"Klimaschutz muss fair sein". Podiumsdiskussion im Forschungskolleg

heln. BAD HOMBURG. Ärmere Länder sollten von den Klimaschutzverpflichtungen befreit werden. Das hat der Kieler Philosophieprofessor Konrad Ott gefordert. Nur so hätten diese Staaten eine Chance auf faire Entwicklung, sagte Ott auf einer Podiumsdiskussion des Forschungskollegs Humanwissenschaften zum Thema "Klimawandel und Gerechtigkeit".

Ott unterstützte damit die Argumentation von Darrel Moellendorf, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm: "Arme Länder haben einen Anspruch auf die Steigerung ihres Energieverbrauchs, um ihrer Armut zu entkommen", sagte der Frankfurter Philosophieprofessor. Die Politik dürfe sich nicht darauf beschränken, den Klimawandel zu bekämpfen, sie müsse zugleich die Rechte ärmerer Länder im Blick behalten. Hierbei müssten die reicheren Staaten soziale Verantwortung übernehmen.

Nach Ansicht aller Referenten des Abends haben die bisherigen Verhandlungen über den Klimaschutz nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Mit Blick auf den Pariser Klimagipfel im Dezember forderten sie einen umfassenden Plan, um die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu minimieren.

Ausdrücklich warnten Moellendorf sowie der Klimaforscher und frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Hermann Ott vor Plänen für ein sogenanntes Climate Engineering. Gemeint sind damit großräumige Eingriffe in die chemischen Kreisläufe der Erde, um sie künstlich abzukühlen. Moellendorf hält solche Überlegungen für "besorgniserregend", Ott sprach von einer "No-Exit-Option". Climate Engineering könne nicht der Plan B sein, um den Klimawandel zu stoppen.

Die Zuhörer der Diskussion forderte Ott auf, sich einzumischen und die Politik nicht den Profis zu überlassen. Außerdem könne jeder seinen eigenen ökologischen Fußabdruck verkleinern, indem er die "drei großen F" vermeide oder reduziere: "Fahren, Fliegen, Fleischessen".

Eine Fotoausstellung im Foyer des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, zeigt Porträts von Menschen, denen der Klimawandel die Lebensgrundlage entzogen hat. Die Bilder können bis zum 15. Mai montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2015, heln. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.


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