Mitarbeiterprofil

Hannappel, Tina

ehem. Mitglied


Projekte und Positionen im Cluster

Forschungsthema

Transnationale Strafrechtsregime von 1871-1914. Die Reaktionen der deutschen und europäischen Rechtssysteme auf politische Kriminalität

Kurzbeschreibung Forschungsthema

Das Dissertationsvorhaben untersucht im Rahmen der Forschungsinitiative „Die Formierung transnationaler Strafrechtsregime in der Moderne“ die Rolle politischer Gewalt in der Bildung einer fragmentierten Ordnung im transnationalen Strafrecht von 1871 bis 1914. Dieser Zeitraum von der Etablierung einer nationalen Rechtsordnung im Deutschen Reich bis zum kriegsbedingten Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den Kriegsgegnern bietet ein lohnendes Untersuchungsfeld transnationalen Strafrechts, da eine Zunahme politischer Gewalt, insbesondere durch anarchistische Attentate, als internationale Verschwörung und fundamentale Bedrohung des Staats- und Gemeinwesens wahrgenommen wurde. Um diese Gefahren abzuwehren, intensivierten sich die transnationalen Aktivitäten in der Strafverfolgung, welche sich an den Schnittstellen der Auslieferung, des Asyls und der Rechtshilfe manifestierten. Da das Strafrecht ein Element des nationalstaatlichen Souveränitätsanspruchs darstellte, konnte nationales und transnationales Recht dabei miteinander in Konkurrenz treten.

Die Untersuchung nimmt weniger die Ursachen politischer Kriminalität in den Blick als deren Wahrnehmung als Bedrohung, welche rechtliche Reaktionen auch auf transnationaler Ebene generieren konnte. An diesen Reaktionen waren multiple interdependente Akteure und Aktionen beteiligt, u.a. die Polizeien, Gerichte oder der Gesetzgeber, welche in ihrer Gesamtheit ein Strafrechtsregime konstituierten. Dessen Reaktionen fanden auf multiplen Ebenen statt, wobei sich die Dissertation primär auf die der Normen, des Diskurses und der Praxis stützt. Erstere umfasst Auslieferungsverträge, Asylrecht und Rechtshilfeabkommen. Auf zweiter Ebene bietet der zeitgenössische Expertendiskurs reiches Quellenmaterial, das auf seinen Einfluss auf die Ausformung von Rechtsnormen untersucht wird. Die dritte Untersuchungsebene bildet die in der Forschung vernachlässigte Rechtspraxis der grenzübergreifenden Strafverfolgung politischer Dissidenten, die anhand von Fallbeispielen nachgezeichnet werden soll.

Ziel dieser Untersuchung ist es aufzuzeigen, wie sich in diesem Spannungsfeld konkurrierenden Rechts grenzübergreifende Verfolgung politischer Kriminalität und politischer Gewalt dargestellt hat. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, ob sich durch diese Aktivitäten eine fragmentarische Ordnung im transnationalen Strafrecht ausbilden konnte.

Biografische Angaben

Seit 11/2011 Doktorandin am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte

04/2005 – 04/2011 Magisterstudium der Neueren Geschichte und Amerikanistik an der Philipps-Universität Marburg

08/2007 – 05/2008 2 Auslandssemester an der Universität von Turku/Finnland im Rahmen des europäischen Erasmus-Programmes

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