Exzellenzinitiative soll ausgeweitet werden

oll. BERLIN, 20. Oktober. Die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern soll fortgesetzt werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Die neue Förderrunde soll noch Ende des Jahres 2016 beginnen, auch wenn sie erst von 2018 an wirksam wird, weil die jetzt geförderten Projekte noch bis Ende 2017 laufen. Neu soll bei einer weiteren Runde der Initiative sein, dass auch die Lehre mit einbezogen wird. Es sollen Fördermöglichkeiten für "alle Leistungsbereiche der Hochschule" beantragt werden können, die deren fachliches und strategisches Profil unterstützen, heißt es in der Beschlussvorlage. Gezielt gestärkt werden soll die Zusammenarbeit von Hochschulen untereinander und "mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie der Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Akteuren in regionalen Verbünden, Netzwerken oder neuen institutionellen Formen".
 
Wie bei den drei früheren Runden der Exzellenzinitiative soll auch exzellente grundlagen- und anwendungsorientierte Spitzenforschung in Universitäten gefördert werden können. Damit hätten die jetzt ausgezeichneten Universitäten die Chance, sich für eine weitere Förderperiode zu bewerben. Zwar soll es sich weiterhin um ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren handeln, das "Transparenz und Akzeptanz der Auswahlentscheidungen innerhalb der Wissenschaft befördert" und den erfolgreichen Standorten international hohe Anerkennung sichert, doch soll sich die neue Exzellenzinitiative nicht mehr - wie bisher - allein auf Spitzenforschung innerhalb von Universitäten beziehen. Denkbar ist bei der neuen Vorlage, dass auch andere Hochschularten wie Fachhochschulen für andere Leistungsbereiche ihrer Universität erfolgreich abschneiden. Einzelheiten für den neuen Wettbewerb soll die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz erarbeiten. Dabei sollen auch die Ergebnisse der Evaluation der Exzellenzinitiative berücksichtigt werden, die 2016 vorliegen sollen.
 
Erst vor kurzem hatten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wissenschaftsrat und die Sprecher der von der Exzellenzinitiative geförderten Cluster und Graduiertenschulen sowie die Universitätsrektoren und -präsidenten an die Politik appelliert, eine "schnelle Grundsatzentscheidung über die Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative" zu treffen. Die strukturbildende Wirkung der Exzellenzinitiative, die vor allem im Ausland zu größerer Sichtbarkeit geführt habe, sei nur durch längere Förderzeiträume zu sichern, hieß es in dem Appell nach einer gemeinsamen Tagung in Bad Honnef.
 
Am 30. Oktober wird die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, in der die Wissenschaftsminister der Länder, das Bundesfinanzministerium sowie das Bundesbildungsministerium vertreten sind, über die Beschlussvorlage entscheiden und ihr Votum dann der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder zu ihrer Sitzung am 11. Dezember mit der Bitte um Zustimmung zuleiten. Damit hätten die Universitäten die Planungssicherheit, die sie mehrfach angemahnt hatten. Denn in den Projekten der Exzellenzinitiative sind Tausende junger Nachwuchswissenschaftler beschäftigt, die sich bald auf langfristige Stellen bewerben, wenn sie nicht die Chance auf eine Weiterarbeit in ihrer Forschungsfrage sehen.
 
Bund und Länder hatten im Juni 2009 beschlossen, die Exzellenzinitiative bis zum Jahr 2017 mit einem Gesamtfördervolumen von 2,7 Milliarden Euro fortzusetzen. Die vorgesehenen Mittel wurden vom Bund und dem jeweiligen Sitzland der geförderten Projekte im Verhältnis 75 zu 25 getragen. Im Juni 2012 war die Entscheidung für die dritte Runde der Exzellenzinitiative gefallen. Insgesamt 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte (Exzellenzuniversitäten) konnten sich in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren durchsetzen.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Oktober, oll. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv


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