Reihe beleuchtet Normenkonflikte in pluralistischen Gesellschaften. Die aktuelle Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 28. Oktober 2015

Pressemitteilung

20. Oktober 2015

FRANKFURT AM MAIN. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte geht es zunehmend auch um die Frage, wie eine steigende Zahl von Menschen verschiedener kultureller Herkunft und Weltanschauung erfolgreich integriert werden kann. Hier gilt es, Vielfalt zu gestalten, Werte gegeneinander abzuwägen und Grenzen rechtlicher und religiöser Toleranz zu definieren. Wie das – grundsätzlich gesehen und an Fallbeispielen betrachtet – gelingen könnte, ist Thema der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in diesem Wintersemester. Die Reihe mit Vorträgen in deutscher und englischer Sprache beginnt am 28. Oktober und heißt „Normenkonflikte in pluralistischen Gesellschaften“, „Norm Conflicts in Pluralistic Societies”.

Kulturelle Diversität ist ebenso ein Merkmal moderner pluralistischer Gesellschaften wie Differenzen in Bezug auf Lebensstile, sexuelle Orientierungen und weltanschauliche Bekenntnisse. Die Frage lautet nicht mehr, ob Homogenisierung oder Heterogenisierung erwünscht sei, sondern wie Pluralität gestaltet und Normenkonflikte verhandelt werden können. In den Sozial- und Geisteswissenschaften werden die möglichen Effekte gesellschaftlicher Pluralisierung, von Entsolidarisierung über Hybridisierung bis zu neuen Formen der Vergemeinschaftung, ebenso kontrovers diskutiert wie probate Lösungsansätze, beispielsweise Toleranz, Anerkennung und Verständigung auf gemeinsame Werte.

Auseinandersetzungen werden gegenwärtig vor allem um religiöse und Gendernormen geführt (u.a. Kopftuchdebatte, Karikaturenstreit), um Inklusionen und Exklusionen zu rechtfertigen und kollektive Identitäten zu konstruieren. Grundsätzlich stellt sich die Frage nach den Rechtfertigungsnarrativen für bestimmte Normen bzw. nach konfligierenden Referenzrahmen (Menschenrechte vs. kulturelle Rechte, Abwägung unterschiedlicher Rechtsgüter), in denen Normen legitimiert oder delegitimiert werden.

Im Rahmen der Ringvorlesung sollen neue theoretische und empirische Befunde zu Normenkonflikten in pluralistischen Gesellschaften vorgestellt und debattiert werden – auch im Hinblick auf ihr Potential, Normenwandel und neue Formen der Integration von Differenzen voranzutreiben. Zu den insgesamt sieben Vortragenden gehören Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Dezernentin für Integration der Stadt Frankfurt am Main, und Prof. Rudolf Steinberg, Rechtswissenschaftler und ehemaliger Präsident der Goethe-Universität. Organisiert wird die Reihe von einem Team um Prof. Susanne Schröter. Die Ethnologin ist Mitglied des Exzellenzclusters und leitet das Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) am Exzellenzcluster.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Alle Vorträge finden im Hörsaalzentrum (Raum HZ 10) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Die Termine im Überblick:

28. Oktober 2015
Prof. Dr. Alison Dundes Renteln (University of Southern California)
Recognizing the Human Right to a Name and the Implications for Giving and Changing Personal Names

11. November 2015
Prof. em. Dr. Rudolf Steinberg (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Toleranz und religiöse Pluralität am Beispiel von Kopftuch und Burka

25. November 2015
Dr. Nargess Eskandari-Grünberg (Dezernat XI - Integration, Frankfurt am Main)
Chancen und Herausforderungen einer diversen Gesellschaft

2. Dezember 2015
Prof. Dr. Olivier Roy (European University, Florence)
When and Why does a Religious Norm Become Unacceptable in the Public Space?

16. Dezember 2015
Prof. Dr. Marie-Claire Foblets (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale))
Accommodating Islam within the framework of Western Legal Thinking. An Impossible Mission?

20. Januar 2016
Prof. Dr. Kabir Tambar (Stanford University, California)
Brotherhood in Dispossession: State Violence and the Minority Question in Turkey

3. Februar 2016
Prof. Dr. Yüksel Sezgin (Syracuse University New York)
Democratizing “Shari’a”: How Liberal Democracies Apply and Regulate Muslim Family Laws

Information: Oliver Bertrand (FFGI), Sekretariat von Prof. Dr. Susanne Schröter, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. (069)798-33062, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,  www.normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/ringvorlesungen

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto "Wissenschaft für die Gesellschaft" in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften."

Herausgeber: Die Präsidentin
Abteilung Marketing und Kommunikation,
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Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
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