Islamismus oder Post-Islamismus?

Internationale Konferenz am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen" / Gesprächsmöglichkeit für Medienvertreter am Eröffnungstag (13.12.) um 12.30 Uhr


Pressemitteilung

6. Dezember 2013

FRANKFURT AM MAIN. Die Diskussion und Beurteilung aktueller kultureller und politischer Transformationen in der islamischen Welt steht im Mittelpunkt der internationalen Konferenz „Islamism versus Post-Islamism? Mapping topographies of Islamic political and cultural practices and discourses“. Anhand von Länderbeispielen aus Europa, Subsahara- und Nord-Afrika sowie Südostasien wird vergleichend der Frage nachgegangen, ob von einer ungebrochenen Islamisierung von Politik und Gesellschaft gesprochen werden muss oder ob vielmehr eine Tendenz zu Liberalisierung, Demokratisierung und Individualisierung auszumachen ist.

Die Konferenz findet vom 13. bis 15. Dezember 2013 am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität statt. Veranstalter sind der Exzellenzcluster und das Institut für Ethnologie der Goethe-Universität. Die dreitägige, englischsprachige Konferenz umfasst sieben Panels, die jeweils Entwicklungen in bestimmten Weltregionen reflektieren, mit rund 20 Einzelvorträgen. Hinzu kommen Keynotes der Islamwissenschaftlerinnen Gudrun Krämer (FU Berlin) und Katajun Amirpur (Universität Hamburg). Die wissenschaftliche Leitung hat Susanne Schröter, Frankfurter Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen mit einem Schwerpunkt auf der islamischen Welt.

Den Auftakt der Tagung bildet die Keynote von Katajun Amirpur. Die Professorin für islamische Studien und islamische Theologie ist in Hamburg stellvertretende Direktorin der Akademie der Weltregionen. In ihrem Vortrag beschäftigt sie sich mit einer „New Generation of Post-Islamist Thinkers“ am Beispiel des Iran. In der Vergangenheit haben religiöse Intellektuelle im Iran eine dezidiert anti-westliche Haltung eingenommen und auf eigene Traditionen zurückgegriffen. Davon hat sich, so Katajun Amirpur, die nächste Generation befreit – und einen entspannteren Umgang mit „dem Westen“ gefunden. Den iranischen Intellektuellen kommt damit möglicherweise eine Art Vorreiterrolle in der islamischen Welt zu.

In dem auf Europa bezogenen Panel, ebenfalls am Eröffnungstag, spricht die Frankfurter Organisatorin Susanne Schröter über Salafismus in Deutschland und eine zu beobachtende „Sehnsucht nach einem einfachen Leben“ („Longing for a simple life. Salafism in Germany“). Der Salafismus ist die zurzeit am schnellsten wachsende islamistische Bewegung in Deutschland, die vor allem Jugendliche, darunter eine große Anzahl von Konvertiten, anzieht. Basierend auf persönlichen Gesprächen und einer Analyse salafistischer Medien hat Susanne Schröter die Gründe für die besondere Attraktivität salafistischer Lebensentwürfe untersucht.

Kann man nun angesichts der Entwicklungen in vielen Ländern, zumal der islamischen Welt, von einem beginnenden „post-säkularen“ Zeitalter sprechen, dergestalt dass utopische Visionen des politischen Islam zunehmend in konkrete Politiken umgesetzt werden? Oder gibt es – zumindest auch – eine „post-islamistische Wende“, in der islamistische Bewegungen als zentrale Kräfte in Prozessen von autoritärer zu demokratischer Herrschaft fungieren? Die Lage ist komplex, mitunter mehrdeutig und nicht ohne Paradoxien. Zwei Konferenzbeiträge behandeln beispielsweise den Umgang mit Populärkultur und westlichen Lebensweisen.

Pierre Hecker aus Marburg spricht über „Turkey's post-Islamist turn and the meaning of style“. Neue Lebensstile, etwa inspiriert von Rock- und Metal-Musik, fordern die Hegemonie des konservativen Islam im Alltagsleben der Türkei heraus. Die Akteure, so Hecker, erheben Anspruch auf die öffentliche Sphäre und stellen somit auch die politische Legitimität der Regierung in Frage. Ganz anders verhält es sich in Malaysia. Darüber berichtet Dominik Müller (Frankfurt) in seinem Vortrag „Resisting the Post-Islamist Evolution: Pop-Islamist youth politics in Malaysia“. Die Jugendorganisation der islamistischen Oppositionspartei nutzt neue Medien und populäre Musik als Mittel der Verbreitung islamistischen Gedankenguts wie der Forderung nach der Errichtung eines islamischen Staates. Dieser „Pop-Islamismus“, wie Müller ihn nennt, widerlegt die These, wonach die Nutzung moderner Kommunikationsstrategien darauf hindeutet, dass sich islamistische Organisationen bei ihren Forderungen westlichen Werten annähern.

Hinweis an die Redaktionen: Die Konferenz ist presseöffentlich. Insbesondere nach dem Eröffnungsteil mit der ersten Keynote stehen Ihnen die Organisatorin Susanne Schröter und andere Teilnehmende gerne für ein Gespräch zu Verfügung. Möglichkeit dazu besteht in der Konferenzpause am 13.12. ab 12.30 Uhr im Foyer vor dem Tagungsraum EG 01 im Erdgeschoss des Gebäudes „Normative Ordnungen“ (Campus Westend, Hansaallee/Ecke Lübecker Straße). Aus Planungsgründen freuen wir uns über eine kurze Mitteilung, ob Sie zu der Konferenz kommen und vor allem auch an dem Informationsgespräch teilnehmen möchten. Nachricht bitte per Mail an Gunnar Stange vom Organisationsteam: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/alleveranstaltungen/2394-13-15-dezember-2013

Information: Gunnar Stange, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen, Tel. 069/798-33061, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

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