Ringvorlesung des Exzellenzclusters Sommersemester 2012

Normativität und Geschichtlichkeit: Frankfurter Perspektiven II

„Normativität und Geschichtlichkeit“ markiert ein Spannungsverhältnis. (Fast) jede normative Ordnung reklamiert für sich, sowohl gut begründet als auch überall und immer gültig zu sein. Jede ethnologisch oder historisch inspirierte Betrachtung der Welt geht dagegen von der Prämisse aus, dass „Kulturen“ und „Epochen“ jeweils eigene normative Ordnungen entwickeln, die sich schneller oder langsamer wandeln. Obgleich alle normativen Ordnungen Strategien der Immunisierung gegen Wandel, für Umgänge mit anderen Normensystemen sowie für Dissens entwickeln und sich über lange Zeit auf die gleichen Texte beziehen können, sind sie also aus dieser Perspektive ständig im Fluss – zumal sie von jedem Individuum an jedem Ort im Detail unterschiedlich ausgelegt und in etwas andere Praktiken überführt werden. Das stellt die empirische Erforschung normativer Ordnungen vor erhebliche Probleme, denn jede Beschreibung des Wandels normativer Ordnungen basiert auf einer Mischung aus Beobachtungen (die auf unterschiedlich dichten Überlieferungen gegründet sind) einerseits, Konstruktionen und Annahmen darüber, was die jeweilige Ordnung im Kern ausmacht, andererseits. Die Ringvorlesung behandelt diese Problematik an zwei Arten von Beispielen: Momenten des Wandels normativer Ordnungen und Konstellationen, in denen normative Ordnungen direkt miteinander in Kontakt treten und gegebenenfalls in Konflikt geraten. Neben der empirischen Beschreibung reflektiert sie das Problem einer ethnologischen oder historischen Beschreibung normativer Ordnungen selbst. Sie setzt somit mit anderem Akzent die Vorstellung der Ergebnisse der ersten Förderphase des Clusters fort, die im letzten Semester mit einem eher philosophisch-politikwissenschaftlichen Blick auf Normativität begonnen wurde. Thematisch reichen die Frankfurter historischen und ethnologischen Perspektiven vom alten Ägypten bis zur Gegenwart; geographisch umfassen sie den Blick auf Europa ebenso wie den auf Beziehungen zwischen Europa und einer als „außereuropäisch“ gedachten Welt oder auf postkoloniale Konstellationen. Wir hoffen sehr, dass dieses (weitere) Spannungsfeld zwischen vielseitiger Empirie und systematischer Fragestellung möglichst
viele Interessentinnen und Interessenten dazu reizen wird, die Ergebnisse zu rezipieren, zu diskutieren und weiter zu denken.

Campus Westend, Casino 1.811 (am 30. Mai 2012, 18 Uhr c. t. in HZ15)

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Programm:

11. April 2012, 16 Uhr c. t.
Normwandel und Medien im subsaharischen Afrika
Prof. Mamadou Diawara, Dr. Ute Röschenthaler
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18. April 2012, 16 Uhr c. t.
Mathematik vs. König - Herausbildung einer normativen Ordnung der
Lebenswelt der altägyptischen Experten
Prof. Annette Warner
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2. Mai 2012, 16 Uhr c. t.
Das christliche Kaisertum
Ein europäisches Paradox
Prof. Hartmut Leppin
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16. Mai 2012, 16 Uhr c. t.
Wirtschaftstheorie, Normsetzung und Herrschaft
Freihandel, »Rule of Law« und das Recht des Kanonenboots
Prof. Andreas Fahrmeir, Dr. Verena Steller
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23. Mai 2012, 16 Uhr c. t.
Plädoyer für eine Ikonologie der Geschichtswissenschaft
Prof. Bernhard Jussen
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30. Mai 2012, 18 Uhr c. t.
Was ist Wandel »normativer Ordnungen« im Europa des 16./17. Jahrhunderts?
HZ15
Prof. Luise Schorn-Schütte
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6. Juni 2012, 16 Uhr c. t.
Die Herausbildung moderner Geschlechterordnungen in der islamischen Welt
Prof. Susanne Schröter
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13. Juni 2012, 16 Uhr c. t.
Die Moral der Gleichheit Jean d‘Alembert zwischen moderater und radikaler Aufklärung
Prof. Moritz Epple
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20. Juni 2012, 16 Uhr c. t.
Kosmopolitische Dynamik im Völkerrecht?
Prof. Matthias Lutz-Bachmann
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27. Juni 2012, 16 Uhr c. t.
Teilen und Herrschen
Afrika und die französische Kolonialadministration des Ancien Régime
Dr. Benjamin Steiner
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4. Juli 2012, 16 Uhr c. t.
Die Indigenenbewegung in den ehemaligen britischen Siedlerkolonien
Prof. Karl-Heinz Kohl
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11. Juli 2012, 16 Uhr c. t.
Schutzherrschaft revisited
Kolonialismus aus afrikanischer Perspektive
Dr. Stefanie Michels
Weitere Informationen: Hier...

Veranstalter:
Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen"


Aktuelles

Newsletter aus dem Forschungszentrum „Normative Ordnungen“

Zukünftig informiert ein Newsletter über aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und wissenswerte Entwicklungen im Forschungszentrum „Normative Ordnungen“. Die erste Ausgabe finden Sie hier...

Nächste Termine

30. Januar 2023, 19.30 Uhr

DenkArt "Kunst_weggespart oder systemrelevant?": Prof. Dr. Juliane Rebentisch (Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main): Keine Gesellschaft ohne Kunst? Mehr...

1. Februar 2023, 18.00 Uhr

Virtuelle Ringvorlesung"Algorithms // A Brave New World?": Johann Laux, Oxford Internet Institute: The New Laws of Oversight: What to Do with Human Discretion in the Age of Artificial Intelligence? Mehr...

2. Februar 2023, 18.00 Uhr

Virtuelle Ringvorlesung"Algorithms // A Brave New World?": Hannah Ruschemeier (FernUniversität Hagen): Datafication and Collectiveness as a challenge for Law. Mehr...

2. Februar 2023, 19 Uhr

"Vertrauen und Protest in der Demokratie" Diskussionsreihe der Frankfurter Bürger-Universität: Unsichtbarer Widerstand – Vertrauen und Protest in der Demokratie. Mehr...

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Judging Facts, Judging Norms: Training Machine Learning Models to Judge Humans Requires a New Approach to Labeling Data

Gillian Hadfield (University of Toronto)
Ringvorlesung "Algorithms // A Brave New World?"

Verkehrt die Welt: Buñuels Le fantôme de la liberté

Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Co-Sprecher der Forschungsinitiative "ConTrust" am Forschungsverbund "Normative Ordnungen")
Lecture and Film: Kino am Abgrund der Moderne. Die Filme von Luis Buñuel

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