Peter Burke spricht zum Abschluss der Ringvorlesung Reihe zur Übersetzung von Normen und Normativität endet am 5. Februar 2015 mit einem Vortrag des renommierten Kulturhistorikers

Pressemitteilung

29. Januar 2015

FRANKFURT AM MAIN. Das Finale der Ringvorlesung „Translating Normativity: New Perspectives on Law and Legal Transfers“ ist gleichzeitig ihr Höhepunkt. Am 5. Februar kommt Peter Burke, der international als einer der bedeutendsten Kulturhistoriker gilt, an die Goethe-Universität. Der Cambridge-Professor widmet sich einem Thema, das für die Beschäftigung mit Fragen des Rechtstransfers zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen grundlegend ist: „Translating norms: strengths and weaknesses of a concept”. Sein öffentlicher Vortrag in englischer Sprache beginnt um 18.15 Uhr im Casinogebäude (Raum 1801) auf dem Campus Westend.

Veranstalter der jetzt zu Ende gehenden Ringvorlesung ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität in besonderer Zusammenarbeit mit dem Partner des Exzellenzclusters, dem Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. Was passiert, wenn rechtliche Normen in einen neuen kulturellen oder sprachlichen Kontext übertragen werden? Wie verändert sich das Recht, wie verändert sich seine Normativität? Vor allem auch diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Reihe, deren Ziel es ist, das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Fremden und dem Eigenen in interkulturell verflochtenen Rechtsbildungsprozessen zu beleuchten.

Recht und rechtliches Wissen waren im Laufe der Geschichte stets über Kulturgrenzen hinweg in Bewegung. Die Aufnahme fremden Rechts erfolgte teils freiwillig, teils wurde sie von außen erzwungen. Nach Systemumbrüchen oder Regimewechseln sowie im Rahmen der juristischen Entwicklungszusammenarbeit dient ausländisches Recht regelmäßig als Vorbild bei der Erschaffung einer stabilen und funktionsfähigen Rechtsordnung. Bei den damit verbundenen Vorgängen handelt es sich jedoch nicht um ein lineares Geben oder Nehmen. Ein erkenntnisleitender Begriff der Ringvorlesung ist deshalb die „kulturelle Übersetzung“. Damit soll der Blick auf die Eigendynamiken gerichtet werden – von der Begegnung, Verständigung und Aushandlung bis zu Widerständen.

In seinem Vortrag diskutiert Peter Burke die Stärken aber ebenso mögliche Schwächen des Konzepts „cultural translation“ unter besonderer Berücksichtigung der Übersetzung rechtlicher Normen. Das Konzept der kulturellen Übersetzung sei, so Burke, eine Möglichkeit, kulturellen Wandel auf verschiedenen Gebieten zu beschreiben. Im Fall des Rechts müsse auch berücksichtigt werden, dass es bereits in einem bestimmten kulturellen Kontext formuliert wurde. Das Recht wird also nicht, wie auch die rechtswissenschaftliche Forschung zeigt, schlicht durch die Hand des Gesetzgebers geschaffen, sondern ist stets schon verwoben mit Sprache und Tradition.

Peter Burke, der in Oxford studiert hat, ist emeritierter Professor für Kulturgeschichte an der Universität Cambridge. International bekannt wurde er durch seine Werke zur Renaissance und deren Sozialgeschichte. Seine 26 Bücher und rund 200 Artikel sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Seine jüngste, im Jahr 2014 auf Deutsch erschienene Monographie „Die Explosion des Wissens. Von der Encyclopedie bis Wikipedia“ geht der Geschichte des Wissens und der Wissensgesellschaft der vergangenen 250 Jahre nach.

Information: Dr. Lena Foljanty, Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Tel. (069) 78978-186, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.rg.mpg.de, www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

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