Fragebogen Axel Honneth. Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung

Die Verwirklichung eines "zwanglosen Füreinanders in allen Gesellschaftssphären" ist für Axel Honneth ein Ideal. Auf dem Weg dorthin bedarf es der Anerkennung, die sich unterprivilegierte und privilegierte Gruppen wechselseitig entgegenzubringen haben. Dieser Theorie der Anerkennung hat der Sozialphilosoph Axel Honneth seit seiner Habilitation im Jahr 1990 sein akademisches Leben gewidmet. Stets war ihm dabei an der Weiterentwicklung einer kritischen Gesellschaftstheorie im Sinne der Frankfurter Schule gelegen. Deren Fahne hält der mittlerweile 67 Jahre alte Professor aber nicht nur als Lehrer und als Autor anregender Schriften wie des im vergangenen Jahr veröffentlichten Buchs "Die Idee des Sozialismus" hoch. Seit dem Jahr 2001 ist er auch Direktor des berühmten Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität. (cfr.)

Wohin führen Sie Besucher, die zum ersten Mal hier in die Gegend kommen? Erst in die Kleinmarkthalle, dann ins Institut für Sozialforschung.

Welchen Ort in der Region wollten Sie selbst schon längst einmal besuchen? Heppenheim an der Bergstraße, auch um zu sehen, wo Martin Buber vor seiner Vertreibung durch die Nazis gewohnt hat.

Wen aus Hessen würden Sie gerne kennenlernen? Georg Büchner - was leider nicht mehr möglich ist.

Was tun Sie, wenn Ihnen der Name Ihres Gegenübers nicht einfällt? Ich grüße mit einem kräftigen "Hallo" und hoffe, dass der Name mir einfällt oder vom Gegenüber selbst genannt wird.

Was steht immer auf Ihrem Schreibtisch? Viel zu viel, um es aufzulisten, in der Mitte vor mir aber steht die afrikanische Holzfigur eines Pfeife rauchenden Mannes.

Was würden Sie kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte? Ich würde ein Museum für Sozialforschung errichten lassen, das dem Publikum anhand von Bilddokumenten, Statistiken, Kunstwerken und vielem mehr anschaulich vorführen würde, in welcher Gesellschaft wir leben.

Wie viel Geld haben Sie üblicherweise im Portemonnaie? Selten mehr, als ich tatsächlich brauche.

Welchen Lebenstraum haben Sie aufgegeben? Den Wunsch, mich mit Hegel über so manche Erscheinung unserer Zeit verständigen zu können, musste ich leider schon früh aufgeben.

Wann haben Sie sich zuletzt selbst gegoogelt? Das erledigt meine Frau für mich.

Was machen Sie, wenn Sie unverhofft einen Tag frei haben? Solche Tage nutze ich mit Leidenschaft, um ungestört Texte lesen zu können, die schon längst hätten gelesen werden müssen.

Der perfekte Moment? Die richtige Eröffnung für einen Aufsatz oder ein Buch gefunden zu haben - die Abschlusssätze gelingen mir selten.

Welches Buch brachte Sie in letzter Zeit ins Schwärmen? Ich halte gerade ein Seminar über John Stuart Mills "Über die Freiheit" und bin wieder so begeistert wie bei der ersten Lektüre.

Wann wird es einen muslimischen hessischen Ministerpräsidenten geben? Wenn die hessische Bevölkerung ihn oder sie wählt, wogegen gar nichts spräche.

Ihre größte Leistung? Bob Dylan durch all seine Phasen hindurch, selbst die religiösen, treu geblieben zu sein.

Wie alt möchten Sie werden? Bis ich das Interesse für die Umwelt verloren habe.

Wofür sind Sie dankbar? Für die Familie, die ich habe.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juli 2016, cfr. © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.


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