Ringvorlesung „Beyond Anarchy“

Reihe des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit neuen Perspektiven auf die internationale Politik startet am 16. Oktober 2013

Pressemitteilung

10. Oktober 2013

FRANKFURT AM MAIN. Es gibt keine Weltregierung und auch keine übergeordnete Regelungsinstanz, die genug Autorität hätte, drängende globale Herausforderungen – von der Bekämpfung der Armut über die Folgen des Klimawandels bis zur Friedenssicherung – gleichsam von oben herab in Angriff zu nehmen. Auch wegen dieser Abwesenheit zentraler Herrschaft wird das internationale Machtgefüge häufig als „anarchisch“ beschrieben. Doch wie zutreffend ist dieser Befund – zumal in einer sich ändernden normativen Ordnung der internationalen Beziehungen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Ringvorlesung „Beyond Anarchy: Rule and Authority in the International System”.

Die Reihe umfasst in diesem Wintersemester zwölf englischsprachige Vorträge internationaler Experten aus den Politik- und Rechtswissenschaften und der Soziologie. Veranstalter ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Organisiert wird die Ringvorlesung, die am 16. Oktober 2013 im Hörsaalzentrum auf dem Frankfurter Campus Westend beginnt, von Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Christopher Daase.

In den letzten Jahrzehnten haben sowohl Nichtregierungsorganisationen als auch inter- und supranationale Institutionen an Einfluss gewonnen. Der klassische Nationalstaat verliert dagegen immer mehr an Bedeutung. Trotzdem hält sich die Vorstellung einer „Anarchie“ in der internationalen Politik. Und auch wenn auf der überstaatlichen Ebene mittlerweile weitreichende Entscheidungen fallen: Im Sinne der Anarchie-These haben die Staaten die dazu nötige Autorität zuvor delegiert – mit der Option, sie wieder zurücknehmen. Die nicht-staatlichen Entscheidungsstrukturen sind von dieser Warte aus kein Element von Herrschaft im internationalen System.

In einem gewissen Gegensatz dazu steht eine Auffassung, die vor allem von Rechtswissenschaftlern vertreten wird. Demnach sind gesetzliche Regelungen das Kernstück einer modernen Weltordnung. Kennzeichnend für diese Perspektive sind auch eine zunehmende „Zentralisierung“ mit den Vereinten Nationen an der Spitze und die wachsende Zahl internationaler Organisationen.

Die Ringvorlesung thematisiert das Spannungsfeld zwischen den zwei Perspektiven und stellt dabei eine Frage, die beide gleichermaßen betrifft: Was genau ist jeweils mit Autorität und Herrschaft auf internationaler Ebene gemeint? Auch mit diesem Zugang soll das Verständnis für die Veränderungen in der internationalen normativen Ordnung geschärft werden.

Der erste Redner der Reihe ist zugleich einer der profiliertesten Wissenschaftler auf seinem Gebiet. Die Ringvorlesung beginnt am 16. Oktober mit Prof. Robert O. Keohane von der Princeton University. Der Politikwissenschaftler spricht um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum (HZ 3) über „New Modes of Pluralist Global Governance“. Als eine neue Art der pluralistischen globalen Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung stellt Keohane „Global Experimentalist Governance“ in das Zentrum seiner Ausführungen. Charakteristisch für diese Vorgehensweise sind u.a. eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten, aus dem öffentlichen wie auch privaten Bereich, ohne formale Hierarchien. Zu den Voraussetzungen des Gelingens gehören eine prinzipielle Aufgeschlossenheit für die grundsätzlichen Ziele und eine starke Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen Akteuren und Experten. Beispiele sind die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht.

Die hochkarätige Ringvorlesung bietet fast im Wochentakt ein neues Thema und einen neuen Blickwinkel auf die sich verändernde internationale Politik. Von Seiten des Exzellenzclusters mit dabei sind Prof. Nikita Dhawan (23.10.13: „The Politics of the Governed: Alter-Globalization and Subalternity“), Prof. Armin von Bogdandy (15.1.14: „The Advent of International Public Authority“) und Prof. Harald Müller (29.1.14: Anarchy, Hierarchy, Polyarchy, Monarchy or else? What sort of global rule for a time of power change?). Ebenfalls zum Cluster gehören die Organisatoren der Reihe, Prof. Nicole Deitelhoff und Prof. Christopher Daase. Sie halten am 12. Februar 2014 den abschließenden Vortrag mit dem Titel „A Gordian Knot? Rule and Resistance in International Relations“.

Alle Vorlesungen finden im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Sie beginnen jeweils um 18.15 Uhr. Bitte beachten: Die Vorträge finden innerhalb des Hörsaalzentrums in wechselnden Hörsälen statt. Die Raumnummern sowie alle Termine im Überblick finden sich im Programm.

Programm:
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Kontakt:
Prof. Nicole Deitelhoff, Goethe Universität Frankfurt, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Campus Westend, Tel.: 069-798-31444, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

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Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
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