"Laboratorium der Gerechtigkeit"

Neubau für Forschungsverbund auf Uni-Campus eröffnet

Wer im HNO-Gebäude auf dem Westend-Campus arbeitet, der kuriert keine schmerzenden Hälse oder taube Ohren, sondern will die Welt heilen. Oder zumindest verstehen, woran ihre Gesellschaftssysteme kranken. Aber auch herausfinden, was eine gerechte Gesellschaft überhaupt ausmacht. Die rund 145 Forscher, die in dem würfelförmigen Travertinbau an der Hansaallee ihre Büros haben, gehören zu dem Exzellenzverbund mit dem sperrigen Namen "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Da ist das Kürzel HNO, das auch Universitätspräsident Werner Müller-Esterl gerne verwendet, deutlich einprägsamer.

Schon im September bezogen die Soziologen, Politologen, Philosophen und Rechtsgelehrten den rund elf Millionen Euro teuren Neubau, den Bund und Land gemeinsam finanziert haben. Erst gestern aber wurde offiziell Eröffnung gefeiert, mit Gästen aus Wiesbaden und Berlin. Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte in ihrem Grußwort, im HNO-Bau würden sich vermutlich mehr Politik-Gestalter begegnen als in jedem anderen Gebäude der Goethe-Universität. Damit könnte sie recht haben, denn unter dem Dach des sogenannten Exzellenzclusters - seit 2007 gefördert mit Geld aus dem Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern - treffen sich Denker aus aller Welt. Sie untersuchen, wie im menschlichen Zusammenleben Normen entstehen, wie sie gerechtfertigt und warum sie in Frage gestellt werden. Solche Studien sind nach Ansicht von Helge Braun (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, ein großer Gewinn: Die Erkenntnisse der Geistes- und Sozialwissenschaftler würden gebraucht, um die gegenwärtigen Umwälzungen von der Energiewende bis zu den Unruhen in Afrika zu deuten und zu beeinflussen. Dies hob auch Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hervor, der den Beitrag des Exzellenzverbundes zur Debattenkultur in der Stadt lobte.

Klaus Günther, einer der Sprecher des Forschungsnetzes, sieht den Cluster keinesfalls als ein "Zentrum für die Produktion von Sonntagsreden". Gerade die vielen internationalen Gäste werden nach seiner Überzeugung dafür sorgen, dass sich der HNO-Bau in ein "brodelndes und dampfendes Laboratorium der Gerechtigkeit" verwandelt. zos.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Februar 2013, Sascha Zoske,© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

 

 


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