräparieren, wie den Umgang mit der Tatsache zu untersuchen, dass sich Rechtfertigungsnarrative ablösen und daher oft eine historische, potentiell selbstrelativierende Dimension in sich tragen müssen, ohne deshalb ihren Geltungsanspruch aufzugeben.

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Programm zum Download (pdf): hier

Programm:

Freitag, 13. November 2009
Casino – Cas 823 Festsaal

10:00 Uhr: Begrüßung
Prof. Rainer Klump, Vizepräsident der Goethe-Universität

10.15 Uhr: Einführungen
Prof. Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters
Prof. Andreas Fahrmeir, Koordinator Forschungsfeld 2

10.30 – 12.30 Uhr:
Panel I: Rechtfertigungsnarrative in Übergangszeiten

Einführung Prof. Moritz Epple
Vortrag Prof. Hans Kippenberg: "Das Thomas-Theorem In der modernen Religionsgeschichte. Zur Differenz zwischen normativen Haltungen und Handlungen"
Vortrag Prof. Hartmut Leppin: "Deo auctore - Die Christianisierung kaiserlicher Selbstdarstellung in der Spätantike"
Diskussion

12.30 Uhr: Mittagspause

14.00 – 16.00 Uhr:
Panel II: Rechtfertigungsnarrative in internationalen Verhandlungsprozessen
Einführung Prof. Klaus Dieter Wolf
Vortrag Dr. Gunter Pleuger: "Die normativen Wirkungen multilateralen Verhandelns"
Vortrag Prof. Nicole Deitelhoff: "Politische Praxis und politische Analyse. Ein Kommentar"
Diskussion

16.00 Uhr: Kaffeepause

16.30 – 18.30 Uhr:
Panel III: Menschenrechte als Rechtsfertigungsnarrative?
Einführung Prof. Klaus Günther
Vortrag Prof. Robert Howse: "Human Rights Discourse in World Trade"
Vortrag Prof. Günther Frankenberg: "Menschenrechte als Rechtsfertigungsnarrative"
Diskussion

19 Uhr: Empfang

Samstag, 14. November 2009
Hörsaal-Zentrum – HZ 3


10.00 – 12.30 Uhr:
Panel IV: Ästhetik von Rechtfertigungsnarrativen
Einführung Prof. Matthias Lutz-Bachmann
Vortrag Prof. Michael Hampe: "Erklärung durch Beschreibung"
Vortrag Prof. Martin Seel: "Narration und (De-)Legitimation. Der zweite Irak-Krieg im Kino"
Diskussion

12:30 Uhr: Mittagspause

14.00 – 16.00 Uhr:
Panel V: Ökonomische Rechtfertigungsnarrative

Einführung: Prof. Mamadou Diawara und Betram Schefold
Vortrag Prof. Harri Englund: "Economic Rights as a Justification Narrative: Poverty and Vulnerability in Africa"
Vortrag Prof. Keith Tribe: "The Limits of the Market: Walras versus Becker"
Discussion

16.00 Uhr: Schlussbemerkungen
Prof. Klaus Günther

Bildergalerie:

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Aktuelles

„Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ untersucht in Zukunft die Bedingungen produktiver Konflikte

Die Arbeit in dem Frankfurter Teil des neuen Instituts baut auf der elfjährigen Zusammenarbeit der WissenschaftlerInnen im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Frankfurter Fachbereich Gesellschaftswissenschaften auf. Projektleiterin in Frankfurt ist Prof. Nicole Deitelhoff. Stellvertretende Sprecher sind Prof. Daniela Grunow und Prof. Rainer Forst. Mehr...

Leibniz-Preis für Nicola Fuchs-Schündeln

Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Makroökonomie und Entwicklung und Principal Investigator des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen", ist Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträgerin 2018. Mehr...

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22. November 2018, 12.30 Uhr

Crisis Talks: Die Krise Europas als Krise ihres Mehrwerts? Mehr...

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Jahreskonferenz des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnugnen"Revolution, Reaktion, Restauration: Umbrüche normativer Ordnungen. Mehr...

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Frankfurter Bürger-Universität "50 Jahre in Bewegung – 1968 und die Folgen"Erinnern, Bekennen, Schuld, Aufarbeitung: 1968 und der Holocaust. Mit: Dr. Götz Aly, Dr. Tobias Freimüller, Prof. em. Michael Stolleis. Moderation: Sandra Kegel. Mehr...

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Der Friedensprozess und das demokratische System in Kolumbien: Die Rolle der Wahlgerichtsbarkeit im Postkonflikt

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Zwei schlechte Hälften ergeben kein Ganzes. Zur Krise der Demokratie

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46. Römerberggespräche "Die neue Lust an der Zerstörung – oder wie die Demokratie ihre Fassung bewahrt"

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