Videokunst mit Wissenschaft während der B3 Biennale. Das "Sense of Doubt"-Projekt des Frankfurter Exzellenzclusters präsentiert sich noch bis zum 11. Oktober mit bewegten Bildern und wissenschaftlichen Veranstaltungen

Pressemitteilung

2. Oktober 2015

FRANKFURT. Der „Zweifels-Sinn“ geht auf die Zielgerade. Das wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Sense of Doubt. Wider das Vergessen“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität läuft noch bis zum 11. Oktober. So lange werden im Metzler-Park des Museum Angewandte Kunst auch noch die 18 Videoarbeiten gezeigt. Zu den kommenden öffentlichen Veranstaltungen des Projekts gehört unter dem Titel „Journeys“ eine Podiumsdiskussion zur Rolle des Rechts und staatlicher Grenzziehungen in der jüngeren Migrationsgeschichte mit Bezug auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Vom 7. bis zum 11. Oktober ist „Sense of Doubt“ zudem Bestandteil des offiziellen Festivalprogramms der B3 Biennale des bewegten Bildes, die zum zweiten Mal in Frankfurt und Umgebung stattfindet, und zu der 200 Künstler, Filmemacher, Designer, Internetspezialisten, Softwareexperten und Wissenschaftler aus aller Welt erwartet werden.

Die im Rahmen von „Sense of Doubt“ gezeigten Videos stammen aus der Sammlung Associacao Cultural Videobrasil in Sao Paulo. Ein Schwerpunkt liegt hier auf der Welt des so genannten Globalen Südens, Lateinamerika, Afrika, Osteuropa, Asien und dem Mittleren Osten. Bei den audiovisuellen Kunstwerken im Museumspark greift das Projekt auf die Auswahl „memo?rias inapaga?veis“ („unauslöschliche Erinnerungen“) des spanischen Kurators Agustín Pérez Rubio zurück. Hierzu zählen Filme über fernere Vergangenheiten wie den Sklavenhandel zwischen Afrika und Brasilien und jüngere wie den Kampf von Ureinwohnern im Amazonasgebiet gegen einen Ölkonzern oder das Massaker auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“. Aber auch aktuellere Geschehnisse werden thematisiert – darunter die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die weltweiten Migrationsbewegungen.

Die Videos haben Formen der Unterdrückung und des Widerstandes zum Inhalt, die den geopolitischen Süden teilweise schon seit Jahrhunderten prägen. Sie versuchen, die Erinnerungen an Konflikte, Verfolgung und Gewalt vor dem Vergessen zu bewahren. Dabei nehmen die Videoarbeiten teil an den Deutungskämpfen über diese Ereignisse, vor allem gegenüber den „Meisterzählungen“ der Herrschenden. Um diesen Erzählungen der Macht entgegenzutreten, braucht es einen ausgeprägten Sinn zum Zweifeln. Das wissenschaftlich-künstlerische Projekt will ihn wecken und schärfen. Auch im Dialog mit dem Publikum probieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters ihren „Sense of Doubt“ aus.

Flankierend zum Ausstellungsprojekt ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Er enthält einführende Texte, Informationen zu den Videos und kurze Essays, in denen sich Mitglieder des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes aus der Sicht ihrer Disziplin mit einzelnen Videos auseinandersetzen. Der Katalog ist während der Ausstellungszeit und am Ausstellungsort kostenlos erhältlich. Auch der Video-Parcours und die öffentlichen Veranstaltungen, die grundlegende Themen der Videos aufnehmen und weiterführen, können bei freiem Eintritt besucht werden.

Die nächsten Vortrags- und Diskussionstermine (jeweils im Vortragssaal des Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 15, 60594 Frankfurt am Main):

7. Oktober 2015, 17 Uhr
Vortrag: Kunst – Experiment – Leben
Prof. Dr. Christoph Menke (Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Rechtsphilosophie und Politische Philosophie an der Goethe-Universität)

8. Oktober 2015, 18.30 Uhr
Podiumsdiskussion: Journeys
Prof. Dr. Günter Frankenberg (Professor für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Goethe-Universität), Prof. Dr. Jens Steffek (Professor für Transnationales Regieren an der Technischen Universität Darmstadt) und Mitarbeitende von Pro Asyl

8. Oktober 2015, 20 Uhr
Podiumsdiskussion: Schwarz ist die Farbe. Ein Dialog über Sklaverei und Kunst
Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität) und Prof. Dr. Juliane Rebentisch (Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main)

9. Oktober 2015, 16 Uhr
Podiumsdiskussion: Imaginative Dokumentationen struktureller Gewalt
Dr. Anja Peltzer (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Mannheim) und Jochen Schuff (Institut für Philosophie, Goethe-Universität)

„Sense of Doubt. Wider das Vergessen“ ist ein Projekt des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ gemeinsam mit Sesc Sao Paulo, Associacao Cultural Videobrasil, dem Museum Angewandte Kunst und Dr. Paula Macedo Weiß Kulturproduktion, im Rahmen der B3 Biennale des bewegten Bildes. Weitere Kooperationspartner sind das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, die Städelschule Frankfurt am Main und das Goethe-Institut Sao Paulo. Das Projekt wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Programm: www.normativeorders.net/senseofdoubt

Kontakt:
Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.normativeorders.net/de/
Dorothee Maas, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Museum Angewandte Kunst, Tel.: 069/212-32828, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.museumangewandtekunst.de


Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
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Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
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