Meilenstein der Ausstellungsgeschichte

„Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ trifft auf positive Resonanz

UniReport, 5. April 2012, S. 16

Die „Demonstrationen“ waren erfolgreich. Der Spiegel berichtete ebenso wie die ZEIT, die FAZ und viele andere. Von einer „eindrucksvollen Ausstellung“, die „wach macht“, war die Rede. Und auch beim Publikum kam die Ausstellung „Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen“ an, die zu den bestbesuchten des Frankfurter Kunstvereins in den vergangenen zehn Jahren gehört. Der mitveranstaltende Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität freut sich zudem über viele Veranstaltungen und gelungene Dialoge mit der interessierten Öffentlichkeit – auch unter vier Augen wie beim „Amt für Umbruchsbewältigung“, einem, laut Kritikermeinung, „Höhepunkt“ des gesamten Projekts, das vom 20. Januar bis 25. März stattfand.
Die eigentliche Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins war, wie es ebenfalls im Medienecho hieß, „der Zentralknoten eines Netzwerkes von Diskussionsveranstaltungen und Performances“. Gelobt wurde die gelungene Verbindung von historischen Werken und zeitgenössischen Arbeiten. Die Schau nutze „Zeitsprünge, um ein Gefühl für die Gesamtheit des Themas zu vermitteln“. Zur Ausstellung gehörten Beispiele für Protestbewegungen in der Epoche des Vormärz und Darstellungen der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Diese Exponate wurden mit aktuellen Positionen in Beziehung gesetzt. Zu den rund 40 Künstlern, die mit Arbeiten oder Aktionen vertreten waren, zählte auch der Ägypter Aalam Wassef, ein von der Kritik hervorgehobener „bewundernswürdiger Künstler“, der als Blogger gegen das Regime agitierte und als Künstler für seine gleichermaßen dokumentarisch wie subjektiv wirkenden Videoarbeiten höchste Anerkennung findet.
„Für den Frankfurter Kunstverein zählt ‚Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen‘ zu einem Meilenstein in der jüngeren Ausstellungsgeschichte“, freut sich Holger Kube Ventura, Direktor des Kunstvereins. „Erstmals haben wir gemeinsam mit einem Forschungsverbund ein Kooperationsprojekt realisiert, das in Form, Inhalt und Resultat als einmalig gelten kann.“ Die Ausstellung sei auch für den Cluster und die gesamte Universität ein großer Erfolg – und das „sowohl mit Blick auf den Wissenstransfer als auch den wissenschaftlichen Ertrag einer Synergie zwischen ästhetischen und normativen Fragen“, resümiert Peter, Scientific Manager des geistes- und  sozialwissenschaftlichen Forschungsprojektes. Der Cluster hat im wissenschaftlichen Rahmenprogramm zahlreiche Vorträge und Podiumsdiskussionen angeboten. Themen waren unter anderem das „Protestjahr“ 2011 und die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Demokratie. Zu den Teilnehmern zählte auch Joachim Gauck, jetzt Bundespräsident. Und nicht zu vergessen: „Mit dem ‚Amt für Umbruchsbewältigung‘ haben wir ein innovatives Format geschaffen, das das Wissen der Universität in die Mitte der Stadt trägt und sehr gut angenommen wurde“, so Peter Siller.
Beim „Amt“ standen rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Clusters an einem Wochenende für jeweils zwanzigminütige Einzelgespräche zur Verfügung. „Wir haben uns gefreut, dass das Presse- und Informationsamt Teil dieser außergewöhnlichen Aktion war“, sagt der Hausherr Nikolaus Münster. „Mit dem ‚Amt für Umbruchsbewältigung‘ haben Stadt, Universität und Kunstverein gemeinsam positiv in die Stadtgesellschaft hineingewirkt. Die Aktion hat aber auch die Phantasie angeregt, über weitere Kooperationen nachzudenken.“
Was heißt Gerechtigkeit? Welche Rolle spielt Anerkennung im Arbeitsleben? – Über solche oder ähnliche Themen konnte jeder Interessierte mit einem Clusterexperten
sprechen – auch mit Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Philosoph und Vizepräsident der Goethe-Universität: „Der Cluster und auch die gesamte Universität öffnen sich ganz bewusst und kontinuierlich der allgemeinen Öffentlichkeit. Doch solch ein unmittelbarer Dialog ist schon außergewöhnlich“, sagt Lutz-Bachmann, der die Beratungen auch für sich selbst als gewinnbringend und als „produktive Herausforderung“ empfunden hat. Bernd Frye

Informationen:
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ausstellungsprojekt


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