Forschungsprogramm

Froschungsprojekte 2012-2017

Hier finden Sie in kürze die Forschungsprojekte zur Clusterlaufzeit 2012 -2017.

Froschungsprojekte 2012-2017

Hier finden Sie in Kürze die Frorschungsprojekte für die Clusterlaufzeit 2012-2017.

Forschungsprogramm

Mit dem thematischen Fokus auf die Herausbildung normativer Ordnungen werden die gegenwärtigen Konflikte um eine gerechte Weltordnung und ihre historische Genese aus der Perspektive verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen (Philosophie, Geschichte, Politik- und Rechtswissenschaft, der Ethnologie, Ökonomie, Religionswissenschaft und Soziologie) untersucht. Im Unterschied zu funktionalistischen Erklärungsversuchen, die sich stets auf normexterne Faktoren beziehen – und die ihre wissenschaftliche Berechtigung haben – geht es dem Cluster um die internen Konflikte, Prozesse und Prozeduren bei der Herausbildung normativer Ordnungen. Normative Ordnungen dienen der Rechtfertigung von Ansprüchen auf Geltung und, darauf gestützt, auf Herrschaft und eine bestimmte Verteilung von Gütern und Lebenschancen. Sie sind eingebettet in Rechtfertigungsnarrative, die in singulären historischen Konstellationen unter einem spezifischen Problemdruck entstehen und zumeist über lange Zeiträume tradiert, modifiziert, institutionalisiert und praktiziert werden. Jedoch weist jedes tradierte Rechtfertigungsnarrativ immer zugleich über die Faktizität einer bestehenden Ordnung hinaus und bietet so Anknüpfungspunkte für Kritik, Zurückweisung oder auch Widerstand. Es ist diese performative Spannung zwischen Rechtfertigungsnarrativ und Rechtfertigungsanspruch, aus der sich die konfliktreiche Dynamik der Herausbildung und Veränderung normativer Ordnungen verstehen lässt.

Die an dem Exzellenzcluster beteiligten Wissenschaftler/-innen finden in diesem internen Standpunkt ihre gemeinsame Grundlage, von der aus sie mit ihren jeweils eigenen Mitteln die Herausbildung normativer Ordnungen untersuchen und sich zugleich reflexiv über diese gemeinsame Grundlage verständigen. Ohne die Unterscheidung zwischen interner und externer Perspektive auf die Herausbildung normativer Ordnungen zu verabsolutieren, lässt sich in gegenwärtigen Konflikten doch beobachten, dass Menschen ihre Unrechtserfahrungen unmittelbar artikulieren – mit allen Ambivalenzen, zumal dann, wenn solche Artikulationen in einer bisher nicht gekannten Weise durch Massenmedien rasch global verbreitet werden. Individuelle und kollektive Erfahrungen von Ungerechtigkeit, von Missachtung und Demütigung, von mangelndem Respekt vor der eigenen Würde steigern sich zu normativen Ansprüchen, die mit verschiedenen Gründen an verschiedene Adressaten gerichtet werden, notfalls auch mit Gewalt. So lässt sich gegenwärtig nur ahnen, welche heftigen Konflikte um gerechte normative Ordnungen der aktuell prognostizierte globale Klimawandel zeitigen wird – welche Verteilungskämpfe um knapper werdende lebenswichtige Ressourcen in den stärker belasteten Regionen, welche sozialen und kulturellen Kämpfe, wenn die vorhersehbaren massenhaften Migrationen in die klimatisch günstigeren Zonen beginnen.

Die Betroffenen nehmen dabei keine Rücksicht auf funktionale Differenzierungen von globalen Sozialsystemen oder auf semantische und institutionelle Unterschiede zwischen Recht, Moral und Religion. Während Menschen handeln und sprechen, sind sie gewiss auch anonyme Kreuzungspunkte von gesellschaftlichen Kommunikations- und unbewussten Symbolsystemen, bloße Spielmarken in einem strategischen Spiel um Rohstoff- oder Absatzmärkte oder von Massenmedien instrumentalisierte Sprachrohre partikularer Interessengruppen. Es geht im Forschungsprogramm nicht darum, die Geistes- und Sozialwissenschaften wieder in einen anthropologischen Schlummer zu versetzen und an einem Menschenbild auszurichten, das seine Kontextbestimmtheit verleugnet und sich zu einem transzendentalen Apriori aufspreizt. Uns erscheinen jedoch die tatsächlichen Empörungen über Ungerechtigkeiten – wie berechtigt, einseitig, selektiv und verzerrt sie im Einzelfall auch sein mögen – als hinreichende empirische Evidenz, um zu fragen, wie heutzutage eine Theorie der Herausbildung normativer Ordnungen jenseits der Dichotomie zwischen Handlungs- und Struktur- oder Systemtheorie möglich ist, die angesichts der globalen Herausforderungen einen strukturtheoretischen Quietismus ebenso vermeidet wie einen handlungstheoretischen Alarmismus.

 


Aktuelles

„Normative Ordnungen“, herausgegeben von Rainer Forst und Klaus Günther, erscheint am 17. April 2021 im Suhrkamp Verlag

Am 17. April 2021 erscheint der Sammelband „Normative Ordnungen“ im Suhrkamp Verlag. Herausgegeben von den Clustersprechern Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, bietet das Werk einen weit gefassten interdispziplinären Überblick über die Ergebnisse eines erfolgreichen wissenschaftlichen Projekts. Mehr...

Das Postdoc-Programm des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“: Nachwuchsförderung zwischen 2017 und 2020

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist seit je her ein integraler Bestandteil des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“. Das 2017 neu strukturierte, verbundseigene Postdoc-Programm bietet die besten Bedingungen zu forschen und hochqualifizierte junge Wissenschaftler*innen zu fördern. Zum Erfahrungsbericht: Hier...

„Symposium on Jürgen Habermas’ Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Rainer Forst erschienen

Als jüngste Ausgabe der Zeitschrift "Constellations: An International Journal of Critical and Democratic Theory" ist kürzlich das „Symposium on Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie“ herausgegeben von Prof. Rainer Forst erschienen. Mehr...

Nächste Termine

17. Juni 2021, 16 Uhr

ConTrust Speaker Series: Prof. Dr. Martin Hartmann (Professor für Philosophie, mit Schwerpunkt Praktische Philosophie der Universität Luzern): Vertrauen und Konflikt. Anmerkungen zu einer komplexen Konstellation. Mehr...

23. Juni 2021, 13 Uhr

Crisis Talk: Lehren aus der Pandemie - Das europäische und das globale Krisenmanagement der EU. Mehr...

23. Juni 2021, 18.00 Uhr

Digital Lecture Series "Algorithms - Between Trust and Control": Virtual Roundtable: The Freedom to Deviate in the Algorithmic Society?. More...

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Neueste Medien

Solidarität_Welche Rolle spielen Emotionen, Regeln, Infrastrukturen?

Prof. Dr. Sighard Neckel (Universität Hamburg und Assoziiertes Mitglied des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbundes "Normative Ordnungen")
DenkArt "Solidarität_Aber wie?"

Das vermessene Leben

Prof. Dr. Vera King (Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts Frankfurt, PI von ConTrust)
Ringvorlesung "Algorithms - Between Trust and Control"

Videoarchiv

Weitere Videoaufzeichnungen finden Sie hier...

Neueste Volltexte

Rainer Forst (2021):

Solidarity: concept, conceptions, and contexts. Normative Orders Working Paper 02/2021. Mehr...

Annette Imhausen (2021):

Sciences and normative orders: perspectives from the earliest sciences. Normative Orders Working Paper 01/2021. Mehr...