Die Partikularisierung der politischen Ökonomie im kolonialen Indien: von der Kritik der Britischen „Moral and Material Improvements“ zur Herausbildung post-kolonialer normativer Ordnungen

Katja Rieck

Zwischen dem 16. und 17 Jh. entstand in Großbritannien eine normative Ordnung geleitet von der Idee einer Commercial Society, in der England und seine Kolonien, wie Indien, durch das gemeinsame Common-Wealth miteinander verbunden waren. Diese Vorstellung ging einher mit der Etablierung der politischen Ökonomie als Wissenschaft, die universell gültige Leitlinien für die Verwirklichung dieser normativen Ordnung stellte. Somit wurde die politische Ökonomie zur Wissenschaft des guten Regierens und rechtfertigte zugleich ein Empire of Free Trade. Im Verlauf des 19 Jh. wurden jedoch diese kolonialen Rechtfertigungen scharfer Kritik unterzogen, als die Universalität ihrer Gültigkeit von indischen Intellektuellen zurückgewiesen wurde. Aus der indischen Kritik an der kolonialen Ordnung wurden neue normative Ordnungen entwickelt, welche der Gestaltung eines autonomen Indiens zugrunde liegen sollten. Anhand dieses Fallbeispiels soll beleuchtet werden, wie in der Herausbildung und Transformation normativer Ordnungen nicht nur Vorstellungen mit universalen Geltungsansprüchen – subsumiert unter dem Begriff Wissenschaft -  mit der Faktizität partikularer Gegebenheiten konfrontiert werden, sondern dass auch Vorstellungen mit betont partikularen Geltungsansprüchen die normative Grundlage einer Gesellschaft bilden können. Worauf die normative Kraft des Partikularen basiert ist eine Frage, die in diesem Vortag reflektiert wird.


Aktuelles

Rainer Forst zu Corresponding Fellow der British Academy gewählt

Wie die British Academy am 24. Juli bekannt gab, wurde Prof. Rainer Forst als Corresponding Fellow aufgenommen. Jährlich wählt die British Academy herausragende Gelehrte und Wissenschaftler*innen, die sich auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften international verdient gemacht haben zu Corresponding Fellows. Mehr...

Bundesministerin Karliczek gibt Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek am 28. Mai 2020 den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei waren Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni, Normative Orders), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen). Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. Mehr...

Nächste Termine

27. Oktober 2020, 19.30 Uhr

Online Discussion: Rethinking the Transatlantic: The U.S. Elections and the Challenges to a Sustainable Transatlantic Partnership. With Ambassador Daniel Benjamin, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff and Jürgen Trittin MP. Chair: Rebecca C. Schmidt. Mehr...

6. November 2020, 16 Uhr

Online-Buchpräsentation: Debating Critical Theory - Engagements with Axel Honneth. Mit: Amy Allen, Rainer Forst, Sally Haslanger, Axel Honneth, Beate Rössler und Martin Saar. Moderation: Daniel Loick und Kristina Lepold. Mehr...

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Neueste Medien

„Autoritäre Bedrohungen oder liberale Demokratie?“ – Die offene Gesellschaft im Ausnahmezustand

Prof. Wilhelm Heitmeyer
DenkArt „Der normalisierte Ausnahmezustand“

Normative Orders Insights

... mit Jakob Huber

Neueste Volltexte

Darrel Moellendorf (2020):

Hope and reasons. Normative Orders Working Paper 02/2020. Mehr...

Kettemann, Matthias (2020):

The Normative Order of the Internet. Normative Orders Working Paper 01/2020. Mehr...