Siebenkäs und sein Recht. Der Autor Michael Stolleis

"Nahes Unrecht, fernes Recht" heißt sein jüngster Band, der nächste ist schon auf dem Weg. "Aufhören kann man nicht", sagt Michael Stolleis, Jahrgang 1941. Das Buch zum deutschen Rechtsstaat und wie er im Nationalsozialismus "aus dem Gleis geriet", das im Herbst erschienen ist, versammelt Aufsätze, auch ein persönliches Interview zu Recht und Nationalsozialismus. Es ist ein Thema, das Stolleis schon seit der Studienzeit beschäftigt, als darüber geschwiegen wurde. Als Historiker des öffentlichen Rechts ordnet Stolleis auch in diesen kurzen Texten Fakten und Bedingungen.

Dass er das Buch anlässlich der "Frankfurter Premieren" in der Villa Metzler präsentierte, wo sonst eher Romanautoren ihre Werke vorstellen, hatte aber durchaus seine Richtigkeit. Denn Stolleis, der seit 1975 an der Frankfurter Goethe-Universität Professor für Öffentliches Recht ist und von 1991 bis 2006 das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte leitete, ist als Historiker des Rechts nicht nur geübt darin, Schicht um Schicht das Werden des Rechts und seine Anwendung in einer klaren Sprache darzustellen, er ist, als passionierter Leser und Autor auch in der Welt der schönen Literatur zuhause. So kommt im Herbst, wenn sein neues Buch "Margarethe und der Mönch" erscheinen wird, auch einer seiner Lieblinge zu seinem Recht: Der Armenadvokat Firmian Stanislaus Siebenkäs und sein Erbschaftsstreit.

Fallstudien zwischen Literatur und Rechtsgeschichte hat Stolleis für "Margarethe" gesammelt, seit er 2012 seine vielgelobte "Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland" in vier Bänden abschließen konnte. Nach diesem Großprojekt, es gibt seit 2014 auch eine einbändige Zusammenfassung, ist Zeit für anderes, zumal der Frühen Neuzeit will Stolleis sich weiter widmen, der täglich Lyrik liest, das "Instrument der Seele". Der Rechtshistoriker und Autor, der als junger Mann wusste, dass er "etwas mit Büchern und Schreiben" machen wollte, wird nun Mitglied eines Kreises, in dem Wissenschaft und Kunst herausragender Persönlichkeiten vereint sind: Morgen wird Stolleis in Berlin in den Orden Pour le mérite aufgenommen.

emm.

Am 3. Juni um 19.30 Uhr wird Michael Stolleis in der Reihe "Hausgespräche" im Frankfurter Holzhausenschlösschen zum Thema "Europäische Bildung" sprechen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Mai 2015, emm. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.


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