Neues Haus für normative Ordnungen

Spatenstich für den Neubau des Exzellenzclusters HNO

Von Bernd Frye

UniReport, 5. Juli 2010

Für rund 10,3 Millionen Euro entsteht auf dem Campus Westend der Goethe-Universität der Forschungsbau für den Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ (HNO). Die Baukosten werden je zur Hälfte vom Bund und vom Land getragen. Mit der Fertigstellung des sechsgeschossigen Gebäudes, das nach Plänen der Berliner Architektin Gesine Weinmiller errichtet wird und an der Campus-Hauptzufahrt Ecke Hansaallee/ Lübecker Straße liegt, wird für Ende 2011 gerechnet. Bereits im Oktober 2008 hatte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder das Projekt in ihre Förderung aufgenommen. 52 Anträge waren gestellt worden. Unter den 17 bewilligten Neubauprojekten belegte es den dritten Rang. Bei dem symbolischen Spatenstich am 17. Mai betonten die Redner von Stadt, Land und Universität die Bedeutung des neuen Hauses als Ort des interdisziplinären Austausches mit überregionaler Ausstrahlung.

„Dieser Neubau hat eine besondere Bedeutung für die geisteswissenschaftlichen Fächer der Goethe-Universität. Der vom Bund geförderte Forschungsbau zeigt, dass die hessischen Hochschulen in wichtigen Forschungsgebieten der Zukunft mit an der Spitze stehen“, sagte Gerd Krämer (CDU), Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer trügen zur Weiterentwicklung der Gesellschaft ebenso bei wie die Natur- und Technikwissenschaften, so Krämer weiter. Peter Rost, Bevollmächtigter für die Standortneuordnung und -entwicklung der Universität, hob hervor, dass die „Messlatte“ zur Bewilligung von Forschungsbauten sehr hoch sei. Auch deshalb könne man dem Cluster zu seinem Erfolg gratulieren.

Prof. Rainer Forst, einer der beiden Cluster-Sprecher, erinnerte daran, dass das Frankfurter Projekt das einzige geisteswissenschaftliche Bauvorhaben war, das damals bewilligt wurde. Forst bedankte sich unter anderem beim Universitätspräsidium für die vielfältige Unterstützung: „Es ist in der heutigen Universitätslandschaft nicht immer so, dass die Sozial- und Geisteswissenschaften hoch im Kurs stehen, manchmal wirken sie eher wie Mauerblümchen. Aber in Frankfurt ist das anders. Hier weiß die Universität – wie auch die Stadt –, wie wichtig diese Wissenschaften für die reflexive Kraft einer Gesellschaft sind.“ Der Frankfurter Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth plädierte für einen weiteren Ausbau der Kooperation von Stadt und Universität. Thomas Platte, Direktor des hessischen Baumanagements, das das Land Hessen als Bauherrn vertritt, erläuterte einige Merkmale und Charakteristika des Gebäudes.

Der Neubau sieht Orte des Rückzugs wie auch der Kommunikation vor. „Für beides braucht man eine geeignete Umgebung, die zugleich das einsame Studium für sich selbst und den Austausch mit anderen ermöglicht“, sagte Prof. Klaus Günther, Co-Sprecher des Clusters, bei dem Wissenschaftler verschiedener Disziplinen kooperieren – von der Philosophie, den Geschichtswissenschaften, der Politik- und Rechtswissenschaft über die Ethnologie und die Ökonomie bis zur Theologie. Ziel ist es, die gegenwärtigen Konflikte um die Herausbildung einer neuen Weltordnung zu erforschen. Sie speisen sich zu einem großen Teil aus dem „Verlangen der Menschen nach Gerechtigkeit“ (Klaus Günther). Auch diese geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung lasse sich – so Günther – nicht planen. „Aber es sind auch die günstigen räumlichen Verhältnisse, die zusammen mit den dort wirkenden exzellenten Wissenschaftlern Innovationen wahrscheinlicher machen.“


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